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WM 2026

Marokko - Kanada 3:0: Ounahi-Doppelpack schaltet den Gastgeber im Achtelfinale aus

Marokko schlaegt Kanada im WM-Achtelfinale 3:0 in Houston. Ounahi trifft doppelt, Rahimi setzt in der Nachspielzeit den Schlusspunkt, Saibari geht verletzt raus.

Von Marco Feldmann 04. Juli 2026

Kanadas Nationaltrainer Jesse Marsch an der Seitenlinie waehrend des WM-2026-Achtelfinales Kanada gegen Marokko am 4. Juli 2026 im NRG Stadium in Houston. Am Ende stand ein 0:3 aus kanadischer Sicht und das Turnier-Aus als erster Gastgeber der WM 2026 (Foto: David Ballering II / ADM Newswire / Zuma Press). Foto: David Ballering II / ADM Newswire / Zuma Press via SmartFrame

Marokko hat sich am Samstag, 4. Juli 2026, im NRG Stadium in Houston mit einem 3:0 gegen Gastgeber Kanada ins WM-Viertelfinale gespielt. Alle drei Tore fielen nach der Pause: Azzedine Ounahi eroeffnete in der 50. Minute per Freistoss-Volley nach Achraf-Hakimi-Flanke, legte in der 82. Minute nach Brahim-Diaz-Vorlage nach und Soufiane Rahimi setzte in der 8. Minute der Nachspielzeit den Schlusspunkt zum 3:0. Kanada, das die ersten 45 Minuten dominiert hatte, war die erste ausgeschiedene Gastgeber-Nation der WM 2026. Nach dem Abpfiff sagte Kanadas Trainer Jesse Marsch: “So gut wie Marokko ist - ich bin lieber in meiner Situation.” Marokko trifft im Viertelfinale am 9. Juli um 22:00 Uhr MESZ in Boston auf den Sieger der Partie Frankreich gegen Paraguay, die am Samstagabend um 23:00 Uhr MESZ in Philadelphia angepfiffen wurde. Der Preis fuer den Turnierweg: Der Bayern-Neuzugang Ismael Saibari musste nach 22 Minuten mit einer muskulaeren Verletzung im rechten hinteren Oberschenkel raus.

Der Spielverlauf: Kanadas erste Haelfte, Ounahis Nachmittag

Kanada ging als Gastgeber und Underdog in die Partie, verhielt sich vom Anpfiff weg aber wie das Favoritenteam. Trainer Jesse Marsch liess seine Elf mit hohem Pressing anlaufen. Bereits in der 5. Minute hatte Jonathan David die Fuehrung auf dem Fuss, kurz darauf verpasste Tani Oluwaseyi in der 10. Minute freistehend das Tor. Alistair Johnston koepfte in der 18. Minute aus wenigen Metern knapp ueber die Latte. Marokko hatte im ersten Durchgang nur einen ernstzunehmenden Abschluss durch Rahimi in der 28. Minute und wirkte insgesamt harmlos und ideenlos. Es blieb beim 0:0 zur Pause - ein Ergebnis, das die 45 Minuten kaum widerspiegelte.

Nach der Pause fand Marokko besser in die Partie. Das gilt vor allem fuer den kolumbianisch-marokkanischen Flankengeber Achraf Hakimi und den bislang unauffaelligen Ounahi, der ploetzlich Raeume vorfand, die er in Halbzeit eins vergeblich gesucht hatte. Auf der anderen Seite verlor Kanada in der zweiten Halbzeit die Praezision im letzten Drittel und liess Marokko zunehmend zu Kontern kommen. Dass Tajon Buchanan in der 79. Minute noch einmal die letzte grosse Kanada-Chance auf den Anschluss vergab, war ein passender Nachhall der ersten Halbzeit.

Saibari nach 22 Minuten verletzt raus

Der Ausfall des marokkanischen Top-Torschuetzen Ismael Saibari in der 22. Minute war die dominante Personalie der ersten Halbzeit. Der 25-Jaehrige, seit dem 1. Juli 2026 offiziell Neuzugang des FC Bayern Muenchen, griff sich nach einem Sprint ohne Gegnereinwirkung mehrfach an den rechten hinteren Oberschenkel und musste am Rand des Sechzehners zusammensacken. Sportschau und Kicker beschreiben unabhaengig voneinander eine muskulaere Verletzung im Bereich der rechten Beinbeugemuskulatur; die genaue Diagnose stand am Samstagabend noch aus. Trainer Mohamed Ouahbi brachte in der 24. Minute den Roma-Neuzugang Neil El Aynaoui. Details zum Bayern-Bezug und zur Reha-Perspektive fuer die Bundesliga-Saison stehen in unserem Bayern-Saibari-Ausfall-Text.

Kurios: Ohne den Fixpunkt Saibari fand Marokko in Halbzeit zwei die entfesselte Version, die dem Team in den 22 Anfangsminuten und den 24 zuvor verpassten Minuten gefehlt hatte. Die Umschaltdynamik lief neu ueber Hakimi rechts und Brahim Diaz links, das Zentrum ordnete sich um Sofyan Amrabat neu und Ounahi rueckte ins vordere Zentrum vor. Ein taktischer Zufalls-Fund, den Ouahbi im weiteren Turnier-Verlauf sicher noch nachjustieren wird.

Der Freistoss-Volley zum 1:0: Hakimi legt auf, Ounahi trifft

Der Schluesselmoment kam in der 50. Minute: Achraf Hakimi trat einen halbhoch gespielten Freistoss von der rechten Seite in den Sechzehnerraum, die kanadische Abwehr rueckte nicht heraus, und Azzedine Ounahi lief an der Strafraumkante ein und zog den Ball aus etwa 18 Metern per Volley in den langen Winkel. Die kanadische Abwehrreihe hatte ihn im Rueckwaertslauf mehrere Meter freigelassen. Ounahis Abschluss war technisch bemerkenswert; das Video vom Tor wurde am Samstagabend auf sportschau.de als Highlight des Tages ausgewiesen.

Es war das zweite WM-2026-Tor des 25-Jaehrigen und der Beginn eines Nachmittags, den die kicker-Videoseite spaeter mit dem Titel “Ounahi brillant” ueberschrieb. Fuer Marokko war es das erste Turniertor aus einem offenen Freistoss - und die endgueltige Zaesur eines Spiels, das bis dahin einseitig verlaufen war, aber im falschen Sinne fuer den Favoriten.

Die Entscheidung: 2:0 durch Ounahi, Rahimi setzt in der Nachspielzeit den Schlusspunkt

Nach der Fuehrung liess Marokko Kanada kommen und stellte auf Kontern um. In der 82. Minute hatte Kanada wieder aufgerueckt, verlor den Ball an Amrabat, der ueber Hakimi auf Brahim Diaz weiterleitete. Diaz zog auf rechts an Alphonso Davies’ Vertretung vorbei und legte flach ins Zentrum, wo Ounahi zum 2:0 trocken vollendete. Der Doppelpack markierte die Entscheidung: 15 Minuten vor Schluss war die Partie faktisch vorbei. Kanadas Trainer Marsch brachte in der Schlussphase mit Ike Ugbo und Cyle Larin noch zwei Angreifer, um wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen; das aufgerueckte Verschieben schuf jedoch neue Raeume.

Diese Raeume nutzte Marokko in der 8. Minute der Nachspielzeit. Der eingewechselte Soufiane Rahimi stiess in einen Konter, den Youssef En-Nesyri zunaechst mit einem Doppelpass mit Adli einleitete, und schob aus zehn Metern zum 3:0-Endstand ein. Es war Rahimis erstes WM-Tor 2026 und der abrupte Schlusspunkt eines Marokko-Nachmittags, der 45 Minuten lang wie ein trister Fehlstart aussah und 45 Minuten lang wie eine Machtdemonstration.

Marsch verabschiedet sich mit Stolz, Kanada als erster Gastgeber raus

Kanadas Trainer Jesse Marsch verabschiedete sein Turnier in Houston wortkarg-emotional. In der ersten Reaktion sagte der 52-jaehrige US-Amerikaner laut sportschau.de: “Wir waren das bessere Team”, bemaengelte jedoch die fehlende Genauigkeit im letzten Drittel. Zum Marokko-Vergleich sagte er: “So gut wie Marokko ist: Ich bin lieber in meiner Situation.” Das ist der klassische Marsch-Ton - selbstbewusst-defensiv, halb Trotz, halb Realitaetsanerkennung.

Kanada geht als erster ausgeschiedener Gastgeber der WM 2026 vom Platz. Von den drei Gastgeber-Nationen (USA, Kanada, Mexiko) hatte Kanada bislang keine WM-Achtelfinal-Teilnahme in der Verbands-Geschichte vorzuweisen. Die 2026er-Kampagne mit sieben Punkten in der Gruppe B (6:0 gegen Katar, 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina, 2:1 gegen Palaestina) und dem R32-Sieg gegen den Konfoederations-Kollegen war der bislang groesste Erfolg. Kapitaen Alphonso Davies hatte laut Sportschau-Vermutung erneut Probleme mit dem Oberschenkel und fiel bereits vor Anpfiff aus - der Bayern-Profi hatte in der Gruppenphase nach eigenen Angaben “bei jedem Schritt etwas gespuert”. Die Bilanz des Turniers wird die kanadischen Verantwortlichen dennoch positiv stimmen.

Was auf Marokko im Viertelfinale zukommt - Boston, wahrscheinlich Frankreich

Marokko trifft im Viertelfinale am Donnerstag, 9. Juli 2026, um 22:00 Uhr MESZ im Gillette Stadium in Boston auf den Sieger der Partie Paraguay gegen Frankreich, die am Samstag um 23:00 Uhr MESZ in Philadelphia angepfiffen wurde. Das Halbzeit-Score der Parallel-Partie stand nach ersten Sportschau-Meldungen bei einer engen Auseinandersetzung ohne Fuehrung.

Frankreich gilt in einem moeglichen Boston-Duell als klarer Favorit; die Neuauflage des WM-Halbfinales 2022 in Katar (Frankreich 2:0 nach Toren Hernandez und Kolo Muani) waere die attraktive Storyline. Sollte Paraguay hingegen den zweiten grossen Coup nach dem Elfmeter-Aus Deutschlands im Sechzehntelfinale landen, waere das Duell mit Marokko das erste WM-Aufeinandertreffen der beiden Verbaende und ein reines Aussenseiter-Viertelfinale.

Der Sieger der Boston-Partie zieht ins Halbfinale am 14. Juli im MetLife Stadium New York/New Jersey ein. Marokko ist damit erster afrikanischer Viertelfinalist der WM 2026 (Kap Verde schied im R32 aus, Aegypten spielte am Freitag Elfmeter, siehe AEG-AUS Spielbericht) und traegt die Halbfinal-Hoffnung des CAF-Kontinents jetzt allein.

Aufstellungen und Statistik

Von marokkanischer Seite starteten laut Kicker- und Sportschau-Berichten unter anderem Torwart Yassine Bono, Rechtsverteidiger Achraf Hakimi, das Mittelfeld um Sofyan Amrabat, Ismael Saibari und Bilal El Khannouss sowie das Offensivtrio Azzedine Ounahi, Brahim Diaz und Youssef En-Nesyri. Fuer den verletzten Saibari kam frueh (24. Minute) Roma-Neuzugang Neil El Aynaoui; Soufiane Rahimi wurde in der Schlussphase als Joker eingebracht und traf zum 3:0. Kanadas Startelf um Torhueter Maxime Crepeau, die Innenverteidigung mit Alistair Johnston und Moise Bombito sowie die offensive Achse Jonathan David, Tajon Buchanan und Tani Oluwaseyi blieb wie erwartet ohne den angeschlagenen Kapitaen Alphonso Davies auf dem Rasen; in der Schlussphase brachte Marsch Cyle Larin und Ike Ugbo fuer eine letzte Aufhol-Offensive.

Tore: 0:1 Ounahi (50., nach Freistoss Hakimi), 0:2 Ounahi (82., Vorlage Brahim Diaz), 0:3 Rahimi (90.+8, nach Vorarbeit En-Nesyri).

Halbzeit: 0:0. Stadion: NRG Stadium, Houston (Texas). Weiter geht es fuer Marokko am 9. Juli in Boston; fuer Kanada ist das Turnier zu Ende.

Wer sich die Vorschau auf das Spiel noch einmal ansehen will, findet den Vorbericht mit Wett-Prognose unter Kanada gegen Marokko Vorbericht Tipp Prognose WM 2026. Weitere Portraits der handelnden Personen: das Marsch-Portrait und der Saibari-Ausfall-Kontext. Der gesamte K.-o.-Bracket steht in unserer Achtelfinal-Uebersicht.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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