Trump bleibt dem US-WM-Auftakt fern: Rubio führt die Regierungsdelegation in Los Angeles
US-Präsident Trump bleibt dem WM-Heim-Auftakt der USA gegen Paraguay fern. Außenminister Marco Rubio führt die Delegation in Los Angeles - mit Peña-Treffen am Rande.
Von Marco Feldmann 11. Juni 2026
Der Gastgeber-Präsident bleibt dem US-Heim-Auftakt der Fußball-WM 2026 fern: Nach übereinstimmenden Berichten von “Politico” und der Sportplattform “The Athletic” plant Donald Trump keinen persönlichen Besuch des Eröffnungsspiels der USA gegen Paraguay am Freitagabend Ortszeit Los Angeles. Stattdessen führt Außenminister Marco Rubio die offizielle Regierungsdelegation an. Begleitet werden soll er von Transportminister Sean Duffy und Heimatschutzminister Markwayne Mullin. Mit dem Außenminister an der Spitze ist der ranghöchste Vertreter des Weißen Hauses beim Heim-Auftakt nicht der Präsident, sondern sein Chefdiplomat - und das ist nach einem halben Jahr inszenierter FIFA-Trump-Choreografie eine bemerkenswerte Lücke im Programm.
Was “Politico” und “The Athletic” berichten
Beide US-Quellen berufen sich auf “Personen mit Kenntnis der Lage” - eine bewusst vage Formulierung, die in Washington meistens auf direkte Insider-Briefings hindeutet, ohne dass das Weiße Haus die Nachricht selbst absetzt. Das State Department hat auf Anfrage lediglich die Teilnahme Rubios bestätigt; ein offizielles Statement des Präsidialamts liegt nicht vor. Vorerst gilt also: Trump-Abwesenheit als bestätigte Berichtslage, nicht als bestätigte Pressemitteilung. Was sich daraus ableiten lässt, ist gleichwohl eindeutig genug - im offiziellen Protokoll der USA als Co-Gastgeber fehlt der Präsident.
Das Eröffnungsspiel der USA gegen Paraguay markiert sportlich den Start der Gruppe D der WM 2026. Termin: Samstag, 13. Juni 2026, 03:00 Uhr MESZ - also Freitagabend 18:00 Uhr Ortszeit (PDT) im SoFi Stadium in Inglewood, einem Vorort südwestlich von Los Angeles. Die taktischen und sportlichen Details samt Modell-Prognose hat der Wett-Vorbericht zu USA - Paraguay abgedeckt. Politisch ist die Partie das eigentliche US-Heim-Premiere-Spiel der WM, nachdem das große Eröffnungs-Showcase mit Mexiko gegen Südafrika am 11. Juni in Mexiko-Stadt stattfindet.
Rubio, Duffy, Mullin - die Ersatz-Delegation
Die jetzt bekannte Aufstellung der US-Regierung für SoFi Stadium liest sich wie ein Delegationsprotokoll, nicht wie ein Präsidenten-Auftritt:
- Marco Rubio, Außenminister, Delegationsleiter.
- Sean Duffy, Transportminister, zuständig für die Verkehrslogistik rund um die WM-Spielorte und für die FAA-Koordination der zahlreichen Inlandsflüge zwischen den USA-Standorten.
- Markwayne Mullin, Heimatschutzminister, zuständig für die Sicherheitsarchitektur des Turniers in den USA - inklusive der Schnittstelle zum FBI, zur Geheimdienstkoordination und zum Grenzschutz.
Vizepräsident JD Vance ist in den Berichten nicht erwähnt. Auch Innenminister, Justizminister oder First Lady tauchen in der bisherigen Liste nicht auf. Damit wird die Delegation kleiner ausfallen als die üblichen US-Regierungs-Showcases bei Olympia-Eröffnungsfeiern oder Super-Bowl-Halbzeitshows. Für das Weiße Haus ist das ein bewusster Strich zwischen “WM-Inszenierung” und “Tagesgeschäft”: Die Großauftritte hat Trump bereits geliefert - beim WM-Auslosungs-Event am 5. Dezember 2025, beim Klub-WM-Finale im Juli 2025 und bei mehreren Oval-Office-Auftritten mit FIFA-Präsident Gianni Infantino, die unsere Chronologie der Infantino-Trump-Beziehung aufgearbeitet hat.
Rubio-Peña-Gipfel am Rande: Sicherheit, Handel, Technologie
Der politisch interessanteste Termin steht nicht auf dem Spielfeld, sondern in den Hospitality-Räumen des SoFi Stadium. Rubio plant am Rande der Partie ein Treffen mit Paraguays Präsident Santiago Peña. Themen sind laut Mitteilung des State Department “regionale Sicherheit, Handel, Investitionen und neue Technologien”. Peña, seit August 2023 im Amt und ehemaliger IWF-Ökonom, hat seinen Kurs auf eine enge Anbindung an Washington ausgerichtet. Paraguay ist zudem einer der wenigen Staaten der Region, die Taiwan diplomatisch anerkennen - ein Punkt, der die strategische Bedeutung des Landes für die US-Außenpolitik erklärt.
Damit wird das WM-Auftaktspiel protokollarisch zu einem bilateralen Diplomatie-Format umfunktioniert. Für Rubio ist die Tribüne im SoFi Stadium ein vergleichsweise informelles Setting, in dem sich politische Themen ohne den Druck eines Staatsbesuchs platzieren lassen. Für Peña ist es zugleich eine seltene Bühne, um an der Seite des US-Außenministers wahrgenommen zu werden - mit weltweiter TV-Reichweite. Ein klassisches “Sport-Diplomatie”-Format mit greifbarem politischem Subtext.
Symbolik der Abwesenheit: Warum gerade jetzt?
Trumps Fernbleiben ist auf den ersten Blick überraschend, weil die FIFA-Trump-Inszenierung seit über einem Jahr darauf hingearbeitet hat, die WM 2026 als Bühne für den Präsidenten zu nutzen. Trump hat die Auslosung am 5. Dezember 2025 in Washington persönlich begleitet und an diesem Tag den eigens geschaffenen FIFA Peace Prize entgegengenommen. FIFA hat operative Büros im Trump Tower in Manhattan eingerichtet und die Tagungs-Geographie näher an Mar-a-Lago verlegt. Auch die Infantino-Pressekonferenz am Mittwochabend in Mexiko-Stadt, in der der FIFA-Präsident jede Kritik an Ticketpreisen und Visa-Politik zurückwies, war Teil dieser Choreografie.
Für die Abwesenheit beim US-Auftakt gibt es mehrere plausible Lesarten:
- Sicherheitslage in Los Angeles. Inglewood liegt im Herzen der Metro-Region, in der seit dem späten Frühjahr 2026 Spannungen rund um die ICE-Einsätze und damit verbundene Proteste registriert wurden. Eine Präsidenten-Visite würde die Sicherheits-Architektur des SoFi Stadium massiv überlasten; das Streik-Vote der SoFi-Angestellten Anfang Juni macht die Lage logistisch zusätzlich heikel.
- Politische Risikoabwägung. Trump hat die WM-Bühne über die Auslosung und mehrere FIFA-Auftritte bereits emotional-symbolisch besetzt. Das eigentliche Showcase aus US-Sicht wäre ein Finale-Auftritt am 19. Juli im MetLife Stadium in East Rutherford - kein erstes Gruppenspiel.
- Diplomatisches Format vor Bühnen-Format. Mit Rubio als Delegationsleiter behält die US-Regierung ein arbeitsfähiges Format. Trump kann zu einem späteren Zeitpunkt - mit größerer Inszenierung - dazustoßen.
Das offizielle USA-Reise-Pillar sammelt die praktischen Begleitthemen für deutsche WM-Reisende, etwa zur ESTA-Lage, zum FIFA-Pass und zur aktuellen Visa-Praxis - getrennt vom politischen Tagesgeschehen.
Was offen bleibt
Das Weiße Haus hat sich offiziell nicht geäußert. Eine Pressemitteilung wäre der nächste Schritt, ist aber bislang nicht angekündigt. Offen sind zudem:
- Finale 19. Juli 2026, MetLife Stadium. Ein Trump-Auftritt gilt als wahrscheinlich, ist aber nicht bestätigt.
- Weitere US-Gruppenspiele. Die USA spielen am 19. Juni in Seattle gegen Australien, am 26. Juni nachts im SoFi Stadium gegen die Türkei - Trump-Auftritte bei keinem der beiden bislang angekündigt.
- VIP-Auftritte FIFA / Trump. Infantino hat bei der PK am Mittwoch betont, dass die FIFA für die WM “alles richtig gemacht” habe - ob er bei US-Spielen ohne Trump auftritt, ist offen.
Für die US-Auswahl und Bundestrainer Mauricio Pochettino ist die Trump-Frage am Freitagabend eine Randnotiz. Im SoFi Stadium geht es um drei Punkte gegen Paraguay, um die Stimmung im ersten Heim-Auftritt nach dem Albtraum-Aus 2022 und um die Frage, ob Christian Pulisic und Folarin Balogun die Marketing-Erwartungen einer ganzen WM-Saison schon im ersten Spiel einlösen können. Die politische Bühne läuft parallel - bloß ohne den Hauptdarsteller.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.