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WM 2026

Infantino-Reformbrief an FIFA-Mitgliedsverbaende: unabhaengige Untersuchung und strukturierte Konsultationen angekuendigt

Infantino kuendigt am 21.09.2026 in einem Brief an die 211 FIFA-Mitgliedsverbaende eine externe Governance-Untersuchung und strukturierte Konsultationen an.

Von Die Redaktion 21. September 2026

Katowice, 5. September 2026: FIFA-Praesident Gianni Infantino verfolgt das U20-WM-Spiel Polen gegen Argentinien in der Arena Katowice. Gut zwei Wochen spaeter, am 21. September 2026, richtet er sich in einem englischsprachigen Brief an die Chefs der 211 Mitgliedsverbaende und die Mitglieder des FIFA-Councils und kuendigt zwei konkrete Reform-Zugestaendnisse an. Foto: Zuma Press. Foto: Zuma Press via SmartFrame

FIFA-Praesident Gianni Infantino hat sich am 21. September 2026 in einem englischsprachigen Brief an die Chefs der 211 FIFA-Mitgliedsverbaende und die Mitglieder des FIFA-Councils gewandt. Der Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, kuendigt zwei konkrete Reform-Zugestaendnisse an: eine unabhaengige externe Untersuchung des Governance-Systems der FIFA fuer grosse strategische Projekte und eine strukturierte, zeitlich begrenzte Konsultation mit Konfoederationen, Mitgliedsverbaenden und relevanten Interessengruppen. Als Kern-Formel schreibt Infantino: “Unsere Verantwortung ist groesser als jeder einzelne Vorschlag oder jede Meinungsverschiedenheit.” Ein Ruecktrittsangebot enthaelt der Brief nicht. Es ist die erste substanzielle schriftliche Antwort Infantinos auf die 40-taegige Post-WM-Governance-Kritik-Kaskade aus DFB, DFL, UEFA und CONCACAF.

Was in Infantinos englischsprachigem Brief steht

Der Brief wurde auf Englisch verfasst und richtet sich an eine Doppel-Adressaten-Ebene: die Chefs der 211 nationalen Mitgliedsverbaende der FIFA einerseits, die Mitglieder des FIFA-Councils andererseits. Diese Doppel-Adressierung ist selbst Teil der Positionierung. Der Council ist das eigentliche Verwaltungs-Gremium der FIFA zwischen den Kongress-Sitzungen; die 211 Verbaende bilden die Kongress-Basis, aus der jede Mehrheit gegen oder fuer Infantino formuliert werden muss. Infantino umgeht damit die konfoederations-vermittelte Kommunikation ueber UEFA, CONCACAF, CONMEBOL, AFC, CAF und OFC und spricht die Verbaende direkt an.

Die zentrale Formel “Unsere Verantwortung ist groesser als jeder einzelne Vorschlag oder jede Meinungsverschiedenheit” positioniert die Reform-Debatte oberhalb der Personal-Ebene. Wo Watzke in Berlin die Ruecktrittsforderung “Er sollte weg. Ohne Wenn und Aber” formuliert hatte, versucht Infantino, die Diskussion auf die institutionelle Frage nach der besseren Governance-Struktur zu verlagern. Der Brief nennt weder Watzke noch Neuendorf noch UEFA-Praesident Aleksander Ceferin namentlich; auch der Ausloesungs-Grund - der von Infantino im Alleingang verhandelte Zehn-Milliarden-Investoren-Plan mit Thrive Capital und JPMorgan zur Vermarktung der WM-Rechte - wird nicht wortwoertlich erwaehnt. Stattdessen benutzt der Brief die abstrakte Governance-Formulierung “grosse strategische Projekte”.

Nach Auswertung der Sportschau vom 21. September 2026 gab es zum Zeitpunkt der Veroeffentlichung keine erste Reaktion der Infantino-Gegner auf den Brief. UEFA und CONCACAF hatten in den vergangenen Wochen einen harten Oppositionskurs verfolgt, DFB-Praesident Bernd Neuendorf hatte am 15. September in Thessaloniki gefordert, “das System Infantino muss beendet werden”.

Zwei konkrete Zugestaendnisse: externe Governance-Untersuchung und Konsultations-Runde

Die erste substanzielle Massnahme im Brief betrifft eine unabhaengige externe Untersuchung. Infantino formuliert den Vorschlag im Konjunktiv als Frage an den FIFA-Rat: “Ich werde den FIFA-Rat fragen, ob er eine unabhaengige externe Untersuchung des derzeitigen Governance-Systems der FIFA fuer grosse strategische Projekte in Auftrag geben moechte.” Zwei Einschraenkungen sind eingebaut. Der Ratsbeschluss-Vorbehalt: Der FIFA-Rat muss die Untersuchung selbst beauftragen; Infantino kuendigt nur die Fragestellung an, nicht deren Vollzug. Die Zuschnitt-Beschraenkung: Das Mandat ist auf “grosse strategische Projekte” begrenzt, nicht auf die Gesamt-Governance der FIFA.

Wer die externe Untersuchung durchfuehren wuerde, in welchem Zeitrahmen sie ihre Ergebnisse vorlegen soll und ob die Untersuchungs-Ergebnisse verbindlichen Charakter haben, laesst der Brief offen. Fuer die Kritiker ist der Vorschlag damit ein Verhandlungs-Angebot, dessen tatsaechliche Substanz von der Rat-Umsetzung, der Auftrags-Beschreibung und dem Untersuchungs-Traeger abhaengt.

Die zweite Massnahme betrifft eine “direkte, strukturierte und zeitlich begrenzte Konsultation mit Konfoederationen, Mitgliedsverbaenden und relevanten Interessengruppen”. Zweck der Konsultation ist nach Brief-Formulierung die Verbesserung der Entscheidungsprozesse und der Praesidentenrolle. Das Adjektiv-Trio “direkt, strukturiert, zeitlich begrenzt” ist praezise formuliert: “direkt” bedeutet ohne Umweg ueber die Konfoederations-Praesidenten, “strukturiert” bedeutet mit Prozess-Regeln, “zeitlich begrenzt” bedeutet mit Ablauf-Datum. Der letzte Punkt ist der wichtigste: Er signalisiert, dass die Konsultation nicht als offene Diskussions-Plattform bis zum Rabat-Kongress dienen soll, sondern mit einem definierten Ergebnis vor dem Wahltermin schliessen wird.

Antwort auf Watzkes Prozess-Kritik “Council wusste nichts”

Die inhaltliche Pointe des Reformbriefs liegt im direkten Antwort-Verhaeltnis zu Watzkes Berliner Prozess-Kritik. In seinem Big-Bang-KI-Festival-Auftritt am 17. September hatte Watzke drei Kritikpunkte formuliert; der prozedurale Kern lautete: “Kein Mensch weiss das, seine Vizepraesidenten in der FIFA wussten nichts, das Council wusste nichts.” Diese Aussage bezog sich auf den Investoren-Plan mit Thrive Capital, den Infantino nach Watzkes Darstellung ohne Konsultation der eigenen Gremien vorangetrieben hatte. Der Vorwurf war damit im Kern eine Governance-Beschuldigung, nicht eine inhaltliche.

Genau dieser Vorwurf wird durch den Reformbrief adressiert. Die Ankuendigung, den FIFA-Rat um eine externe Untersuchung des “Governance-Systems der FIFA fuer grosse strategische Projekte” zu bitten, zielt strukturell auf jene Umgehung der eigenen Gremien, die Watzke, Neuendorf und die UEFA seit Wochen kritisieren. Der Investoren-Plan wird zwar nicht namentlich genannt, aber die Formulierung “grosse strategische Projekte” wird von den Beobachtern eindeutig als Verweis auf den Thrive-Capital-Deal gelesen. Die strukturierte Konsultation adressiert parallel die Beteiligungs-Ebene: kuenftig sollen die Konfoederationen und Verbaende in Grosentscheidungen konsultiert werden.

Ob dieses Angebot ausreicht, um die Prozess-Kritik zu entkraeften, ist die entscheidende Frage der kommenden Wochen. Fuer die deutsche Doppelstimme aus Neuendorf und Watzke, die die Personal-Ebene (“Er sollte weg”) bereits ueberschritten hat, ist eine institutionelle Governance-Reform ohne Personal-Konsequenz kein hinreichender Kompromiss. Fuer die 155 nicht-europaeischen Verbaende, die mehrheitlich Infantino unterstuetzen, kann das Angebot dagegen als Beweis der Reform-Bereitschaft dienen und die Positionierung gegen den Amtsinhaber erschweren.

Was der Brief nicht enthaelt: kein Ruecktritt, kein Investoren-Plan-Bekenntnis

Ebenso wichtig wie der Brief-Inhalt ist, was der Brief nicht anspricht. Erstens gibt es kein Ruecktrittsangebot. Infantino verwendet die Formel “aber kein Rueckzug” nicht wortwoertlich, aber die Grundstruktur des Briefes - Reform-Angebot ohne Personal-Konsequenz - laesst keinen Zweifel: Der Amtsinhaber wird auch nach Rabat 2027 im Amt sein wollen. Die Formulierung “Unsere Verantwortung” stellt die kollektive Amtsfuehrung in den Vordergrund und blockiert damit implizit die Personal-Debatte, die Watzke, Neuendorf und Ceferins UEFA gefuehrt haben.

Zweitens gibt es kein direktes Bekenntnis zum zurueckgezogenen Investoren-Plan. Der Zehn-Milliarden-Deal mit Thrive Capital war nach Wochen des UEFA-Widerstands - inklusive der UEFA-Strafanzeige nach Schweizer Artikel 158 - zurueckgezogen worden. Infantino nennt den Plan im Reformbrief nicht namentlich. Auch eine Selbst-Bewertung der Alleingang-Verhandlung (“wir werden solche Prozesse in Zukunft anders fuehren”) fehlt. Die Governance-Untersuchung soll implizit das Verfahren pruefen, nicht die einzelne Entscheidung.

Drittens fehlt eine Antwort auf die FairSquare-Ethikkommissions-Beschwerde vom 8. September zu Infantinos Trump-Naehe. Die Beschwerde bezieht sich auf die Verleihung des FIFA-Peace-Prize an Donald Trump im Dezember 2025, auf Infantinos “Make America great again”-Uebernahme bei der Trump-Amtseinfuehrung sowie auf die oeffentliche Nobelpreis-Werbung fuer Trump. Der Reformbrief blendet den Ethik-Komplex vollstaendig aus und beschraenkt sich auf die Governance-Ebene der strategischen Projekte.

Die 40-Tage-Rechnung bis zur Rabat-Bewerbungsfrist

Der Brief faellt in eine enge Zeitschiene. Am 8. und 9. Oktober 2026 tagt die UEFA in Berlin - die dritte grosse UEFA-Etappe nach Nyon und Monaco und die letzte vor der Rabat-Bewerbungsfrist. Bei diesem Treffen sollen nach Beobachter-Erwartung die europaeischen 55 Verbaende ihre Kandidaten-Frage und die abgestimmte Reform-Agenda entscheiden. Watzke wird als UEFA-Exekutiv-Mitglied dabei sein; die Berlin-Sitzung findet in der Stadt statt, in der er drei Wochen zuvor die persoenliche Ruecktrittsforderung an Infantino ausgesprochen hatte. Zwischen Infantinos Reformbrief und der UEFA-Berlin-Sitzung liegen 17 Tage - genuegend Zeit fuer die europaeischen Verbaende, das Brief-Angebot zu bewerten und die eigene Antwort zu koordinieren.

Am 18. November 2026 endet die Bewerbungsfrist fuer die FIFA-Praesidenten-Wahl in Rabat. Kandidaten brauchen fuenf Unterstuetzer-Verbaende, um zugelassen zu werden. Zwischen Berliner UEFA-Sitzung und Bewerbungsschluss liegen 40 Tage - der Puffer, in dem die Anti-Infantino-Seite einen Gegenkandidaten benennen und die noetigen Unterstuetzungs-Erklaerungen einsammeln muss. Ein konkreter Kandidat ist bislang nicht benannt; UEFA-Praesident Aleksander Ceferin hat am 24. August im Podcast The Rest Is Politics Leading eine eigene Kandidatur ausgeschlossen. Fuer Infantino ist die Berlin-Sitzung damit der letzte Termin, um vor der Bewerbungsfrist einen Kandidaten-Aufbau der Gegen-Koalition zu verhindern.

Am 18. Maerz 2027 findet der FIFA-Kongress in Rabat mit der Praesidenten-Wahl statt. Vom 21. September aus verbleiben 178 Tage. Die arithmetische Zielgroesse der Anti-Infantino-Koalition ist die absolute Mehrheit von 106 der 211 Kongress-Stimmen. Ob Infantinos Reformbrief diese Rechnung materiell veraendert, entscheidet sich in den Reaktionen der Nicht-UEFA-Konfoederationen: AFC (46 Verbaende), CAF (54), CONCACAF (35 abzueglich der bereits Infantino-kritischen), CONMEBOL (10) und OFC (13). Solange die 155 nicht-europaeischen Verbaende mehrheitlich hinter Infantino stehen, bleibt die 106er-Rechnung fuer die UEFA schwer erreichbar. Der Reformbrief ist genau auf diese Adressaten-Gruppe zugeschnitten - er soll die 155 auf der Amtsinhaber-Seite halten, nicht die 55 europaeischen Kritiker ueberzeugen.

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fussballweltmeisterschaft.online

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