Zum Inhalt springen
WM 2026

USA - Belgien 1:4: De-Ketelaere-Doppelpack, Freese-Patzer, Balogun wirkungslos

Belgien wirft Gastgeber USA im WM-Achtelfinale mit 4:1 aus dem Turnier. De-Ketelaere-Doppelpack in Seattle, Freese-Patzer, Balogun wirkungslos, Trump-Dance-Provokation.

Von Marco Feldmann 08. Juli 2026

Belgiens Leandro Trossard (10), Nicolas Raskin (23) und Maxim De Cuyper (5) feiern gemeinsam mit Charles De Ketelaere (17) einen Treffer im WM-Achtelfinale gegen die USA im Lumen Field in Seattle am 7. Juli 2026. De Ketelaere gelang im 4:1-Sieg ein Doppelpack in der 9. und 33. Minute (Foto: SIPA USA). Foto: SIPA USA via SmartFrame

Belgien hat Gastgeber USA am Sonntag/Montag, 6./7. Juli 2026, im Lumen Field in Seattle mit 4:1 aus der WM 2026 geworfen und zieht damit ins Viertelfinale ein. Charles De Ketelaere traf in der 9. und 33. Minute zum Doppelpack, Hans Vanaken erhoehte in der 57. Minute nach einem folgenschweren Freese-Patzer, Romelu Lukaku setzte in der 90.+3. Minute den Schlusspunkt. Malik Tillman hatte zwischenzeitlich in der 31. Minute zum 1:1 ausgeglichen. Fuer den Gastgeber USA ist das Turnier damit im Achtelfinale zu Ende, und alle drei Ausrichter Kanada, Mexiko und USA sind vor dem Viertelfinale ausgeschieden - ein Novum in der WM-Geschichte seit 1958. Folarin Balogun, dessen im Balogun-Sperren-Aufhebungs-Text beschriebene Startelf-Nominierung nach dem Trump-Infantino-Anruf international fuer Wirbel gesorgt hatte, blieb wirkungslos und wurde in der 68. Minute ausgewechselt. Belgien trifft am 10. Juli in Miami auf Spanien - der Vorbericht zum QF steht im Spanien-Belgien-QF-Text.

Der Ablauf: De Ketelaere in der 9. Minute, Tillman-Ausgleich, dann sofort das 2:1

Es dauerte nur neun Minuten, bis das Lumen Field verstummte. Nicolas Raskin trieb ueber die linke Halbposition Tempo an, spielte einen scharfen Flachpass in den Rueckraum am Sechzehnereck, wo Charles De Ketelaere aus rund elf Metern mit dem rechten Innenrist ins linke lange Eck vollendete. Matt Freese war chancenlos. Es war der Auftakt zu einem grossen De-Ketelaere-Abend, den Belgiens Trainer Rudi Garcia im Vorfeld gegen die Startelf um Romelu Lukaku bewusst gewaehlt hatte - eine Personalie, die schon der Vorbericht skizziert hatte.

Die USA arbeiteten sich in die Partie und kamen in der 31. Minute zurueck. Folarin Balogun, in seinem ersten WM-K.-o.-Auftritt nach der aufgehobenen Sperre gegen Bosnien, holte an der Sechzehnerkante gegen Zeno Debast einen Freistoss aus rund 22 Metern heraus. Malik Tillman (PSV) trat an, drueckte den Ball flach durch die Mauer und nutzte eine kurze Reaktion von Belgiens Torhueter Matz Sels - 1:1. Der Ausgleich brachte im Stadion die 68.000 US-Fans zurueck, die im Vorfeld ihre “American Dream ade”-Sorgen mit lauten “U-S-A”-Rufen wegzuschieben versuchten.

Nur 98 Sekunden spaeter, in der 33. Minute, war der Zwischenstand schon Geschichte. Kevin De Bruyne trat einen Freistoss aus dem rechten Halbfeld halbhoch in den Fuenfmeterraum, wo De Ketelaere am zweiten Pfosten frei stand und den Ball per Kopfball ueber den herausstuermenden Freese ins lange Eck druckte. Es war das zweite Kopfball-Tor eines Belgiers in dieser WM und ein Statement des 25-jaehrigen Milan-Angreifers, der in der Gruppenphase noch von Loris Openda auf die Bank verdraengt worden war.

Der Bruch: Freese-Patzer und Vanaken zum 1:3

Die Halbzeit-Pause tat den USA nicht gut. In der 57. Minute kam die Wende-Szene, die den USA-Abend definierte. Torhueter Matt Freese (NYCFC) verliess sein Tor zu einem langen Ball ueber die linke Aussenbahn, kam aber nicht schnell genug an den Ball, verlor ausserhalb seines Strafraums die Ballkontrolle gegen Jeremy Doku, der abgezogen war. Der eingewechselte Hans Vanaken (Club Bruegge) bediente sich im leeren Tor aus rund 30 Metern - 1:3. Es war ein Torhueter-Fehler, wie ihn Pochettino in der US-Nationalmannschaft in seiner 22-monatigen Amtszeit selten gesehen hatte, und die Antwort auf die von US Soccer im Vorfeld getroffene Entscheidung, den lange gesetzten Zack Steffen in Kanada zu belassen und Freese im Startelf-Duell mit Ethan Horvath zu bestaetigen.

Danach war die Partie im Kern entschieden. Pochettino wechselte in der 60. Minute Christian Pulisic aus, brachte Timothy Weah und stellte auf ein 4-3-3 um. In der 68. Minute ging auch Balogun vom Feld: Ricardo Pepi kam fuer den umstrittenen Arsenal-Angreifer. Belgiens Kapitaen Youri Tielemans liess in der 72. Minute noch einen weiteren Distanzschuss ans linke Kreuzeck knallen, den Freese mit den Fingerspitzen ueber die Latte lenkte - eine Rettungsparade, die eher symbolischen Charakter hatte.

In der 90.+3. Minute setzte Romelu Lukaku den Schlusspunkt. Chris Richards (Crystal Palace) verlor an der Mittellinie einen Fehlpass, Doku trug den Konter, spielte auf den in der 76. Minute eingewechselten Lukaku, der aus rund 14 Metern flach in die linke Ecke abschloss. 4:1 - und ein Wortlaut-Ende fuer die “American Dream”-Kampagne des US-Verbandes, wie die Sportschau in ihrem Match-Titel dazu formulierte.

Die Trump-Balogun-Farce - Politik, Sperre, sportliche Wirkungslosigkeit

Der Abend war politisch aufgeladen wie kein anderer der US-WM-Partien - und der sportliche Ausgang machte den Zorn der belgischen Kabine gross. Der Balogun-Sperren-Aufhebungs-Fall hatte in den 48 Stunden vor der Partie fuer Empoerung in Europa gesorgt: Der US-Praesident Donald Trump hatte am 5. Juli auf Truth Social gepostet, dass FIFA-Praesident Gianni Infantino “gerade sehr fair war” - und wenige Stunden spaeter hob die FIFA-Berufungskommission die Rote-Karten-Sperre nach einer nie zuvor angewandten Auslegung von Artikel 27 des FIFA-Disziplinarreglements auf. Der belgische Verband RBFA hatte umgehend rechtliche Schritte angekuendigt und in der Perspektive-Formulierung des Belgien-Verbands-Textes einen “Kontrast zur DFB-Ronaldo-Entscheidung vom November 2025” hergestellt.

Auf dem Rasen zahlte sich die Aufregung fuer die USA nicht aus. Balogun spielte 68 Minuten, verzeichnete nur zwei Ballkontakte im gegnerischen Sechzehner, holte den Freistoss zum 1:1 heraus, blieb aber ohne eigenen Torschuss. Nach dem Auswechseln in der 68. Minute setzte er sich mit sichtbarem Frust auf die Bank, laut mehreren Fotos der Getty-Fotografen im Stadion. Der Arsenal-Stuermer wurde von Goal.com mit 4/10 bewertet - der niedrigste Wert seines WM-Turniers.

Belgiens Reaktion war beissend. Beim Lukaku-Tor tanzten mehrere Spieler den “Trump-Dance”, eine Persiflage auf die von Trump 2024 im Wahlkampf populaer gemachte Choreografie. Der belgische Verband RBFA postete anschliessend auf Instagram die zwei Statements “Es heisst Fussball und nicht Soccer” und “Hebt das hier auf” - eine direkte Anspielung auf den Balogun-Sperren-Fall. Trainer Rudi Garcia sagte in der Interviewzone: “Wir haben heute den Fussball mit seiner Ethik und Integritaet verteidigt. Ich wusste nicht, dass heute 1. April ist.” Der belgische Kapitaen Youri Tielemans ging nicht auf Trump ein, sondern lobte die eigene Defensivarbeit gegen Christian Pulisic.

Pochettino-Bilanz und der Weg zum Viertelfinale gegen Spanien

Fuer den Gastgeber USA ist das Turnier damit im Achtelfinale zu Ende - und die Bilanz ist bitter. Der Verband hatte im Vorfeld intern das Viertelfinale als Mindestziel definiert, US-Soccer-Praesidentin Cindy Parlow Cone hatte in Interviews mit ESPN wiederholt vom “next step forward” gesprochen. Mauricio Pochettino, in seiner 22 Monate langen Amtszeit vom CONCACAF-Gold-Cup-Sieg 2025 bis zum WM-Aus 2026, uebernahm im Anschluss die Verantwortung: “Sie waren besser. Es war heute nicht unser Tag. Wir hatten von Beginn an keinen Zugriff auf das Spiel und brauchen keine Ausreden - wir haben nicht gespielt, wie wir es sonst tun.”

Ein Trainerwechsel steht nach FIFA-Informationen nicht an. Pochettinos Vertrag laeuft bis zum Ende des WM-Zyklus 2030, US Soccer bestaetigte kurz nach der Partie im Team-Statement die Fortsetzung. Das naechste sportliche Ziel ist der CONCACAF Gold Cup 2027 im eigenen Land als Vorbereitung auf den WM-Zyklus 2030. Der wahre Bruch dieses Sommers wird die Kaderaufstellung: Kapitaen Tyler Adams (27) und Christian Pulisic (27) sind grundlegende Bausteine, wohingegen die naechste Generation um Malik Tillman (24), Yunus Musah (23), Gio Reyna (23) und Kevin Paredes (23) den 30-jaehrigen Zyklus praegen wird. Der eigentliche Klub-Umbruch findet parallel statt: Weston McKennie und Sergino Dest stehen vor Vereinswechseln, der Reyna-Konflikt in Dortmund geht in die naechste Runde.

Fuer Belgien geht es am Freitag, 10. Juli 2026, um 22:00 MESZ im Hard Rock Stadium in Miami weiter. Der Gegner ist Spanien, das sich im Achtelfinale nach dem 1:0 gegen Portugal in Dallas fuer die Runde der letzten Acht qualifiziert hat (siehe Spanien-Portugal-Spielbericht). Es ist das erste Viertelfinal-Aufeinandertreffen der beiden Nationen seit der Europameisterschaft 1980 in Italien und ein Duell zwischen dem Titelverteidiger-Bemuehen der Spanier und der belgischen “letzten Chance” fuer die “goldene Generation” um De Bruyne, Lukaku und Tielemans. Die Live-Uebertragung uebernimmt in Deutschland MagentaTV. Der Sieger zieht ins Halbfinale am 15. Juli in Dallas ein. Der Viertelfinal-Vorbericht mit Wett-Analyse skizziert die taktische Duell-Frage - inklusive der Nummer-6-Frage bei Belgien nach dem Amadou-Onana-Muskelfaseriss aus der Vorrunde.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026