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WM 2026

Schottland 0:1 Marokko: Saibari-Blitztor nach 73 Sekunden - Atlas-Loewen vor Sechzehntelfinale

Schottland - Marokko 0:1 (0:1) bei der WM 2026: Saibari trifft in der 2. Minute aus dem Foxborough-Halbraum, Marokko vor Sechzehntelfinale, Schottland in der K.-o.-Lage.

Von Marco Feldmann 20. Juni 2026

Ismael Saibari (PSV Eindhoven) feiert sein Tor zum 1:0 fuer Marokko bei der WM 2026 gegen Schottland im Gillette Stadium in Foxborough am 19. Juni 2026 (Foto: Ulrik Pedersen/ZUMA Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Marokko hat das zweite Gruppe-C-Spiel der WM 2026 gegen Schottland mit 1:0 (1:0) gewonnen und uebernimmt mit vier Punkten die Tabellenfuehrung der Gruppe vor dem dritten Spieltag. Ismael Saibari, 25-jaehriger Spielmacher von PSV Eindhoven, traf bereits in der zweiten Minute nach einem Steckpass von Brahim Diaz aus dem rechten Halbraum in den langen Winkel, fuer Schottland war es spaeter zu wenig. Das Spiel begann am 19. Juni 2026 um 18:00 Uhr Ortszeit EDT, in Mitteleuropa 20. Juni 00:00 MESZ, im Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts, der NFL-Heimstaette der New England Patriots. Mit dem zweiten Treffer im zweiten WM-Auftritt loest Saibari Mohamed Timoumi (1986) als marokkanischen Rekord-Mann fuer das schnellste WM-Tor ab und reiht sich nach Mohamed Salah als zweiter Afrikaner ein, der in seinen ersten beiden WM-Partien trifft.

2. Minute: Saibari haut den Ball in den Winkel

Der Anpfiff war noch keine 73 Sekunden alt, da fiel das Tor des Abends. Marokko liess sich nach dem ersten Ballbesitz nicht in das Mittelfeld der Schotten ziehen, sondern spielte direkt. Brahim Diaz, der 26-jaehrige Real-Madrid-Mittelfeldmann, drehte nach einer Ballrueckeroberung im eigenen Drittel auf und spielte aus der zentralen Mittellinie einen flachen, scharfen Steckpass zwischen Grant Hanley und Jack Hendry in den rechten Halbraum. Saibari nahm den Ball in voller Bewegung an, ging zwei Schritte in den Strafraum hinein und haemmerte mit dem rechten Innenrist in das lange obere Eck. Angus Gunn flog hinterher, kam aber nicht heran.

Es war ein Treffer wie ein Statement. Marokkos Trainer Mohamed Ouahbi, seit dem Maerz-Wechsel von Walid Regragui im Amt, hatte vor der WM die Anweisung ausgegeben, das marokkanische 4-1-4-1 schon im ersten Druck-Block des Gegners die direkte Pass-Linie zwischen den Linien zu nutzen. Saibari, im 1:1 gegen Brasilien noch der ueberraschende Ausgleichs-Lupfer-Schuetze, fuegte sich diesmal aus der achten Position in den Konter ein und stand in der Schlussbewegung wie ein klassischer Stuermer. Das Tor war Marokkos schnellster WM-Treffer der Geschichte; der bisherige Rekordhalter Mohamed Timoumi hatte beim 0:1 gegen England 1986 in der achten Minute getroffen.

Hakimi, El Aynaoui, El Khannouss: die marokkanische Chancen-Phase nach dem Blitztor

Mit der Fuehrung im Ruecken nahm Marokko die Schotten in der ersten halben Stunde komplett aus dem Spiel. Achraf Hakimi, der PSG-Kapitaen, scheiterte in der 18. Minute aus elf Metern an einer reaktionsschnellen Fussspitze von Angus Gunn, das 2:0 lag in der Luft. Neil El Aynaoui haemmerte in der 30. den Ball aus zentralen 18 Metern ueber die Latte, sechs Minuten spaeter zog Bilal El Khannouss vor Gunn frei und schoss den Ball deutlich zu hoch. Die marokkanische Tiefenstaffelung mit dem Innenverteidiger-Duo Chadi Riad / Nayef Aguerd hielt die Schotten ueber das gesamte erste Drittel der Partie aus dem letzten Drittel heraus.

In der 50. Minute, kurz nach dem Wiederanpfiff, klatschte Saibaris Distanzschuss vom Strafraumrand nach einer Schottland-Mannfeld-Beruehrung an das Lattenkreuz. Zwei Minuten spaeter zog El Khannouss in den Strafraum und koepfte nach einer Hakimi-Hereingabe scharf in Richtung Tor, Gunn pflueckte den Ball mit einer der besten Paraden des bisherigen Turniers aus dem Winkel. Marokko verzeichnete in der Statistik fuenf Grosschancen, traf eine.

Schottlands zweite Halbzeit: Steigerung ohne Tor

Schottland brauchte 49 Minuten, um die erste Strafraum-Aktion auf das marokkanische Tor zu produzieren. Lewis Ferguson, 26, der Bologna-Profi und in der vergangenen Saison Serie-A-Pokalsieger, marschierte nach einem Diagonal-Spielzug aus dem rechten Halbraum in den Sechzehner und ging nach einem Bein-Kontakt von Ayyoub Bouaddi zu Boden. Tantashev wertete den Kontakt als nicht strafraumwuerdig und liess weiterspielen, der VAR wurde nicht einberufen. Ferguson sagte nach dem Spiel der Sportschau: “Wir hatten den schlechtesten Start, den man sich vorstellen kann. Wir haben bis zum Tor nicht einmal den Ball beruehrt. Unsere Leistung in der zweiten Haelfte war richtig gut. Ich glaube, dass wir einen Punkt verdient gehabt haetten.”

Die schottische Drangphase blieb dennoch torlos. Ryan Christie zog in der 64. aus 16 Metern halbrechts ab und verfehlte das rechte untere Eck um wenige Zentimeter, Scott McTominay, der Napoli-Profi und einzige schottische Spieler mit Champions-League-Status, kam in der 85. nach einer abgefaelschten Hereingabe an den Ball, traf aber nur das Aussennetz. John McGinn, der schottische Kapitaen und MD1-Torschuetze gegen Haiti, hatte in der 45.+1 einen Volley aus zwoelf Metern, der weit ueber das Tor segelte. Steve Clarke wechselte in der 67. Che Adams fuer Christie ein und in der 76. Lyndon Dykes fuer Ferguson, der erhoffte Druck-Aufbau ueber zwei Stuermer blieb aber im hohen marokkanischen Block stecken.

Saibari schreibt marokkanische WM-Geschichte

Saibari ist die Geschichte dieses Spiels und langsam die Geschichte der marokkanischen Vorrunde. Geboren in Terrassa bei Barcelona als Sohn marokkanischer Eltern, aufgewachsen in Belgien mit Jugendkarrieren bei Beerschot, Anderlecht, Mechelen und Genk, seit Juli 2020 bei PSV Eindhoven, drei niederlaendische Meisterschaften in Folge und in der vergangenen Saison Eredivisie-Spieler des Jahres. Drei Staatsbuergerschaften, eine Wahl: 2022 entschied sich Saibari fuer das Land seiner Eltern. Mit dem Treffer gegen Schottland steht er bei 32 Laenderspielen und zwoelf Toren fuer Marokko, im Wettbewerb zwischen Strafraum-Stuermer und Achter-Spielmacher hat er bei dieser WM eine eigene Kategorie gefunden.

Statistisch ist Saibari nach Mohamed Salah erst der zweite afrikanische WM-Spieler, der in seinen ersten zwei Endrunden-Partien getroffen hat. Salah hatte 2018 in Russland beim 1:2 gegen die Saudis und beim 1:2 gegen Uruguay je einmal getroffen. Saibari verkuerzt die Liste der marokkanischen Doppelpacker bei WM-Turnieren weiter: Ahmed Faras 1970, Abdeljalil Hadda 1998, Salaheddine Bassir 1998, Hakim Ziyech 2022 hatten in einzelnen Spielen mehrere Tore erzielt, aber kein marokkanischer Spieler hatte vorher in seinen ersten zwei WM-Auftritten getroffen. Nach Abpfiff fasste Saibari die marokkanische Tiefenkonstellation zusammen: “Das fuehlt sich sehr gut an. Wir haben alle dasselbe Ziel und denselben Traum. Wir sind wie eine Familie. Uns ist egal, gegen wen wir spielen, wir wollen jedes Spiel gewinnen.”

Tabelle Gruppe C nach MD2: Marokko 4, Schottland 3

Mit dem 1:0 ueberholt Marokko die Schotten in der Gruppe C und fuehrt vor dem dritten Spieltag mit vier Punkten und einer Tordifferenz von plus eins. Schottland bleibt nach dem 1:0 gegen Haiti vom 14. Juni in Foxborough bei drei Punkten und einer Tordifferenz von null. Die Brasilianer, im 1:1 zwischen Saibari und Vinicius gestartet, spielen am Samstagabend um 03:00 MESZ in Philadelphia das parallele MD2-Match gegen Haiti, das im Auftakt 0:1 gegen Schottland verloren hatte.

Drei Konstellationen sind nach diesem Spiel realistisch. Bei einem brasilianischen Sieg gegen Haiti waere die Tabellenspitze vor MD3 dreigeteilt: Marokko 4, Brasilien 4, Schottland 3, Haiti 0. Im MD3 spielen am 24. Juni in Inglewood Schottland gegen Brasilien und in Miami Marokko gegen Haiti. Ein marokkanischer Sieg gegen Haiti waere bei sieben Punkten die Sechzehntelfinal-Sicherung; Schottland braucht in Inglewood mindestens ein Unentschieden gegen Brasilien, um die K.-o.-Runde anzupeilen, mit einer Niederlage haengt der Sechzehntelfinal-Einzug am Vergleich der besten Gruppendritten.

Schiedsrichter Tantashev pfeift souveraene erste WM-Partie

Pfiff fuehrte Ilgiz Tantashev, 41, aus Tashkent, Usbekistan. Tantashev ist seit 2015 FIFA-Schiedsrichter und gilt in der Asian Football Confederation seit Jahren als einer der ruhigeren Spielleiter. Es war seine WM-Premiere. Die einzige Strafraumszene mit Wirkung war die Ferguson-Beruehrung in der 49., die er als nicht strafstosswuerdig beurteilte, der VAR liess die Entscheidung stehen. Kein Spieler bekam in 90 Minuten Gelb. Tantashevs Linie war von Beginn an darauf ausgelegt, kleinere Zweikaempfe laufen zu lassen, was beiden Mannschaften das Tempo der zweiten Halbzeit erlaubte.

Die FIFA hatte fuer die WM 2026 zwoelf asiatische Referees nominiert, Tantashev ist nach Mohammed Al-Hoaish (Saudi-Arabien) der zweite, der ein WM-Spiel pfeift. Die naechste asiatische Pfeifenwahl steht am 24. Juni an, wenn der Iran in seinem letzten Vorrundenspiel auf den Gastgeber USA in Inglewood trifft, fuer das Spiel ist Adham Makhadmeh aus Jordanien gesetzt.

Was am dritten Spieltag in Miami und Inglewood auf dem Spiel steht

Marokko hat mit vier Punkten und plus eins Tordifferenz die beste Ausgangslage und braucht gegen Haiti im Hard Rock Stadium von Miami am 24. Juni voraussichtlich nur ein Unentschieden, um die K.-o.-Runde sicher zu erreichen. Saibari, Diaz und Hakimi werden in der naechsten Aufstellung wieder von Beginn an stehen, El Aynaoui mit seinem hohen Lauf-Aufkommen ist die Wechseloption fuer die letzte halbe Stunde. Die Geheim-Favoriten-Position, die Marokko vor dem Turnier eingenommen hatte, ist vier Tage nach dem 1:1 gegen Brasilien handfest geworden.

Schottland kommt mit der schottlandtypischen Spannung in das letzte Spiel: Drei Punkte sind die Mindest-Trefferquote fuer den dritten Tabellenplatz, ein Punkt aus Inglewood gegen die Brasilianer wird vermutlich nicht reichen, um die acht besten Gruppendritten zu gewinnen. Steve Clarke wird voraussichtlich nicht an seinem 4-2-3-1 ruetteln, die Aufstellungs-Personalfragen liegen in der Doppelsechs zwischen Lewis Ferguson und Billy Gilmour. McGinn, McTominay und Christie waren in den ersten zwei Spielen die schottische Tor-Hoffnung, die statistisch geringe Anzahl an Strafraum-Aktionen ist aber das groessere Problem als die Effizienz. Fuer die Tartan Army, die zweite WM-Endrunde seit 1998 nach 28 Jahren Quali-Schmerz, bleibt das Turnier mindestens noch eine Nacht in Inglewood am 24. Juni 2026 spannend.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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