Rijeka-Rout: England demontiert Kroatien 7:0 - hoechste Niederlage der Verbands-Geschichte
England demontiert Kroatien 7:0 in Rijeka: Kane und Saka treffen doppelt, Bellingham, Gordon und Rogers runden ab. Hoechste Pleite der kroatischen Verbands-Geschichte.
Von Marco Feldmann 03. Oktober 2026
Es war die Antwort, die Thomas Tuchel nach dem Wembley-Debakel am 26. September gegen Spanien seiner Mannschaft im St George’s Park ins Pflichtenheft geschrieben hatte: eine 90-Minuten-Demonstration. In Rijeka hat seine Mannschaft am Samstagabend geliefert. Kroatien verlor im Stadion Rujevica 0:7 gegen die Three Lions - die hoechste Niederlage in der Geschichte des kroatischen Fussballverbandes. Harry Kane und Bukayo Saka doppelten jeweils, Jude Bellingham, Anthony Gordon und Morgan Rogers rundeten die Gala am dritten Spieltag der UEFA Nations League A, Gruppe 4, ab.
Fuer Tuchel war es der zweite Pflichtspiel-Auftritt nach dem WM-Bronze-6:4 gegen Frankreich in Miami und die direkte Antwort auf den Doppelschlag der spanischen Joker Baena und Oyarzabal eine Woche vorher. Fuer Slaven Bilic, der die Modric-Aera abschliessen und einen neuen kroatischen Jahrgang etablieren soll, war es nach dem 1:4 in Sevilla das zweite A4-Debakel binnen vier Tagen. 108 Tage nach dem WM-Gruppenspiel, das England schon 4:2 gewonnen hatte, lief das Rematch komplett entgleist.
Die sieben Tore: Kane-Doppelpack, Saka-Doppelpack und ein Rogers-Schlusspunkt
Kane eroeffnete bereits in der 8. Minute, Bellingham erhoehte in der 21. zum 2:0. Anthony Gordon machte in der 39. das 3:0, bevor Saka direkt vor der Halbzeitpause in der 45. Minute auf 4:0 stellte. Zur Pause fuehrte England damit bereits in der Hoehe, die am Ende als Debakel in die kroatischen Buecher gehen sollte.
Kane setzte in der 53. Minute mit seinem zweiten Treffer das 5:0, Saka komplettierte in der 68. seinen eigenen Doppelpack zum 6:0. Morgan Rogers, der im Mittelfeld fuer frischen Zug aus der zweiten Reihe sorgte, setzte in der 87. Minute den 7:0-Schlusspunkt. Alle sieben Tore ohne Kroatien-Antwort - fuer Bilic lief in Rijeka das Spiel, das er sich fuer sein zweites Jahr als Nationaltrainer gerade nicht wuenschen konnte.
Kinder-Kulisse in Rujevica: die UEFA-Teilsperre
Das Stadion Rujevica war ausserordentlich besetzt. Nach den rassistischen Vorfaellen kroatischer Zuschauer im Maerz 2025 hatte die UEFA eine Zuschauer-Sanktion verhaengt - keine komplette Sperre, sondern eine Teil-Massnahme, die der kroatische Verband mit dem Einladungsregelwerk auffing: Mehrere tausend Kinder und Jugendliche durften kostenlos ins Stadion. Rund 100 englische Fans im Gaestebereich reisten trotz Sanktion an. Die Akustik war demonstrativ jugendlich und ohne den sonst in Kroatien ueblichen Pfiff-Teppich gegen die englische Hymne.
Fuer Bilic war das kein zusaetzlicher Belastungsfaktor - im Gegenteil: Der kroatische Trainer hatte vor dem Spiel versucht, die Kinder-Kulisse als “Vorteil” zu verkaufen. Nach 90 Minuten blieb von dieser Erzaehlung wenig. Die Kameras der kroatischen Fernsehuebertragung HRT fingen Momente ein, in denen Kinder in den unteren Rangen die englische Welle mittanzen - ein Bild, das die kroatische Boulevardpresse am Sonntagmorgen noch beschaeftigen wird.
Tuchels Antwort auf das Wembley-Debakel
Fuer Tuchel war Rijeka die kalte, systematische Antwort auf die Niederlage in Wembley. In London hatte sein Team 2:1 gefuehrt und war durch den Joker-Doppelschlag Baena/Oyarzabal in der 54. Minute gedreht worden; Kane hatte seinen Elfmeter nach VAR-Doppelberuehrung an die Latte gesetzt. Der deutsche Nationaltrainer hatte danach in der PK bewusst die Vorwaerts-Erzaehlung gesetzt und seine Mannschaft auf Rijeka programmiert.
Taktisch stand England auch in Rijeka in dem 4-2-3-1, das Tuchel seit seinem Amtsantritt zum Markenzeichen gemacht hat. Der Unterschied zu Wembley: Diesmal fand die Mannschaft nach Ballgewinn sofort in den Umschalt-Modus und bestrafte jede kroatische Nachlaessigkeit. Fuer den 49-Jaehrigen aus Krumbach war Rijeka damit die erste 90-Minuten-Blaupause seiner Nations-League-Zeit. Nach dem Argentinien-Halbfinal-Aus bei der WM und dem Wembley-Fehlstart gegen Spanien steht sein Projekt nach dem 7:0 wieder im Vorwaerts-Modus.
Gruppe A4 nach Matchday 3
Spanien bleibt mit sechs Punkten aus zwei Siegen Spitzenreiter und spielte am Samstagabend parallel um 20:45 Uhr gegen die bis dato punktlosen Tschechen weiter. Fuer die Furia Roja von Luis de la Fuente ist der Weg zur Halbfinal-Runde der Nations League damit bereits weit vorgezeichnet. England hat nach dem Rijeka-Rout drei Punkte aus zwei Partien und bleibt im Gruppenrennen - das direkte A4-Rueckspiel gegen Spanien in Madrid wird zur ersten Richtungsentscheidung.
Kroatien steht nach zwei Niederlagen und einem Torverhaeltnis von 1:11 in akuter Abstiegsgefahr. Fuer Luka Modric, der seine Nationalmannschafts-Karriere in den Nations-League-Oktober-Kader-Interviews um weitere sechs Monate verlaengert hat, war Rijeka damit nicht der erhoffte Umbruch-Vorzeige-Abend, sondern ein kalter Beweis, dass die kroatische Goldene Generation ihre Nachfolger noch nicht gefunden hat. Fuer Bilic wird das Rueckspiel gegen Tschechien zum ersten Spiel, in dem die Mannschaft den A-Liga-Verbleib aktiv erkaempfen muss.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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