Zum Inhalt springen
Frauenfußball

Freigang zurück im DFB-Kader trotz laufendem Verfahren: Wück lobt verändertes Auftreten

Laura Freigang steht trotz laufendem NADA-Verfahren wieder im DFB-Frauen-Kader. Wück: 'Auftreten hat sich verändert'. Neun Einsätze, sieben Tore bei Frankfurt.

Von Nina Hartmann 29. September 2026

Laura Freigang im Frankfurt-Trikot beim Champions-League-Quali-Spiel bei Real Madrid (18.09.2025). Nach neun Einsätzen und sieben Toren in der Saison 2026/27 hat Bundestrainer Christian Wück die Kapitänin zurück in den DFB-Kader für Australien und Japan berufen (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Laura Freigang steht wieder im DFB-Kader. Bundestrainer Christian Wück hat die 28-jährige Kapitänin von Eintracht Frankfurt am Dienstag, 29. September 2026 in sein 24-köpfiges Aufgebot für die beiden Oktober-Testspiele gegen Australien am 9. Oktober in Karlsruhe und Japan am 13. Oktober in Bremen berufen. Es ist ihre erste Nominierung seit dem Frühjahr 2026 - und sie fällt in eine Phase, in der das im Juni eröffnete NADA-Verfahren um drei Whereabouts-Verstöße weiter läuft. Wück begründete den Rückruf laut kicker mit einem prägnanten Satz: “Lauras Auftreten hat sich verändert.”

Die Nominierung - erstmals seit Frühjahr wieder im Aufgebot

Freigangs letzte Nominierung liegt Monate zurück. Für die entscheidenden Quali-Spiele der DFB-Frauen im Juni gegen Norwegen und Slowenien hatte Wück sie nicht berücksichtigt; auch für die WM-Vorbereitung im Anschluss war sie außen vor. In der Zwischenzeit hat sich zweierlei verändert: das laufende Verfahren ist inhaltlich zwar unverändert offen, aber die sportlichen Fakten auf dem Platz sind neu. Freigang hat als Kapitänin in Frankfurt einen sportlichen Neustart hingelegt und liefert seit Bundesliga-Auftakt Ende August konstant Torbeteiligungen.

Der Kontext der Rückkehr: Nach dem bereits gebuchten Direktticket für die Frauen-WM 2027 in Brasilien nutzt Wück die Oktober-Länderspielperiode als Experimentier-Fenster ohne Punktzwang. Genau in diesem entspannteren Rahmen kann er einer Personalie wie Freigang eine erneute Chance eröffnen - und sich zugleich die Option offenhalten, falls das Verfahren ohne Sperre endet und sie mittelfristig als offensive Alternative gebraucht wird.

Was Wück zur Rückkehr sagt - “Auftreten hat sich verändert”

Der zentrale Satz des Tages fiel nach der Kader-Bekanntgabe und wird in der Bundestrainer-Kommunikation zu Freigang als klarster Positions-Wechsel seit dem Frühjahr eingeordnet. “Lauras Auftreten hat sich verändert”, sagte Wück laut kicker-Bericht. Der Satz ist ein bewusster Kontrapunkt zu seiner Nicht-Nominierung Ende Mai 2026: Damals hatte Wück auf sportschau ausgeführt, dass er auf der Zehner-Position aktuell stärkere Alternativen sehe - namentlich Jule Brand und Linda Dallmann - und Freigang seit der EM 2022 in England “nur sehr wenig Spielzeit bei uns” bekommen habe. Gleichzeitig hatte er offen kommuniziert: “Das Fenster ist auch nicht zu.” Gute Leistungen in der neuen Saison würden ihr den Weg zurück öffnen.

Genau diese Bedingung hat Freigang jetzt erfüllt. Der Rückruf ist damit weniger eine Kehrtwende als das Einlösen einer im Mai in Aussicht gestellten Öffnung - allerdings unter dem zusätzlichen Vorzeichen, dass das Verfahren nach wie vor läuft. Für Wück und den DFB ist die Nominierung eine sportliche Entscheidung; die juristische Ebene bleibt beim DFB-Kontrollausschuss und ist in der Kader-Bekanntgabe bewusst nicht adressiert worden.

Frankfurt-Form 2026/27 - neun Einsätze, sieben Tore

Die Statistik hinter der Rückkehr ist eindeutig. Nach dem offiziellen Spielerinnenprofil der Frankfurter Frauenabteilung steht Freigang in der laufenden Saison 2026/27 bei:

StatistikWert
Einsätze9 (alle in der Start-11)
Tore7
Vorlagen1
Einsatz-Minuten825
Karten1 Gelbe
Rückennummer10
PositionSturm

Der Wert von 7 Toren in 9 Einsätzen entspricht einer Torquote von 0,78 pro Spiel bzw. rund 76 Minuten pro Treffer - ein Niveau, das sie im Vorjahr in dieser Konstanz nicht erreicht hatte. Hinzu kommen die bereits im Champions-League-Qualifikations-Rückspiel gegen Malmö FF im August erzielten beiden Tore, mit denen die Eintracht den Sprung in die WCL-Gruppenphase geschafft hatte und die schon damals ein sportliches Signal an Wück waren.

In der Systemlogik der Nationalmannschaft ist Freigang unter Wück laut Sport1 als Offensivspielerin eingeordnet - flexibel im Mittelfeld-Angriff-Übergang, mit hoher Torgefahr aus dem Halbraum. Diese Rolle unterscheidet sich von der klassischen Zehner-Interpretation, die im Frühjahr die Konkurrenz mit Brand und Dallmann so unmittelbar gemacht hatte.

Das laufende NADA-Verfahren - Stand nach knapp vier Monaten

Am Verfahrens-Stand hat sich seit dem Statement Freigangs im August formal wenig geändert. Der DFB-Kontrollausschuss hatte die Prüfung nach der NADA-Bestätigung der drei Meldeversäumnisse Anfang Juni 2026 eröffnet und nennt seither dieselbe Begründung für die Dauer: umfangreiche Sachverhalte, komplexe medizinische und rechtliche Fragen. Eine Anklage vor dem DFB-Sportgericht ist bislang nicht erhoben worden.

Solange keine Anklage erhoben und keine Sperre verhängt ist, ist Freigang uneingeschränkt spielberechtigt - für Verein und für den DFB. Genau diesen Rahmen nutzt Wück jetzt. Die operative Konsequenz ist klar: Sollte die Anklage in den kommenden Wochen oder Monaten doch noch kommen und eine Sperre folgen, wäre die aktuelle Nominierung ein Momentum-Wert ohne Turnier-Perspektive. Kommt der Freispruch, hat Wück sich mit der Oktober-Berufung frühzeitig eine sportliche Datenreihe an der Zehn/Neun aufgebaut.

Was die Rückkehr für die WM-2027-Route bedeutet

Die Oktober-Testspiele sind der erste konkrete Vorbereitungs-Block nach dem gebuchten WM-Ticket. Für Freigang bedeutet der Rückruf drei Dinge zugleich:

  1. Sie ist zurück in der Turnier-Vorbereitung für Brasilien 2027 - erstmals wieder Teil einer Trainings-Woche im Kreis der A-Nationalspielerinnen.
  2. Sie tritt gegen die beiden Asian-Cup-Finalistinnen an - Gegner mit WM-Niveau, an denen sich ihre Form auch in der Nationalmannschaft messen lässt.
  3. Sie muss die Nominierung sportlich rechtfertigen, um über den Oktober-Termin hinaus im November-Kader und in den Winter-Lehrgängen als Option zu bleiben.

Für Wück wiederum bringt die Rückkehr eine spezifische Offensivvariante zurück in den Pool, die zwischen klassischer Neun und aufrückendem Zehner-Spiel operiert - eine Rolle, für die er im Frühjahr weder Brand noch Dallmann verwenden wollte, weil deren Profile enger sind. Der heutige Kader-Bekanntgabe-Artikel hatte Freigang bewusst nicht in den Vordergrund gestellt - die Debütantin Lisa Baum, die Pause von Ann-Katrin Berger und die Rückkehrerinnen Gwinn und Schulze Solano hatten mediale Priorität. Die Freigang-Personalie ist damit die zweite Ebene der Bekanntgabe: weniger publikumswirksam als eine Debütantin, sportlich aber möglicherweise die folgenreichste Weichenstellung dieses Aufgebots.

Ob aus der Rückkehr eine belastbare WM-2027-Perspektive wird, entscheiden zwei parallele Prozesse: die sportlichen Auftritte im Oktober und darüber hinaus - und die noch offene Verfahrens-Uhr des DFB-Kontrollausschusses. Für Freitag 9. Oktober in Karlsruhe und Dienstag 13. Oktober in Bremen zählt zunächst nur der Platz. Die juristische Ebene entscheidet später, ob dieser Rückruf mehr wird als eine schöne Zwischenstation.

Autor

Nina Hartmann

Redakteurin Frauenfußball & Analyse

Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.

Mehr aus Frauenfußball