Belgien 0:1 Frankreich in Bruessel: Michael Olise entscheidet nach Kurz-Einsatz in der 88. Minute per Solo - Zidanes zweiter Sieg ohne Mbappe
Belgien unterliegt Frankreich 0:1 in Bruessel. Joker Olise entscheidet mit Solo in der 88. Minute. Zidane rotiert neun Positionen, drei Debutanten.
Von Marco Feldmann 28. September 2026
Im King-Baudouin-Stadion in Bruessel hat Frankreich am Montagabend das Nations-League-A-Gruppe-1-Duell gegen Belgien mit 1:0 (0:0) gewonnen und damit trotz Kylian Mbappes Ausfall die Tabellenfuehrung uebernommen. Entschieden hat die Partie ein Joker: Michael Olise kam in der 86. Minute fuer Bradley Barcola und traf zwei Minuten spaeter nach einem Solo aus dem Halbfeld zum 0:1-Endstand. Es ist Zinedine Zidanes zweiter Sieg im zweiten Spiel als Nationaltrainer nach dem 1:0 in Kocaeli gegen die Tuerkei am vergangenen Donnerstag.
Fuer Mark van Bommel ist es die erste Niederlage als belgischer Bondscoach nach dem 2:0-Debakel-Sieg gegen Italien in Rom drei Tage zuvor - und ein Rueckschlag am ersten Heim-Spiel seiner Amtszeit. Belgien blieb an diesem Abend ohne klaren Torabschluss und ueberliess Frankreich weitgehend die Ball-Kontrolle, ohne dass die Selection ihrerseits vor Olises Kurzeinsatz zu klaren Chancen fand.
Halbzeit 0:0: Doue-Latte in der 12. Minute, sonst zwei geordnete Formationen
Zidane hatte gegenueber der Startelf aus Kocaeli neun Positionen rotiert - eine bewusste Ansage, dass er die Personal-Tiefe fruehzeitig auf den Pruefstand stellen wollte. Mit den drei Debutanten Andy Diouf, Jeremy Jacquet und Lucas da Cunha in der Startelf, mit Desire Doue in der halblinken Angriffs-Rolle statt Mbappe und mit Randal Kolo Muani als Neuner ergab sich eine junge, unerprobte Formation. Die erste dicke Chance des Abends hatte trotzdem Frankreich: In der 12. Minute zog Desire Doue nach einem Doppelpass mit Kolo Muani aus rund zwoelf Metern ab, der Ball prallte an die Latte des belgischen Tors.
Belgien versuchte den Ausbau der Rom-Erfolgs-Formation auch in Bruessel zu wiederholen. Kevin De Bruyne agierte erneut als freier Zehner hinter Mika Godts, Dodi Lukebakio blieb auf der linken Aussenbahn. Der freie Zwischenraum-Zug, der in Rom zum 1:0 durch Godts gefuehrt hatte, brachte gegen die franzoesische Doppel-Sechs mit Adrien Rabiot und Aurelien Tchouameni allerdings keine klaren Momente hervor. De Bruyne stand haeufig zu weit vom Ball entfernt, um seine Distributions-Qualitaeten in Szene zu setzen; Godts fand zwischen Jacquet und Jonathan Clauss selten den Freiraum. Zur Halbzeit stand ein weitgehend chancenarmes 0:0.
Der zweite Durchgang: Ball-Kontrolle ohne Zwingendes - bis Olise kommt
Zidane liess seine Elf nach dem Wiederanpfiff hoeher pressen, wechselte in der 61. Minute Rayan Cherki fuer Debutant da Cunha ein und stellte auf ein 4-2-3-1 mit Cherki als Zehner hinter Doue um. Die Ball-Kontrolle blieb bei Frankreich, doch der letzte Pass fehlte weiter. Doue vergab in der 68. Minute aus spitzem Winkel, Kolo Muani setzte in der 74. Minute einen Kopfball ueber das Tor. Belgien blieb defensiv geordnet, agierte kompakt und lauerte auf schnelle Umschalt-Momente - die aber nicht zu klaren Chancen fuehrten, weil De Bruyne und Godts zu weit voneinander getrennt agierten.
In der 86. Minute brachte Zidane Michael Olise fuer Bradley Barcola auf die rechte Aussenbahn. Zwei Minuten spaeter, in der 88. Minute, nahm der 24-Jaehrige den Ball an der Mittellinie an, spielte mit einer Koerpertaeuschung Belgien-Verteidiger Zeno Debast aus, drueckte Wout Faes mit einer zweiten Bewegung nach innen weg, zog in Richtung Strafraum-Grenze und schloss aus rund achtzehn Metern mit dem linken Fuss ins linke untere Eck ab. Belgien-Torwart Senne Lammens hatte keine Chance, der Ball landete im Eck. Kicker-Autor Marco Petzel nannte die Aktion in der Live-Berichterstattung ein “unwiderstehliches Solo”.
Zidanes Rotations-Ansage: neun Wechsel und drei Debutanten
Der taktische Rahmen der Bruessel-Startelf war ein 4-2-3-1 mit Mike Maignan im Tor, einer Viererkette Clauss, Ibrahima Konate, Jacquet, Truffert, der Doppel-Sechs Rabiot, Tchouameni, den Halbraum-Fluegel-Kombinationen Barcola, Doue, Diouf sowie Kolo Muani als Neuner. Von der Startelf aus Kocaeli waren nur noch Maignan und Rabiot ueber die neunzig Minuten dabei; alle anderen Positionen wurden entweder von Beginn an oder ueber Wechsel neu besetzt. Das ist die maximale Rotations-Ansage, die Zidane innerhalb eines Doppelspieltags realistisch fahren konnte - und sie ging trotz drei Debuts auf.
Die drei Debutanten Andy Diouf, Jeremy Jacquet und Lucas da Cunha kamen alle von Beginn an zum Einsatz. Diouf besetzte den rechten Halbraum, Jacquet spielte auf der Innenverteidiger-Position, da Cunha startete auf der Sechs neben Rabiot. Alle drei blieben ohne grosse Fehler, ohne aber auch nachhaltige Impuls-Momente zu setzen. Das war fuer Zidane offenbar akzeptabel: Der Auftrag lautete, drei Positionen ohne Ergebnis-Kompromiss zu integrieren, das Ergebnis besorgt Olise nach der Einwechslung. Zidane duerfte damit einen der wichtigsten Effekte in seinen ersten beiden Spielen erzielt haben - Personal-Tiefe ohne Punktverlust.
Kylian Mbappe: der geordnete Post-Ausfall-Rahmen
Kylian Mbappes Fehlen war der zentrale Umstand der Partie. Der Kapitaen der Equipe Tricolore war in Kocaeli in der 55. Minute nach einer Ueberstreckung des linken Knies ausgewechselt worden; Real Madrid hatte am Samstag die Diagnose und eine Zwangspause von zehn bis zwoelf Tagen bestaetigt. Damit fehlt Mbappe auch am Oktober-Doppelspieltag gegen Italien und Belgien.
Die Konsequenzen fuer die Sturm-Achse waren an diesem Abend spuerbar: Ohne den Anker im Halbraum blieb Doues Bindung an die Aussenbahn zu einseitig, Kolo Muani agierte als klassischer Neuner mit Ruecken zum Tor, ohne Mbappes Tiefen-Zug hinter der Innenverteidiger-Kette. Dass Zidane trotzdem sechs Punkte aus zwei Spielen ohne Kapitaen aufzuweisen hat, ist das operativ wichtigste Zwischenergebnis dieses Herbst-Fensters.
Mark van Bommel: der schnelle Rueckschlag nach dem Rom-Debakel-Sieg
Fuer Mark van Bommel ist die 0:1-Heimniederlage der schnelle Rueckschlag nach dem 2:0-Sieg im Stadio Olimpico gegen Italien am vergangenen Donnerstag. Das Grundmuster, das in Rom funktioniert hatte - kompakte 4-2-3-1-Ordnung, Godts in der Spitze, De Bruyne im Zehner-Raum, Konter-Momente ueber Lukebakio - wiederholte er in Bruessel nahezu identisch. Gegen die tiefer aufgestellte franzoesische Elf ohne Mbappe brachte diese Struktur allerdings keine Chancen-Serie hervor: Belgien blieb ohne klaren Torschuss, De Bruyne hatte nur eine gefaehrliche Halbchance in der 44. Minute, Lukebakio kam kaum in Aktion.
Die Kadertreue - Van Bommel hatte gegenueber der Rom-Startelf nur eine Position rotiert - koennte im Rueckblick zu unflexibel gewesen sein. Der belgische Bondscoach steht nun mit drei Punkten aus zwei Spielen und einer Tordifferenz von +1 auf dem zweiten Tabellenplatz - der Anschluss an Frankreich ist mit drei Zaehlern Rueckstand nur noch mit einem Sieg im Oktober-Rueckspiel zu halten.
Tabelle Nations League A Gruppe 1 nach dem 2. Spieltag
Nach dem MD2 ergibt sich in der Gruppe A1 folgendes Bild: Frankreich fuehrt mit 6 Punkten aus zwei Spielen und einem Torverhaeltnis von 2:0. Belgien folgt mit 3 Punkten und 2:1. Italien ist mit 3 Punkten und 4:3 Dritter (nach dem 4:1-Sieg in Bursa gegen die Tuerkei). Die Tuerkei ist mit null Punkten und 0:5 Letzter. Die MD3- und MD4-Doppelrunde im Oktober entscheidet ueber die Halbfinal-Aufstiegsplaetze und den Abstiegs-Play-off.
Wie es weitergeht: Frankreich empfaengt Italien im Stade de France
Am naechsten UEFA-Doppelspieltag zwischen dem 9. und 14. Oktober 2026 treffen sich alle vier Nationen erneut. Zinedine Zidanes Frankreich empfaengt zunaechst Italien im Stade de France und tritt danach zum Rueckspiel in Bruessel gegen Belgien an. Mark van Bommels Belgien reist zunaechst nach Ankara zur Tuerkei und empfaengt danach Frankreich zu Hause. Live-Uebertragung in Deutschland: DAZN.
Fuer Zinedine Zidane ist die Ausgangslage im Oktober vielversprechend: sechs Punkte im Bestand, die Sturm-Achse mit Mbappes Rueckkehr voraussichtlich Anfang Oktober komplett, Olise als Formhoch-Punkt-Signal auf der rechten Aussenbahn. Fuer Mark van Bommel wird der Oktober-Doppelspieltag zur Standortbestimmung: Nach der Rueckkehr-Pflicht-Aufgabe in der Tuerkei ist das Heim-Rueckspiel gegen Frankreich die Chance, den Gruppen-Ersten wieder in Reichweite zu bringen. Fuer die deutsche Nationalmannschaft, die am Sonntagabend im Klopp-Heimdebuet gegen Griechenland 0:1 verlor, ist Zidanes zweiter Sieg im zweiten Spiel ein interessanter Kontrast-Punkt: neun Rotationen mit drei Debuts und trotzdem sechs Punkte - waehrend Klopp mit einem beinahe komplett getauschten Kader 2 fuer Serbien und Griechenland erst noch zeigen muss, ob die Rotations-Ansage in Punkten aufgeht.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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