Alara Şehitler fuer Golden-Girl-Award 2026 nominiert - zweite Deutsche seit Jule Brand
Tuttosport nominiert Alara Şehitler fuer den Golden-Girl-Award 2026 - die 19-jaehrige Bayern-Spielerin ist die einzige Deutsche unter zehn Finalistinnen. Verkuendung im November.
Von Nina Hartmann 16. Oktober 2026
Es ist die zweite deutsche Nominierung in der noch jungen Geschichte des Preises. Die italienische Sport-Tageszeitung Tuttosport verkuendete am Freitag, 16. Oktober 2026, die zehn Finalistinnen fuer den Golden-Girl-Award 2026 - und auf der Liste steht als einzige Deutsche Alara Şehitler, die 19-jaehrige Mittelfeldspielerin des FC Bayern Muenchen. Die Verkuendung der Siegerin erfolgt im November 2026 im Rahmen einer Pressekonferenz, auf der auch die Shortlist fuer den parallel vergebenen Golden-Boy-Award und die weiteren Tuttosport-Auszeichnungen zusammengefuehrt werden.
Fuer die DFB-Frauen auf dem Weg zur Frauen-WM 2027 in Brasilien ist die Nominierung mehr als ein Marketing-Nebengeraeusch. Alara war im Oktober-Lehrgang von Bundestrainer Christian Wueck - mit den Testspielen gegen Australien in Karlsruhe und Japan in Bremen - nicht beim Kaderaufgebot dabei. Der oeffentliche Druck, sie fuer den Fruehjahrs-Lehrgang und spaeter fuer den WM-Kader zu nominieren, hat mit dem Tuttosport-Peg vom Freitagvormittag spuerbar zugenommen.
Die zehn Finalistinnen im Ueberblick
Barcelona fuehrt die Vereinswertung mit drei Nominierungen an - Giulia Galli, Sydney Schertenleib und Clara Serrajordi. Die italienische Fussballpresse hat die Dreier-Praesenz am Verkuendungstag als Signal fuer den gewachsenen Status des katalanischen Frauen-Fussballs gelesen. Zwei Italienerinnen sind in der Liste vertreten (Galli bei Barcelona, Gallo bei Toulouse), was Tuttosport bei der Veroeffentlichung demonstrativ in den Vordergrund geruekt hat.
| Spielerin | Verein | Nation | Jahrgang |
|---|---|---|---|
| Iman Beney | Manchester City | Schweiz | 2006 |
| Veerle Buurman | FC Chelsea | Niederlande | 2006 |
| Giulia Galli | FC Barcelona | Italien | 2008 |
| Azzurra Gallo | FC Toulouse | Italien | 2006 |
| Smilla Holmberg | FC Arsenal | Schweden | 2006 |
| Maeline Mendy | Paris FC | Frankreich | 2006 |
| Sydney Schertenleib | FC Barcelona | Schweiz | 2007 |
| Felicia Schroeder | Real Madrid | Schweden | 2007 |
| Alara Şehitler | FC Bayern Muenchen | Deutschland | 2006 |
| Clara Serrajordi | FC Barcelona | Spanien | 2007 |
Die Nationalitaeten-Verteilung spiegelt den aktuellen europaeischen Nachwuchsgraben: Vier Finalistinnen aus der klassischen Top-Nation-Achse (Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich), drei aus den aufsteigenden Nordeuropa-Verbaenden (Schweden doppelt, Niederlande), zwei aus der Schweiz als Signal fuer die Nati-Projektion zur Heim-EM 2025 und eine aus England als Reigning-Golden-Girl-Nation nach Michelle Agyemangs Sieg 2025.
Jule Brand 2022 - der deutsche Vorlaeufer und die Perspektive fuer Alara
Als Tuttosport den Golden-Girl-Award 2022 das erste Mal auslobte, ging die Premieren-Trophy an eine Deutsche: Jule Brand, damals 19 Jahre alt und bei der TSG 1899 Hoffenheim unter Vertrag, holte den Preis vor dem spanischen Doppel aus Salma Paralluelo und Vicky Lopez. Brand wechselte im Sommer 2023 zum VfL Wolfsburg, feierte 2024 ihr erstes grosses Turnier mit DFB-Silber bei den Olympischen Spielen in Paris und ist seit der Nagelsmann-WM-2026-Vorrunde eine der tragenden Figuren der DFB-Frauen auf dem Fluegel.
Dass Alara jetzt - mit exakt 19 Jahren, dem gleichen Alter wie Brand beim 2022er-Sieg - die zweite deutsche Finalistin stellt, ist der stille historische Rahmen des Freitags. Brand war die Premieren-Siegerin, Alara ist die naechste deutsche Kandidatin. Dazwischen gingen die Preise 2023 nach Kolumbien (Linda Caicedo, Real Madrid) und 2024/2025 ins spanisch-englische Rapsraum (Vicky Lopez, Barcelona; Michelle Agyemang, Brighton). Die vier bisherigen Preistraegerinnen bilden zusammen die aktuelle U23-Weltelite - eine Nominierung in diesem Kreis ist ein Qualitaets-Siegel, keine Nebenauszeichnung.
Alaras Saison 2026/27 bei Bayern - Zahlen und der Leverkusen-Winner
Alaras Fruehjahr war von einer Teilruptur gezeichnet, die sie laut sportschau wochenlang gefehlt hatte. In der laufenden Frauen-Bundesliga 2026/27 ist sie wieder im Rotations-Rhythmus angekommen: Laut kicker-Spielerdaten steht sie bislang bei 157 Einsatzminuten, zwei Toren, null Vorlagen, vier Torschuessen und einer Zweikampfquote von 55 Prozent. Zwei Tore in weniger als zweieinhalb Spielen Nettozeit sind eine Quote, die in der Finalistinnen-Reihe nur Buurman und Beney auf aehnlichem Niveau halten.
Das herausragende Einzel-Datum der jungen Saison ist der 14. September 2026: Bei Bayer Leverkusen traf Alara aus 14 Metern platziert neben den rechten Pfosten zum spaeten 3:2-Endstand - der Treffer entschied das Topspiel in einer Partie, in der Leverkusen zwei Fuehrungen aus der Hand gegeben hatte. Fuer Bayern-Trainerin Sandra Weeger ist Alara seit dem Sommer der feste Backup fuer die Offensiv-Rotation hinter Lea Schueller, Pernille Harder und Lineth Beerensteyn - mit der klaren Perspektive, in der WCL-Hauptrunde 2026/27 (nach der Hammerlos-Auslosung) regelmaessige Startelf-Einsaetze zu bekommen.
Was die Nominierung fuer Wuecks WM-2027-Kader bedeutet
Fuer Bundestrainer Christian Wueck veraendert die Golden-Girl-Nominierung die Rechnung in zwei Punkten. Erstens hat Alaras oeffentlicher Status am Freitagmorgen einen Satz nach oben gemacht - jede nicht-Nominierung ab November wird ab jetzt eine ausfuehrlichere Begruendung brauchen als die stille Rotations-Entscheidung aus dem Oktober. Zweitens ist der WM-Kader-Zuschnitt fuer Brasilien 2027 bisher noch nicht fixiert; Wueck hatte nach dem 2:0 gegen Norwegen im Juni als Direktticket mehrfach signalisiert, dass die Fruehjahrs-Lehrgaenge 2027 die Rotationsphase fuer die endgueltige 23er-Nominierung werden.
Alaras Profil als linksfuessige Zehn mit Kreativ-Dribbling und Diagonal-Pass passt in den Luecken-Bereich zwischen der durchsetzungsstarken Linda Dallmann und der ballfuehrenden Giovanna Hoffmann. Dass Wueck sie im Oktober bewusst in der Vereins-Rotation gelassen hat - mit dem spielerischen Argument, einer 19-Jaehrigen den Rhythmus bei Bayern wichtiger zu machen als ein zweites Testspiel in zehn Tagen - war verteidigungs-faehig, solange keine Nominierungs-Signale von aussen kamen. Mit dem Tuttosport-Peg vom Freitag ist diese Verteidigungs-Linie bruechiger geworden.
Fuer die kommenden drei Monate heisst das: Die WCL-Hauptrunden-Spiele bei Bayern werden fuer Alara die wichtigste Buehne. Wer in der Champions League gegen Pot-1-Gegner regelmaessig Startelf-Minuten einsammelt und dabei die Scoring-Quote vom September fortfuehrt, wird im Januar-Februar-Lehrgang und spaeter in der Nations-League-Fruehjahrs-Doppelrunde 2027 schwer zu umgehen sein. Die Siegerin des Golden-Girl-Awards wird im November bekannt gegeben - die eigentlich wichtige Nominierungs-Entscheidung fuer Alara faellt aber erst 2027, und zwar beim DFB.
Autor
Nina HartmannRedakteurin Frauenfußball & Analyse
Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.
Mehr aus Frauenfußball
DFB-Frauen drehen Testspiel: 2:1 gegen Asienmeister Japan in Bremen durch Dallmann und Bühl
13.10.2026
FrauenfußballFreigang zurück im DFB-Kader trotz laufendem Verfahren: Wück lobt verändertes Auftreten
29.09.2026
FrauenfußballDFB-Frauen: Wück nominiert 24 Spielerinnen, Neuling Lisa Baum erstmals dabei, Ann-Katrin Berger pausiert
29.09.2026