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WM 2026

AFC schliesst sich UEFA und CONCACAF an: Infantinos WM-Investorenplan mathematisch verloren

Die Asien-Konfoederation stellt sich am Freitag hinter UEFA und CONCACAF. Mit 136 von 211 Verbaenden im Widerstand kann Infantino die 106-Stimmen-Mehrheit nicht mehr holen.

Von Marco Feldmann 31. Juli 2026

Rom, 9. Oktober 2025: Gianni Infantino spricht vor der Europaeischen-Klub-Assembly. Zehn Monate spaeter steht der FIFA-Praesident im Widerstand von drei Konfoederationen - UEFA, CONCACAF und nun der AFC (Foto: LaPresse). Foto: LaPresse via SmartFrame

Der Freitagmorgen begann mit einer FIFA-Botschaft aus Zuerich - “Niemand verkauft den Fussball, das ist etwas, was die FIFA niemals in Erwaegung ziehen wuerde.” Das war um 06:13 UTC. Fuenf Stunden spaeter, um 11:22 Uhr Ortszeit Kuala Lumpur, kam die Antwort aus Asien. Die Asian Football Confederation stellte sich in einem schriftlichen Statement ausdruecklich hinter die europaeischen und nord- und mittelamerikanischen Kollegen und bezeichnete Gianni Infantinos Investoren-Plan als “nicht den notwendigen breiten Konsens” tragend. Damit ist die dritte Konfoederation offiziell im Widerstand - und die rechnerische Mehrheit fuer den Weltverband erstmals seit Beginn der Krise ueberhaupt nicht mehr moeglich.

Das Kuala-Lumpur-Statement - kurz, formal, kollektiv

Die AFC-Kommunikations­abteilung hat das Statement auf der englischsprachigen Verbands-Seite the-afc.com veroeffentlicht, ohne einen individuellen Unterzeichner zu nennen. Kein Praesident Sheikh Salman bin Ebrahim Al Khalifa, kein Generalsekretaer, kein Exekutiv-Komitee-Vorsitzender. Die AFC positioniert sich institutionell - so wie die UEFA in Nyon am Donnerstag den Beschluss von allen 55 Mitgliedern tragen liess, so wie die CONCACAF vier Stunden spaeter in Miami den Namen ihres Praesidenten Victor Montagliani zwar in die Kommunikation nahm, den Beschluss aber als Verbands-Position rahmte.

Zwei Kernsaetze aus dem AFC-Statement: “The AFC stands in solidarity with UEFA and CONCACAF in expressing serious concerns over FIFA’s proposal to introduce private investment into FIFA’s flagship competitions.” Und: “Football should never have been placed in such a position.” Der Spox-Bericht zitiert daneben eine deutsche Version des Konzern-Framings: die aktuelle Eskalation, in der “ein Boykott der WM oeffentlich diskutiert wird”, solle “jeden beunruhigen, dem die Zukunft des Sports am Herzen liegt”. Was fehlt: ein formaler Boykott-Beschluss wie bei der UEFA, eine Kongress-Abstimmung wie bei der CONCACAF, eine Frist-Ankuendigung Richtung Zuerich. Die AFC hat gemessen, aber nicht geschossen.

Die neue Mathematik - 106 nicht mehr erreichbar

Der Investoren-Plan im FIFA Forward Enterprise-Konstrukt braucht eine einfache Mehrheit im FIFA-Kongress - 106 Ja-Stimmen von 211 Mitglieds­verbaenden. Nach den drei Konfoederations-Beschluessen der letzten 43 Stunden sind 136 Stimmen fest gegen den Plan gebunden: 55 UEFA plus 41 CONCACAF plus 40 AFC. Die AFC-Zahl 40 (statt der oft genannten 47 fuer den kompletten Kontinental­verband) beruecksichtigt, dass nicht jedes AFC-Mitglied auch FIFA-Mitglied ist, und ist die Zahl, die deutschsprachige Berichterstattung uebereinstimmend verwendet.

Rechnerisch bleiben 75 Verbaende: 54 CAF (Afrika), 10 CONMEBOL (Suedamerika), 11 OFC (Ozeanien). Selbst wenn diese 75 Verbaende geschlossen fuer den Plan stimmten, kommen nur 75 Ja-Stimmen zustande. Zur 106er-Schwelle fehlten dann 31. Das ist der Kipppunkt: die einfache Mehrheit ist mit der AFC-Solidaritaets-Erklaerung nicht mehr rechnerisch moeglich, sondern schlicht unerreichbar. Die “Nuclear Option”, die Kommentatoren nach der UEFA-Nyon-Sitzung ausriefen, ist am Freitagmittag zur mathematischen Gewissheit geworden.

CAF-Motsepes offene Tuer - der letzte Halt fuer Zuerich

Die einzige Konfoederation, die sich noch nicht positioniert hat, ist die CAF. Praesident Patrice Motsepe hatte am Dienstag, dem 29. Juli, seine 54 Mitgliedsverbaende aufgerufen, “die Vorlage zu pruefen und am Konsultationsprozess teilzunehmen”, und fuer diese Woche eine Exekutiv-Komitee-Sitzung angekuendigt. Der suedafrikanische Bergbau-Milliardaer und Infantino-Vertraute steht damit als einziger Konfoederations-Chef offen fuer den Dialog. Fuer die FIFA-Kommunikation ist Motsepes Zurueckhaltung der letzte Rueckhalt - solange die CAF nicht explizit ablehnt, kann Zuerich behaupten, der Konsens sei noch moeglich.

Innerhalb der CAF ist die Lage aber komplex. Mehrere afrikanische Verbaende hatten die 20-Millionen-Dollar-Signing-Bonus-Zusage bereits als problematischen Anreiz kritisiert; DFB-Praesident Bernd Neuendorf hatte am Vortag genau diese Struktur institutionell attackiert. CONMEBOL (Argentinien, Brasilien, Uruguay) schweigt bislang, obwohl AFA-Praesident Claudio Tapia der FIFA nach der Finale-Verfahrenseroeffnung gegen Almada und Gavi ohnehin belastet gegenuebersteht. OFC (Ozeanien) ist mit elf Verbaenden numerisch klein, aber traditionell FIFA-loyal.

Von 06:13 zu 11:22 - warum ein Tag den Story-Arc kippt

Die 43-Stunden-Kette von UEFA-Nyon (30.07 16:37 UTC) zu AFC-Kuala-Lumpur (31.07 09:22 UTC) ist die schnellste kollektive Widerstands-Choreografie einer FIFA-Zentrale seit dem FBI-Zugriff auf Sepp Blatter im Mai 2015. Damals brauchte die Aufloesungs-Kaskade Wochen, nicht Stunden. Diesmal hat der Weltverband nicht einmal eine halbe FIFA-Tags-Zeitzone Zeit gehabt, zwischen seiner eigenen Verteidigungs-Botschaft (06:13 UTC) und dem naechsten Konfoederations-Nein (~09:22 UTC) neu zu positionieren. Fuer die Post-WM-2026-Governance-Nachlese markiert der Freitag den Punkt, an dem Infantino strategisch auf Zeit spielen muss - fuer sich, fuer CAF-Motsepe, fuer die vier bis sechs Wochen bis Mitte September, in denen sich vielleicht doch noch ein Ausweg findet.

Der 19. September bleibt formal die Frist - praktisch ist sie schon jetzt zu einem Symbol geworden. Was am Ende dieser sieben Wochen in Zuerich verlautbart wird, entscheidet nicht mehr ueber Mehrheiten (die sind weg), sondern ueber die Frage, ob die FIFA das Gesicht wahrt oder eine institutionelle Nachlese in Kauf nimmt, die weit ueber den Investoren-Plan hinaus geht. Der Bayern-Sportvorstand Max Eberl hatte am 29. Juli auf der Bayern-Pressekonferenz am Tegernsee gesagt, “der Fussball gehoert nicht in die Hand von ein paar Investoren”. Am Freitagmittag ist das nicht mehr nur eine europaeische Position - sondern die Position dreier Konfoederationen und der arithmetischen Mehrheit des Weltverbands.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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