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WM 2026

Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina: das fruehe Endspiel der WM-Gruppe B in Inglewood

Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina am 18.06.2026 im SoFi Stadium. Beide nach MD1 bei 1 Punkt, Yakin unter Druck, Dzeko zurueck auf grosser Buehne. Vorbericht, TV, FAQ.

Von Marco Feldmann 18. Juni 2026

Edin Dzeko vor dem entscheidenden WM-Playoff-Halbfinale gegen Wales am 26. Maerz 2026 in Cardiff. Bosniens 40-jaehriger Kapitaen traf am Ende der regulaeren Spielzeit zum Ausgleich und brachte die Mannschaft auf den Weg zur ersten WM-Endrunde seit 2014 (Foto: SportImage). Foto: SportImage via SmartFrame

Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina - dieses Spiel war im Dezember-Auslosungsstand der Nicht-Knaller der Gruppe B. Sechs Tage nach den Auftakt-Ueberraschungen ist es das fruehe Endspiel der Vorrunde. Beide Teams sind nach dem 1. Spieltag mit einem mageren Punkt aus dem Rennen, beide stehen unter sofortigem Zugzwang, und beide schicken am Donnerstagabend um 21:00 Uhr MESZ im SoFi Stadium in Inglewood ihre staerkste Elf auf das Rasen. Fuer die Schweiz von Murat Yakin geht es darum, das verschenkte Spiel gegen Katar zu reparieren. Fuer Bosnien-Herzegowina von Sergej Barbarez geht es um den ersten WM-Endrunden-Sieg seit dem 3:1 gegen Iran 2014 - und um die Bestaetigung, dass das 1:1 in Toronto kein Zufall war.

Termin, Anstoss und TV: alles zum Schweiz-Bosnien-Spiel im SoFi Stadium

Datum18. Juni 2026, Donnerstag
Anstoss21:00 Uhr MESZ (12:00 Uhr Ortszeit PDT in Los Angeles)
StadionSoFi Stadium, Inglewood (~70.000 Plaetze, halb-offenes Dach)
WettbewerbWM 2026, Gruppe B, 2. Spieltag
Uebertragung DeutschlandMagentaTV (Stream, Pay)
Uebertragung SchweizSRF zwei (Live, deutschsprachig)
Uebertragung BosnienBHRT (oeffentlich-rechtlich, live)
Schiedsrichteroffen (FIFA-Ansetzung erfolgt 24 Stunden vorher)
BedeutungPflichtsieg-Druck Schweiz, Bosniens Punkt-Zwischenstand muss verteidigt werden

Das SoFi Stadium liegt in Inglewood, nur eine Viertelstunde westlich vom Los Angeles International Airport, und ist seit der Eroeffnung 2020 das modernste NFL-Stadion der USA. Der Anstoss am fruehen Donnerstagabend MESZ trifft die DACH-Quote praktisch perfekt: rund um die Mittagshitze auf der amerikanischen Westkueste bei voraussichtlich 23 bis 25 Grad, in Deutschland kurz nach Feierabend.

Schweiz unter Zugzwang: was das 1:1 gegen Katar veraendert hat

Sechs Tage ist es her, da hatte das Schweizer Lager den klaren Plan: drei Punkte gegen Katar, mit Vorlaufer fuer Bosnien und den Showdown gegen Kanada. Die Realitaet sah anders aus. Im Levi’s Stadium in Santa Clara ging die Schweiz nach 17 Minuten durch einen verwandelten Foulelfmeter von Breel Embolo in Fuehrung - und brachte die folgenden 78 Minuten kein zweites Tor mehr zustande. In der 95. Minute koepfte Boualem Khoukhi nach einem ruhenden Ball den Ausgleich (siehe unseren Spielbericht zum 1:1 gegen Katar). Aus Sicht der Eidgenossen war es ein verlorener Punkt.

Aus dem Lager San Diego folgte ein Strudel, den das Schweizer Boulevardblatt ‘Blick’ in der Nacht auf den 17. Juni publik machte: Kapitaen Granit Xhaka hatte sich nach Abpfiff vor laufenden Kameras klar und scharf zur Mannschaftsleistung geaeussert (“Wir muessen die Zuegel anziehen, sonst fahren wir nach drei Spielen heim”), und mehrere Mitspieler sollen sich laut Blick durch die oeffentliche Form unwohl gefuehlt haben - die ganze Stimmungsbild-Frage liefert unser Stueck zur Xhaka-Kritik. Stuermer Ruben Vargas stellte sich oeffentlich vor seinen Kapitaen (“Ich finde es gut, wenn man Dinge anspricht”); Yakin selbst hielt sich auf der Mittwochs-PK in Long Beach knapp, betonte aber, “wir haben kein internes Problem”.

Die Frage, mit der die Schweiz am Donnerstagabend in Inglewood einlaeuft, ist damit nicht mehr nur sportlich. Sie ist auch psychologisch: kann diese Mannschaft drei Tage nach dem Katar-Schock und 24 Stunden nach einer Boulevard-Welle wieder die Konzentration aufs Wesentliche legen? In den drei vergangenen Turnieren - WM 2018, WM 2022, EURO 2024 - hat sie das in jeder Vorrunde geschafft. Aber zwischen Anspruch und Soll-Stand klafft seit Samstag eine groessere Luecke als ueblich.

Yakins Aufstellungs-Frage: Sommer, Vargas, eine Dreierkette?

Die zentrale Personalfrage betrifft das Tor. Yann Sommer (Inter Mailand, 38 Jahre, ueber 90 Caps) war gegen Katar die Nummer eins; die internen Debatten in San Diego haben in den letzten Tagen aber wiederholt Gregor Kobel (Borussia Dortmund) als Alternative ins Spiel gebracht. Yakins Praeferenz dafuer ist Erfahrung im internationalen Spitzenspiel; Kobels Mathematik ist juenger und reaktionsschneller. Die wahrscheinliche Entscheidung bleibt zu Sommer.

In der Vier-Mann-Abwehr ist die Achse Manuel Akanji (Inter Mailand) und Nico Elvedi (Borussia Moenchengladbach) gesetzt; Silvan Widmer (Mainz 05) auf rechts und Ricardo Rodriguez auf links komplettieren. Aurele Amenda (Eintracht Frankfurt) sitzt bereit. Ein Wechsel ins 3-4-3 mit Akanji-Elvedi-Amenda waere die taktische Anpassung, die Yakin frueher schon gegen Frankreich versucht hat - laut Lager-Informationen ist sie aber gegen Bosnien nicht der Plan A.

Im Mittelfeld bildet Granit Xhaka (Sunderland, 145 Caps) das Zentrum. Hinter ihm sortieren sich Remo Freuler (Bologna) und Denis Zakaria (AS Monaco) - eine der erfahrensten Sechser-Achsen des Turniers. Vorne setzt Yakin auf Breel Embolo (Stade Rennes) als zentrale Spitze, Dan Ndoye (Nottingham Forest) auf rechts und Ruben Vargas (Eintracht Frankfurt) auf links. Zeki Amdouni (Burnley) ist der wahrscheinlichste Joker, Cedric Itten und Fabian Rieder sitzen als Reserve dahinter (siehe unser Kader-Stueck zum Schweizer Aufgebot).

Bosnien nach dem Punkt von Toronto: Barbarez bleibt beim 4-3-3

Auf der anderen Seite kommt Bosnien-Herzegowina mit Selbstvertrauen nach Inglewood. Das 1:1 gegen Kanada im BMO Field hat gezeigt, wie Barbarez seine Mannschaft sehen will: kompakt, mit langen Fluegelangriffen und Standard-Staerke. Jovo Lukic koepfte in der 21. Minute nach einer Eckenverlaengerung von Sead Kolasinac die Fuehrung; nur in der 78. Minute glich Cyle Larin nach Einwechslung von Marsch zum 1:1 aus (siehe unseren Spielbericht zum Bosnien-Auftakt in Toronto).

Im Zentrum steht Edin Dzeko, 40 Jahre alt, 148 Laenderspiele, 73 Tore. Sein juengster Vereinswechsel sorgte fuer Aufsehen: er spielt seit dem Sommer 2025 wieder in der 2. Bundesliga beim FC Schalke 04, nachdem er ueber Jahre fuer Roma, Inter und Fenerbahce in Europas Spitzenligen aktiv war. Der Stuermer hat in den vergangenen 20 Jahren in jedem Kalenderjahr fuer Bosnien getroffen - ein in dieser Form seltener Allzeitrekord. Im Maerz 2026 traf er im Playoff-Halbfinale gegen Wales in Cardiff City Stadium in der spaeten Nachspielzeit zum Ausgleich und legte damit den Grundstein fuer den Bosnischen Weg in die WM-Endrunde.

Hinter Dzeko sortieren sich Mittelfeld-Stratege Miralem Pjanic (115 Laenderspiele, mittlerweile CSKA Moskau), Linksverteidiger Sead Kolasinac, Innenverteidiger Anel Ahmedhodzic (Sheffield United) und Sturm-Joker Said Hamulic (RB Salzburg). Im Tor steht voraussichtlich Nikola Vasilj (FC St. Pauli), der gegen Kanada beim Larin-Ausgleich ohne Chance war. Trainer Sergej Barbarez - 54 Jahre alt, in Mostar geboren, in Hamburg, Dortmund und Leverkusen Bundesliga-Legende und einst Bundesliga-Torschuetzenkoenig 2000/01 - hat seit seinem Amtsantritt am 19. April 2024 ein stabiles 4-3-3 implementiert. Aus dem Kanada-Spiel duerften alle elf Startelf-Spieler wieder dabei sein; Verletzungssorgen sind aus dem Lager keine bekannt.

Direktduell-Historie: Bosnien gewann das letzte Mal 2016

Das vorherige direkte Duell zwischen beiden Teams ist zehn Jahre alt: im Maerz 2016 schlug Bosnien-Herzegowina die Schweiz in einem Vorbereitungsspiel auf die EURO 2016 mit 2:0. Insgesamt gab es in der Geschichte beider Verbaende nur eine Handvoll Partien, weil Bosnien-Herzegowina erst 1996 in den UEFA-Spielbetrieb zurueckkehrte. Die Gesamtbilanz Ende 2026 ist ausgeglichen, mit dem Auswaerts-Sieg der Bosnier 2016 als juengstem Datenpunkt. Sportschau-Tagesplan und de.wikipedia.org bestaetigen beide den Stand.

Was steht auf dem Spiel: Achtelfinal-Rechnung in Gruppe B

Die Gruppe B ist nach beiden 1:1-Resultaten am MD1 die offenste der WM-2026-Vorrunde. Alle vier Teams - Kanada, Schweiz, Katar, Bosnien-Herzegowina - liegen punktgleich bei einem Zaehler, alle haben dieselbe Tordifferenz, alle koennen sich rechnerisch noch direkt qualifizieren. Drei Szenarien fuer den Donnerstag:

  • Sieg Schweiz: 4 Punkte, Tabellenfuehrung, braucht im letzten Gruppenspiel gegen Kanada in Vancouver nur noch einen Punkt fuer das sichere Achtelfinale.
  • Sieg Bosnien: 4 Punkte, erste WM-Tabellenfuehrung der Verbandsgeschichte (seit der Unabhaengigkeit 1992), im letzten Spiel gegen Katar reicht ein Remis fuer den Achtelfinal-Einzug.
  • Remis: alle vier Teams beieinander, der MD3 entscheidet alles. Schweiz spielt dann gegen Kanada (Vancouver), Bosnien gegen Katar (Seattle), parallel um 18:00 Uhr MESZ.

Parallel laeuft um 00:00 Uhr MESZ Kanada gegen Katar im BC Place Vancouver, in dem Mit-Gastgeber-Kapitaen Alphonso Davies sein Comeback nach der Oberschenkelverletzung feiert (siehe unser Stueck zum Davies-Comeback). Aus Schweizer und Bosnischer Sicht waere ein Kanada-Sieg in Vancouver das Worst-Case-Szenario, weil der Mit-Gastgeber dann mit vier Punkten ueber dem Strich stehen wuerde - und der Druck im letzten Gruppenspiel wuerde damit asymmetrisch verteilt.

Stimmen vor dem Spiel

Murat Yakin (Schweizer Trainer) auf der Mittwochs-PK in Long Beach: “Wir haben drei Tage Zeit gehabt, das Katar-Spiel zu verarbeiten. Das reicht. Jetzt geht es nur noch um Inglewood. Wir wollen das Spiel diktieren, wollen die Initiative haben - und wollen frueh die Wege zum Tor finden, die wir gegen Katar nach der Fuehrung nicht mehr gegangen sind.”

Granit Xhaka (Schweizer Kapitaen) nach dem oeffentlichen Training am Mittwoch: “Wir wissen, wo wir stehen. Wir haben uns selbst in diese Situation gebracht, und wir holen uns auch selbst wieder raus. Die naechsten 90 Minuten entscheiden, ob wir bei dieser WM noch ueber mehr als eine Vorrunde reden.”

Sergej Barbarez (Bosnien-Trainer): “Wir haben in Toronto gezeigt, dass wir bei dieser WM mithalten koennen. Gegen die Schweiz gehen wir nicht als Aussenseiter aufs Feld. Wir wissen, was wir koennen, und wir haben mit Edin Dzeko einen Spieler, der das Endspiel-Gefuehl seit zwei Jahrzehnten kennt.”

Anstoss in Inglewood ist um 21:00 Uhr MESZ. Wer am Ende ueber dem Strich steht, weiss am spaeten Abend ganz Mitteleuropa.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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