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WM 2026

Tuerkei 1:4 Italien in Bursa: Bastoni-Fruehtor und Kayode-Debuet-Tor bringen Mancini den ersten Nations-League-Sieg

Tuerkei unterliegt Italien 1:4 in Bursa. Bastoni, Frattesi, Kayode-Debuet, Esposito treffen fuer Mancini. Yilmaz-Anschluss reicht Montella nicht.

Von Marco Feldmann 28. September 2026

Alessandro Bastoni im Italien-Trikot im WM-2026-Qualifikations-Duell gegen Norwegen im San Siro Mailand am 16. November 2025. Am 28. September 2026 traf der Inter-Innenverteidiger in der 9. Minute in Bursa zum 0:1 und leitete Italiens 4:1-Sieg bei der Tuerkei ein - Roberto Mancinis erster Erfolg in seiner zweiten Amtszeit (Foto: Vegard Groett / BILDBYRAAN / SIPA USA). Foto: SIPA USA / Vegard Groett / BILDBYRAAN via SmartFrame

Nach dem 0:2-Debakel im heimischen Stadio Olimpico gegen Belgien am vergangenen Donnerstag lief Roberto Mancinis Squadra Azzurra am Montagabend im Bursa-Metropolitan-Stadion unter dem Druck einer moeglichen zweiten Niederlage in Folge auf - und antwortete mit einer der klarsten Auswaerts-Vorstellungen der vergangenen Jahre. Beim 4:1 (3:0) in der Tuerkei stellte Italien die Weichen bereits vor der Pause: Alessandro Bastoni koepfte in der 9. Minute zum 0:1 ein, Davide Frattesi erhoehte in der 22. Minute auf 0:2, Debuetant Michael Kayode von der Fiorentina markierte in der 27. Minute das 0:3. Nach dem Seitenwechsel verkuerzte Baris Alper Yilmaz in der 47. Minute per Flachschuss zum 1:3, doch Francesco Esposito antwortete in der 51. Minute nach einem Fehlpass von Tuerkei-Torwart Altay Bayindir zum 1:4-Endstand.

Es ist der erste Pflichtspielsieg fuer Roberto Mancini in seiner zweiten Amtszeit als Nationaltrainer - und laut Innenverteidiger Alessandro Bastoni im Anschluss an die Partie ein “erster Schritt aus dem Schlamassel”. Fuer die Tuerkei und Vincenzo Montella ist es dagegen die zweite Niederlage in Folge nach dem 0:1 in Kocaeli gegen Frankreich am Donnerstag - und ein Regen-Debakel vor eigenem Publikum, das die Post-WM-2026-Konsolidierung deutlich hinauszoegert.

Die Chronologie: 3:0 zur Halbzeit in Regen und kuehler Herbstluft

Bursa empfing die beiden Nationalmannschaften bei Regen und rund zwoelf Grad. Von der Anfangsminute an lief Italien die tuerkische Aufbau-Struktur hoch an. Die erste Grosschance in der 4. Minute vergab Frattesi noch aus zentraler Position; fuenf Minuten spaeter aber koepfte Alessandro Bastoni eine Ecke von Sandro Tonali zum 0:1 ein - unbedraengt, mit vollem Anlauf zwischen zwei tuerkischen Innenverteidigern. Die Tuerkei versuchte ueber Kenan Yildiz und Arda Gueler den Umschalt-Zug ins Spiel zu bringen, verlor aber Zweikaempfe im Mittelfeld regelmaessig gegen Nicolo Barellas und Tonalis Doppel-Sechs.

In der 22. Minute traf Davide Frattesi zum 0:2. Nach einem Diagonalball auf Federico Chiesa schnitt der Inter-Mittelfeld-Motor in den Sechzehner ein und verwertete Chiesas Ablage flach ins linke untere Eck. Nur fuenf Minuten spaeter kroente Michael Kayode seinen Debuet-Einsatz: In der 27. Minute schloss der 22-jaehrige Fiorentina-Verteidiger nach einem Konter ueber die rechte Seite mit einem Flachschuss zum 0:3 ab - das erste Tor des Debuetanten im Nationalmannschafts-Trikot.

Mancini reagierte im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit defensiv und liess die Squadra tief stehen. Die Tuerkei kam vor der Pause nicht ueber einen Distanzschuss von Hakan Calhanoglu hinaus, den Gianluigi Donnarumma sicher aufnahm. 3:0 zur Halbzeit war das Zwischenergebnis einer klar dominanten Italien-Vorstellung.

Nach der Pause: Yilmaz-Anschluss und Espositos Antwort

Vincenzo Montella brachte in der Kabine zwei Wechsel - und die Tuerkei kam mit Wucht aus der Halbzeit. In der 47. Minute, direkt nach dem Wiederanpfiff, setzte sich Baris Alper Yilmaz an der Strafraum-Grenze durch und schob den Ball flach ins lange Eck zum 1:3. Die zuvor stille tuerkische Kurve fand die Stimme wieder, das Bursa-Metropolitan-Stadion schrie den Anschlusstreffer heraus.

Vier Minuten spaeter aber war die Aufholjagd bereits beendet. In der 51. Minute unterlief Torhueter Altay Bayindir ein Fehlpass: der Manchester-United-Keeper, der vor einer Woche im Old Trafford gegen Sunderland patzte und in Bursa zwischen den Pfosten stand, spielte einen kurzen Rueckpass zu weit an seiner Innenverteidigung vorbei. Francesco Esposito, in der 46. Minute fuer Chiesa eingewechselt, stand goldrichtig, umkurvte Bayindir und schob zum 1:4-Endstand ein.

In der 57. Minute meldete sich die Tuerkei noch einmal. Yilmaz drueckte den Ball nach einer Ecke von Gueler ueber die Linie - doch der Video-Assistent zog den Treffer nach knapper Abseits-Ueberpruefung zurueck. In der Schlussphase versuchte Montellas Elf, das Ergebnis zumindest optisch zu begradigen, kam aber gegen eine tief stehende und geordnete Squadra Azzurra nicht mehr zu klaren Chancen. Schiedsrichter Michael Oliver pfiff die Partie zum 1:4 aus tuerkischer Sicht ab.

Alessandro Bastoni: “Ich stehe Italien noch vier Jahre in der Schuld”

Der Mann des Abends war Alessandro Bastoni. Der 27-jaehrige Inter-Innenverteidiger, der bereits 44 Laenderspiele fuer die Squadra bestritten hat, war mit dem 0:1-Kopfballtor der Weichensteller, mit seiner Aufbau-Praezision in der ersten Halbzeit aber auch strukturell der Unterschied zum defensiven Debakel in Rom drei Tage zuvor. Im Anschluss an die Partie ordnete er den Sieg im Interview mit dem Kicker-Feed selbstkritisch ein: “Ich stehe Italien noch vier Jahre in der Schuld”, sagte Bastoni und spielte damit auf die dritte verpasste WM in Folge an - nach den Play-off-Ausscheiden gegen Schweden 2018 und Nordmazedonien 2022 hatte sich die Squadra auch fuer die WM 2026 in USA, Kanada und Mexiko nicht qualifizieren koennen.

Der Sieg in Bursa sei “ein erster Schritt aus dem Schlamassel”, so Bastoni, “aber die naechsten vier Jahre gehoeren dem Umbau. Die WM 2030 ist der Massstab, an dem wir uns messen lassen muessen.” Der Innenverteidiger, der in der Serie A unter Cristian Chivu bei Inter Mailand seit Saisonbeginn wieder auf der Doppel-Sechs Teilzeiten spielt, spielt damit in eine gemeinsame Linie mit den Aussagen von Verbandspraesident Gabriele Gravina, der Ende Juli den Amtsantritt Mancinis mit dem Auftrag “Aufbau bis 2030” verknuepft hatte.

Mancinis Reset: Was in Bursa anders lief als in Rom

Der Kontrast zum 0:2 in Rom am vergangenen Donnerstag war strukturell und personell greifbar. In Rom hatte Mancini auf ein 4-3-3 mit Barella, Tonali und Locatelli im Mittelfeld gesetzt; in Bursa aenderte er auf ein 4-2-3-1 mit Barella und Tonali als Doppel-Sechs, Frattesi als Zehner sowie Chiesa, Retegui und Politano vor einer Innenverteidiger-Achse Bastoni-Buongiorno. Der zweite grosse Unterschied: die von Belgien in Rom noch dominierte Pressing-Struktur brachte Italien in Bursa selbst auf den Platz. Die tuerkische Aufbau-Struktur wurde bereits im Mittelfeld gestellt, Fehlpaesse fuehrten in der 9., 22. und 27. Minute zu Toren.

Auffaellig war die Debuet-Nominierung: Mancini brachte mit Michael Kayode (22, Fiorentina) sowie mit Francesco Esposito (20, Cagliari) zwei Spieler aus der italienischen U21-Generation in die Startelf beziehungsweise fruehen Wechsel - beide trugen sich in die Torschuetzenliste ein. Es ist die Handschrift, die Mancini in seiner ersten Amtszeit 2018-2023 als markanten Zug etabliert hatte: Debuetanten in Krisen-Spielen einbauen, um den Umbau nicht durch Ergebnis-Angst zu verzoegern.

Vincenzo Montellas Tuerkei: Bursa als zweite Niederlage in Folge im Post-WM-2026-Zyklus

Fuer die Tuerkei ist der 1:4-Heim-Rueckschlag die zweite Niederlage in Folge unter Vincenzo Montella nach dem WM-2026-Gruppenphasen-Aus im Sommer. Nach dem 0:1 in Kocaeli gegen Frankreich am Donnerstag verschaerft das Bursa-Ergebnis die Situation: Montellas Team steht ohne Punkt am Tabellenende der Gruppe A1, hat ein Torverhaeltnis von 0:5 und rutscht in die Abstiegszone der Nations League A - dem Play-off gegen einen League-B-Zweiten im Fruehjahr 2027. Verbandspraesident Ibrahim Hacoisamoglu hatte Ende Juli angekuendigt, an Montella auch fuer den WM-2030-Qualifikations-Zyklus festzuhalten. Nach den ersten beiden Nations-League-Ergebnissen wird die Kontinuitaets-Ansage die erste harte Probe im Verband durchlaufen muessen.

Sportlich lieferte die Tuerkei-Elf zumindest zwischen der 47. und der 58. Minute jenen offensiven Zugriff, den Montella auch in Kocaeli gefordert hatte: Yilmaz’ Anschlusstor, Gueler-Yildiz-Umschalt-Aktionen und das aberkannte 2:4 zeigten, dass die Substanz auf Halbraum-Ebene weiter vorhanden ist. Die strukturellen Loecher in der Innenverteidigung - Merih Demiral fehlte verletzungsbedingt, Kaan Ayhan wurde in der 60. Minute nach seinem dritten geblockten Klaerungsversuch ausgewechselt - blieben aber die Achillesferse des Abends.

Bayindir-Fehler und der Manchester-United-Kontext

Ein Detail, das in den italienischen Radio-Kommentaren nach dem Spiel wiederholt herausgestellt wurde: das 1:4 ging auf einen weiteren Fehlpass von Torhueter Altay Bayindir zurueck. Der 28-Jaehrige, seit Sommer 2023 bei Manchester United unter Vertrag und dort im laufenden Bundesliga-Herbst als Ersatz-Torwart hinter Andre Onana gefuehrt, hatte am vergangenen Wochenende gegen Sunderland im Old Trafford bereits einen Rueckpass verstolpert und einen Gegentreffer verursacht. In Bursa wiederholte sich das Muster: Ein zu kurzer Rueckpass an der Sechzehner-Grenze, Espositos schnelles Anlaufen, das leere Tor. Fuer Montella stellt sich damit die Frage, ob im Oktober-Doppelspieltag Ugurcan Cakir wieder ins Tor rueckt - der Torwart hatte in Kocaeli beim einzigen Gegentor keine Chance und bleibt aus tuerkischer Sicht der Stamm-Kandidat.

Tabelle Nations League A Gruppe 1 nach MD2

Nach dem 2. Spieltag der UEFA Nations League A ergibt sich in Gruppe 1 folgendes Bild: Frankreich fuehrt mit sechs Punkten aus zwei Spielen und einem Torverhaeltnis von 2:0 die Tabelle an (nach dem 1:0-Sieg in Bruessel gegen Belgien am Abend durch Michael Olise). Belgien folgt mit drei Punkten (Tore 2:1), Italien ist mit drei Punkten und einem Torverhaeltnis von 4:3 Dritter, die Tuerkei belegt mit null Punkten und 0:5 Toren den letzten Platz. Die MD3- und MD4-Doppelrunde im Oktober entscheidet ueber die Halbfinal-Aufstiegsplaetze und den Abstiegs-Play-off.

Wie es weitergeht: Frankreich waertet auf Italien, Tuerkei tritt bei Belgien an

Am naechsten UEFA-Doppelspieltag zwischen dem 11. und 14. Oktober 2026 treffen sich alle vier Nationen erneut. Vincenzo Montellas Tuerkei reist zunaechst nach Bruessel zu Belgien und empfaengt drei Tage spaeter Italien in einer Neuauflage der Bursa-Partie. Roberto Mancinis Squadra Azzurra tritt zunaechst in Frankreich an und empfaengt danach die Tuerkei zu Hause. Live-Uebertragung in Deutschland: DAZN. Fuer beide Nationen ist der Oktober-Doppelspieltag der Praezedenz-Fall fuer den Post-WM-2026-Umbau - Montella braucht Punkte gegen den Abstieg, Mancini kann den Reset in Paris mit einer Standortbestimmung gegen die Gruppen-Spitze festigen.

Fuer die deutsche Nationalmannschaft, die am Sonntagabend im Klopp-Heimdebuet gegen Griechenland 0:1 verlor und deren Kader 2 fuer Serbien und Griechenland am Montagvormittag nominiert wurde, ist der Bursa-Auftritt ein interessanter Kontrastpunkt: waehrend Klopp mit einem beinahe komplett getauschten Kader in die naechsten Nations-League-Spiele geht, setzt Mancini auf die Debuet-Integration einzelner U-24-Namen in die bestehende Achse. Zwei unterschiedliche Antworten auf den Post-WM-Reset-Bedarf - eine mit Rotation, eine mit Injektion.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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