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WM 2026

Paredes: Keine Rote Karte im FIFA-Spielbericht - der Widerspruch nach dem WM-Finale 2026

Der offizielle FIFA-Spielbericht zum WM-Finale 2026 fuehrt bei Paredes nur eine Gelbe Karte. BBC klaert den Rote-Karte-Widerspruch - FIFA ermittelt trotzdem.

Von Marco Feldmann 21. Juli 2026

Leandro Paredes im Zweikampf mit Alex Grimaldo im WM-Finale 2026 am 19. Juli in East Rutherford. Der Argentinier stand nach Abpfiff im Zentrum der Rangelei mit Gavi und Eric Garcia - der Verlauf der Ereignisse und die Frage der Roten Karte sind zwei Tage nach dem Endspiel Gegenstand einer BBC-Recherche und eines offiziellen FIFA-Ermittlungsverfahrens (Foto: Zuma Press / Ulrik Pedersen, 19.07.2026). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Zwei Tage nach dem WM-Finale 2026 zwischen Spanien und Argentinien hat der britische Sender BBC einen Widerspruch aufgedeckt, den die FIFA am Dienstag bestaetigt hat. Im offiziellen Spielbericht des Weltverbandes zum Endspiel im MetLife Stadium ist gegen Leandro Paredes nur eine Gelbe Karte aus dem regulaeren Spiel vermerkt. Die vermeintlich von Schiedsrichter Slavko Vincic nach Abpfiff gezeigte Rote Karte fuer die Taetlichkeit an Gavi und Eric Garcia steht dort nicht.

Was BBC aus dem FIFA-Spielbericht geholt hat

Die BBC berichtete am Dienstagmorgen unter Berufung auf FIFA-Kreise, dass der offizielle Match-Report zum Endspiel bei Paredes keine Verweise auf eine post-match Rote Karte enthaelt. In einer schriftlichen Antwort an den Sender teilte der Weltverband mit, dass gegen Paredes “zu diesem Zeitpunkt keine disziplinarischen Massnahmen” ergriffen worden seien. Laut BBC hatte die FIFA zunaechst intern signalisiert, Vincic habe Paredes fuer den Ausraster tatsaechlich Rot gezeigt. Dieser Eintrag sei jedoch spaeter aus dem Spielbericht entfernt worden - oder er hat den Sprung ins offizielle Dokument nie geschafft.

Damit steht der urspruengliche Bericht ueber die direkte Rote Karte in einer neuen Verlaufslogik: Was TV-Bilder und Live-Reports am Sonntagabend als Vincic-Karten-Zug lasen, hat im FIFA-System keinen Papier-Niederschlag hinterlassen.

Warum die FIFA trotzdem ermittelt

Der Spielbericht ist die eine Ebene, das Disziplinarverfahren die andere. Am Montagabend, 20. Juli 2026 um 20:50 Uhr MESZ, hatte die FIFA-Disziplinarkommission mitgeteilt, “einen Disziplinar- und Ethikermittler ernannt” zu haben. Aufgabe: pruefen, ob im Zusammenhang mit den Vorfaellen nach dem Spiel gegen den FIFA-Disziplinarcode verstossen wurde. Diese formale Verfahrenseroeffnung ist unabhaengig davon, ob Vincic am Sonntagabend eine Karte in den Match-Report geschrieben hat oder nicht.

Fuer die Bewertung sind die Artikel 12 (Fehlverhalten von Spielern und Offiziellen) und 15 (Rote-Karten-Nachverfolgung) des FIFA-Disziplinarcodes einschlaegig. Das Videomaterial der Rangelei liegt vor, die Kameras des Stadions und der Uebertragungssender haben die Szene aus mehreren Winkeln erfasst. Sanktionen koennen also unabhaengig vom Match-Report verhaengt werden.

Der neue Fakt: Ayala soll Olmo geschlagen haben

Konkreter ist der Vorwurf gegen Co-Trainer Roberto Ayala geworden. Bis Montagabend hiess es lediglich, der Assistenzcoach unter Bundestrainer Lionel Scaloni sei “in die Rangelei eingegriffen”. Nach dem am Dienstag aktualisierten sportschau-Stand hat Ayala den spanischen Nationalspieler Dani Olmo geschlagen. Als Betreuer faellt Ayala unter Artikel 12 des FIFA-Disziplinarcodes. Fuer Trainerpersonal reichen die Sanktionsmoeglichkeiten von Geldstrafen ueber Stadionverbote bis zu mehrjaehrigen Taetigkeitssperren. Der Praezedenzfall waere ohne direkte Parallele in der juengeren WM-Endspiel-Historie.

Vincic, Molina, Enzo Fernandez - die weiteren Faden

Slowene Slavko Vincic hatte das Endspiel als Referee des WM-Finales 2026 im MetLife Stadium geleitet, unterstuetzt von Deutschlands Bastian Dankert im VAR-Team. Fuer Vincic ist der Bericht-Widerspruch eine Nachlese, die er als FIFA-Referee zusammen mit dem Match-Kommissar und der Disziplinarkommission aufzuarbeiten hat. In der Schiedsrichter-Bilanz seines Turniers (Eroeffnungsspiel Brasilien-Marokko, EM-Halbfinale-Erfahrung 2024, CL-Finale 2024 Real-BVB) ist es ein Kapitel, das noch aufgeklaert werden muss.

Fuer Nahuel Molina bleibt der Vorwurf im Raum, unmittelbar nach dem Schlusspfiff Spaniens Ballon-dOr-Sieger Rodri einen Schlag gegen die Brust versetzt zu haben - der Auftaktmoment fuer die groessere Rudelbildung. Molinas Fall gehoert zum laufenden Ermittlungsverfahren. Enzo Fernandez war bereits waehrend der Verlaengerung mit Gelb-Rot vom Platz gestellt worden; seine automatische Ein-Spiel-Sperre trifft den Start der CONMEBOL-Qualifikation fuer die WM 2030, unabhaengig vom laufenden Post-Match-Verfahren.

Was nach der Ermittler-Frist passiert

Der von der FIFA ernannte Disziplinar- und Ethikermittler prueft in den kommenden sieben Tagen Videomaterial, Berichte des Vincic-Teams und Zeugenaussagen. Danach entscheidet die FIFA-Disziplinarkommission ueber die formale Anklageerhebung. Sport1.de beruft sich auf britische The-Times-Recherchen, wonach auch “weitere Spieler und Offizielle” ins Verfahren einbezogen werden koennten.

Auf argentinischer Seite bleibt die Abschluss-Pressekonferenz von Bundestrainer Lionel Scaloni am Sonntagabend die einzige offizielle Stellungnahme des Verbands zur Post-Finale-Szene. Zum Widerspruch um Paredes und die geloeschte Rote Karte hat sich weder die AFA noch der argentinische Verband um Praesident Claudio Tapia am Dienstagvormittag geaeussert. Auch die spanische Weltmeister-Delegation hat den BBC-Vorgang nicht kommentiert.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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