Paraguays WM-Kader 2026: Alfaro nominiert 26 Debütanten - mit Mainz-Schreck Enciso und Ex-Herthaner Alderete
Gustavo Alfaro hat Paraguays 26 für die WM 2026 benannt - alle Debütanten. Mit dabei: Mainz-Schreck Julio Enciso, Ex-Herthaner Omar Alderete, Kapitän Gustavo Gómez.
Von Marco Feldmann 01. Juni 2026
Sechzehn Jahre nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Spanien in Südafrika kehrt Paraguay auf die WM-Bühne zurück. Am Sonntagabend deutscher Zeit hat Gustavo Alfaro in Asunción sein 26-Mann-Aufgebot für die Fußball-WM 2026 verkündet. Bemerkenswert ist nicht nur die Auswahl, sondern die Tatsache, dass jeder einzelne Spieler im Kader ein WM-Debütant ist: Die paraguayische Generation, die das Land 2010 ins Viertelfinale getragen hatte, ist längst aus den Nationalmannschaftsplänen verschwunden. Aus deutscher Sicht stechen zwei Namen heraus - der Brighton-Leihprofi Julio Enciso, der Mainz im Frühjahr aus dem Europapokal warf, und der ehemalige Hertha-Verteidiger Omar Alderete, der bei Aufsteiger AFC Sunderland eine neue Karriere startet.
Alfaros „Poncho mit 60 Streifen” - die Bekanntgabe in Asunción
Alfaro stellte den Kader in einer Pressekonferenz vor, die am späten Nachmittag in Asunción begann. Der 63-jährige Argentinier eröffnete seinen Auftritt mit dem Bild, an das sich in Paraguay viele am Tag danach erinnern werden: Er sprach von einem „Poncho mit 60 Streifen” - eine Hommage an die mehr als 60 Spieler, die er in den knapp zwei Jahren seiner Amtszeit gesichtet, getestet und in den Quali-Wettkampf einbezogen hat. „Der Stoff dieses Trikots”, sagte Alfaro, „ist nicht aus 26 Fäden gewoben, sondern aus den Träumen einer ganzen Generation, die zu lange keine WM erlebt hat.”
Die Botschaft ist die seines gesamten Zyklus: Paraguay reist nicht als sportliche Außenseiter-Mannschaft, sondern als Gemeinschaft, die sich nach der vergeblichen Mühe in den WM-Qualifikationen 2014, 2018 und 2022 ihre Rückkehr erarbeitet hat. Die endgültige Frist zur Bekanntgabe an die FIFA ist der 2. Juni 2026. Bis dahin darf der Verband nur noch verletzungsbedingt nachnominieren.
Die 26 - der Kader im Überblick
Im Tor stehen drei Schlussmänner: Orlando Gill (Cerro Porteño) als gesetzte Nummer eins, dazu Roberto Junior Fernández (Lille) und Gastón Olveira (Defensor Sporting), die für Alfaros Drei-Torhüter-Linie sorgen.
In der Defensive baut Alfaro auf eine Achse aus brasilianischen und europäischen Klubs. Kapitän Gustavo Gómez kommt vom Brasilianischen Meister Palmeiras, Junior Alonso spielt für Atlético Mineiro, Fabián Balbuena ist nach langen Jahren in Europa zurück in Südamerika. Neben Alderete in Sunderland sind Gustavo Velázquez, José Canale, Juan José Cáceres und Alexandro Maidana die jüngeren Optionen für die Außen- und Innenverteidigerpositionen.
Im Mittelfeld trifft Erfahrung auf MLS-/Brasilien-Generation. Damián Bobadilla (São Paulo) und Andrés Cubas (Vancouver Whitecaps) bilden den defensiven Sechser, Diego Gómez (Brighton-System) und der vom argentinischen New York Red Bull bekannte Alejandro Romero „Kaku” Gamarra sorgen für die Spielgestaltung. Dazu kommen Mauricio Prado, Matías Galarza und Braian Ojeda als jüngere Profile.
Im Sturm ist Miguel Almirón der Spielmacher und Identifikationsfigur - der ehemalige Newcastle-Profi spielt seit Sommer 2025 wieder für Atlanta United in der MLS, wo er einst zur Liga-MVP-Diskussion gehörte. Daneben stehen mit Julio Enciso (Brighton, Leihe Racing Strasbourg), Ramón Sosa und Gabriel Ávalos drei tiefere Angreifer; Gustavo Caballero komplettiert die Offensive als klassische Sturmspitze.
Julio Enciso - der Mainz-Schreck aus dem Conference-League-K.o.
Wer in Deutschland in den vergangenen Wochen Conference-League-Fußball geschaut hat, wird Enciso unweigerlich vor Augen haben. Der 22-Jährige spielte 2025/26 auf Leihbasis bei Racing Strasbourg, dem Klub aus dem BlueCo-Verbund (Eigentümerstruktur mit Chelsea und Brighton). Strasbourg traf im Conference-League-Viertelfinale auf Mainz 05 - und Enciso schnürte im 4:0-Rückspielsieg ein „Eins-und-Zwei”-Paket: ein eigenes Tor, dazu zwei direkte Vorlagen. Mainz war damit aus seinem ersten Europapokal-Frühjahr seit 2022 raus, Strasbourg zog ins Halbfinale ein.
Encisos Karriereweg führte vom Libertad-Talent in der heimischen Liga über einen Brighton-Wechsel im Sommer 2022 in die Premier League. Bei den Engländern zeigte er Phasen großen Tempos, kämpfte aber wiederholt mit Knieproblemen; die Leihe nach Frankreich diente der Spielpraxis. Geboren am 23. Januar 2004 in Caaguazú ist er einer der jüngsten Spieler im Kader und der einzige, dessen Name dem deutschen Bundesliga-Publikum aus diesem Frühjahr ein Begriff ist - wenn auch nicht aus der eigenen Liga, sondern aus Strasbourgs Europapokal-Run.
Omar Alderete - vom Hertha-Profi zum Premier-League-Aufsteiger
Den expliziten Bundesliga-Bezug im Aufgebot trägt Omar Alderete. Der 29-jährige Innenverteidiger, geboren am 26. Dezember 1996 in Asunción, kam zur Saison 2020/21 vom FC Basel zu Hertha BSC. In Berlin absolvierte er 17 Bundesliga-Spiele in der Hinrunde 2020/21 und galt damals als physische Verstärkung neben Niklas Stark und Dedryck Boyata - ein 1,89 Meter großer Linksfuß, der Zweikämpfe annimmt und den Ball kontrolliert auf die Außenbahn löst. Mit Hertha schaffte er den knappen Klassenerhalt jener Saison; im Sommer 2021 zog er nach Spanien zu Valencia weiter, danach folgten Jahre bei Getafe in La Liga.
Im Sommer 2024 wagte Alderete den Wechsel nach England. Der AFC Sunderland verpflichtete ihn zunächst für die Championship; ein Jahr später stieg der Klub in die Premier League auf, und Alderete spielte sich in der höchsten englischen Liga in einen relevanten Defensiv-Block. Für die paraguayische Nationalmannschaft sammelte er in dieser Zeit weitere Länderspiele und ist - neben Junior Alonso - der einzige Innenverteidiger im Kader mit ständiger Europa-Routine in einer Top-5-Liga.
Gustavo Alfaro - der Mann, der Paraguay zurück zur WM brachte
Alfaros Lebenslauf erklärt, warum Paraguay ihn im Sommer 2024 als Bundestrainer holte. Geboren am 14. August 1962 in Rafaela (Provinz Santa Fe, Argentinien), war er als Spieler ein lokaler Verteidiger ohne Aufmerksamkeit jenseits seiner Heimatregion; als Trainer arbeitete er sich über zwei Jahrzehnte durch die argentinische Liga und führte Atlético de Rafaela, Quilmes, Arsenal de Sarandí und mit besonderer Aufmerksamkeit Boca Juniors (2019-2020).
Der entscheidende Karriereschritt war seine Berufung zum Ecuador-Bundestrainer 2020-2022. Mit der „Tri” qualifizierte sich Alfaro für die WM in Katar - eine Quali, die er gegen die in Südamerika übermächtigen Brasilien, Argentinien und Uruguay durchsetzen musste. In Katar führte er Ecuador zum Auftaktsieg gegen Gastgeber Katar (2:0); das Team schied trotz des Auftakts in der Vorrunde nach einem 1:1 gegen die Niederlande aus. Der Eindruck blieb: Alfaro kennt die Mechanik der CONMEBOL-Qualifikation und die der WM-Vorrunde.
Im August 2024 übernahm er Paraguay, das in der CONMEBOL-Quali für 2026 im hinteren Tabellendrittel feststeckte. Mit einer strikten 4-4-2-Defensive, kompakten Reihen und Standardstärke holte er die Mannschaft auf den sechsten und damit direkten Qualifikationsplatz zurück. Es ist die fünfte WM-Endrunde Paraguays seit 1998 - nach 1998, 2002, 2006 und 2010, mit einer 16 Jahre langen Lücke.
Gruppe D mit USA, Türkei, Australien - der Spielplan in MESZ
Paraguay trifft in Gruppe D auf einen Mix aus Co-Gastgeber, europäischer Spitzenmannschaft und ozeanischer Routine: Co-Gastgeber USA, Mauricio Pochettinos Türkei, Tony Popovics Australien. Auf dem Papier ist die Gruppe ausgeglichen: Paraguay liegt in der FIFA-Weltrangliste auf Rang 40 (Stand 1. April 2026), die USA auf Rang 16, die Türkei auf Rang 28, Australien auf Rang 30. Es ist eine Gruppe, in der jeder Punkt zählt - und in der die Achtelfinal-Chance über das Auftaktspiel laufen wird.
- 13. Juni 2026, 03:00 MESZ: USA gegen Paraguay, Los Angeles (lokal Freitag, 12. Juni abends).
- 20. Juni 2026, 06:00 MESZ: Türkei gegen Paraguay, San Francisco Bay Area (lokal Freitag, 19. Juni nachmittags).
- 26. Juni 2026, 04:00 MESZ: Paraguay gegen Australien, San Francisco Bay Area (lokal Donnerstag, 25. Juni abends).
Den vollständigen WM-Spielplan mit allen 104 Begegnungen liefert die zentrale Plan-Übersicht.
Was 2026 anders ist als 2010
In Südafrika 2010 reiste Paraguay als gesetzte CONMEBOL-Mannschaft mit der Routine von Roque Santa Cruz, Salvador Cabañas (der nach dem Attentat im Januar 2010 nicht dabei war), Cristian Riveros und dem Tor-Phantom Justo Villar. Trainer Gerardo „Tata” Martino brachte eine defensiv organisierte Mannschaft an den Start, die in der Vorrunde gegen Italien und Slowakei je Unentschieden spielte, dann Neuseeland 0:0 hielt und mit einem 0:0 gegen Japan im Achtelfinale (Sieg im Elfmeterschießen) ins Viertelfinale einzog. Dort kassierte sie ein 0:1 gegen Spanien durch ein David-Villa-Tor in der 83. Minute - das schönste Kapitel der paraguayischen WM-Geschichte.
2026 ist anders. Das Aufgebot ist jünger - Durchschnittsalter knapp 27 Jahre - und die meisten Spieler sind in europäischen Sekundärligen oder in der MLS geprägt, nicht in der spanischen Primera División wie damals. Der Rückgrat-Spieler ist nicht der individuell brillante Almirón (der trotz Newcastle-Karriere bei dieser WM 32 Jahre alt ist), sondern eine kollektiv ausgerichtete Defensive um Kapitän Gómez. Alfaro setzt auf Pressing-Strecken im 4-2-3-1 und auf das Umschaltspiel mit Enciso und Sosa - eine andere Identität als die abwartende Mannschaft Martinos.
Testspiele vor dem Turnier
Paraguay bereitet sich vor dem WM-Start mit zwei Testspielen vor:
- 5. Juni 2026: Paraguay gegen Mexiko (USA, Standort San Antonio) - der prestigeträchtige Test gegen den Mitgastgeber.
- 8. Juni 2026: Paraguay gegen Japan (USA, Standort Phoenix) - das letzte Spiel vor der Abreise zur Auftaktstadt Los Angeles.
Beide Begegnungen finden auf nordamerikanischem Boden statt; Alfaro hat damit den Akklimatisierungs-Stoßplan abgerundet, den er bereits in Katar 2022 mit Ecuador erprobt hat.
Kontext: Was im Rest des Kader-Marathons passierte
Im selben Zeitfenster haben weitere Verbände ihre 26 nominiert. Co-Gastgeber USA bauen unter Pochettino ein junges System um Pulisic und Tillman. Aus der CONMEBOL-Spitze hat Argentinien um Messi und Scaloni den Titelverteidiger-Kader bestätigt; Brasiliens Carlo Ancelotti hat seinen Kader - die Mannschaft schlug Panama 6:2 - eine Woche vor der Bekanntgabe getestet. Aus CONCACAF zeigt Panamas Bundesliga-Bezug eine Parallele zur paraguayischen Geschichte: nur ein einzelner Spieler mit Bundesliga-Vita - in Panamas Fall Andrés Andrade, in Paraguays Fall Omar Alderete.
Mehr zu Paraguays Mannschaft, Geschichte und Rekorden auf der Team-Übersicht Paraguay.
Häufige Fragen zum Paraguay-Kader für die WM 2026
Wer steht in Paraguays WM-Kader 2026? Trainer Gustavo Alfaro hat 26 Spieler nominiert - alle WM-Debütanten. Kapitän ist Gustavo Gómez (Palmeiras), Defensiv-Achse mit Junior Alonso und Omar Alderete, im Mittelfeld Bobadilla, Cubas und Romero Gamarra, vorn Almirón, Enciso, Sosa und Ávalos.
Wer ist Trainer Paraguays? Gustavo Alfaro, 63, Argentinier, seit August 2024 im Amt. Er hat 2022 schon Ecuador zur WM nach Katar geführt und kennt die CONMEBOL-Quali-Mechanik aus Trainerstationen bei Boca Juniors und in der argentinischen Liga.
Wer ist der „Mainz-Schreck”? Julio Enciso, 22, Brighton-Eigentum, 2025/26 auf Leihbasis bei Racing Strasbourg. Im Conference-League-Viertelfinal-Rückspiel beim 4:0-Erfolg gegen Mainz 05 erzielte er ein Tor und legte zwei weitere auf.
Wer hat Bundesliga-Erfahrung? Innenverteidiger Omar Alderete (29, AFC Sunderland) - 17 Bundesliga-Spiele für Hertha BSC in der Saison 2020/21. Danach Valencia, Getafe, seit Sommer 2024 in England.
In welcher Gruppe und mit welchen Gegnern spielt Paraguay? Gruppe D mit USA, Türkei und Australien. Auftakt am 13. Juni 2026 um 03:00 MESZ gegen USA in Los Angeles, danach Türkei (20. Juni) und Australien (26. Juni), beide in der San Francisco Bay Area.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.