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WM 2026

Schweiz-Bosnien 4:1: Manzambi-Doppelpack rettet Yakins WM-Vorrunde

Spielbericht Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina (4:1, 18.06.2026 SoFi Stadium): Yakin-Dreifachwechsel um die 70., Manzambi-Doppelpack, Muharemovic-Rote, Xhaka-Strafstoss.

Von Marco Feldmann 18. Juni 2026

Johan Manzambi im SC-Freiburg-Trikot im Europa-League-Finale gegen Aston Villa am 20. Mai 2026. Vier Wochen spaeter wird der 20-Jaehrige bei der WM in Inglewood zum Spieler des Abends (Foto: Cody Froggatt / SportImage). Foto: SportImage via SmartFrame

Dreissig Minuten Zugzwang, vier Tore in 23 Minuten und ein 20-jaehriger Mittelfeldspieler, der am Ende neben Captain Granit Xhaka unter den Kabinen-Saeulen mit dem Spieler-des-Spiels-Pokal in der Hand steht. Die Schweiz hat ihr WM-Endspiel von Inglewood mit 4:1 gegen Bosnien-Herzegowina gewonnen und fuehrt vor dem letzten Gruppenspiel die Gruppe B an. Der Abend gehoerte den Eingewechselten - allen voran Johan Manzambi (20, SC Freiburg), dessen Doppelpack das Spiel binnen einer Viertelstunde aus den Angeln hob.

Tor-Chronologie: Manzambi 74., Vargas 84., Mahmic 90.+3, Manzambi 90., Xhaka 90.+7

Die ersten 60 Minuten waren zaeh. Bosnien stand mit Edin Dzeko von Beginn an kompakt im 4-3-3, die Schweiz spielte um Yann Sommer, Manuel Akanji und Xhaka herum die erwarteten Ablaeufe, fand aber kein finales Tempo. Dan Ndoye hatte in der 10. und 13. Minute zwei sehenswerte Schussszenen, jeweils ungenau. Memic auf bosnischer Seite und Kerim Alajbegovic mit der Vorlage auf den freien Dzeko (41.) verhinderten in der ersten Halbzeit, dass die Schweiz das Geschehen kontrollieren konnte. Pausenstand 0:0.

Nach dem Wiederanpfiff dasselbe Bild. Yakin reagierte um die 70. Minute mit einer Dreifach-Auswechslung: Johan Manzambi, Ruben Vargas und Zeki Amdouni kamen, das Spiel kippte sofort. In der 74. Minute kombinierte sich die Schweiz ueber die linke Seite in den Strafraum, Manzambis Abschluss aus 14 Metern schlug links unten ein - 1:0. Zehn Minuten spaeter (84.) bediente Manzambi den ebenfalls eingewechselten Vargas, der eiskalt zum 2:0 verwandelte.

Die letzten Minuten kippten ins Verlieren - und dann zurueck. 79. Minute: Tarik Muharemovic brachte Breel Embolo auf dem Weg zum Tor knapp ausserhalb des Strafraums zu Fall, Rot wegen Notbremse. Bosnien spielte ab da in Unterzahl, der Freistoss von Xhaka aus 22 Metern verfehlte das Eck. In der 90.+3 verkuerzte Ermin Mahmic nach einer kurzen Ecke und einem Volley-Aufsetzer aus 14 Metern auf 2:1 - der Moment, in dem in Inglewood Zaehne knirschten. Manzambi antwortete sofort: ein langer Pass von Akanji, der Joker laeuft am Sechzehner allein durch, schiebt rechts unten ein - 3:1, 90. Minute. Den Schlusspunkt setzte Xhaka in der 90.+7 vom Elfmeterpunkt, nachdem Embolo im Strafraum gefoult worden war. 4:1-Endstand.

Yakins Dreifach-Wechsel: wie aus 0:0 ploetzlich 2:0 wurde

Die Statistik des Abends zeigt einen klaren Bruch um die 70. Minute. Bis dahin hatten die Schweizer eine ordentliche Halbzeit-Plus zwischen Embolo, Ndoye und Xhaka gespielt, aber ohne den letzten Pass. Erst Manzambi, Vargas und Amdouni brachten Tempo, Spiel-uebernahme und eine Tiefe in die letzte Reihe, die Bosnien nicht mehr verteidigen konnte. Yakin selbst formulierte es nach dem Spiel knapp: “Wir haben guten Fussball gespielt. Vor allem die Spieler, die reinkamen, haben den Unterschied gemacht. Mit diesem Hunger und dieser Qualitaet machen wir weiter.”

Die taktische Frage stellt sich damit fuer das letzte Gruppenspiel umgekehrt: muessen Manzambi und Vargas am 24. Juni in Vancouver gegen Kanada in der Startelf stehen? Yakin liess am Mittwoch-Vorabend offen, ob er die Kette der Etablierten - Ndoye, Embolo, Freuler - antasten will. Der Sieg gegen Bosnien legt das Dilemma offen, aber er entscheidet es nicht. Aus Sicht der Schweiz hilft, dass Vancouver wieder reichlich Drei-Tage-Pause bedeutet.

Der Joker des Abends - 20 Jahre, SC Freiburg, zwei Tore

Manzambi war im Schweizer Aufgebot bis Mittwoch noch der Spieler mit Fragezeichen. In unserem Vorbericht zum Bosnien-Spiel hatten wir ihn als wahrscheinlichen Joker neben Amdouni eingeordnet - dass er als matchentscheidender Faktor enden wuerde, hatten nur wenige auf der Rechnung. Der 20-Jaehrige im offensiven Mittelfeld des SC Freiburg kam 2022 aus dem Servette-Genf-Nachwuchs in den Breisgau und stieg 2024 in den Profikader auf. Sein Vertrag in Freiburg laeuft bis 2030, ohne explizite Ausstiegsklausel. Nach Spielende sagte Manzambi: “Das ist wie ein Traum. Ich kann an einer WM zwei Tore schiessen und Spieler des Spiels werden. Schlafen wird heute schwer.”

Manzambi war zudem im Europa-League-Finale Mitte Mai 2026 fuer Freiburg im Einsatz - dort verlor sein Klub zwar gegen Aston Villa, der Standing seines Namens hatte sich aber bereits verschoben (siehe das Headerfoto vom 20. Mai im Besiktas Park).

Muharemovic-Rot und das spaete Mahmic-Tor

Die Rote Karte gegen Tarik Muharemovic in der 79. Minute war fuer das Spiel die zweite Wende: Bosnien wollte mit elf Mann noch die letzte Energie in die Schlussphase legen, jetzt musste Sergej Barbarez umstellen. Der Ausgleich von Mahmic in der Nachspielzeit war damit fast eine Trotz-Reaktion - in der 90.+3, in Unterzahl, bewies Bosnien, dass es bis zur 95. Minute kicken wollte. Es war aber Manzambis dritter Sprint in den Sechzehner, der das Spiel endgueltig entschied: 3:1 in der 90. Minute, im direkten Konter nach dem Anstoss.

Xhakas Antwort auf die Vorgeschichte

Granit Xhaka war in den 24 Stunden vor dem Spiel das mediale Zentrum der Schweizer Delegation. Im eigenen Stueck zur Blick-Geschichte hatten wir die These ausformuliert, dass sich mehrere Schweizer Spieler durch die oeffentliche Kritik des Kapitaens an der Mannschaftsleistung gegen Katar unwohl gefuehlt haetten. Nach dem 4:1 von Inglewood gab Xhaka die kurze Antwort: “Es gibt Menschen, die nicht mit Kritik umgehen koennen.”

Aus sportlicher Sicht hatte er auch die Pflicht-Mathematik im Blick: “Wir wissen, was wir zu tun haben. Mit diesem Hunger und dieser Qualitaet machen wir weiter.” Den Strafstoss in der 90.+7 verwandelte der Kapitaen routiniert in der Mitte des Tores - ein typisches Xhaka-Schlusszeichen.

Gruppe B vor MD3 - was die Schweiz in Vancouver braucht

Die Gruppe B liest sich nach MD2 voellig anders als nach MD1. Die Schweiz fuehrt mit vier Punkten und +3 Tordifferenz, dahinter sortiert sich das Feld nach dem Parallelspiel Kanada gegen Katar im BC Place Vancouver, das parallel zum Inglewood-Schlusspfiff lief. Aus Schweizer Sicht steht damit fest: ein Remis im letzten Gruppenspiel am 24. Juni 2026 in Vancouver gegen Kanada reicht in den meisten Konstellationen fuer das Achtelfinale. Ein Sieg gegen den Mit-Gastgeber wuerde die Gruppe vorzeitig sichern. Eine Niederlage hingegen oeffnet wieder Rechenspiele.

Bosnien-Herzegowina steht weiter bei einem Punkt und -3 Tordifferenz. Im Spiel gegen Katar am 24. Juni 2026 im Lumen Field Seattle ist nur noch ein Sieg eine echte Option auf den dritten Platz - und der reicht in der erweiterten 48er-Drittplatzierten-Rechnung nur mit Schuetzenhilfe und einer kompakten Tordifferenz.

Fuer die Schweiz ist die WM 2026 damit weiter offen. Die Joker-Show von Inglewood hat geliefert, was die Nation seit dem Katar-Schock am Samstag erwartet hatte: einen Pflichtsieg mit deutlicher Handschrift. Den Rest entscheidet Vancouver.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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