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DFB-Team

Atubolu wechselt per Leihe mit 13-Millionen-Kaufpflicht von Freiburg nach Frankfurt

Noah Atubolu wechselt vom SC Freiburg zu Eintracht Frankfurt. Leihe mit 13-Millionen-Kaufpflicht, Vertragsverlaengerung in Freiburg zuvor, Debuet bei Union Berlin moeglich.

Von Lukas Brandt 28. August 2026

Noah Atubolu (rechts) erhaelt Anweisungen von Freiburgs Trainer Julian Schuster am 1. Maerz 2026 im Deutsche Bank Park - genau jenem Stadion, das ab sofort sein neues Bundesliga-Zuhause ist. Foto: Actionpress / osnapix / Marcus Hirn. Foto: Actionpress / osnapix / Marcus Hirn via SmartFrame

Es ist der Torwart-Transfer, auf den die Frankfurter Fussball-Oeffentlichkeit den ganzen Sommer gewartet hat: Noah Atubolu wechselt per Leihe vom SC Freiburg zu Eintracht Frankfurt. Der 24-Jaehrige wird sofort als Nummer eins eingeplant, die Leihe traegt eine an sportliche Bedingungen geknuepfte Kaufpflicht in Hoehe von 13 Millionen Euro - so berichtet der Hessische Rundfunk unter Berufung auf hr-Sport-Informationen am Freitagvormittag. Damit endet in Frankfurt ein monatelanges Torwart-Chaos, das zuletzt mit dem 0:7-Testspiel-Debakel in Brentford eskaliert war. Fuer den Post-WM-Bundesliga-Torhueter-Radar rund um die DFB-Elf bedeutet der Wechsel eine der markantesten Bewegungen dieses Transferfensters.

Der Deal offiziell: Leihe plus 13-Millionen-Kaufpflicht

Eintracht Frankfurt teilte den Wechsel am Freitagvormittag ueber die eigenen Kanaele mit. Atubolu wechselt zunaechst auf Leihbasis vom Sport-Club Freiburg an den Main. Der Deal beinhaltet eine Kaufoption nach der kommenden Saison, die unter definierten Voraussetzungen zu einer Kaufpflicht wird. Der Hessische Rundfunk beziffert diese Kaufpflicht - vermutlich Einsatz- und Sportlichkeits-gekoppelt - unter Berufung auf hr-Sport-Informationen auf 13 Millionen Euro. Damit die Leihe formal ueberhaupt darstellbar war, hatte Atubolu seinen Vertrag beim SC Freiburg in dieser Woche verlaengert, ehe er in die zweite Etappe des Wechsels ging. Am Donnerstag absolvierte der 24-Jaehrige den Medizincheck bei den Hessen.

Sportvorstand Markus Kroesche waehlte in der offiziellen Vereinsmitteilung eine unaufgeregte, aber klare Sprache: “Mit Noah Atubolu gewinnen wir einen starken, ambitionierten und zugleich bereits sehr erfahrenen Torhueter hinzu. Er bringt grosses Potenzial, viel Mentalitaet und die noetige Qualitaet mit, um unserer Mannschaft wichtige Impulse zu geben. Wir sind ueberzeugt, dass Noah bei uns den naechsten Schritt in seiner Entwicklung machen und uns sportlich verstaerken wird.” Kroesche vermeidet damit exakte Ablose-Zahlen und die vergleichende Einordnung mit Santos oder Zetterer, gibt aber die Marschroute vor: Atubolu ist der neue interne Startpunkt fuer die Position, nicht der dritte Kandidat in einem laufenden Karussell.

Trainer Adi Huetter hatte den Deal auf der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Auftakt bereits vorweggenommen. “Er ist ein aufstrebender junger Torwart mit vielen Staerken”, betonte der Oesterreicher. “Wir haben ihn als Nummer eins geholt.” Es ist der klarste oeffentliche Positionierungs-Satz, den Huetter im gesamten Sommer zur Torwart-Frage abgegeben hat.

Die Ausloeser: Brentford-Debakel und England-Zerschlag

Der eigentliche Ausloeser der Bewegung liegt sieben Wochen zurueck. Beim 0:7-Testspiel bei Brentford hatte sich Kaua Santos einen viel diskutierten Patzer geleistet. Huetter formulierte am Freitagvormittag rueckblickend, was zuvor nur intern kursierte: “Santos hat uns zum Zweifeln gebracht”, sagte der Trainer. “Wir haben uns deshalb entschieden, Atubolu zu holen.” Die Signal-Klarheit dieses Zitats laesst offen, wie es mit Santos weitergeht - der Brasilianer stand noch in der DFB-Pokal-Erstrunde im Frankfurter Tor, verliert nun aber den Sprint um die Nummer eins.

Fuer Michael Zetterer, den Ex-Bremer und Sommer-Zugang der Vorsaison, sind die Aussichten noch dueseterer. Der 30-Jaehrige wird laut hr-Sport bereits mit einem Wechsel zu Leeds United in Verbindung gebracht. In der Frankfurter Torwart-Hierarchie war er zuletzt nur die zweite Option hinter Santos - mit dem Atubolu-Deal ruecken beide bisherigen Kandidaten aus dem Tageslicht.

Das Timing des Deals ist alles andere als zufaellig: Die Transferphase in Deutschland endet am 1. September 2026. Auch Trainer Huetter soll sich schon frueh im Sommer intern klar fuer eine externe Loesung ausgesprochen haben. “Spaetestens seit Santos’ Patzer beim 0:7-Debakel in Brentford nahmen die Bemuehungen um Atubolu Fahrt auf”, ordnet der Hessische Rundfunk den Zeitverlauf ein.

Fuer Atubolu selbst war die Frankfurter Option keine A-Prioritaet. Der Torwart wollte laut hr-Sport urspruenglich nach England wechseln. Erst als sich diese Moeglichkeit zerschlug und Freiburg mit Mio Backhaus bereits einen Nachfolger im Kasten hatte, ergab sich die Chance auf einen Wechsel nach Frankfurt. Sein Zitat in der Vereinsmitteilung liest sich entsprechend als Willkommen-Statement mit persoenlichem Anker: “Ich bin sehr froh, hier zu sein, und kann es kaum erwarten, bei Eintracht Frankfurt loszulegen. Ich kenne die Stadt, den Klub und das Stadion und habe die Spiele hier immer als etwas Besonderes erlebt. Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung.”

Atubolus DFB-Vita: U21-Europameister 2023 und Neuer-Nachfolge-Kandidat

Noah Atubolu, geboren am 25. Mai 2002 in Freiburg im Breisgau, hat den kompletten Weg im Sport-Club durchlaufen. U11 bis U19 im SCF-Nachwuchs, seit 2019 im Uebergangsbereich, ab 2023 die etatmaessige Nummer eins in der Freiburger Bundesliga-Rotation unter Christian Streich und spaeter Julian Schuster. In seiner Statistik stehen inzwischen ueber 70 Bundesliga-Einsaetze plus internationale Auftritte in der Europa League und der Conference League - darunter die entscheidenden Play-off-Duelle gegen den FC Motherwell in dieser Woche, die Freiburg den Sprung in die Conference-League-Ligaphase 2026/27 sicherten.

Der DFB-Kader-Baustein: Atubolu gewann 2023 mit der deutschen U21-Nationalmannschaft die U21-Europameisterschaft in Georgien und Rumaenien als Stammtorwart der Elf von Antonio Di Salvo. Waehrend andere U21-Europameister dieses Jahrgangs - Jamal Musiala als Vorbild - bereits fest im A-Team etabliert sind, blieb Atubolu ohne A-Laenderspiel-Einsatz. Bei der WM 2026 mit Manuel Neuer, Alexander Nuebel und Oliver Baumann als Torhueter-Trio gehoerte er nicht zum Sichtungskreis - was intern damit begruendet wurde, dass die Nagelsmann-Rotation die drei Etablierten sortierte und keinen vierten Kandidaten aufnahm (Kontext: Urbig als DFB-Trainings-Torwart-Novum).

Fuer die Post-WM-Aera ist das eine der Frontier-Fragen. Bundestrainer Juergen Klopp wird nach der Neuer-Ruecktritts-Andeutung frueher oder spaeter eine neue Torwart-Hierarchie definieren muessen. Seine erste Kaderbekanntgabe am 17. September 2026 fuer die Nations-League-Doppelrunde markiert die erste Signal-Moeglichkeit. Atubolu wechselt in einen Bundesliga-Klub, der ihn als klare Nummer eins holt - der Rahmen, in dem er wochenspiel-tauglich abliefern muss, um in Klopps Sichtungskreis zu ruecken. Die interne Konkurrenz ist offen: Marius Mueller (Union Berlin), Finn Dahmen (FC Augsburg) und Jonas Urbig (FC Bayern) gelten je nach Formkurve als Sichtungs-Kandidaten der naechsten Doppelrunden.

Freiburg-Kaskade: Backhaus als Nachfolger und der zweite Post-WM-Aderlass

Der Wechsel ist auch fuer den SC Freiburg eine markante Post-WM-Sommer-Bewegung. Sport-Direktor Klemens Hartenbach und die Freiburger Klubfuehrung hatten bereits Wochen vor Vertragsverlaengerung und Leih-Deal die Nachfolgeplanung eingeleitet: Mio Backhaus, 22 Jahre alt, wechselt vom niederlaendischen Erstligisten SBV Vitesse zurueck nach Deutschland und uebernimmt die Nummer-eins-Rolle in Freiburg. Die Kaskade war damit intern bereits geordnet, ehe die Frankfurter Anfrage konkretisiert wurde - ohne Backhaus im Ruecken haette Atubolu nicht wechseln koennen.

Fuer Trainer Julian Schuster ist der Sommer 2026 damit ein doppelter Umbruch. Nach der Nagelsmann-Streichung des langjaehrigen DFB-Stammspielers Matthias Ginter vor der WM-Nominierung im Mai 2026 (und dessen anschliessenden Rueckzug aus der Nationalmannschaft) verlaesst nun der Torwart die Achse, um den Schuster die Freiburger Bundesliga-Formkurve der letzten drei Jahre gebaut hatte. Die Freiburger Antworten heissen zum einen Backhaus im Tor, zum anderen die junge Freiburger Innenverteidigung um Kiliann Sildillia, Jordy Makengo und Philipp Lienhart. Der Conference-League-Ligaphase-Auftritt wird der erste Belastungstest fuer die neue Freiburger Achse ohne Atubolu und Ginter.

Der naechste Schritt: Bundesliga-Auftakt bei Union Berlin

Der erste Einsatz-Moment steht schon fest: Samstag, 29. August 2026, 15:30 Uhr, Union Berlin gegen Eintracht Frankfurt. Atubolu koennte, so Huetter am Freitagvormittag, bereits in Berlin sein Bundesliga-Debuet im Eintracht-Trikot geben. “Wir warten noch das Abschlusstraining ab, dann werde ich entscheiden, wer mit nach Berlin fliegt”, so der Trainer. Das Abschlusstraining am Freitagnachmittag entscheidet damit ueber eine der prominentesten Torwart-Premieren dieses Bundesliga-Auftakt-Wochenendes.

Sollte Atubolu tatsaechlich starten, waere es fuer den 24-Jaehrigen der schnelle Vollzug einer Achterbahnwoche: Vertragsverlaengerung in Freiburg, Medizincheck in Frankfurt am Donnerstag, offizielle Bestaetigung des Wechsels am Freitagvormittag, Bundesliga-Debuet am Samstagnachmittag. Fuer die Frankfurter Torwart-Hierarchie ist das die schnellstmoegliche Signal-Setzung: Der Neue ist nicht der Ersatz, sondern die Nummer eins - und das ab Spieltag eins.

Fuer Klopp und den DFB-Trainerstab beginnt damit ein neues Bundesliga-Kapitel im Torwart-Radar. Nach dem WM-Aus im Sechzehntelfinale und der Klopp-Vorstellung ist die Post-WM-Torwart-Frage der ersten grosse Wett-Bewerb - und Atubolu geht als einer der potenziellen Kandidaten fuer den erweiterten Sichtungskreis ins Rennen. Der Frankfurter Wochenspiel-Rhythmus mit Bundesliga plus Europa-League-Ligaphase-Gegner-Auslosung am Freitagmittag in Monaco liefert die Anzahl an Belastungs-Faellen, die Klopp fuer eine Sichtung braucht. Der wichtigste Test steht am ersten Klopp-Kader am 17. September: Fuenf Bundesliga-Spieltage lang darf Atubolu zeigen, ob er Sprung eins auf die Watchlist schafft.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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