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WM 2026

Katar - Schweiz: Yakins taktisches Rätsel zum WM-Auftakt im Levi's Stadium

Katar gegen Schweiz heute 21:00 MESZ in Santa Clara. Yakin lässt die Dreierketten-Frage offen, Manzambi drängt in die Elf, Embolo nach später US-Einreise zurück.

Von Marco Feldmann 13. Juni 2026

Schweiz-Trainer Murat Yakin im EURO-2024-Achtelfinale gegen Italien am 29. Juni 2024 im Berliner Olympiastadion - heute Abend in Santa Clara muss er die brennendste Frage seiner WM-Vorbereitung beantworten (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Am Samstagabend deutscher Zeit eröffnet Katar gegen die Schweiz die Gruppe B der WM 2026 im Levi’s Stadium in Santa Clara. Anstoß 21:00 Uhr MESZ, 12:00 Uhr PDT in der kalifornischen Mittagshitze - und nach dem überraschenden 1:1 von Gastgeber Kanada gegen Bosnien am Freitagabend in Toronto ist die Gruppe deutlich offener, als die Vorzeichen vermuten ließen. Murat Yakin geht in das Spiel mit einer Frage, die er bewusst nicht beantworten will: Dreierkette oder Viererkette? Auf der Pressekonferenz am Freitagabend Ortszeit blieb der 51-jährige Nationaltrainer wortkarg - der Plan ist offenbar, Lopeteguis Katar im Unklaren zu lassen. Wir ordnen die taktische Lage ein, schauen auf den Senkrechtstarter Johan Manzambi, klären den Stand bei Embolo und Okafor und werfen einen Blick auf den Achtelfinal-Fluch, den die “Goldene Generation” der Nati seit 2014 begleitet.

Yakins taktisches Rätsel: Dreierkette oder Viererkette?

Die Standardformation der Schweiz unter Yakin ist seit dem EM-Achtelfinale 2024 das 4-3-3: Gregor Kobel im Tor, davor Manuel Akanji, Nico Elvedi und Ricardo Rodriguez in einer Viererkette, Granit Xhaka als Sechser, Remo Freuler und Michel Aebischer als Achter, vorn Dan Ndoye, Breel Embolo und Ruben Vargas. So lautet jedenfalls die voraussichtliche Anfangsformation, die der Schweizer Vorbericht im Modell-Format auf 4-3-3 anlegt.

Doch in der WM-Vorbereitung gegen Jordanien und Australien testete Yakin dreimal seinen Alternativ-Plan: eine Dreierkette mit Denis Zakaria als drittem Innenverteidiger neben Akanji und Elvedi. Der 29-jährige Monaco-Kapitän, sonst Konkurrent von Xhaka und Freuler im Sechserraum, bekam in diesen Tests viel Lob - die Idee dahinter ist taktische Variabilität gegen unterschiedliche Gegnerprofile.

Gegen Katars 4-2-3-1 mit Akram Afif in der Zentrale wäre die Dreierkette ein Statement: mehr Stabilität in der Strafraumzone, klarere Manndeckung auf Afif und Almoez Ali, gleichzeitig die offensiven Außenverteidiger Widmer und Rodriguez als Schienenspieler. Die Viererkette ist umgekehrt die risikoärmere Auftakt-Variante - das, was die Schweiz seit der EM 2024 gewohnt drillt.

Wahrscheinlich ist die Viererkette als Auftaktformation, die Dreierkette bleibt als In-Game-Schalter und als Plan B für die K.-o.-Phase in der Hinterhand. Yakins Schweigen ist Kalkül.

Die Gewinner der WM-Vorbereitung: Manzambi, Aebischer, Amdouni

Bemerkenswert ist die Wirkung, die die Vorbereitung auf das Personal-Tableau gehabt hat. Drei Profile haben sich nach vorn gespielt:

  • Johan Manzambi (20), Eintracht Frankfurt: In den letzten beiden Testspielen gegen Jordanien und Australien stand das Offensivtalent von Beginn an auf dem Platz. Der gebürtige Wallifer ist der jüngste Feldspieler im Schweizer Aufgebot und der wahrscheinlich überraschendste Startelf-Kandidat heute Abend - flexibel auf der Acht, der Zehn oder hinter den Spitzen einsetzbar.
  • Michel Aebischer (28), AS Rom: Der italienische Legionär war in den letzten drei Länderspielen “Stammkraft, spielte mal links, mal rechts” (SRF) und hat sich aus der Reservegruppe zur ersten Wahl im Mittelfeld gespielt. Seine Polyvalenz ist Yakins liebste Karte.
  • Zeki Amdouni (24), Burnley: Erstmals seit knapp 18 Monaten - dem Kreuzbandriss von Anfang 2025 - spielte er gegen Australien wieder von Beginn an. Er gibt Yakin eine echte zweite Stürmer-Option neben Embolo.

Wer sich hingegen schwer tut: Noah Okafor. Der Leeds-Profi hatte mit acht Premier-League-Toren eine starke Klubsaison hinter sich, “kleinere Blessuren bremsten ihn aber aus, so auch in der Vorbereitung” (SRF). Für den heutigen Auftakt dürfte Okafor nur Reservist sein.

Embolo, Xhaka und die dünne Schweizer Bank

Die Schweiz ist eine Mannschaft der acht Stammkräfte: Kobel, Akanji, Elvedi, Widmer, Rodriguez, Xhaka, Vargas, Embolo - so lautet die Achse, die in allen sechs Spielen der ungeschlagenen UEFA-Qualifikation auf dem Platz stand. 17 Spieler im 26er-Kader haben Bundesliga-Erfahrung; Xhaka und Rodriguez sind mit 144 beziehungsweise 136 Länderspielen die nationalen Rekordspieler.

Hinter dieser Achse wird es dünn. Genau deshalb war der Fall Breel Embolo in der Vorwoche ein Problem: Der 28-jährige Monaco-Stürmer durfte wegen einer Lücke in seiner US-Einreise-Genehmigung erst am Freitag fliegen und kam dadurch mit dreitägiger Verspätung im WM-Quartier an. Gegen Australien fehlte er, und im 1:1 sah man der Schweiz seine Wucht im Strafraum sofort ab. Für heute Abend hat er knapp eine Woche zur Akklimatisierung gehabt - genug, um im 4-3-3 als Mittelstürmer aufzulaufen, vermutlich nicht genug für volle 90 Minuten. Hintergrund dazu im News-Beitrag zur Embolo-Einreise und dem späten Flug nach San Diego.

Hinter Embolo bleibt vor allem Amdouni als gleichwertiger Backup. Auf der Außen ist Dan Ndoye gesetzt, Xherdan Shaqiri (33) ist Edeljoker. Die Sturmtiefe ist die strukturelle Schwäche dieser Schweiz - und der Grund, warum Yakins Dreierketten-Idee überhaupt existiert: ein zusätzlicher Innenverteidiger verschiebt das Risiko nach vorn, nicht nach hinten.

Was Katar bringt: Lopeteguis Asien-Cup-Sieger und Akram Afif

Katar steht nicht mehr - wie 2022 - als Gastgeber bei der WM, sondern hat sich sportlich qualifiziert: über die dritte AFC-Runde, in der die Mannschaft von Julen Lopetegui Vietnam, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kirgisistan hinter sich ließ. Lopetegui hat das Team Anfang 2025 von Marquez Lopez übernommen und auf ein striktes 4-2-3-1 mit hoher Pressing-Linie umgestellt - er bringt die spanische Schule mit, die er bei Spaniens U-Nationalmannschaften, dem FC Sevilla und zuletzt Wolverhampton aufgebaut hat.

Der unbestrittene Star: Akram Afif (29), Asien-Spieler des Jahres 2024 und Asien-Cup-MVP 2024. Der Linksfuß spielt als hängende Spitze hinter Almoez Ali. Hassan Al-Haydos, der 34-jährige Kapitän mit über 175 Länderspielen, ist als Innenverteidiger oder Sechser eingeplant - die Verbindung zur 2022er-Gastgeber-Mannschaft.

Gegen die UEFA-Schwergewichte fehlt Katar bisher noch der Beweis: In der Vorbereitung verlor die Mannschaft Tests gegen Tunesien (0:1) und Kolumbien (0:2). Das Asien-Cup-Niveau ist nicht das WM-Niveau, und Lopeteguis Plan, mit hohem Pressing offensiv zu sein, kann gegen die Schweiz auch nach hinten losgehen - Xhaka und Freuler sind ein Mittelfeld-Duo, das hohen Druck routiniert aushebelt. Wer Katars Aufgebot im Detail nachlesen will, findet das im Katar-Kader-Artikel zu Lopeteguis 26er.

Was nach dem Kanada-1:1 für Gruppe B auf dem Spiel steht

Der Freitagabend in Toronto hat die Vorzeichen der Gruppe B verschoben. Kanada kam gegen Bosnien nicht über ein 1:1 hinaus; Joker Cyle Larin rettete dem Co-Gastgeber nach Einwechslung den ersten Punkt seiner WM-Geschichte, und das auch erst nach einer spektakulären Rettungstat von Sead Kolasinac. Details zum gestrigen Spiel lest ihr im Spielbericht zu Kanada gegen Bosnien.

Für die Schweiz heißt das: Wer heute in Santa Clara die drei Punkte holt, geht nach dem ersten Spieltag mit zwei Zählern Vorsprung in die Folgespiele - Schweiz gegen Bosnien am 18. Juni in Toronto und Katar gegen Kanada am 19. Juni ebenfalls in Santa Clara. Eine Niederlage gegen den Asien-Cup-Sieger wäre umgekehrt der erste echte Schock-Auftakt dieser WM. Und eine schwer aufzuholende Hypothek: Bosnien (mit Edin Dzeko als Trainer-Routinier-Bonus) und Kanada (mit Alphonso Davies) sind die anderen beiden Gegner, beide stärker einzuschätzen als Katar. Die Gruppen-B-Übersicht liefert Spielplan, Tabelle und Direkter-Vergleich nach allen Spieltagen.

Der Achtelfinal-Fluch der Goldenen Generation

Hinter dem heutigen Auftakt steht eine längere Geschichte. Die Schweiz hat drei WM-Endrunden in Folge das Achtelfinale erreicht - 2014, 2018, 2022 - und sich jedes Mal verabschiedet:

  • 2014: 0:1 nach Verlängerung gegen Argentinien (Tor: Di Maria).
  • 2018: 0:1 gegen Schweden (Tor: Forsberg) - das einzige Mal, dass die Schweiz nicht gegen einen späteren Halbfinalisten ausschied.
  • 2022: 1:6 gegen Portugal - die höchste WM-Niederlage der Schweizer Geschichte.

Für die heutige Mannschaft - Xhaka 33, Rodriguez 33, Widmer 33, Akanji 31, Kobel 28 - ist es die letzte realistische Turnier-Chance, diesen Fluch zu brechen. Die EM 2024 endete im Viertelfinale gegen England (1:1 nach Verlängerung, 2:4 im Elfmeterschießen); die Auswärts-WM in Nordamerika ist die letzte große Bühne dieser Generation, bevor 2028 in Großbritannien und Irland eine neue Achse antreten muss.

Die Schweiz im Team-Profil zeigt alle drei Gruppenspiele samt Spielort und Anstoßzeit, der WM-Spielplan ordnet das Spiel chronologisch in die WM-Eröffnungswoche ein. Generalproben-Eindrücke liefert der News-Beitrag zum 1:1 gegen Australien und der Schweizer Kader-Artikel gibt das Aufgebot in voller Tiefe.

Anstoß 21:00 Uhr MESZ, Übertragung im Free-TV - alle WM-Sender im Überblick im TV-Hub zur WM 2026.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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