Elfenbeinküste düpiert Frankreich 2:1 in Nantes - DFB-Gegner mit WM-Statement
Die Elfenbeinküste gewinnt sieben Tage vor WM-Start 2:1 in Nantes gegen Frankreich. Premieren-Sieg, Tore von Doué und Amad Diallo - und ein Signal für das DFB-Spiel am 20. Juni.
Von Marco Feldmann 04. Juni 2026
Sieben Tage vor dem Auftakt der Fussball-WM 2026 hat die deutsche Gruppen-Auslosung eine neue Note bekommen: Die Elfenbeinküste hat am Donnerstagabend in Nantes Mitfavorit Frankreich mit 2:1 geschlagen - der erste Sieg der Éléphants gegen die Equipe Tricolore in der Geschichte beider Nationalmannschaften. Rayan Cherki hatte die Franzosen kurz vor der Pause in Führung gebracht, Guela Doué und Amad Diallo drehten die Partie nach dem Wechsel. Für Didier Deschamps ist es die unangenehmste Generalprobe seiner Amtszeit; für Bundestrainer Julian Nagelsmann und das DFB-Team ein klares Warnsignal mit Blick auf das zweite Gruppenspiel am 20. Juni in Toronto.
Was in Nantes geschah - Cherki führt, Doué und Diallo drehen das Spiel
Das Stade de la Beaujoire war an einem milden Donnerstagabend ordentlich besetzt, und für Deschamps war es eine Standardlage: Die Equipe Tricolore in Bestbesetzung, die Elfenbeinküste als ambitionierter, aber rechnerisch nicht als WM-Favorit gehandelter Sparringspartner. Bis zur Halbzeit lief das Drehbuch noch wie vorgesehen. Frankreich hatte die Räume kontrolliert, das Mittelfeld dominiert, und kurz vor der Pause traf der bei Manchester City glänzende Cherki zum 1:0 - sein erstes Tor in der finalen WM-Vorbereitung, ein technisch sauberer Innenseiten-Schuss aus der zweiten Reihe.
Nach dem Seitenwechsel kippte das Spiel binnen einer halben Stunde. In der 53. Minute kam Guela Doué, Rechtsverteidiger des Racing Straßburg, nach einem Eckball völlig frei zum Kopfball - 1:1, der erste Treffer des 22-Jährigen für die A-Auswahl. Frankreichs Defensive wirkte ab diesem Moment löchriger: Die Elfenbeinküste presste auf Augenhöhe, gewann Zweikämpfe in der zentralen Hälfte und brachte das französische Aufbauspiel mehrfach unter Druck. In der 84. Minute belohnte sich die Mannschaft von Emerse Faé: Amad Diallo zog von rechts nach innen, schloss aus knapp 14 Metern in die kurze Ecke ab - das 2:1, der historische Premieren-Sieg.
Deschamps wechselt Mbappé und Olise - und verliert den Faden
Deschamps hatte zur Pause begonnen, sein Personal zu rotieren - eine Routine, die in Vorbereitungsspielen sinnvoll, in einer Schlussphase mit Aufholdruck aber riskant ist. In der zweiten Halbzeit nahm der Franzosen-Trainer nacheinander Kylian Mbappé (Real Madrid) und Michael Olise (FC Bayern) vom Platz; auf Mbappé folgte Bradley Barcola, auf Olise Maghnès Akliouche. Die Equipe Tricolore verlor mit den Wechseln den klaren strukturellen Bezugspunkt im letzten Drittel - und in dem Moment, in dem die Elfenbeinküste das Tempo erhöhte, fehlte den Franzosen das Tor-Werkzeug, das Deschamps zuvor noch auf dem Platz hatte.
Es ist die Art von Detail, die in einem Test belanglos wäre - und vor einem WM-Auftakt zur Personalfrage wird. Deschamps wird Mbappé und Olise gegen Senegal am 16. Juni in New York/New Jersey vermutlich von Beginn an aufstellen, doch der Punkt, an dem die Equipe Tricolore das Tempo halten muss - die letzten 20 Minuten gegen schnelle afrikanische Konter-Mannschaften - ist nun zur offenen Frage geworden. Das 1:2 von Nantes ist nicht das Ende einer Vorbereitung, aber es ist die zweite konkrete Warnung an Deschamps in dieser Phase: Frankreich hat eine Stamm-Elf, aber kein einstudiertes Rezept gegen den Umschalt-Druck, den drei der vier WM-Outsider von Format spielen.
Erster Sieg der Elfenbeinküste gegen Frankreich überhaupt
Historisch hat dieses Ergebnis Gewicht. Die Elfenbeinküste hatte in zuvor sechs A-Länderspielen gegen Frankreich nicht gewonnen - drei Niederlagen, drei Unentschieden, das letzte Aufeinandertreffen 2012 hatte Frankreich 2:0 in Levallois gewonnen. Für Emerse Faé, der das Trainer-Amt im Frühjahr 2024 mitten im Africa Cup übernahm und mit der Mannschaft den Afrikameister-Titel 2024 im eigenen Land holte, ist der Sieg in Nantes der nächste Schritt eines Teams, das sich systematisch aus dem afrikanischen Standort heraus an europäische Top-Mannschaften herangearbeitet hat.
Sportlich entstand der Sieg aus genau jenem Profil, das Faé seit 2024 wiederholt formuliert hat: tief stehen, konsequent in der Defensive, mit schnellen Außen den Konter setzen. Amad Diallo auf der einen, Simon Adingra (AS Monaco) auf der anderen Seite waren in der zweiten Halbzeit die Hebel. Im Zentrum führte Kapitän Franck Kessié das Spiel, hinten organisierten Evan Ndicka und Ousmane Diomandé die Viererkette. Es ist genau das Personal, mit dem die Elfenbeinküste laut Kader-Übersicht von Faé auch gegen Deutschland antreten dürfte - mit dem Selbstvertrauen, das ein Sieg in Nantes liefert.
Was das für Deutschland gegen die Elfenbeinküste bedeutet
Für das DFB-Team ist Nantes kein Drama - aber eine konkrete Korrektur der Erwartungshaltung. Die Elfenbeinküste war im deutschen Vorstellungsbild der zweite Gruppen-Gegner, gegen den der zweite Gruppensieg eingeplant war. Nach dem Africa-Cup-Titel 2024 und jetzt dem Sieg gegen Frankreich ist das nicht mehr selbstverständlich. Am 20. Juni 2026 um 22:00 MESZ trifft die DFB-Auswahl in Toronto auf die Mannschaft von Faé - und muss sich auf eine Elfenbeinküste einstellen, die mit Umschaltspiel, schnellen Außen und kompakter Defensive operiert.
Für Bundestrainer Julian Nagelsmann bedeutet das konkret: Die Außenverteidiger müssen die Tiefe gegen Diallo und Adingra schließen, ohne nach vorn zu verzwergen. Im Zentrum braucht es einen Sechser, der das schnelle vertikale Spiel der Éléphants stört - und vorne ist eine Mannschaft gefragt, die das Spiel selbst macht, anstatt darauf zu warten, dass die Elfenbeinküste sich öffnet. In Gruppe E - mit Curaçao und Ecuador als dritten und ersten Gegnern - ist das Spiel gegen die Elfenbeinküste die wahrscheinlichste Punkte-Frage. Ergebnis aus Nantes: Diese Frage ist nicht mehr akademisch.
Frankreich vor dem Senegal-Auftakt - wie ernst ist die Lage?
Aus französischer Perspektive ist Nantes der dritte Hinweis darauf, dass Deschamps’ Mannschaft die selbstgesetzte Favoritenrolle nicht souverän verteidigt. Frankreich startet in Gruppe I gegen Senegal, danach folgen Irak und Norwegen. Aktuelle WM-Buchmacher führen Frankreich neben Spanien, Argentinien und England als Top-Vier-Favorit - und mehrere prominente Stimmen zweifeln allerdings am DFB-Favoritenstatus, nicht aber am französischen. Ergebnisse wie das 1:2 von Nantes nähren die Gegenstimmen.
Für den WM-Turnierbaum aus deutscher Sicht - mit der bekannten Möglichkeit, im Viertelfinale auf Frankreich zu treffen - ist das 1:2 von Nantes ambivalent. Eine geschwächte Equipe Tricolore würde im K.o.-Bereich eher zur lösbaren Aufgabe; eine Equipe Tricolore, die in der K.o.-Phase ihre Bestform abruft, bleibt das Schwergewicht, das die Lossituation suggeriert. Die letzten sieben Tage vor dem WM-Auftakt sind für Frankreich entscheidend - Deschamps muss nach Nantes vor allem die Frage beantworten, wie diese Mannschaft in der Schlussphase ein knappes Spiel zumacht.
Sieben Tage bis zur WM - und ein neues Kräftefeld in Gruppe E
Für Faé heißt das jetzt: Reise nach Nordamerika, letzte Einheiten, dann der Gruppenauftakt am 15. Juni gegen Ecuador in Philadelphia. Die Mannschaft hat in einer Woche Vorbereitung WM-Teilnehmer Südkorea geschlagen (am 28. März in Milton Keynes mit Treffer von Adingra) und nun Frankreich - eine Bilanz, die das Selbstbewusstsein vor der ersten WM seit 2014 spürbar hebt. Wer den vollen Überblick zu Kader und Spielplan der Elfenbeinküste sucht, findet ihn auf der Team-Seite; das DFB-Duell am 20. Juni ist auf der Match-Seite Deutschland gegen Elfenbeinküste hinterlegt.
Sieben Tage. Ein historischer Sieg gegen Frankreich. Ein DFB-Gegner, der nicht mehr nach Pflichtaufgabe aussieht. Die Gruppen-Karten in Gruppe E werden neu sortiert - und wer Nagelsmann zuhört in dieser Woche, wird das Wort “Respekt” für die Elfenbeinküste deutlich häufiger hören als noch im Mai.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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