Südafrikas WM-Kader 2026: Broos vertraut dem Sundowns-Pirates-Block - und Hannovers Ime Okon
Hugo Broos hat Südafrikas WM-Kader benannt: Kapitän Williams, Stürmer Foster, Routinier Zwane - und mit Ime Okon (Hannover 96) der einzige Deutschland-Bezug.
Von Marco Feldmann 28. Mai 2026
Vier Tage vor der FIFA-Frist zur Kaderabgabe hat Südafrikas belgischer Bundestrainer Hugo Broos sein vorläufiges Aufgebot für die Fußball-WM 2026 zusammen. 33 Spieler stehen im Kreis - aus diesem Pool wählt Broos bis zum 1. Juni die endgültigen 26. Im Zentrum stehen drei Geschichten: ein dominanter Klub-Block aus Mamelodi Sundowns und Orlando Pirates, der mehr als die Hälfte des Kaders stellt, der einzige Bundesliga-Bezug der Mannschaft beim Zweitligisten Hannover 96 - und das prominenteste Auftaktspiel des Turniers gegen Gastgeber Mexiko im Estadio Azteca.
Broos’ 33er-Pool - die Aufteilung
Broos hat sich für eine sturmlastige Aufteilung entschieden: fünf Torhüter, zehn Verteidiger, sieben Mittelfeldspieler und elf Stürmer/offensive Mittelfeldspieler. Damit lässt der Trainer auf den drei Offensivpositionen die größte interne Konkurrenz zu - eine direkte Folge des Stils, mit dem er die Quali bestritten hat: schnelles Umschaltspiel über die Außenbahnen, mit Foster oder einem rotierenden Mittelstürmer als Zielspieler.
Im Tor führt Kapitän Ronwen Williams (Mamelodi Sundowns) das Quintett an. Williams ist nach dem Afrika-Cup 2024 der wohl bekannteste Bafana-Bafana-Spieler abseits von Foster - im Viertelfinale gegen Kap Verde parierte er drei Elfmeter im Elfmeterschießen, eine Leistung, die ihn in der internationalen Wahrnehmung nach vorne brachte. Hinter ihm stehen Brandon Petersen (Kaizer Chiefs), Sipho Chaine (Orlando Pirates), Ricardo Goss (Siwelele FC) und Renaldo Leaner (Sekhukhune United).
In der Abwehr setzt Broos auf eine Mischung aus südafrikanischen Routiniers (Aubrey Modiba, Khuliso Mudau, Nkosinathi Sibisi) und einer auffälligen Auslandsfraktion: Samukelo Kabini (Molde FK in Norwegen), Olwethu Makhanya (Philadelphia Union, MLS), Mbekezeli Mbokazi (Chicago Fire, MLS) und Ime Okon (Hannover 96, 2. Bundesliga). Vier Verteidiger im Auslandsformat zeigt eine Generation, die Broos in vier Jahren bewusst aufgebaut hat.
Mamelodi Sundowns und Orlando Pirates - der duale Klub-Block
Wer in der südafrikanischen Premier Soccer League gewinnen will, kommt an zwei Vereinen nicht vorbei: Mamelodi Sundowns aus Pretoria, achtmaliger Meister in Serie, und Orlando Pirates aus Soweto, eine der größten Marken des afrikanischen Fußballs. Beide stellen zusammen 17 der 33 Spieler in Broos’ Kreis - acht von Sundowns, neun von den Pirates.
Bei Mamelodi Sundowns versammelt Broos die Spieler, die in den letzten Jahren CAF Champions League gespielt haben: Kapitän Williams, Mudau und Modiba in der Abwehr, Jayden Adams, Teboho Mokoena und Thapelo Morena im Mittelfeld, Iqraam Rayners und der 36-jährige Routinier Themba Zwane vorn. Bei Orlando Pirates dominieren die jüngeren Profile - Sibisi und Mofokeng in der Abwehr beziehungsweise im Angriff, dazu Maswanganyi, Appollis, Makgopa und Moremi als verschiedene Offensiv-Optionen.
Der Vorteil dieser Konzentration: Eingespielte Verbindungen aus dem Vereinsalltag. Williams kennt die Innenverteidiger der Sundowns blind, Mokoena weiß, wann Modiba auf der linken Außenbahn vorstößt. Der Nachteil: Wenn zwei Pirates-Spieler nicht in Form sind, fehlt der Mannschaft schnell ein Drittel der Achse. Die Statistik der CAF-Qualifikation - 18 Punkte aus zehn Spielen, fünf Siege, drei Remis - spricht für den Pragmatismus dieser Konstruktion. Im Turnier wird sie unter Druck gestellt.
Hugo Broos - der Belgier, der Afrika kennt
Broos’ Biografie macht klar, warum der südafrikanische Verband 2021 einen Belgier holte. Als Spieler stand er als rechter Verteidiger 24-mal im belgischen Nationaltrikot. Seine Trainerkarriere verlief jahrelang unauffällig in Belgien, Frankreich und Algerien - bis er 2017 völlig überraschend mit Kamerun den Afrika-Cup gewann. Eine Mannschaft, die niemand auf der Rechnung hatte, schlug im Finale Ägypten mit 2:1.
Seit Mai 2021 trainiert Broos die Bafana Bafana. Sein erster großer Wurf war der dritte Platz beim Afrika-Cup 2024 in der Elfenbeinküste, wo Südafrika erst im Halbfinale am späteren Sieger Nigeria scheiterte - im Elfmeterschießen, mit Williams als Held. Anschließend führte er das Team durch eine CAF-Qualifikation in Gruppe C, in der Südafrika als Erster vor Nigeria, Benin und Ruanda landete. Beim Afrika-Cup 2025 in Marokko erreichte die Mannschaft das Viertelfinale, ehe Kamerun mit 2:1 die Reise beendete - eine Niederlage, die im Verband nach den Erwartungen nach dem dritten Platz im Vorjahr kritisch eingeordnet wurde.
Broos’ Vertrag läuft bis zur WM 2026. Was danach kommt, ist offen.
Williams, Foster, Zwane - die Achse für Nordamerika
Drei Spieler stehen sportlich im Zentrum.
Ronwen Williams ist mit 64 Länderspielen der am häufigsten eingesetzte Torhüter im aktuellen Kader und der unbestrittene Kapitän. Seine Mischung aus Linientreue und Mut bei Eins-gegen-Eins-Situationen hat dem Team in zwei Turnieren in Folge den entscheidenden Halt gegeben. Bei Mamelodi Sundowns hat er Erfahrung in der CAF Champions League und in der FIFA Klub-WM 2025 in den USA gesammelt - das Turniergelände in Nordamerika ist ihm bekannt.
Lyle Foster ist der Stoßstürmer, an dem Broos sein Offensivkonzept ausrichtet. Der 25-Jährige spielt beim FC Burnley und hat in 30 Länderspielen zehn Tore geschossen - ein ordentlicher Schnitt für einen Mannschaftsstürmer, der vorrangig die Wege für andere öffnet. Foster wechselte 2023 von KVC Westerlo zu Burnley und hat in den vergangenen Jahren neben sportlichen Hochs auch eine längere, öffentlich gemachte Pause aus mentalen Gründen verkraften müssen. Sein Comeback in das Nationalteam wurde im Verband als Erleichterung verbucht.
Themba Zwane, geboren 1989, ist mit 36 Jahren der Routinier des Aufgebots. Der offensive Mittelfeldspieler von Mamelodi Sundowns hat in seiner Heimat alles gewonnen, was zu gewinnen war, und galt vor zwei Jahren als Endstation seiner Nationalmannschaftskarriere - bis Broos ihn beim Afrika-Cup 2024 zurückholte und Zwane mit zwei Toren wesentlichen Anteil am dritten Platz hatte. In Nordamerika ist Zwane einer der wenigen Spieler im Kader, die schon einmal ein WM-Turnier als TV-Zuschauer verfolgt haben, ohne selbst eingeladen worden zu sein - 2010 war er als 21-Jähriger noch ohne Profivertrag.
Ime Okon - Südafrikas Hannover-96-Verbindung
Im Aufgebot steht ein Spieler mit deutschem Klub-Bezug: Ime Okon, 22, Innenverteidiger bei Hannover 96 in der 2. Bundesliga. Geboren am 20. Februar 2004, kam Okon ursprünglich aus dem südafrikanisch-nigerianischen Nachwuchsbereich; sein Vater wuchs in Nigeria auf, seine Mutter in Südafrika, und Okon entschied sich nach Jugendlehrgängen für beide Verbände schließlich für die Bafana Bafana.
Bei Hannover 96 spielte sich Okon in der Saison 2025/26 zur Stammkraft in der Innenverteidigung. Seine ersten Einsätze für die Bafana Bafana absolvierte er in der Quali-Endphase im Herbst 2025; in der Statistik des südafrikanischen Verbandes stehen für ihn sieben Länderspiele und ein Tor vor der WM.
Für Hannover 96 ist Okons WM-Nominierung mehr als eine Randnotiz: Es ist die erste Nominierung eines aktiven 96-Profis für eine Männer-Weltmeisterschaft seit Mohammed Abdellaoue 2010 (Norwegen, nicht qualifiziert) und der erste 96-Spieler im Aufgebot eines WM-Teilnehmers seit Jahren. Im deutschen Profifußball bleibt der südafrikanische Verband ansonsten unterrepräsentiert - Okon ist die einzige Schnittstelle des Kaders mit dem deutschen Ligenpyramide.
Gruppe A: Mexiko, Südkorea, Tschechien - und das Eröffnungsspiel
Das Los der Bafana Bafana hat eine seltene Symmetrie: Wie 2010 als Gastgeber eröffnet Südafrika auch 2026 das WM-Turnier gegen Mexiko. Damals in Johannesburg endete das Spiel 1:1 mit dem berühmten Tor von Siphiwe Tshabalala. Diesmal ist Südafrika Auswärtsteam im Eröffnungsspiel - im Estadio Azteca, das mit 83.000 Plätzen das größte WM-Stadion der Gruppe A ist und bereits 1970 sowie 1986 WM-Finals beherbergt hat.
In Gruppe A trifft Südafrika außerdem auf zwei Mannschaften mittlerer Stärke: Südkorea unter Hong Myung-bo und Tschechien unter Ivan Hašek. Mexiko gilt als Favorit der Gruppe, dahinter ist der zweite Platz - der direkt ins Sechzehntelfinale führt - zwischen Südkorea, Tschechien und Südafrika nahezu offen. Die FIFA-Weltrangliste sieht Südkorea auf Rang 23, Tschechien auf 32 und Südafrika auf 56; sportlich ist die Lücke zu beiden Europäern aber kleiner, als die Zahlen suggerieren.
Spielplan in deutscher Zeit
- 11. Juni 2026, 21:00 MESZ: Mexiko gegen Südafrika, Mexiko-Stadt (WM-Eröffnungsspiel).
- 18. Juni 2026, 18:00 MESZ: Tschechien gegen Südafrika, Atlanta.
- 25. Juni 2026, 03:00 MESZ: Südafrika gegen Südkorea, Monterrey (Anstoß lokal am Mittwoch, 24. Juni, abends).
Das dritte Gruppenspiel ist - wie viele Mexiko-Begegnungen - eine nächtliche Angelegenheit für deutsche Zuschauer. Den vollständigen Überblick liefert der WM-Spielplan.
Was 2026 anders ist als 2010
Bei der WM 2010 trat Südafrika als Gastgeber an - der einzige Grund, warum die Mannschaft überhaupt teilnahm, denn sportlich hatte sie sich nicht qualifiziert. Es folgte ein bitteres Vorrundenaus trotz vier Punkten aus drei Spielen (Mexiko 1:1, Uruguay 0:3, Frankreich 2:1). Die Heim-WM markierte gleichzeitig das letzte WM-Turnier der Bafana Bafana für sechzehn Jahre - 2014, 2018 und 2022 verpasste das Team jeweils die Qualifikation.
2026 ist das erste WM-Turnier, für das sich Südafrika seit 2010 wieder qualifiziert hat - und es ist die erste sportliche Qualifikation seit 2002 in Südkorea/Japan. Die Mannschaft kommt nicht mehr aus dem Heimvorteil heraus, sondern aus einer dreijährigen Aufbauarbeit unter Broos. Der Erwartungsdruck ist niedriger, die sportliche Substanz höher.
Schwester-Aufgebote im Kader-Vergleich: Ägypten baut um Salah und Hossam Hassan, Marokko um Hakimi und einen neuen Trainer Tarik Ouahbi, Senegal um Pape Thiaw und einen Bayern-Profi. Die vier afrikanischen Teilnehmer haben damit ein gemeinsames Strukturmerkmal: Jeder schickt einen Trainer aus einer eigenen Tradition - Pharaonen-Ikone bei Ägypten, marokkanischer Inlandscoach bei Marokko, Ex-Spieler bei Senegal, belgischer Importeur bei Südafrika.
Bis zur Frist - was noch ansteht
- 28. Mai 2026: Bekanntgabe des 33er-Pools (kicker bestätigt heute).
- 1. Juni 2026: FIFA-Frist für die endgültige 26er-Liste.
- Mai/Juni 2026: Trainingslager in Südafrika, anschließend Reise nach Pachuca, wo das Quartier-Hotel Camino Real Pachuca liegt; trainiert wird auf dem Gelände der Universidad del Fútbol.
- 11. Juni 2026, 21:00 MESZ: WM-Auftakt gegen Mexiko in Mexiko-Stadt.
Bis zur Frist muss Broos sieben Spieler streichen. Auf der Liste der wahrscheinlich Gestrichenen stehen vor allem die jüngeren Innenverteidiger Kabini und Ndamane - beide gelten als Lernstandort für das Turnier nach 2026, weniger als Optionen für die Sechzehntelfinal-Wochen jetzt. Auch unter den vier Sundowns-Mittelfeldspielern wird Broos eine Reduktion erwägen, weil sonst die Außenbahnen-Optionen aus Orlando Pirates zu eng besetzt werden. Den Block der Säulen - Williams, Mudau, Modiba, Mokoena, Foster, Zwane, Maswanganyi - dürfte er unangetastet lassen.
Mehr zur Vorrundenkonkurrenz der Bafana Bafana findet man in der Team-Übersicht Südafrika und in den Profilen der drei Gruppengegner aus Gruppe A.
Häufige Fragen zum Südafrika-Kader für die WM 2026
Wer steht in Südafrikas WM-Kader 2026? Trainer Hugo Broos hat ein vorläufiges 33-Mann-Aufgebot benannt: fünf Torhüter, zehn Verteidiger, sieben Mittelfeldspieler und elf Stürmer. Kapitän ist Ronwen Williams (Mamelodi Sundowns), prominenteste Namen sind Lyle Foster (Burnley), Themba Zwane (Mamelodi Sundowns) und Ime Okon (Hannover 96). Bis zum 1. Juni muss Broos den Kreis auf 26 Spieler kürzen.
Wer ist Trainer der Bafana Bafana 2026? Hugo Broos, 74 Jahre alt, geboren in Belgien. Broos coacht Südafrika seit Mai 2021, wurde 2017 mit Kamerun Afrika-Meister und holte 2024 mit der Bafana Bafana den dritten Platz beim Afrika-Cup.
In welcher Gruppe spielt Südafrika bei der WM 2026? In Gruppe A - mit Gastgeber Mexiko, Südkorea und Tschechien. Auftakt ist am 11. Juni 2026 um 21:00 MESZ das WM-Eröffnungsspiel gegen Mexiko im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt.
Welcher Spieler aus dem Südafrika-Kader spielt in Deutschland? Innenverteidiger Ime Okon (22) von Hannover 96 in der 2. Bundesliga. Er ist der einzige Bundesliga- bzw. 2. Liga-Profi im aktuellen Aufgebot und gab im November 2025 sein Länderspieldebüt.
Welche Klubs dominieren das südafrikanische Aufgebot? Mamelodi Sundowns (acht Spieler) und Orlando Pirates (neun Spieler) stellen zusammen 17 der 33 Profis. Aus dem Ausland kommen unter anderem Lyle Foster (Burnley), Samukelo Kabini (Molde FK), Olwethu Makhanya (Philadelphia Union) und Ime Okon (Hannover 96).
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.