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WM 2026

Watzke in Berlin: 'Er sollte weg. Ohne Wenn und Aber' - Ligapraesident fordert Infantinos Ruecktritt

DFL-Praesident Hans-Joachim Watzke fordert am 17. September 2026 in Berlin oeffentlich den Ruecktritt von FIFA-Chef Gianni Infantino und nennt drei Kritikpunkte.

Von Die Redaktion 17. September 2026

Dortmund, 25. Oktober 2025: Hans-Joachim Watzke am Rande des Bundesliga-Spiels Borussia Dortmund gegen den 1. FC Koeln (1:0). Knapp elf Monate spaeter fordert der DFL-Praesident am 17. September 2026 in Berlin oeffentlich den Ruecktritt von FIFA-Chef Gianni Infantino. Foto: Actionpress. Foto: Actionpress via SmartFrame

DFL-Praesident Hans-Joachim Watzke hat am 17. September 2026 beim Big Bang KI Festival in Berlin oeffentlich den Ruecktritt von FIFA-Chef Gianni Infantino gefordert. Die zentrale Aussage im Wortlaut: “Er sollte weg. Ohne Wenn und Aber.” Dazu zwei ergaenzende Zitate: “Voellig wahnsinnig” ueber den inzwischen zurueckgezogenen Investoren-Plan und “Kein Mensch weiss das, seine Vizepraesidenten in der FIFA wussten nichts, das Council wusste nichts.” Die Aussagen fallen zwei Tage nach DFB-Praesident Bernd Neuendorfs Thessaloniki-Interview und markieren Chapter 40 der Post-WM-Governance-Kaskade: nach dem DFB-Verbands-Fluegel steht mit Watzke jetzt auch der DFL-Profi-Fluegel offen mit einer Personal-Forderung im Feld.

Watzkes Zitate im Wortlaut: Big Bang KI Festival Berlin

Watzke sprach am Rande des Big Bang KI Festival in Berlin, einer Konferenz zu Kuenstlicher Intelligenz und digitaler Transformation, in einem Diskussions-Panel zur Zukunft des Fussballs. Der Wechsel des Diskussions-Formats von der klassischen Sportpressekonferenz in ein sportfremdes Umfeld ist selbst Teil der Positionierung: Watzke waehlt bewusst ein Forum ausserhalb der FIFA-nahen Fussball-Termine, um seine Aussage aus der institutionellen Verbandslogik heraus zu setzen.

Die Kern-Formel “Er sollte weg. Ohne Wenn und Aber” arbeitet grammatikalisch mit dem Konjunktiv “sollte”, nicht mit dem Indikativ “muss”. Das ist keine Zufalls-Wortwahl. Watzke laesst formal offen, dass Infantino noch bis zum Kongress am 18. Maerz 2027 im Amt ist - er formuliert eine Erwartung, keinen Vollzug. Der Zusatz “Ohne Wenn und Aber” schliesst die Interpretations-Luecke: Es geht Watzke nicht um ein bedingtes Ausscheiden, sondern um einen unbedingten Ruecktritt.

Die zweite Aussage “Voellig wahnsinnig” bezieht sich auf den von Infantino zeitweise verhandelten Zehn-Milliarden-Investoren-Plan mit Thrive Capital und Trump-nahen US-Investoren. Watzke hatte diesen Plan bereits am 29. Juli 2026 in Hamburg im Rahmen der Zehn-Milliarden-Positionierung mit Neuendorf als “absoluten Angriff auf den Fussball” kritisiert. Die Berliner Wortwahl steigert die Sach-Kritik nun um eine persoenliche Zurechnungs-Ebene: Der Plan war nicht nur inhaltlich falsch, sondern in der Prozess-Ebene “voellig wahnsinnig” - weil Infantino ihn ohne Konsultation der eigenen Gremien vorangetrieben hat.

Die dritte Aussage “Kein Mensch weiss das, seine Vizepraesidenten in der FIFA wussten nichts, das Council wusste nichts” liefert das prozedurale Argument fuer die persoenliche Ruecktrittsforderung: Watzke wirft Infantino nicht nur einen inhaltlich problematischen Deal vor, sondern die Umgehung der eigenen Gremien der FIFA. Die Vizepraesidenten - darunter UEFA-Praesident Aleksander Ceferin - und der FIFA-Council waren nach Watzkes Darstellung nicht informiert. Das ist der Governance-Kern der Kritik: nicht das Ergebnis, sondern das Verfahren.

Vom “Ich hoffe” zur direkten Ruecktrittsforderung

Die Berliner Aussage laesst sich nur in der Abfolge der bisherigen Watzke-Positionierungen richtig einordnen. Am 2. September 2026 hatte Watzke im Deutschlandfunk-Sportgespraech mit der Formel “Ich hoffe, dass er das irgendwann selbst realisiert” die persoenliche Neutralitaet gebrochen. Die DLF-Wortwahl war bewusst weich: “hoffe” ist eine subjektive Erwartung, “irgendwann” oeffnet die zeitliche Perspektive, “selbst realisiert” delegiert die Entscheidung an Infantino. Die formale DFB-Institutions-Position blieb damit unangetastet.

Der Berliner Auftritt vom 17. September verschiebt diese Wortwahl in drei Dimensionen. Erstens die Modalitaet: aus “hoffe” wird “sollte”, aus der subjektiven Erwartung eine oeffentliche Forderung. Zweitens die Zeit: das “irgendwann” verschwindet, “Ohne Wenn und Aber” verlangt den Ruecktritt unbedingt. Drittens die Handlungsebene: Nicht mehr Infantino selbst muss die Konsequenz ziehen, sondern der Ruecktritt wird als externe Erwartung formuliert. Der Sprung von der Hoffnung zur Forderung markiert die zweite Watzke-Eskalations-Stufe innerhalb von 15 Tagen.

Zwischen den beiden Terminen liegt Neuendorfs Thessaloniki-Aussage vom 15. September. Der zeitliche Ablauf - DLF-Hoffnung 02.09., Neuendorf-Bruch 15.09., Watzke-Forderung 17.09. - deutet auf koordinierte Rollen-Wechsel: Erst versucht Watzke die weiche Andeutung, dann bricht Neuendorf als DFB-Praesident die Personal-Neutralitaet formal, dann kehrt Watzke mit voller Direktheit zurueck. Ob diese Sequenz abgesprochen war oder sich organisch ergab, laesst sich von aussen nicht mit Sicherheit belegen. Sicher ist, dass die deutsche Governance-Positionierung nach dem 17. September auf beiden institutionellen Fluegeln - DFB-Verband und DFL-Liga - offen gegen Infantino steht.

Drei Kritikpunkte: Trump-Peace-Prize, Balogun, Investorenplan

Watzke fasst seine Anti-Infantino-Argumentation in drei konkreten Vorgaengen. Erster Punkt ist die Verleihung des sogenannten FIFA-Peace-Prize an US-Praesident Donald Trump im Dezember 2025. Der Preis wurde in einer intransparenten Form vergeben, nachdem Infantino zuvor oeffentlich fuer Trumps Nobelpreis geworben hatte. Die FairSquare-Ethikkommissions-Beschwerde vom 8. September 2026 hatte diesen Vorgang als Verstoss gegen den FIFA-Ethikkodex zur politischen Neutralitaet eingestuft. Watzke uebernimmt diesen Vorwurf in die DFL-Argumentation.

Zweiter Punkt ist die Aufhebung der Rot-Karten-Sperre von US-Stuermer Folarin Balogun waehrend der WM 2026. Balogun hatte im Gruppenspiel eine Rote Karte gesehen, die durch eine FIFA-Entscheidung fuer das Sechzehntelfinale gegen Belgien aufgehoben wurde. Der belgische Verband RBFA hatte damals rechtliche Schritte mit Verweis auf FIFA-Artikel 27 angekuendigt und den Antrag im FIFA-Council fuer den 15. Oktober 2026 eingereicht. Watzke bindet den Balogun-Fall an die Trump-Nahe-Erzaehlung und formuliert damit eine Interventions-Praezedenz.

Dritter und praezisester Punkt ist der Zehn-Milliarden-Investoren-Plan. Der Plan sah vor, WM-Rechte an Trump-nahe Investoren um Thrive Capital zu vergeben. Nach massivem UEFA-Widerstand - inklusive der UEFA-Strafanzeige nach Schweizer Artikel 158 - wurde der Plan zurueckgezogen. Watzke betont in Berlin nicht das Ergebnis, sondern das Verfahren: “Kein Mensch weiss das, seine Vizepraesidenten in der FIFA wussten nichts, das Council wusste nichts.” Der Vorwurf lautet auf Umgehung der eigenen Gremien - das ist im Kern eine Governance-Beschuldigung, nicht eine inhaltliche.

Watzke und Neuendorf: die deutsche Doppelstimme

Watzkes Berliner Auftritt vervollstaendigt eine deutsche Doppelstimme, die die europaeische Anti-Infantino-Front bisher nicht hatte. Neuendorf spricht als DFB-Praesident fuer 7,3 Millionen Vereinsmitglieder und 25.000 Amateurvereine - die Verbands-Basis. Watzke spricht als DFL-Praesident fuer die 36 Profi-Klubs, als Aufsichtsratsvorsitzender fuer die Bundesliga-Wirtschaft und als BVB-Boss fuer einen der groessten europaeischen Klubs. Die beiden Stimmen sind institutionell nicht redundant.

Watzkes Zusatz-Rollen als DFB-Vize und UEFA-Exekutiv-Mitglied bringen zusaetzliches Gewicht in die Verhandlung. Als UEFA-ExCo-Mitglied hat Watzke bei der Nyon-Boykott-Resolution vom 30. Juli und beim Monaco-Rueckzug am 27./28. August mitgestimmt. Bei den fuer den 8. und 9. Oktober geplanten UEFA-Sitzungen in Berlin wird er ebenfalls am Tisch sitzen - dann als Gastgeber der eigenen Stadt, in der er zwei Wochen zuvor die persoenliche Ruecktrittsforderung ausgesprochen hat.

Fuer die Anti-Infantino-Koalition ist die deutsche Doppelstimme in der 106-von-211-Rechnung ein Signal, aber kein Stimmen-Zuwachs. Weder der DFB noch die DFL verfuegt ueber eine eigene Kongress-Stimme; die eine deutsche Stimme beim FIFA-Kongress liegt beim DFB als offiziellem Mitgliedsverband. Symbolisch ist der Doppel-Auftritt aber wichtig: Er signalisiert den 210 anderen Verbaenden, dass die deutsche Positionierung nicht auf eine einzelne Stimme, sondern auf einen institutionellen Konsens der Fussball-Fuehrung zurueckgeht.

UEFA-Berlin 8./9. Oktober und Rabat 18. Maerz 2027

Der Zeit-Rahmen nach Watzkes Berliner Auftritt ist eng. Am 24. September beginnt in Amsterdam mit dem Klopp-Debuet gegen die Niederlande der sportliche Teil des DFB-Neustarts. Am 8. und 9. Oktober tagt die UEFA in Berlin - die dritte grosse UEFA-Etappe nach Nyon und Monaco und die letzte vor der Rabat-Bewerbungsfrist. Watzke wird als ExCo-Mitglied dabei sein; die Berlin-Sitzung ist der Termin, an dem die koordinierte europaeische Kandidaten-Frage und die mit den 55 UEFA-Mitgliedern abgestimmte Reform-Agenda entschieden werden sollen.

Am 18. November 2026 endet die FIFA-Bewerbungsfrist. Zwischen Berlin-Sitzung und Bewerbungsschluss liegen 40 Tage - der Puffer, in dem die Anti-Infantino-Seite den Gegenkandidaten benennen und die noetigen fuenf Unterstuetzer-Verbaende registrieren muss. Als potenzieller Kandidat gilt weiterhin niemand konkret; UEFA-Praesident Aleksander Ceferin hat am 24. August im Podcast The Rest Is Politics Leading eine eigene Kandidatur ausgeschlossen. Watzkes Anforderungs-Ebene liegt implizit auf einer “integre Persoenlichkeit”, parallel zu Neuendorfs Thessaloniki-Formulierung.

Die Rabat-Wahl selbst findet am 18. Maerz 2027 statt. Bis dahin verbleiben nach dem Watzke-Auftritt exakt 182 Tage. Fuer die deutsche Doppelstimme aus DFB-Neuendorf und DFL-Watzke ist der Kalender damit klar segmentiert: Bis zum 18. November muss der Kandidat stehen, bis zum 18. Maerz muss die Kongress-Mehrheit organisiert sein, bis zum 24. September muss Watzke in Berlin die naechste UEFA-Position abstimmen. Chapter 40 der Post-WM-Governance-Kaskade ist damit zugleich der erste Auftakt zur Rabat-Vorwahlkampf-Phase.

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Die Redaktion

fussballweltmeisterschaft.online

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