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WM 2026

Frankreich - Paraguay 1:0 im WM-Achtelfinale: Mbappe verwertet Elfmeter in Philadelphia

Frankreich schlaegt Paraguay im WM-Achtelfinale 1:0 in Philadelphia: Mbappe verwertet in der 70. Minute den Elfmeter, im Viertelfinale wartet Marokko.

Von Marco Feldmann 05. Juli 2026

Kylian Mbappe im Zweikampf mit dem paraguayischen Rechtsverteidiger Miguel Almiron waehrend des WM-2026-Achtelfinales Frankreich gegen Paraguay am 4. Juli 2026 im Lincoln Financial Field in Philadelphia. Mbappe entschied die Partie in der 70. Minute per Foulelfmeter zum 1:0-Endstand (Foto: Ulrik Pedersen / Zuma Press). Foto: Ulrik Pedersen / Zuma Press via SmartFrame

Frankreich hat das WM-Achtelfinale gegen Paraguay am Samstagabend im Lincoln Financial Field in Philadelphia mit 1:0 gewonnen und zieht ins Viertelfinale ein. Das einzige Tor der Partie erzielte Kylian Mbappe in der 70. Minute per Foulelfmeter, nachdem der wenige Minuten zuvor eingewechselte Desire Doue im paraguayischen Sechzehner zu Fall gebracht worden war. Auf Frankreich wartet nun am Donnerstag, 9. Juli, um 22:00 Uhr MESZ im Gillette Stadium in Boston das Viertelfinale gegen Marokko, das am fruehen Abend Gastgeber Kanada mit 3:0 aus dem Turnier geworfen hatte.

Die Vorzeichen dieser Nacht in Philadelphia waren aussergewoehnlich. Bei bis zu 39 Grad Celsius hatten die Behoerden im Grossraum Philadelphia eine Wetterwarnung ausgesprochen, Aurelien Tchouameni war kurzfristig ausgefallen und Paraguay hatte in seiner Sechzehntelfinal-Nacht gegen Deutschland in Foxborough gezeigt, dass es sich gegen jedes Favoritenteam durch neunzig kompakte Minuten und ein Elfmeterschiessen quaelen kann. Dass Frankreich am Ende trotzdem gewann, verdankte es weniger einer offenen Ueberlegenheit als der Kaltschnaeuzigkeit seines Kapitaens von der Elfmeterpunkt-Marke.

Der Spielverlauf: Paraguay-Block, franzoesische Geduld, ein Elfmeter

Frankreich uebernahm vom Anpfiff weg den Ball, ohne im letzten Drittel zunaechst Loesungen gegen den paraguayischen Fuenferblock zu finden. Trainer Didier Deschamps hatte im Mittelfeld auf Manu Kone und Adrien Rabiot gesetzt, nachdem Tchouameni bereits am Freitag mit Muskelbeschwerden ausgefallen war. Vorne fehlte im Kombinationsspiel oft die letzte Praezision.

Die beste Chance der ersten Halbzeit hatte Ousmane Dembele in der 39. Minute: Der Barcelona-Angreifer zog von rechts nach innen und knallte den Ball hauchduenn am linken Pfosten vorbei. In derselben Minute versaute Paraguays Sechser Matias Galarza dem Spiel den kuehlen Kopf. Im Laufduell traf er Mbappe mit dem Ellbogen am Oberkoerper - Schiedsrichter Ilgis Tantashev sah die Szene nicht, der VAR nahm die Bilder in den Blick, kam aber zu dem Schluss, dass die Wucht des Kontakts nicht fuer Rot ausreichte. Paraguay kam mit gelb davon; die Szene setzte den Ton der Partie. Kicker.de sprach im Rueckblick von “eklig”, die Sportschau von einer “hitzigen Partie mit Unsportlichkeiten”.

Auch in Halbzeit zwei suchte Paraguay unter dem argentinischen Trainer Gustavo Alfaro die eigene Strafraumgrenze und ueberliess Frankreich das Spielgeraet. In der 52. Minute eroeffnete sich Mbappe nach einem schnellen Umschaltmoment die naechste Grosschance, verlor jedoch den letzten Kontakt vor dem Abschluss. Kone versuchte es aus rund zwanzig Metern, ohne den Torwart wirklich zu gefaehrden. Frankreichs Ball- und Feldueberlegenheit war eindeutig, ihr Ertrag lange nicht.

Die 70. Minute: Doue eingewechselt, Doue gefoult, Mbappe eiskalt

Der Bruch kam mit einer Deschamps-Entscheidung. Der Weltmeister-Coach brachte in der zweiten Haelfte den PSG-Angreifer Desire Doue fuer den beweglicheren Ausweg auf den Fluegel - und Doue fand innerhalb weniger Minuten den entscheidenden Weg in den Sechzehner. In der 70. Minute startete er einen Diagonallauf, zog nach innen und wurde in Strafraumnaehe von einem paraguayischen Verteidiger von den Beinen geholt. Tantashev entschied unmittelbar auf Foulelfmeter, ein zweiter VAR-Check bestaetigte die Entscheidung.

Bevor Mbappe zum Elfmeter antrat, traktierte Paraguays Innenverteidiger Gustavo Velazquez den Elfmeterpunkt und trat den Rasen an der markierten Stelle so lange auf, bis Tantashev einschritt. Es war ein psychologisches Manoever, das Mbappe nicht aus dem Konzept brachte: Der franzoesische Kapitaen schoss flach ins linke Eck. Orlando Gill, der 26-jaehrige paraguayische Keeper, der zwei Wochen zuvor im Sechzehntelfinale gegen Deutschland in Foxborough zum Elfmeter-Helden geworden war, ahnte die Ecke, kam aber nicht mehr an den Ball.

In den Schlussminuten trieb Frankreich das Spiel nach vorn, ohne einen zweiten Treffer zu erzwingen, waehrend Paraguay auf die letzte grosse Chance lauerte. Gill konnte sich noch einmal auszeichnen: In der 90. Minute plus sieben parierte er zwei aufeinanderfolgende Mbappe-Abschluesse aus kurzer Distanz. Es war der Nachhall einer WM-Nacht, in der Paraguays Torwart ein zweites Mal gluckliche und mutige Momente hatte - und in der Frankreich diesmal die richtigere, wenn auch keineswegs die besser aussehende Seite besetzt hielt.

Ekliges Paraguay, franzoesische Kaltschnaeuzigkeit

Der Post-Match-Ton fiel zweigeteilt aus. Mbappe sagte nach dem Sieg mit sichtbarem Verstaendnis fuer den Underdog-Modus des Gegners: “Jeder kaempft mit seinen Waffen. Wenn wir uns die Haende schmutzig machen muessen, tun wir das auch.” Deschamps sprach von einem “guten Schritt” seines Teams und lobte die defensive Reife: “Wir haben nicht viel zugelassen. Das war heute wichtig.” Sein argentinischer Kollege Alfaro raeumte die Ueberlegenheit Frankreichs an, betonte aber, dass Paraguay in diesem Turnier “sein Gesicht gezeigt” habe - erst im Elfmeterschiessen im Sechzehntelfinale gegen Deutschland, jetzt im knappen 0:1 im Achtelfinale gegen den Vize-Weltmeister von 2022.

Fuer Paraguay endet damit eine WM, die vor drei Wochen niemand auf der Rechnung hatte. Vor dem Turnier war das Team von Alfaro im FIFA-Ranking auf Platz 51 gelistet, in der Vorrunde zog es sich als Gruppendritter durch den Turnier-Spielplan in die K.-o.-Phase. Der Elfmeter-Coup gegen die DFB-Auswahl im Sechzehntelfinale in Foxborough war Paraguays historischste WM-Nacht seit dem Viertelfinal-Aus 2010 gegen Spanien.

1998 revisited: Blanc, das Golden Goal und der Weg ins Viertelfinale

Historisch stand die Nacht in Philadelphia im Schatten eines fast dreissig Jahre alten Spiels. Frankreich und Paraguay hatten sich bei einer WM zuletzt am 28. Juni 1998 in Lens gegenueber gestanden - ebenfalls im Achtelfinale, ebenfalls in einer schwuel-heissen Sommernacht. Damals entschied Innenverteidiger Laurent Blanc die Partie in der 114. Minute per Golden Goal, Frankreich zog schliesslich ins Finale ein und gewann in Saint-Denis gegen Brasilien den ersten und bis heute einzigen WM-Titel des Landes.

Der Sieg am 4. Juli 2026 fiel knapper als das 1:0-Ergebnis suggeriert. Er fiel aber, anders als 1998, in der regulaeren Spielzeit und ohne Verlaengerung. Fuer Deschamps, der 1998 als Kapitaen den WM-Pokal in die Hoehe gestemmt hatte, ist es das neunzehnte K.-o.-Duell als Trainer bei einer WM oder einem grossen Turnier. In diesen Zahlen liegt Frankreichs Kernkompetenz seit dem Amtsantritt Deschamps’ im Jahr 2012: knappe Spiele so lange offen zu halten, bis sich ein Detail auftut, das man verwerten kann. In Philadelphia war dieses Detail Doues Sechzehnerlauf und Mbappes flacher Schuss ins linke Eck.

Was auf Frankreich zukommt: Boston, Marokko, 9. Juli

Im Viertelfinale wartet auf Frankreich das Gillette Stadium in Boston und ein Gegner, der - anders als Paraguay - keine defensive Blockmannschaft ist, sondern selbst technisch mitspielt. Marokko hatte am fruehen Abend im NRG Stadium in Houston Gastgeber Kanada mit 3:0 besiegt - beide Ounahi-Tore in der zweiten Halbzeit, Rahimi in der Nachspielzeit. Das komplette Spielbericht der Kanada-Marokko-Partie haben wir separat aufgeschrieben.

Es waere die Neuauflage des WM-Halbfinales 2022 in Al-Chaur. Damals gewann Frankreich 2:0 durch Tore von Theo Hernandez und Randal Kolo Muani und zog ins Finale gegen Argentinien ein. Es waere zugleich das erste K.-o.-Duell dieser WM zwischen zwei Mannschaften, deren Turnierweg bislang von zwei gaenzlich verschiedenen Grundprinzipien getragen wurde: bei Frankreich die individuelle Aufloesung enger Spielsituationen ueber Mbappe, Dembele oder Doue; bei Marokko die kollektive Disziplin einer 3-4-3-Grundordnung, die im gesamten Turnier bislang nur zwei Gegentore zugelassen hat.

Fuer Mbappe kommt dazu eine persoenliche Rechnung. Mit seinem siebten Turniertreffer zog er in der WM-Torschuetzenliste mit Lionel Messi gleich, dessen Argentinien-Elf am kommenden Wochenende ihr Viertelfinal-Duell bestreitet - und beide Kandidaten fuer den Goldenen Schuh haben nun die gleiche Zahl Tore. Zwei Wochen vor dem geplanten Finale im MetLife Stadium in New York/New Jersey liegt zwischen ihnen ein einziges Spiel Abstand: fuer Mbappe der Boston-Termin am 9. Juli, fuer Messi das Wochenendspiel gegen den Sieger von USA gegen Belgien.

Aus deutscher Sicht schliesst sich damit ein Bogen: Der Deutschland-Bezwinger Paraguay verabschiedet sich, Frankreich uebernimmt die deutsche Turnier-Position im Bracket und trifft im Viertelfinale auf Marokko - dieselbe Marokko-Elf, die die DFB-Auswahl vor zehn Monaten in ihrem letzten Test vor der WM in Duesseldorf ausser Tritt gebracht hatte. Es ist die naechste, jetzt viel groessere Buehne.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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