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DFB-Team

Einzelkritik Griechenland 0:0 Deutschland: Scherhant wirbelt, Pavlovic macht Kimmich-Sachen, Wirtz blass

Einzelkritik zum 0:0 in Thessaloniki: Scherhant bester Deutscher, Pavlovic in Kimmich-Manier, Wirtz blass. Alle DFB-Noten vom Nations-League-Rueckspiel.

Von Lukas Brandt 05. Oktober 2026

Aleksandar Pavlovic im Zweikampf beim DFB-Pokal-Erfolg des FC Bayern in Osnabrueck am 2. September 2026 - einen Monat spaeter in Thessaloniki uebernahm der 22-jaehrige Sechser in Kimmichs Abwesenheit die Steuermann-Rolle und wurde zum zweiten Standout der sportschau-Einzelkritik (Foto: Actionpress). Foto: Actionpress via SmartFrame

Es war der Abend, an dem die taktische Antwort stimmte, aber der Lohn ausblieb. Beim 0:0 im Toumba-Stadion von Thessaloniki dominierte Juergen Klopps DFB-Elf die Partie mit 76 Prozent Ballbesitz, 13:1 Torschuessen und 23:2 Strafraum-Aktionen - und schob sich dennoch mit dem zweiten Punkt aus Thessaloniki in der Nations-League-Gruppe A2 nicht an die Fuehrenden heran. Die sportschau-Einzelkritik vom Sonntagabend unter dem Titel “Scherhant wirbelt, Pavlovic macht Kimmich-Sachen” bestaetigt die Rangordnung: Zwei Standouts im Zentrum und links, dazwischen eine Startelf, die durchweg Dreier-Noten erreicht - mit einer Ausnahme im Angriff. Jonathan Burkardt verliess den Platz nach 63 Minuten als tragischer Protagonist der VAR-Annullierung, Florian Wirtz hatte seinen bisher schwierigsten Nations-League-Abend unter dem neuen Bundestrainer.

Tor - Jonas Urbig: Reflex in Minute zwei, dann nichts mehr zu halten (Note 3)

Jonas Urbig hatte den fruehen Schluesselmoment. Nach einer Kostas-Tsimikas-Flanke von der linken Seite kam Tasos Masouras aus fuenf Metern frei zum Kopfball und zielte halbhoch Richtung linkes Eck; der 22-jaehrige Bayern-Keeper wehrte den Weitwurf mit einer Reflex-Parade ueber die Latte. “Starke Parade”, notiert die sportschau-Einzelkritik - und der Rest der 90 Minuten war fuer Urbig eine Lehrstunde in Konzentration ohne Ballkontakte. “So richtig viel Praxis war ansonsten fuer Urbig aber nicht vorhanden”, heisst es weiter.

Dass Urbig in Thessaloniki nach dem Fehlpass-Zwischenfall gegen Serbien in Muenchen diesmal ohne grobe Patzer durchkam, ist eine kleine, aber wichtige Konsolidierungs-Note. Fuer die November-Doppelrunde in Belgrad und Rotterdam bleibt Urbig gesetzte Nummer eins - Klopp hatte den Status bereits in der Thessaloniki-PK vom 3. Oktober bestaetigt.

Abwehr - Thiaw, Anton robust, Raum fliessend, Treu mit Gelb (Note 3)

Malick Thiaw (Note 3) war erneut der ruhige Fixpunkt der DFB-Innenverteidigung. “Ruhe und Souveraenitaet”, heisst es in der sportschau-Einzelkritik, “stets Herr der Lage” und “kaempferisch stark”. Thiaw gewann die wenigen Luftzweikaempfe gegen Konstantinos Mavropanos, verteilte die Baelle sauber in die Doppelsechs und holte sich spaet im Spiel eine Gelbe Karte fuer taktisches Foul im Mittelfeld. Mit dem Augsburger Hinspiel von Ende September haben die Thiaw-Partien unter Klopp damit zweimal die gleiche Verlaesslichkeit gezeigt.

Waldemar Anton (Note 3) sammelte in der ersten Halbzeit ein Gelb fuer “unnoetiges hartes Foul im Mittelfeld” ein, blieb aber ansonsten “robust und zuverlaessig”, wie die Einzelkritik formuliert. Die physische Betonung der Griechen - lange Baelle auf Mavropanos, Pressing-Fouls in der Zentrale - “beeindrucken” den Dortmunder laut sportschau “wenig”. Anton bestaetigt damit die Rangfolge auf der zweiten Innenverteidiger-Position neben Thiaw, zumal Nico Schlotterbeck mit MRT-Diagnose Aussenband das Herbst-Fenster ohnehin verpasst.

David Raum (Note 3) ersetzte in Thessaloniki Philipp Treu auf der linken Verteidiger-Position, nachdem Treu gegen Serbien dort gestartet war. Der Leipziger lieferte “mehrfach noch mit klugen Paessen” einen soliden Spielaufbau und erzeugte sogar selbst eine “schoene Abschluss”-Chance aus der zweiten Reihe. Einmal verlor er Masouras in der eigenen Haelfte, konnte den Fehler aber ohne Folgen korrigieren.

Philipp Treu (Note 3-4) rotierte in Thessaloniki von der linken auf die rechte Verteidiger-Position. Die sportschau-Einzelkritik vermerkt “festgespielt” und “souveraen” - offensiv zweimal zoegerlich, defensiv “geschickt und solide”. Zwischen der 60. und 62. Minute kassierte Treu die Gelbe Karte fuer taktisches Foul, hatte aber bis in die Schlussphase hinein noch eine Chance auf den Siegtreffer, als er aus 14 Metern knapp am rechten Pfosten vorbeischoss.

Mittelfeld - Pavlovic in Kimmich-Manier, Bischof mit Hand im Aufbau (Note 2-4)

Aleksandar Pavlovic (Note 2) war der zweite Standout des Abends. Die sportschau-Einzelkritik waehlt die Formel “ueberzeugte als Abraeumer und Steuermann” und ergaenzt: “liess erneut vergessen, dass Kapitaen Joshua Kimmich fehlte”. Der 22-jaehrige Bayern-Sechser suchte in Thessaloniki einen Chipball “in Kimmich-Manier”, gewann die Zweikaempfe im Zentrum und war der Ballverteiler aus der Rueckraum-Position. Es ist die zweite Note-zwei-Partie fuer Pavlovic in der Klopp-Aera - nach dem Juniorpartner-Debuet gegen Serbien, wo er in der zweiten Halbzeit “etwas blasser” wirkte, hat er diesmal die 90 Minuten durchgezogen.

Dass Pavlovic in Kimmichs Abwesenheit zweimal den Chef-Sechser-Status einnimmt, ist das taktische Signal des Herbst-Fensters. Fuer das November-Doppel in Belgrad und Rotterdam duerfte Klopp vor der Frage stehen, ob Kimmichs Rueckkehr automatisch die Startelf bedeutet oder ob Pavlovic die Position nun verteidigt.

Tom Bischof (Note 2-4) erlebte die ambivalenteste Partie der Startelf. Positiv: “Ideenreich”, schreibt die Einzelkritik, mit Ballgewinn und Vorlage zur Scherhant-Burkardt-VAR-Szene in der 30. Minute. Negativ: Es war Bischofs unbeabsichtigtes Handspiel im unmittelbaren Vorlauf, das den vermeintlichen 1:0-Treffer nach Monitor-Review wieder vom Spielberichtsbogen genommen hat. In der zweiten Halbzeit “weniger auffaellig”, wie die sportschau notiert, verlor Bischof zweimal den Ball im Spielaufbau. Die Note landet damit zwischen zwei und vier - abhaengig davon, wie schwer man das VAR-Chapter wiegt. In der 83. Minute brachte Klopp Mika Baur fuer Bischof.

Angriff - Scherhant wirbelt, Karl glueklos, Wirtz nur eine Halbzeit (Note 2-4)

Derry Scherhant (Note 2) war der erste Standout des Abends und “Deutschlands bester Spieler in der ersten Halbzeit”, wie die sportschau-Einzelkritik formuliert. “Sehr aktiv” plus “dribbelte sich immer wieder frei” plus “bereitete das abgepfiffene Scherhant-Burkardt-Tor vor” - die drei Marker des Freiburgers fuer die Note zwei. Scherhants Positivtrend aus dem Serbien-Einsatz in Muenchen setzte sich damit auf hoeherer Ebene fort - war er in Muenchen noch “jeweils sehr laufstark, allerdings ohne die ganz grossen Szenen”, gelang ihm in Thessaloniki genau diese grosse Szene mit der Hereingabe zum vermeintlichen Fuehrungstor.

Nach der Pause blieb Scherhant “auffaellig”, vergab aber in der 60. Minute eine gute Chance zum fruehen 1:0 nach El-Mala-Zuspiel. In der 83. Minute brachte Klopp Bambase Conte fuer den Freiburger. Nach Spielschluss fasste Scherhant das Abendfazit auf der Interview-Bank zusammen: “Es tut sehr weh, dass wir nicht getroffen haben, aber man hat gesehen, wir haben alles reingeworfen und das Herz auf dem Platz gelassen.” Fuer das November-Doppel in Belgrad und Rotterdam duerfte Scherhant nach zwei starken Pflichtspielen gesetzt sein.

Lennart Karl (Note 4) erlebte das schwierigste Startelf-Debuet der Herbst-Rotation. Der 17-jaehrige Bayern-Fluegel verlor in der zweiten Minute Tsimikas vor der Masouras-Grosschance, blieb danach “bemueht” und “glueklos”, “fiel ein wenig ab”, wie die Einzelkritik notiert. In der 44. Minute hatte Karl die beste eigene Abschlussmoeglichkeit, “setzte den Ball aber neben das Tor”. Nach 63 Minuten brachte Klopp Said El Mala fuer Karl.

Florian Wirtz (Note 3-4) trug zum ersten Mal die Kapitaensbinde unter Klopp und hatte den schwierigsten Nations-League-Abend seit der Klopp-Amtsuebernahme. “Spielfreudig” mit “feinen Einlagen” in der ersten Halbzeit, laut sportschau-Einzelkritik “immer wieder zu einem Fehlpass bei der letzten Entscheidung”. Nach der VAR-Annullierung des Burkardt-Treffers verlor Wirtz den Zug zum Tor und war im zweiten Durchgang kaum noch in Abschluss-Positionen zu finden. Keine Rolle fuer die Note-zwei-Diskussion, die den Einzelkritik-Chapter nach Serbien dominiert hatte - der Abend in Thessaloniki wird fuer Wirtz als Pflicht-Partie ohne Weltklasse-Moment in die Statistik gehen.

Sturm - Burkardt-VAR dominiert alles (Note 4-5)

Jonathan Burkardt (Note 4-5) stand im Mittelpunkt der Szene, die dem Spiel die Entscheidung geraubt hat. In der 30. Minute drueckte der Frankfurter nach Scherhant-Hereingabe aus kurzer Distanz den Ball ueber die Linie - “blitzsauberes” Tor, wie die Einzelkritik notiert, nur um es nach Monitor-Review wegen Bischof-Hand im Aufbau wieder zu verlieren. Danach gab es fuer Burkardt wenig anzuschreiben: “selten gefunden”, eine “schoene Ballbehauptung” gefolgt von einem “Katastrophenpass” kurz vor der Halbzeit. In der 63. Minute brachte Klopp Nick Woltemade fuer Burkardt.

Fuer die November-Doppelrunde bleibt die Startelf-Frage im Zentrum offen. Burkardt hatte in der Thessaloniki-Vorbericht-PK als Mittelstuermer gegen den tief verteidigenden Gastgeber die logische taktische Antwort geliefert; die Pechszene der VAR-Annullierung und das anschliessende Abtauchen aus der Partie machen die Konkurrenz um die Nummer-neun-Rolle wieder offen.

Bank - El Mala Fehlgriff, Woltemade ohne Lohn, Baur und Conte ohne Hebel

Said El Mala (Note 4) kam in der 63. Minute fuer Karl und erlebte eine Einwechslung mit “zwei misslungenen Aktionen” auf der rechten Angriffsseite, bevor Klopp ihn mit Scherhant die Seite wechseln liess. Auf links “gelang dem 20-Jaehrigen nicht viel”, wie die Einzelkritik formuliert - ein deutlicher Rueckschritt vom Einwechsel-Standout-Verdikt gegen Serbien, wo El Mala als 999. Nationalspieler mit Tempo-Dribbling und Schlenzer aufs lange Eck ein starkes Debuet-Signal gesetzt hatte.

Nick Woltemade (Note 4) kam ebenfalls in der 63. Minute fuer Burkardt und blieb weitgehend ohne Impact. Eine “schoene Ballablage” fuer Scherhant leitete in der 70. Minute eine grosse DFB-Chance ein; weiter nach vorn kam der Newcastle-Stuermer aber nicht. Die Mario-Gomez-Pechszene aus Muenchen bleibt damit noch ohne Rehabilitation, die naechste Chance dafuer kommt in der Belgrad-Partie am 15. November.

Mika Baur und Bambase Conte (Note ohne Bewertung) kamen beide in der 83. Minute und “fanden aber auch keinen Hebel mehr”, wie die sportschau formuliert. Baur hatte sein DFB-Debuet gegen Serbien als 1000. deutscher Nationalspieler gegeben, Conte war in Muenchen fuer Scherhant eingewechselt worden - beide Debuetanten der Klopp-Aera konnten die Schlussminuten nicht fuer eine Grosschance nutzen.

Trainer - Klopp “unglaubliches Fussballspiel” (Note 3)

Juergen Klopp (Note 3) lieferte nach Abpfiff das deutlichste Lob der jungen Amtszeit: “Die Jungs haben ein unglaubliches Fussballspiel gemacht.” Dazu kam die noch zugespitztere Formel zur ersten Halbzeit: “Erste Halbzeit war aussergewoehnlich gut.” Es war der zweite positive Trainer-Satz der Klopp-Aera - nach dem “Super happy”-Zitat vom Serbien-Sieg vier Tage zuvor - und zum ersten Mal ohne Niederlage als Rahmen.

Dagegen die Selbstkritik: “Wir sollten den Ball auch mal reinschiessen, das wuerde helfen.” Die drei Startelf-Aenderungen gegenueber dem Serbien-Erfolg (Raum fuer Treu auf links, Karl fuer Gnabry auf rechts, Burkardt fuer Woltemade im Zentrum) griffen taktisch, aber nicht in Zaehlbares um. Die Note drei fuer Klopp ist konservativ; die positive Lesart liegt bei Note zwei, weil die Dominanz-Werte - 76 Prozent Ballbesitz, 13:1 Torschuesse, 23:2 Strafraum-Aktionen - unter den schwierigen Toumba-Bedingungen den Trainer-Grundauftrag erfuellt haben. Dagegen spricht die 60-Minuten-Chancen-Serie von Scherhant und El Mala, die nicht sauber uebersetzt wurde, und die Burkardt-Katastrophenpass-Szene vor der Halbzeit.

Nach der Partie hat Klopps DFB-Elf fuenf Punkte aus vier A2-Partien geholt - ein Sieg, zwei Remis, eine Niederlage. In sechs Wochen beginnt in Belgrad das November-Doppel, das ueber Platz eins der Gruppe und damit den Nations-League-Finalturnier-Zugang 2027 entscheidet. Die Einzelkritik aus Thessaloniki liefert dafuer eine klare Signal-Lage: Pavlovic und Scherhant sind gesetzt, Urbig bestaetigt, Wirtz braucht die Antwort auf den schwachen Nations-League-Abend, Burkardt und Woltemade kaempfen weiter um die Nummer neun.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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