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WM 2026

Fanbuendnis fordert Infantino-Sturz: Weltweite Petition mit BAFF, Unsere Kurve, F_in und Queer Football Fanclubs

Weltweites Fanbuendnis startet Petition fuer den Ruecktritt von FIFA-Praesident Infantino. Deutsche Unterzeichner: BAFF, F_in, Unsere Kurve, Queer Football Fanclubs.

Von Die Redaktion 20. August 2026

Gianni Infantino auf der 32. ECA-Generalversammlung in Rom am 9. Oktober 2025. Rund 17 Monate spaeter tritt er am 18. Maerz 2027 in Marokko zur Wiederwahl an - ein weltweites Fanbuendnis fordert nun seinen Ruecktritt (Foto: LaPresse via SIPA USA). Foto: LaPresse via SIPA USA via SmartFrame

FIFA · POST-WM 2026 · 20.08.2026 · 13:15 UTC - Rund 24 Stunden nach der sportschau-Datierung der Bewerbungsfrist fuer die FIFA-Praesidentschaftswahl auf den 18. November 2026 hat sich am Donnerstag um 12:14 UTC eine vierte Front im Post-WM-Machtkampf formiert. Ein weltweit koordiniertes Buendnis von Fan-Organisationen fordert per Online-Petition den Ruecktritt von Gianni Infantino als FIFA-Praesident. Aus Deutschland zeichnen vier namentlich benannte Fangruppen mit: BAFF, F_in, Unsere Kurve und die Queer Football Fanclubs. Die kicker-Meldung um 10:20 UTC und die Sportschau um 12:14 UTC bestaetigen die Petition unabhaengig.

Damit ist der Machtkampf um die FIFA-Fuehrung um eine Ebene erweitert. Bislang lief die Kaskade seit dem Rueckzug des Investorenplans durch Infantino via BBC am 1. August auf drei institutionellen Ebenen: den Konfoederationen (UEFA-Boykott-Resolution Nyon, CONCACAF-Beschluss Montagliani, AFC-Spalt), den Nationalverbaenden (allen voran DFB-Neuendorf-Watzke mit der Zehn-Milliarden-Formel, Norwegens Klaveness, England, Schottland, Wales, Griechenland, Schweden, Serbien) und intra-FIFA (Cordeiro-Ruecktritt, Lamour-COO-Entlassung am 17. August, OFC-Spalt via Neuseeland). Ab heute kommt die zivilgesellschaftliche Ebene hinzu.

Signatarien: vier Kontinente, vier deutsche Fangruppen

Die Petition wird auf Konfoederations-Ebene von drei Fan-Dach-Organisationen getragen. Football Supporters Europe (FSE) vertritt europaeische Fan-Interessen seit 2008 und ist der Verhandlungs-Partner der UEFA in Fan-Fragen. Das afrikanische Pendant operiert unter dem Dach der noch juengeren African Football Fans Association. Der Independent Supporters Council vertritt Fan-Gruppen in den USA, Kanada und Mexiko - also exakt im Gebiet der drei WM-2026-Gastgeber. Aus Suedamerika, Asien und Ozeanien nennt die Sportschau bislang keine Konfoederations-Traeger.

Aus Deutschland zeichnen vier Fan-Strukturen mit, die jeweils ein eigenes Milieu abdecken.

  • BAFF (Buendnis Aktiver Fussballfans) besteht seit 1993 und ist die aelteste bundesweite Interessenvertretung des kritischen Fussballfans. Fokus: Stadion-Kultur, Repression, Kollektivstrafen, Ueberwachung.
  • F_in (Netzwerk Frauen im Fussball, gegruendet 2004) ist das aelteste bundesweite Frauen-Fussball-Fan-Netzwerk und tritt regelmaessig zu Diversitaets-Themen im Verbands-Kontext auf.
  • Unsere Kurve ist die Dachorganisation der aktiven Fanszenen. Sie ist gleichzeitig zentraler Traeger der heute Morgen angekuendigten VAR-Erstrunden-Proteste im DFB-Pokal - ein Doppel-Signal, auf das weiter unten zurueckzukommen ist.
  • Queer Football Fanclubs vertreten LGBTIQ+-Fans in Deutschland und operieren mit internationalen Partnern wie Pride in Football (UK).

Die Kombination signalisiert Breite. Die Petition kommt nicht aus einer einzelnen Fan-Nische, sondern von vier organisatorisch getrennten Fan-Strukturen mit teils unterschiedlichen Interessen. Der DFB als Verband ist nicht Unterzeichner - er haelt sich zur Personal-Frage weiter neutral (siehe Kalender-Analyse vom 19. August).

Vier Kernforderungen: Ruecktritt, Transparenz, Fan-Einbindung, Aufsicht

Die Petition formuliert vier programmatische Kern-Punkte.

  1. Sofortiger Ruecktritt Infantinos als erster Reformschritt.
  2. Volle Transparenz bei allen groesseren FIFA-Entscheidungen. Damit adressiert die Petition direkt die Kritik der UEFA am Investorenplan-Verfahren, das per “Eilverfahren” und “geheimen Vorhaben” vorangetrieben worden war (siehe Investoren-Rueckzug-Chapter).
  3. Formale Einbindung von Fans und weiteren Stakeholdern in sportgestaltende Beschluesse. Das ist die weitreichendste Forderung: Sie zielt auf eine Statuten-Aenderung, die Fan-Vertretern ein formales Konsultations-Recht verschafft - ein Modell, wie es die Deutsche Fussball Liga mit den Fan-Anhoerungen seit 2013 in Anfaengen praktiziert.
  4. Starke Aufsichts-Mechanismen zur Balance der Exekutiv-Macht des FIFA-Praesidenten. Konkret: Ein Council mit stimm-berechtigten Fan-Vertretern, wie ihn die FSE seit Jahren fordert.

Das Muster deckt sich inhaltlich mit den Kern-Punkten der Nyoner UEFA-Boykott-Resolution vom 30. Juli. Der Unterschied liegt im Adressaten: Wo UEFA und CONCACAF die Verfahrens-Reform der FIFA verlangen, verlangt das Fan-Buendnis zusaetzlich einen strukturellen Sitz am Tisch.

Vierte Front im Post-WM-Machtkampf

Der Machtkampf laeuft damit seit dem 28. Juli 2026 auf vier Ebenen parallel.

  • Ebene 1 - Konfoederationen. UEFA (Nyoner Resolution einstimmig 30.07), CONCACAF (Montagliani-Beschluss 30.07), AFC (intern gespalten, mehrheitlich contra). Nur CAF steht geschlossen pro Infantino.
  • Ebene 2 - Nationalverbaende. DFB mit der Zehn-Milliarden-Formel, Norwegens Klaveness mit der explizit personellen Ruecktritts-Forderung, England, Schottland, Wales, Griechenland, Schweden, Serbien namentlich in der UEFA-Kritik. Neuseeland bricht via NZF mit dem OFC-Rest.
  • Ebene 3 - Intra-FIFA. Cordeiro-Ruecktritt als Chef-Berater der White House Task Force, Lamour als COO entlassen 17.08, Ozeanien-Split.
  • Ebene 4 (seit heute) - Zivilgesellschaft. Weltweite Fan-Petition FSE plus afrikanisches Pendant plus Independent Supporters Council plus vier deutsche Fangruppen.

Die vierte Ebene hat keine Stimme auf dem Kongress am 18. Maerz 2027 in Marokko - dort waehlen die 211 Mitglieds-Verbaende je eine Stimme. Aber sie liefert das oeffentliche Druck-Element, das den Verbaenden auf Ebene 2 die politische Deckung fuer eine Gegen-Kandidatur oder eine Enthaltung gibt. Genau das ist die operative Funktion einer Fan-Petition in einem Verbands-Wahlkampf.

Unsere-Kurve-Doppelrolle: FIFA-Petition und VAR-Protest am selben Wochenende

Die auffaelligste organisatorische Beobachtung des Tages ist die Ueberlappung ueber Unsere Kurve. Der Dachverband der aktiven Fanszenen ist heute in zwei Kontexten gleichzeitig sichtbar.

Am Morgen die DFB-Pokal-Erstrunden-Ankuendigung: Ab morgen 21. August 2026 werden die Fanszenen in der ersten Pokalrunde konzertiert gegen den Videobeweis protestieren. Zentrale Forderung: Abschaffung des VAR. Buehne: die fuenf TV-uebertragenen Erstrunden-Partien am Wochenende plus die beiden Bayern- und Dortmund-Nachtragsspiele am 01./02. September. Buehnen-Rationale: Die erste Runde wird traditionell ohne VAR gespielt (Infrastruktur- und Kostengruende bei den Regionalliga- und Drittliga-Ausrichtern), die Fanszenen nutzen genau dieses Fenster fuer den Kontrast zur Bundesliga- und Champions-League-Praxis.

Am Mittag die FIFA-Petition. Selbe organisatorische Struktur, andere Ebene, andere Forderung.

Die parallele Frontenbildung ist neu. In der Vor-WM-Zeit hatte Unsere Kurve regelmaessig innerhalb einer Woche entweder eine domestische (DFL-Investor-Deal 2023) oder eine internationale Front (Katar-2022) gefuehrt. Beides gleichzeitig am selben Wochenende ist die erste organisierte Fan-Doppel-Front der Post-WM-2026-Aera. Die inhaltliche Klammer ist die Kritik an “geheimen Verfahren im Eilverfahren” - die UEFA-Formulierung passt auf beide Fronten.

Kalender bis 18.11.2026: Die 90-Tage-Klemme

Die Petition ist zeitlich exakt auf die Bewerbungsfrist fuer Gegenkandidaten getaktet. Von heute aus bleiben 90 Tage bis zum 18. November 2026 - danach ist die Kandidaten-Konstellation formal fixiert. Ab dem 19. November laeuft ein viermonatiges Wahlkampf-Fenster bis zur Wahl am 18. Maerz 2027 in Rabat.

Die drei FIFA-Nachwuchs-Turniere in diesem Fenster (U20-Frauen-WM Polen 5. bis 27. September, U17-Frauen-WM Marokko 17. Oktober bis 7. November, U17-WM Maenner Katar 19. November bis 13. Dezember) sind die programmatischen Buehnen. Die Fan-Petition ist der zivilgesellschaftliche Rueckenwind, den die Anti-Infantino-Verbands-Front braucht, um in diesen Wochen einen Konsens-Kandidaten aufzustellen.

Bislang ist CONCACAF-Praesident Victor Montagliani als Pruef-Kandidat via i-Paper-Bericht der einzige benannte Name. UEFA-Chef Aleksander Ceferin hat sich zur Personal-Frage nicht geaeussert; sein Sprecher blockt Nachfragen. Al-Khelaifi (PSG) hat eine Kandidatur ausgeschlossen. Mioduski (Polen) wird als mittel-europaeische Kompromiss-Figur gehandelt, ist selbst aber nicht positioniert.

Zitat der Petition und was daraus abzulesen ist

Die Sportschau zitiert die Petition mit dem Kernsatz:

“Der Fussball gehoert den Menschen, die die Stadien fuellen … Doch ein Mann scheint zu glauben, dass er wichtiger ist als der Fussball.”

Der rhetorische Zuschnitt ist auffaellig. Er greift explizit auf den Zwei-Poler zurueck: der Fussball als kollektives, oeffentliches Gut versus die Personalisierung der FIFA in einer einzigen Person. Genau diese Personalisierung war das Motiv der UEFA-Kritik am Investorenplan-Verfahren (“geheime Vorhaben”). Die Fan-Petition uebernimmt die Rahmung eins zu eins, kehrt sie aber in ein positives Kollektiv-Bekenntnis um.

Die Wirksamkeit einer solchen Petition haengt weniger an der Unterschriften-Zahl - die Sportschau nennt kein Ziel - als an ihrer Aufnahme durch die grossen Medien der WM-2026-Gastgeber-Laender. Wenn die New York Times, die Toronto Star und die grossen mexikanischen Zeitungen die Petition aufgreifen, gewinnt sie in der CONCACAF-Region politische Substanz. Ohne diese Aufnahme bleibt sie ein europaeisch-afrikanisch dominiertes Signal, das die pro-Infantino-Front der CAF plus Argentinien plus Mexiko plus Katar nicht bewegen wird.

Ausblick

Die naechsten 24 bis 72 Stunden werden zeigen, ob Infantino oeffentlich reagiert. Sein bisheriges Muster in der Post-WM-Governance-Kaskade ist Schweigen zu Fan-Themen und Instagram-Kommunikation zu Turnier-Themen. Eine oeffentliche Reaktion auf die Petition wuerde die Fan-Buendnis-Front politisch aufwerten - ein Grund, sie zu vermeiden.

Der DFB wird die Petition vermutlich zur Kenntnis nehmen, aber nicht kommentieren. Die Neutralitaets-Linie des Verbands zur Personal-Frage haelt bis auf Weiteres. Neuendorf hat, wie in der Kalender-Analyse vom 19. August skizziert, drei Optionen offen und will keine davon vor der Zeit verbrennen.

Der entscheidende naechste Termin ist die naechste UEFA-Exekutiv-Sitzung, in der Ceferin die Frage der gemeinsamen Kandidatur formal aufrufen kann. Bis dahin arbeitet die Fan-Petition als Hintergrund-Rauschen, das die Verbands-Verhandlungen begleitet.

Am morgigen Freitag beginnt in Rostock das andere Ende der heutigen Fan-Doppel-Front: Der DFB-Pokal-Erstrunden-Auftakt Hansa Rostock gegen VfB Stuttgart, live im ZDF ab 20:45. Die Fan-Kurve wird sichtbar sein.

Autor

Die Redaktion

fussballweltmeisterschaft.online

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