Impf-Affaere weitet sich aus: Embolo bestaetigt Faelschung, SFV kippt urspruenglichen Plan
Breel Embolo bestaetigt am 25. September 2026 den Kauf eines gefaelschten Covid-Zertifikats. Der Basler Strafbefehl ist rechtskraeftig, der SFV kippt seinen urspruenglichen Zusammenzugs-Plan.
Von Marco Feldmann 25. September 2026
Am Freitagabend, 25. September 2026, um 19:03 Uhr, hat sich die Schweizer “Impf-Affaere” auf einen zweiten WM-2026-Fahrer ausgeweitet. Breel Embolo bestaetigt in einem schriftlichen Statement, sich 2021 ein gefaelschtes Covid-Zertifikat gekauft zu haben. Anders als bei Nati-Captain Granit Xhaka am 21. September ist der juristische Teil bereits abgeschlossen: Die Basler Staatsanwaltschaft hat am 25. November 2025 einen Strafbefehl ueber 60’000 Franken erlassen, den der Stuermer akzeptiert hat. Der SFV kippt daraufhin seinen urspruenglichen Plan, Embolo nach dem Nations-League-Spiel gegen Nordmazedonien einzugliedern - die Nati bestreitet das laufende Fenster ohne ihn.
Das schriftliche Statement vom Freitagabend
Embolos Erklaerung ist knapp und ohne Ausflucht. Der zentrale Satz lautet:
“Ich habe eingesehen, dass mein damaliges Handeln nicht richtig war, und dafuer die Verantwortung uebernommen.”
Der Stuermer verzichtet auf Rechtfertigungs-Formeln, ordnet den Vorgang ins Jahr 2021 ein und verweist auf die abgeschlossene juristische Aufarbeitung. Damit unterscheidet sich sein Statement in einem Punkt strukturell von der Xhaka-Erklaerung vom Sonntag: Wo der Captain am 21. September die eigene Verunsicherung in der Pandemie zentral gestellt hatte, formuliert Embolo entlang der Verantwortungs-Uebernahme fuer eine Tat, deren strafrechtliche Bewertung bereits vorliegt.
Der Basler Strafbefehl vom 25. November 2025
Der juristische Kern des Falls liegt zehn Monate zurueck. Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt hat am 25. November 2025 einen Strafbefehl gegen Embolo erlassen. Der Vorwurf: mehrfache Anstiftung zur Urkundenfaelschung. Die Strafe: eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessaetzen zu je 3’000 Franken, in Summe 60’000 Franken. Embolo hat den Strafbefehl akzeptiert - damit ist er rechtskraeftig. Die bedingte Strafe wird nur dann faellig, wenn der Stuermer sich in der Probezeit nicht bewaehrt.
Das ist der wesentliche juristische Unterschied zum Fall Xhaka in Luzern: Waehrend gegen den Captain die Ermittlungen der Luzerner Staatsanwaltschaft noch laufen und eine Einvernahme fuer Anfang Oktober vorgesehen ist, liegt bei Embolo eine akzeptierte Verurteilung vor. Als Vermittler der Faelschung berichten Schweizer Medien von einem Mitglied der Motorradgruppe “Hells Angels” - ein Detail, das die Basler Ermittlungen auf einen anderen Ausgangspunkt zurueckfuehrt als das Luzerner Aerztin-Verfahren, in dem Xhaka steckt.
SFV-Reversal: vom “kommt nach Nordmazedonien nach” zum “gar nicht mehr im Zusammenzug”
Der SFV war am Freitag bis in den Nachmittag hinein von einem anderen Ablauf ausgegangen. Der urspruengliche Plan sah vor, dass Embolo das Nations-League-Spiel gegen Nordmazedonien am 27. September auslaesst und danach zur Mannschaft stoesst, um im weiteren Zusammenzug wieder verfuegbar zu sein. Nachdem am Abend die Berichterstattung ueber den Basler Strafbefehl aufkam und Embolos Statement in Umlauf ging, hat der Verband diesen Plan gekippt.
Die neue Kommunikation ist knapp: Die Nati werde “den laufenden Zusammenzug ohne ihn bestreiten”. Damit fehlt der Angreifer nicht nur beim Auftaktspiel, sondern im gesamten Laenderspiel-Fenster. Wer Embolos Rolle im Sturm uebernimmt, hat SFV-Trainerteam am Freitagabend offen gelassen - die Mannschaft ist bereits an Ort und Stelle, die Wechsel im Aufgebot muessen jetzt kurzfristig erfolgen.
Yakin-Reaktion: “Es ist leider so”
Bundestrainer Murat Yakin hat am Freitagabend kurz und nuechtern reagiert:
“Es ist leider so. Wir muessen uns aber auf den Fussball konzentrieren.”
Der Trainer verzichtete auf eine juristische oder moralische Einordnung. Fuer Yakin ist Embolo einer der zentralen Angreifer der Post-WM-Nati - der Stuermer traf beim 2:0 gegen Algerien in Vancouver in der Gruppenphase, war beim 1:1-Auftaktspiel gegen Katar zentral am Ausgleich beteiligt und fehlte im Viertelfinale gegen Argentinien nach Gelb-Roter Karte. Die kurzfristige Umbau-Aufgabe fuer die Nations-League-Woche ist Yakins erste substanzielle Personal-Frage nach dem WM-Aus - nicht sportlich, sondern juristisch begruendet.
Die Impf-Affaere weitet sich aus - vom Solo-Fall zur Zweit-Saeulen-Erweiterung
Vier Tage nach dem Xhaka-Statement ist aus dem Solo-Fall eine Affaere mit zwei Traegern geworden. Der Bogen ist eng: Am 21. September gab der Captain per Instagram den Kauf einer gefaelschten Impfbestaetigung zu und fehlte im naechsten Zusammenzug - jetzt bestaetigt Embolo eine parallele Geschichte mit einem bereits rechtskraeftigen Strafbefehl. Beide Faelle haben unterschiedliche Ausgangspunkte (Luzerner Aerztin bei Xhaka, “Hells Angels”-Kontakt bei Embolo), beide Faelle betreffen aber die Kern-Aufstellung der Schweizer Nati auf der WM 2026 in Nordamerika.
Fuer den SFV ist das ein struktureller Einschnitt in der Post-WM-Phase. Nach dem Viertelfinal-Aus gegen Argentinien waere die naechste sportliche Aufgabe die Konsolidierung des Kerns fuer den WM-2030-Zyklus gewesen. Stattdessen dominiert eine juristische Aufarbeitung, die zwei zentrale Namen der WM-Aufstellung binnen fuenf Tagen aus dem Kader nimmt. Ob es bei zwei Faellen bleibt, hat der SFV am Freitagabend nicht kommentiert.
Was Embolo verpasst und wie es weitergeht
Kurzfristig fehlt Embolo im laufenden Laenderspiel-Fenster - beim Wochenend-Spiel gegen Nordmazedonien und im weiteren Verlauf der Nations-League-Woche. Mittelfristig ist die Personal-Frage juristisch abgeschlossen: Der Basler Strafbefehl ist rechtskraeftig, Embolo hat ihn akzeptiert. Weitere strafrechtliche Schritte stehen nicht an, solange die Probezeit eingehalten wird.
Offen bleibt am Freitagabend die sportliche Perspektive fuer den Oktober-Zusammenzug und darueber hinaus. Der SFV hat nur ueber das laufende Fenster entschieden. Ob der Stuermer nach der Probezeit-Signal-Phase wieder in den Nati-Kader zurueckkehrt, entscheidet der Verband voraussichtlich vor dem naechsten Zusammenzug. Fuer Trainer Yakin ist die Frage nicht rein sportlich - sie wird davon abhaengen, wie die Kommunikations-Linie der Nati mit einer Affaere umgeht, die sich in vier Tagen von einem auf zwei WM-2026-Saeulen ausgeweitet hat.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.