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DFB-Team

Nagelsmann legt sich auf Doppel-Sechs Pavlovic/Nmecha fest: Aufstellung 48 Stunden vor Curacao

48 Stunden vor dem WM-Auftakt gegen Curacao legt Nagelsmann die DFB-Sechs fest: Pavlovic absichern, Nmecha vorruecken, Kimmich bleibt rechts hinten.

Von Lukas Brandt 12. Juni 2026

Felix Nmecha im DFB-Trikot beim 4:0-Test gegen Finnland am 31. Mai 2026 in Mainz - die 90 Minuten neben Aleksandar Pavlovic werden zwei Wochen spaeter zur Blaupause des WM-Auftakts (Foto: osnapix / Marcus Hirnschal / Actionpress). Foto: Actionpress via SmartFrame

48 Stunden vor dem WM-Auftakt gegen Curacao hat Bundestrainer Julian Nagelsmann die wichtigste offene Aufstellungs-Frage der DFB-Vorbereitung beantwortet: Im zentralen Mittelfeld bilden Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha die Doppel-Sechs. Die Aufstellung steht damit in einem Mass, das nach dem 2:1 in Chicago noch offen wirkte. Anstoss in Houston ist Sonntag, der 14. Juni 2026, um 19:00 Uhr MESZ. Live in der ARD-Sportschau.

Was Nagelsmann ueber die Doppel-Sechs gesagt hat

Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, im DFB-Basislager Winston-Salem, machte Nagelsmann das Sechs-Setup zum Thema der Vor-Auftakt-Presse: Pavlovic und Nmecha sind das zentrale Mittelfeld fuer Sonntag. Der Bundestrainer verteilte die Rollen mit klarer Hand. Nmecha soll “offensiver auftreten”, Pavlovic dagegen muesse “vor der Kette bleiben”, also den ballfernen Raum vor der Innenverteidigung in Umschaltsituationen absichern. Trotz der Tatsache, dass die beiden vor diesem Spiel erst zweimal gemeinsam in einer DFB-Startelf gestanden haben, funktioniere die Paarung “auf dem Platz schon sehr gut”.

Die zweite gemeinsame Startelf der beiden war das 4:0 gegen Finnland am 31. Mai 2026 in der MEWA Arena in Mainz - das letzte heimische Vorbereitungsspiel vor der Abreise in die USA. Damals war das Konstrukt eine bewusste Wette Nagelsmanns: das Generalprobe-Spiel der zweiten Reihe, ohne Joshua Kimmich, der nominell rechter Aussenverteidiger, faktisch aber Kapitaensgeometriker des DFB-Spielaufbaus ist. Heute, zwei Wochen spaeter, ist aus der Wette die Entscheidung fuer den Auftakt geworden.

Die Rollen-Verteilung: Pavlovic vor der Kette, Nmecha mit Vorruecken

Die zentrale Idee von Nagelsmanns Sechs-Plan ist eine asymmetrische Aufgabentrennung. Pavlovic, der 22-jaehrige Bayern-Profi, ist der Spieler mit dem zuverlaessigeren Standbein in der Tiefe. Er hat in der vergangenen Bayern-Saison unter Vincent Kompany rund 60 Prozent seiner Ballaktionen im eigenen Aufbau-Drittel geschlagen, sein Pass-Profil ist ballnah, kurz, sicher. Vor allem aber: Er liest Umschaltsituationen so frueh, dass er das Pressing oft schon mit einem Halbraum-Stellungsspiel killt, bevor der Gegner ueberhaupt nach vorne kommt.

Nmecha bringt dagegen das, was Pavlovic nicht so anbietet: das Aufruecken in den Zwischenraum zwischen gegnerischer Sechs und Innenverteidigung. Beim 4:0 gegen Finnland hatte er den hoechsten Aktionsschwerpunkt der DFB-Sechser - Nagelsmann braucht das, weil Florian Wirtz und Jamal Musiala in ihrer Zehner-Doppelrolle Anschlussspieler in der zweiten Linie brauchen. Nmecha laesst sich in der Aufbauphase frueher fallen, kommt nach Pavlovics Verlagerung in den Zentrumstango und uebernimmt das vertikale Anspiel auf die Zehnerlinie. Das, was bei Bayern Pavlovics zweiter Job ist (das vertikale Anstossen), gibt Nagelsmann nun Nmecha. Pavlovic darf sich auf die Saubermacher-Rolle konzentrieren.

Genau diese asymmetrische Aufteilung war beim 2:1-Test gegen die USA im Soldier Field am 6. Juni nicht zu sehen. Damals stand Kimmich nominell rechts, zog aber wiederholt in die Zentrale, dorthin, wo er beim FC Bayern unterwegs ist. Pavlovic und Nmecha agierten zu nah beieinander, die Zentrale wirkte ueberbesetzt. Die Vakuum-Diagnose des USA-Tests ist mit Nagelsmanns Sechs-Setting jetzt offiziell beantwortet: keine Kimmich-Sechs, sondern eine klar getrennte Doppel-Sechs aus zwei reinen Sechsern.

Warum nicht Goretzka - der Wechsel seit Maerz

Im Maerz-Lehrgang 2026 in Herzogenaurach hatte Nagelsmann oeffentlich noch Leon Goretzka ueber Nmecha gestellt. Goretzka stand in den Tests im Maerz vor Nmecha in der internen Hierarchie - eine Lesart, die der Bayern-Profi nach dem 4:0 gegen Finnland selbst bestaetigt hatte (“Ich sehe mich gerade nicht als Stammspieler”, war seine Lesart in Mainz). Drei Monate spaeter hat sich der Wind gedreht. Nmecha hat das 90-Minuten-Stueck gegen Finnland sauber abgeliefert, Goretzka kam in den juengsten Tests gegen Schottland und die USA nur als Joker und wirkte in den schnellen Umschaltphasen einen Tick langsamer.

Eine Festlegung gegen Goretzka ist die Nagelsmann-Entscheidung nicht: Der Bayern-Profi bleibt der Joker fuer Zwischenphasen, in denen das DFB-Team mit Erfahrung und langem Pass nachsetzen will. Aber das Startelfticket gegen Curacao geht an Nmecha - und das ist eine der bemerkenswertesten Verschiebungen in der DFB-Hierarchie der vergangenen sechs Monate. Der BVB-Sechser, geboren am 10. Oktober 2000, kommt vor dem WM-Auftakt auf gerade einmal acht A-Laenderspiele.

Was das fuer Kimmich heisst: Die rechte Bahn ist gesetzt

Mit Pavlovic und Nmecha im Zentrum ist auch die zweite grosse Aufstellungs-Frage der Vor-Auftakt-Phase beantwortet: Joshua Kimmich startet rechts hinten in Houston. Es ist die Position, die Nagelsmann seit der gescheiterten Sechs-Kombination in Chicago oeffentlich verteidigt - mit dem Argument, dass Kimmich von dort den DFB-Aufbau breiter aufziehen, ueber die rechte Bahn binden und gleichzeitig in den Halbraum Schritte machen kann. Bei den Bayern hat Kimmich auf dieser Position keine Stamm-Minuten, in der Nationalmannschaft jedoch seit November 2024 mehrfach gespielt.

Der entscheidende Vorteil des Konstrukts: Solange Pavlovic im Zentrum den ballfernen Raum saeubert, kann Kimmich aus der rechten Halbposition seine kreativen Anlagen einbringen, ohne dass die Defensive aus der Balance kommt. Auf der zweiten Seite des Spielfelds ist mit Nathaniel Brown der schnellere, vertikaler ausgerichtete Linksverteidiger gesetzt - David Raum sitzt auf der Bank. Brown soll Tempo bringen, Kimmich Kreativitaet. Die Aufbau-Statik des DFB-Teams gegen Curacao ist damit klar: vier Ballverteiler in der ersten Linie (Kimmich, beide Innenverteidiger, Brown), zwei reine Sechser (Pavlovic, Nmecha) und drei kreative Spielmacher dahinter (Wirtz, Musiala, Havertz als zentrale Spitze).

Das Restbild der DFB-Startelf am Sonntag in Houston

Mit dem Sechs-Setting ist das Aufstellungs-Bild fuer den Auftakt gegen Curacao am 14. Juni in Houston so weit vorgezeichnet, wie es zwei Tage vor Anstoss sein kann: Manuel Neuer im Tor, Kimmich rechts hinten, Brown links hinten, Pavlovic und Nmecha als Doppel-Sechs, Wirtz und Musiala auf den Halbpositionen, Kai Havertz als zentrale Spitze. Die offene Stelle ist die Innenverteidigung: Antonio Ruediger und Jonathan Tah gelten als wahrscheinlichste Paarung, Nico Schlotterbeck wartet als Joker.

Das Spiel im NRG Stadium in Houston ist der erste von drei Gruppenspielen in Gruppe E, danach folgen am 20. Juni in Toronto gegen Elfenbeinkueste und am 25. Juni in New York/New Jersey gegen Ecuador. Curacao gilt mit einer Bevoelkerung von rund 155.000 Menschen als kleinster WM-Teilnehmer der Geschichte und ist Buchmacher-Underdog, der unter dem niederlaendischen Trainer Dick Advocaat um eine Defensive-Show baut. Genau diese Gegner-Konstellation ist die Begruendung, warum Nagelsmann nicht in eine Drei-Sechs-Variante oder eine Kimmich-Sechs ausweicht: gegen einen tiefstehenden Gegner braucht es eher einen vertikalen Vorruecker (Nmecha) und einen ruhigen Aufbauer (Pavlovic) als einen zweiten Spielmacher.

Die Frage, die offen bleibt, ist die nach den Plaenen fuer die schwereren Gegner. Elfenbeinkueste am 20. Juni und Ecuador am 25. Juni bringen mehr Tempo und mehr Pressing mit. Ob Nagelsmann das Sechs-Setting dann beibehaelt oder Goretzka fuer mehr Routine zurueckholt, will der Bundestrainer erst nach dem Curacao-Spiel beantworten. Fuer Sonntag steht das Aufstellungs-Bild. Pavlovic vor der Kette, Nmecha vorruecken, Kimmich rechts. Es ist die Auflösung der Sechs-Frage, die zwei Wochen lang offen war.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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