DFB-Bundestag am 18. Dezember zur Regionalliga-Reform - Kompass-Modell vor der Zwei-Drittel-Huerde
Das DFB-Praesidium hat am 11. September 2026 einen ausserordentlichen Bundestag am 18. Dezember zur Regionalliga-Reform beauftragt. Favorit: das Kompass-Modell.
Von Die Redaktion 11. September 2026
Das Praesidium des Deutschen Fussball-Bundes hat am Freitag den Weg zu einem ausserordentlichen DFB-Bundestag freigemacht. Wie der Sportschau-Bericht und die offizielle DFB-Mitteilung am 11. September 2026 uebereinstimmend meldeten, hat das Praesidium DFB-Generalsekretaer Holger Blask beauftragt, den Bundestag fuer Freitag, den 18. Dezember 2026, in Frankfurt am Main vorzubereiten. Auf der Tagesordnung: die seit Jahren umstrittene Regionalliga-Reform mit dem favorisierten Kompass-Modell und dem alternativen Regionen-Modell.
Der Praesidiumsbeschluss vom 11. September - Auftrag an Generalsekretaer Blask
Das Praesidium hat am Freitag in Frankfurt am Main den formalen Auftrag an die DFB-Zentrale erteilt, den ausserordentlichen Bundestag technisch und inhaltlich vorzubereiten. Der Auftrag richtet sich direkt an Generalsekretaer Holger Blask, der die Beschlussvorlagen zu formulieren und die Delegierten-Einladung zu koordinieren hat. Der 18. Dezember ist ein bewusst gewaehltes Datum: er liegt vor der Winterpause der oberen Ligen und damit noch im Kalenderjahr, in dem die Reform politisch beschlossen werden soll, damit sie fruehestens zur Saison 2027/2028 wirksam werden kann.
Der Beschluss ist prozeduraler Natur. Das Praesidium selbst hat keine Kompetenz, die Regionalliga-Struktur oder die Aufstiegsregelung zur 3. Liga per eigenem Beschluss zu aendern. Diese Kompetenz liegt beim Bundestag - dem hoechsten Gremium des DFB, in dem die Landes- und Regionalverbaende sowie die Vereinsvertreter stimmberechtigt sind. Das Praesidium ist damit auf das prozedurale Instrument des ausserordentlichen Bundestags angewiesen.
Der Zeitpunkt fuellt eine Governance-Woche des DFB, in der das Praesidium parallel zur Regionalliga-Reform auch den Grundsatzbeschluss zur Weitergabe von Polizeikosten bei Hochrisikospielen an die Heimvereine gefasst hat. Beide Beschluesse markieren die institutionelle Nachhut-Phase nach dem WM-Aus im Sommer 2026 und die Neuausrichtung des Verbands unter dem Doppel Neuendorf-Klopp.
Kompass-Modell im Detail - vier Staffeln, 80 Klubs, KI-Zuordnung nach Fahrtweg
Das Kompass-Modell reduziert die Regionalliga von aktuell fuenf Staffeln (Nord, Nordost, West, Suedwest, Bayern) auf vier Staffeln. Jede Staffel umfasst 20 Klubs, was der Regionalliga insgesamt 80 statt aktuell 90 Klubs gibt. Die zehn wegfallenden Plaetze werden ueber die Saisons vor Inkrafttreten der Reform ueber Abstiegs- und Aufstiegsregelungen zwischen Regionalliga und Oberliga austariert.
Kern des Modells ist die jaehrliche Neu-Einteilung. Die AG Regionalliga-Reform hat eine algorithmische Zuordnung entwickelt, die die 80 Klubs jede Saison nach den kuerzesten Reisewegen auf die vier Staffeln verteilt. Ziel ist die Minimierung der Fahrtstrecken innerhalb einer Staffel, was direkt auf die Kostenstruktur der Regionalligisten wirkt. Die Fahrtwegs-Berechnung nutzt kuenstliche Intelligenz, um die zehntausenden moeglichen Klub-Kombinationen zu bewerten und die reisekostenoptimale Zuordnung zu finden.
Der Modelltitel “Kompass” verweist auf diese kompass-basierte, an geographischen Distanzen orientierte Logik. Fuer die Klubs bedeutet das eine potenzielle Neu-Zuordnung von Saison zu Saison: ein Regionalligist kann in der einen Saison mit vorwiegend norddeutschen Gegnern, in der naechsten mit vorwiegend ostdeutschen Gegnern spielen. Die AG hat diese Flexibilitaet als Vorteil dargestellt, weil sie die Reisebelastung aller Klubs im System langfristig ausgleichen soll.
Regionen-Modell als Gegenentwurf - zwei Staffeln aus Nord, Nordost und Bayern
Der zweite Vorschlag der AG Regionalliga-Reform ist das Regionen-Modell. Es haelt an einer festen regionalen Verortung der Staffeln fest und weicht diese nur fuer den nordoestlich-noerdlich-bayerischen Sektor auf. Konkret sieht das Modell vor, die drei Regionalligen Nord, Nordost und Bayern in zwei neue Staffeln zu ueberfuehren, waehrend die Regionalligen West und Suedwest in ihrer aktuellen Form bestehen bleiben.
Das Regionen-Modell arbeitet mit 72 Klubs insgesamt, verteilt auf vier Staffeln unterschiedlicher Groesse. Es verzichtet auf die jaehrliche Neu-Einteilung und damit auf die algorithmische Zuordnung des Kompass-Modells. Die Befuerworter argumentieren, dass die feste regionale Bindung die Identifikation der Klubs und ihrer Fanlager mit der Staffel staerkt und die planerische Kalkulierbarkeit erhoeht.
In der internen Klub-Diskussion des Juni 2026 hatte das Kompass-Modell den groesseren Zuspruch gefunden, insbesondere unter Fangruppen und in mehreren Regionalverbaenden. Das Regionen-Modell hatte seinerseits Rueckhalt in West und Suedwest, wo die Staffelstruktur nicht angetastet worden waere. Beide Modelle scheiterten in der Juni-Abstimmung an einer gemeinsamen Mehrheit ueber alle Regionalverbaende hinweg.
Der Aufstiegs-Kern - alle Meister direkt in die 3. Liga
Der eigentliche Streitpunkt liegt weniger in der Struktur der Regionalliga als in der Aufstiegsregelung zur 3. Liga. Aktuell werden die fuenf Regionalligameister nicht alle direkt in die 3. Liga uebernommen. Die 3. Liga verfuegt ueber begrenzte Aufstiegsplaetze, und der DFB regelt seit Jahren mit einer rotierenden bzw. relegativen Zuordnung, welche Meister direkt aufsteigen und welche in Relegation muessen. Diese Regelung hat wiederholt zu Konflikten gefuehrt - besonders wenn ein Regionalligameister in der Relegation gescheitert ist und die naechste Saison erneut in der Regionalliga starten musste.
Beide neuen Modelle - Kompass und Regionen - loesen dieses Problem ueber die Verringerung der Staffelzahl auf vier. Vier Staffeln bedeuten vier Meister, und die vier Meister sollen direkt in die 3. Liga aufsteigen. Damit entfaellt die Relegation zwischen den Regionalligameistern.
Diese Aufstiegs-Klarheit ist der wirtschaftlich entscheidende Punkt fuer die Regionalligisten. Direkter Aufstieg bedeutet Planungssicherheit fuer die Klubs, die um die Meisterschaft mitspielen, und eine faire Wertung der sportlichen Leistung ueber die Saison. Fuer Klubs wie BSV Rehden oder andere ambitionierte Regionalligisten wuerde die Reform den Weg in die 3. Liga rechnerisch verkuerzen.
Neuendorfs Positionswechsel - vom Juni-Scheitern zur Bundestags-Vorlage
DFB-Praesident Bernd Neuendorf hatte nach der gescheiterten Klub-Abstimmung im Juni 2026 zunaechst zurueckhaltend reagiert. In seiner Stellungnahme vom 30. Juni 2026 hielt er fest, das Ziel der Aufstiegsberechtigung fuer alle Regionalligameister bleibe unabhaengig von der Abstimmung gueltig, und der DFB werde den Prozess aktiv weiter gestalten und den Dialog mit allen Beteiligten suchen. Konkret setzte sich der Prozess ueber den Sommer 2026 in wenige oeffentliche Schritte um.
Der Praesidiumsbeschluss vom 11. September ueberfuehrt diese Ankuendigung in einen konkreten Bundestags-Fahrplan. Neuendorf begruendet den Schritt in der DFB-Mitteilung mit dem Satz, die Aufstiegsregelung in der Regionalliga beschaeftige den deutschen Fussball seit Jahren und muesse jetzt geloest werden. Tommy Haeder, Sprecher der Initiative fuer eine Regionalliga-Reform, reagierte mit dem Satz, man sei sehr dankbar, dass Neuendorf seinen Worten nun Taten folgen lasse.
Neuendorfs Positionierung reiht sich in eine Serie institutioneller Weichenstellungen ein, die der DFB-Praesident im Nachgang zur WM 2026 vorantreibt. Parallel laufen die Positionen zur FIFA-Governance-Debatte rund um den Infantino-Investorenplan sowie der Grundsatzbeschluss zur Polizeikosten-Weitergabe im DFB-Pokal und in der 3. Liga.
Zwei-Drittel-Mehrheit - warum der Bundestag zwingend ist
Der ausserordentliche DFB-Bundestag ist die einzige Instanz, die die Regionalliga-Reform beschliessen kann. Die Aenderung der Spielordnung und Teile der DFB-Satzung liegen in seiner Zustaendigkeit, und die notwendigen Satzungsaenderungen erfordern eine Zwei-Drittel-Mehrheit der stimmberechtigten Delegierten. Diese Huerde ist die entscheidende politische Vorgabe fuer den 18. Dezember.
Die Zwei-Drittel-Mehrheit erfordert eine breite Zustimmung ueber die Regional- und Landesverbaende hinweg. Insbesondere die fuenf Regionalligen (Nord, Nordost, West, Suedwest, Bayern) sind ueber die Regionalverbaende repraesentiert und stimmen mit spezifischem Eigeninteresse. Regionalverbaende, deren Regionalliga in einem der Modelle konsolidiert oder aufgeloest wuerde, koennen bei einem der Modelle blockieren. Das gilt insbesondere fuer den Nordosten und Bayern beim Regionen-Modell und fuer alle Regionalverbaende gleichermassen beim Kompass-Modell, weil dort die feste regionale Zuordnung komplett entfaellt.
Der DFB muss bis zum 18. Dezember eine Vorlagen-Konstellation erarbeiten, die die Zwei-Drittel-Huerde nimmt. Die AG Regionalliga-Reform hat den Sommer und Fruehherbst 2026 genutzt, um Kompromisslinien zwischen den Modellen zu sondieren. Ob die Bundestags-Vorlage am 18. Dezember eines der beiden Modelle in Reinform oder eine Kompromissvariante zur Abstimmung stellt, wird der DFB in den kommenden Wochen entscheiden muessen.
Offene Fragen - Aufsteiger-Quote, Reformdatum, Klubreaktion
Der Praesidiumsbeschluss laesst mehrere Punkte offen. Erstens die Frage, ob es beim direkten Aufstieg aller vier Regionalligameister bleibt oder ob eine ergaenzende Regelung fuer den Aufstieg aus den Regionalligen in die 3. Liga hinzukommt - etwa ueber eine Relegation zwischen einem Zweiten der Regionalliga und einem Absteiger der 3. Liga.
Zweitens der Zeitpunkt des Inkrafttretens. Eine Reform, die am 18. Dezember 2026 beschlossen wird, kann realistisch fruehestens zur Saison 2027/2028 wirksam werden. Der DFB muss Uebergangsregelungen fuer die Saison 2026/2027 und die Reduktion von fuenf auf vier Staffeln definieren, die die Klubs sportlich nicht benachteiligt.
Drittens die konkrete Reaktion der Regionalverbaende und der Klubs. Nach dem Juni-Scheitern liegt jetzt der Ball bei den Landesverbaenden, ueber ihre Bundestags-Delegierten die Reform politisch mitzugestalten. Der DFB-Praesidiumsbeschluss vom 11. September ist der prozedurale Auftakt einer drei Monate langen politischen Phase, an deren Ende der Bundestag entweder eine Reform mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschliesst oder ein weiteres Mal die Aufstiegsfrage vertagt. Was der 11. September in jedem Fall festhaelt: die WM-2026-Nachhut-Phase steht beim DFB nicht nur im Zeichen der Klopp-Neuausrichtung auf dem Rasen und der Polizeikosten-Weitergabe, sondern auch der institutionellen Antwort auf die Aufstiegs-Blockade in der vierten Spielklasse.
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Die Redaktionfussballweltmeisterschaft.online
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