DFB-Frauen drehen Testspiel: 2:1 gegen Asienmeister Japan in Bremen durch Dallmann und Bühl
Deutschland 2:1 Japan am 13.10.2026 im Weserstadion: Tanikawa trifft früh, Dallmann gleicht aus (28.), Bühl schießt in der 73. Minute das Siegtor. Wücks Oktober-Härtetest sitzt.
Von Nina Hartmann 13. Oktober 2026
Deutschland hat auch den zweiten Härtetest der Oktober-Länderspielperiode bestanden. Nach dem 4:2 vier Tage zuvor gegen Australien in Karlsruhe setzten sich die DFB-Frauen am Dienstagabend im Weserstadion Bremen mit 2:1 (1:1) gegen Asienmeister Japan durch. Momoko Tanikawa hatte die Gäste in der 15. Minute in Führung gebracht, Linda Dallmann glich in der 28. Minute nach Flanke von Klara Bühl aus, Bühl selbst erzielte in der 73. Minute auf Vorlage von Elisa Senß das Siegtor. Für Bundestrainer Christian Wück ist es der erste geschlossene Oktober-Doppelerfolg seit seinem Amtsantritt - und das genau gegen die beiden besten Mannschaften des asiatischen Verbandes.
Chronik der Partie - vom 15.-Minuten-Rückstand zum Bühl-Siegtor
Die Partie begann mit dem gelernten japanischen Ballbesitz-Spiel über die Halbräume. Nach einer Viertelstunde kombinierte sich Japan an der deutschen Rechtsverteidigung von Camilla Küver vorbei; Aoba Fujino legte quer, Momoko Tanikawa schob am abgehängten Innenverteidigungs-Doppel Senß-Kleinherne vorbei ins kurze Eck zur 1:0-Führung.
| Minute | Tor | Schützin | Vorlage |
|---|---|---|---|
| 15. | 0:1 | Momoko Tanikawa | Aoba Fujino |
| 28. | 1:1 | Linda Dallmann | Klara Bühl |
| 73. | 2:1 | Klara Bühl | Elisa Senß |
Der Ausgleich fiel innerhalb von dreizehn Minuten - Bühl zog von der linken Seite in den Strafraum, flankte scharf vors Tor, und Dallmann drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. In der 31. Minute kassierte Honoka Hayashi nach taktischem Foul die erste Gelbe Karte der Partie.
Die zweite Hälfte eröffnete Wück mit einer Doppelauswechslung: Giovanna Minge und Melissa Kössler kamen für Anyomi und Küver, womit die Rechtsverteidiger-Position neu besetzt wurde. In der 73. Minute dann der Entscheidungs-Moment: Elisa Senß steckte durch den japanischen Zentrums-Block, Bühl löste sich aus der Deckung und traf aus halblinker Position überlegt ins lange Eck. Danach brachte Wück noch Wamser und Zicai (63.), Linder (87.) und Martinez (90.+2) zu A-Länderspiel-Minuten.
Klara Bühl als zentrale Figur - erst Vorlage, dann Siegtor
Die 25-Jährige vom FC Bayern München trug an diesem Abend den Grossteil der deutschen Offensive. Beim 1:1 war ihre scharfe Flanke der Ausgangspunkt, beim 2:1 die technisch sauber geführte Zieldribbling-Linie durch die japanische Deckung. Es ist der insgesamt dritte Doppelpack aus Tor und Assist für Bühl im Länderspiel-Trikot - nach dem 2024er Spiel gegen Island und dem Nations-League-Halbfinale 2025 gegen die Niederlande.
Nach dem Spiel sprach Wück von einem “Riesenschritt nach vorne”, den die Mannschaft in den beiden Testspielen gegangen sei - eine Formulierung, die sich wie das Motto der Oktober-Phase lesen lässt. Dass die Bremer Rolle der zentralen Spielerin an eine Flügelstürmerin fiel und nicht wie oft erwartet an die Mittelstürmerinnen Schüller oder Kössler, zeigt, wie flexibel Wücks Offensive mittlerweile aufgestellt ist.
Linda Dallmann - der Ausgleichs-Scoop in der 28. Minute
Die 31-jährige Technikerin von Bayern München arbeitet sich seit Monaten wieder in die Stammformation. Ihr Treffer zum 1:1 war die Lohnarbeit einer offensiven Zehnerin, die in den japanischen Strafraum eingerückt war und auf die Flanke wartete - genau die Rolle, die Wück für sie als Verbindungsspielerin zwischen Mittelfeld und Angriff vorsieht. Nach dem Spiel bezeichnete Dallmann den Ausgleich als “wichtigen Moment, weil wir sonst in eine Jagd-Rolle gekommen wären”.
Die Besetzung der Zehner-Position bleibt eines der offenen Themen auf dem Weg zur Frauen-WM 2027 in Brasilien. Dallmann konkurriert dort unter anderem mit Jule Brand, die am Dienstag auf der Doppelsechs eingesetzt wurde, und mit Lea Freigang, die im Oktober wegen einer NADA-Meldeversäumnis-Sperre nicht nominiert war.
Wücks Experimentier-Oktober - was die Startelf verraten hat
Der Bundestrainer hat seinen Oktober-Lehrgang strategisch anders angelegt als die Juni-Pflichtspiele. Weil Deutschland durch den 2:0-Sieg gegen Norwegen in Köln das Direktticket zur WM 2027 bereits gesichert hatte, war der Oktober der erste Lehrgang ohne Quali-Druck. Entsprechend viele Rotations-Signale enthielt die Startelf:
- Innenverteidigung: Sophia Kleinherne und Elisa Senß als Zentrums-Duo. Die etatmässige Kapitänin Giulia Gwinn, die nach ihrer Schulter-Operation im Frühjahr nominiert war, blieb auf der Bank.
- Doppelsechs: Sarai Linder (später eingewechselt) und Jule Brand als klarer Umschalt-Setup, nicht als klassische Sechsen-Vierer.
- Angriff: Nicole Anyomi auf dem rechten Flügel vor dem letzten Länderspiel ihrer Monate-Pause, Lea Schüller nicht in der Startelf.
Dass die Debütantin Lisa Baum vom FC Arsenal nicht zum Einsatz kam, war der sichtbarste nicht-eingetretene Pfeil im Oktober-Kader-Setup, in dem Wück zum ersten Mal die Londonerin berufen hatte. Als abgedeckt gelten die zentralen Baustellen damit noch nicht - der Winter-Lehrgang Ende November wird die nächste Testbühne.
Acht Tage, zwei AFC-Finalisten - Australien 4:2, Japan 2:1
Der Doppelerfolg im Oktober gegen Australien (4:2 am 9. Oktober in Karlsruhe durch den Kössler-Doppelpack sowie Küver und Nüsken) und Japan (2:1 am 13. Oktober in Bremen) hat eine systematische Qualität. Beide Gegner standen im Finale des AFC Women’s Asian Cup 2026 am 21. März in Sydney, Japan hatte Australien damals vor 74.397 Zuschauern mit 1:0 geschlagen. Für den DFB waren das die beiden kontinentalen Referenz-Mannschaften Asiens, und keine der beiden konnte Deutschland im Oktober schlagen.
Für die Statistik: Der letzte Länderspiel-Auftritt der DFB-Frauen in Karlsruhe lag zwei Jahrzehnte zurück - ein 6:3 gegen eben jenen Gegner Japan im November 2006. Bremen hatte die Nationalelf zuletzt im Mai 2025 beim 4:0 gegen die Niederlande vor 32.398 Zuschauern gesehen. Beide Standorte lieferten im Oktober die geplante volle Kulisse, nachdem die Weserstadion-Tribüne nach dem Teileinsturz vom Juli 2026 rechtzeitig repariert worden war - ein Punkt, der im Oktober-Vorbericht noch offen gewesen war.
Was heißt das für die Frauen-WM 2027
Deutschland geht als Direkt-Qualifikant und mit sechs Pflichtspielsiegen in der Qualifikation in Richtung Brasilien 2027. Die Oktober-Testspiele haben die Oberfläche-Resultate geliefert: zwei Siege gegen die asiatische Spitze, drei Torschützinnen aus dem offensiven Mittelfeld (Dallmann, Kössler, Küver, Nüsken, Bühl), kein Gegentor nach der Pause in beiden Spielen zusammen. Was Wück bis zum Winter-Lehrgang beschäftigen wird, ist die Frage nach der klaren Innenverteidigungs-Hierarchie ohne Gwinn im Spitz-Modus sowie die Zuordnung der Zehner-Rolle zwischen Dallmann, Brand und der perspektivisch angedachten Freigang.
Der Blick auf den Perspektivkader für die WM 2027 zeigt, wie breit das Reservoir aufgestellt ist, aus dem der Bundestrainer am Ende die 23 nominieren wird. Mit zwei Oktober-Siegen gegen die beiden AFC-Finalisten hat sich das Fundament gefestigt - das letzte DFB-Pflichtspiel der Frauen bleibt der 2:0-Sieg gegen Slowenien in Ljubljana vom Juni, der die ungeschlagene Quali-Bilanz zementiert hatte. Dass Bühl und Dallmann in Bremen die Entscheidung herbeiführten, ist das Signal, mit dem die Mannschaft in die zweimonatige Länderspiel-Pause bis zum nächsten Testtermin geht.
Autor
Nina HartmannRedakteurin Frauenfußball & Analyse
Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.
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