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WM 2026

FIFA antwortet auf UEFA und CONCACAF: Niemand verkauft den Fussball - der Plan bleibt

Die FIFA hat am Freitagmorgen erstmals auf die UEFA-Boykott-Drohung reagiert. Die Kernbotschaft: falsche Medienberichte, kein Verkauf, Plan bleibt bis 19.09.

Von Marco Feldmann 31. Juli 2026

Mexico City, 10. Juni 2026: FIFA-Praesident Gianni Infantino bei der Vor-Turnier-Pressekonferenz im Aztekenstadion. Sechs Wochen nach dem Finale steht der Weltverband nun im institutionellen Gegenwind zweier Konfoederationen (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Die FIFA hat sich am Freitagmorgen zum ersten Mal formal zu der institutionellen Krise geaeussert, in die sie mit ihrem WM-Investoren-Plan geraten ist. Um 06:13 UTC - 08:13 Uhr Schweizer Zeit - verschickte der Weltverband aus Zuerich ein Statement, das gleich mehrere Adressaten hat: die UEFA-Mitgliedsversammlung, die am Vortag einstimmig einen Boykott aller FIFA-Turniere angekuendigt hatte, die CONCACAF, deren 41 Verbaende sich vier Stunden spaeter dem Nein angeschlossen hatten, und eine europaeische Oeffentlichkeit, die die Investoren-Plaene seit Tagen kritisch berichtet. Der Kernsatz sitzt frueh im Text: “Niemand verkauft den Fussball. Das ist etwas, was die FIFA niemals in Erwaegung ziehen wuerde.”

Die Freitag-Morgen-Mitteilung aus Zuerich

Die FIFA-Kommunikations­abteilung hat das Statement bewusst frueh am Morgen platziert - vor Boersen­eroeffnung in Zuerich, vor der Nachrichten­lage der Freitag-Sport-Redaktionen, vor moeglichen Reaktionen aus Kuala Lumpur, Kairo oder Luque, wo AFC-, CAF- und CONMEBOL-Fuehrungen erwartet Rueckmeldungen geben. Die Sprache ist defensiv gehalten: die FIFA “nimmt die geaeusserten Bedenken zur Kenntnis” und “respektiert” sie. Zugleich schiebt der Weltverband die Verantwortung fuer die Eskalation auf externe Faktoren - “falsche Medienberichte” haetten den Konsultations­prozess “gestoert”.

Konkret bestreitet die FIFA damit nichts: der Investoren-Prozess laeuft weiter, die Vorlage zum FIFA Forward Enterprise (FFE) bleibt auf dem Tisch, die Frist fuer die Mitglieds­verbaende bleibt der 19. September 2026. Neu ist nur die rhetorische Position - dass die FIFA sich als demokratisches Instrument aller 211 Verbaende inszeniert, das jede einzelne Foederation eigenstaendig ueber das Modell entscheiden lassen wolle. Das ist die Antwort auf den UEFA-Vorwurf, Gianni Infantino agiere im Alleingang: die FIFA laesst UEFA und CONCACAF das Kollektiv-Verhalten vorwerfen.

Der Wortlaut - drei Kernsaetze

Das Statement zerfaellt in drei Abschnitte. Erstens die Zurueckweisung: “Niemand verkauft den Fussball. Das ist etwas, was die FIFA niemals in Erwaegung ziehen wuerde.” Zweitens die Prozess-Verteidigung: “Falsche Medienberichte” haetten den Konsultations­prozess “gestoert”. Und drittens die Perspektive-Zusicherung: FFE erlaube den Mitglieds­verbaenden, “die kommerziellen Moeglichkeiten des Fussballs in ihren jeweiligen Laendern sinnvoll zu nutzen”. Zwei entscheidende Formulierungen fehlen: keine Zusage, das Modell dauerhaft nicht auf privaten Besitz auszuweiten (das war der Kernsatz des UEFA-Beschlusses); und keine Ankuendigung, die 19.-September-Frist zu verschieben oder die Vorlage zu ueberarbeiten.

Das ist die aggressive Lesart des Statements: “Kritik zur Kenntnis genommen, wir machen weiter.” Sportschau titelt seine Meldung entsprechend “FIFA reagiert auf Kritik, macht aber weiter”; der kicker faehrt die zynischere Version “Falsche Medienberichte haben den Prozess gestoert - FIFA wehrt sich”.

Voting-Mathematik neu: 96 Nein-Stimmen fest, zehn Ja-Stimmen fehlen

Fuer eine einfache Mehrheit im FIFA-Kongress braucht der Weltverband 106 Ja-Stimmen von 211 Verbaenden. Nach den beiden Konfoederations-Beschluessen der letzten 30 Stunden sind 96 Stimmen bereits fest gegen den Plan gebunden: 55 UEFA + 41 CONCACAF. Aus den verbleibenden 115 Verbaenden - CAF (54 Afrika), AFC (47 Asien), CONMEBOL (10 Suedamerika) und OFC (11 Ozeanien) - muessten 106 Verbaende geschlossen zustimmen. Das ist rechnerisch moeglich, praktisch schwierig, weil auch in diesen Konfoederationen der Widerstand waechst.

Der 20-Millionen-Dollar-Signing-Bonus, den der ‘kicker’ in seiner Rahmung nennt, ist Infantinos Hebel gegen dieses arithmetische Problem. Fuer kleine OFC- oder Karibik-Verbaende mit Jahres­budgets von unter 5 Millionen ist die Zusage substanziell; fuer die grossen CAF-Verbaende (Aegypten, Marokko, Nigeria) waeren die 20 Millionen ein Bruchteil des jaehrlichen Sponsoring-Volumens - aber immer noch relevant. Der DFB unter Bernd Neuendorf und Max Eberl im Namen des FC Bayern hatten am Vortag genau diese Bonus-Struktur als “Bestechungs-Anreiz” kritisiert - die FIFA umgeht den Vorwurf im Freitag-Statement ohne konkrete Zahl.

Was am 19. September 2026 in Zuerich passiert

Die naechsten sieben Wochen bilden das entscheidende Zeitfenster. Erwartete Termine: AFC-Krisensitzung in Kuala Lumpur (erste August-Woche), CAF-Rats-Sitzung (Mitte August), CONMEBOL-Rat in Luque (letzte August-Woche). Parallel dazu laufen die September-Laenderspielperioden. Falls Infantino bis zum 19. September die 106 Ja-Stimmen nicht zusammen bekommt, wird die Vorlage entweder verschoben, ueberarbeitet oder ganz zurueckgezogen - die FIFA hat am Freitag keine Aussage zu diesem Szenario getroffen.

Aus Sicht der WM-2026-Post-Turnier-Governance markiert das Statement einen Wendepunkt: fuer die ersten zwei Wochen nach dem Finale Argentinien-Spanien in MetLife hatte die FIFA die Turnier-Nachlese kontrolliert - Bilanz-Zahlen, Ehrenaus­zeichnungen, Infantinos Instagram-Rundumschlag gegen die “1,7-Millionen-Sportagentur”. Seit dem Nyon-Beschluss am Donnerstagmittag ist der Weltverband erstmals institutionell in der Defensive; das Freitag-Statement ist der Versuch, die Kontrolle wieder zurueck zu erlangen, ohne inhaltlich zurueckzuweichen. Ob das gelingt, entscheidet die AFC in Kuala Lumpur.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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