Herve Renard tritt nach Tunesiens WM-Aus zurueck: 18 Tage Amtszeit, ein Instagram-Post, zwei Vorrunden-Niederlagen
Herve Renard verkuendet nach 18-taegiger Amtszeit den Ruecktritt als Tunesien-Trainer via Instagram: "Meine Reise ist zu einem Ende gekommen."
Von Marco Feldmann 04. Juli 2026
Am Samstagabend, 4. Juli 2026, gegen 21:44 Uhr UTC (23:44 Uhr MESZ) hat der franzoesische Trainer Herve Renard via Instagram seinen Ruecktritt als tunesischer A-Nationaltrainer verkuendet - exakt 18 Tage nach seinem Amtsantritt am 16. Juni und acht Tage nach dem tunesischen Vorrunden-Aus bei der WM 2026. Der zentrale Satz des Posts lautet “My journey has come to an end” - “Meine Reise ist zu einem Ende gekommen”. Renard ordnet die tunesische WM-Teilnahme in dem gleichen Beitrag als “grosse Errungenschaft” ein und formuliert die Hoffnung, die Nationalelf werde “ruhmreiche Kapitel in ihrer Geschichte schreiben”. Der 57-jaehrige Doppel-Afrika-Cup-Sieger (Sambia 2012, Elfenbeinkueste 2015), Marokko-WM-2018-Coach und Saudi-Arabien-Coach von 2019 bis 2025 zieht damit die Konsequenz aus einer Amtszeit, die zwei Vorrundenspiele und keinen Punkt umfasste. Der Vorgaenger-Bericht zur Renard-Uebernahme dokumentiert den 16. Juni; der Bericht zum Lamouchi-Aus den 15. Juni. Dieser hier ist der News-Peak, der den kompletten tunesischen Coach-Bogen der WM 2026 schliesst.
Was Renard heute Abend verkuendet hat
| Datum | 4. Juli 2026, Samstag, 21:44 Uhr UTC (23:44 Uhr MESZ) |
|---|---|
| Verkuendungs-Kanal | Instagram (persoenlicher Account @coachrenard) |
| Kern-Zitat | ”My journey has come to an end” |
| Amtszeit-Dauer | 18 Tage (16. Juni bis 4. Juli 2026) |
| Bilanz A-Team | 2 Spiele, 0 Siege, 0 Unentschieden, 2 Niederlagen, 0 Punkte |
| Vorheriger Job | Saudi-Arabien (2019-2025, im April 2026 entlassen) |
| Nachfolger | zum Zeitpunkt des Posts nicht benannt |
Bemerkenswert ist der Weg der Bekanntgabe. Renard hat den Ruecktritt nicht ueber die Federation Tunisienne de Football (FTF) und deren Praesidenten Moez Nasri kommuniziert, sondern direkt aus dem eigenen Instagram-Kanal. Die tunesische Tageszeitung Tunisie Numerique berichtete am Sonntagmorgen, die FTF sei vor dem Post nicht offiziell vorgewarnt gewesen. Die Parallele zum 16. Juni ist auffaellig: damals hatte das staatliche tunesische Fernsehen die Berufung eine Stunde nach der dpa/kicker-Meldung um Mondher Kebaier bekanntgegeben - auch damals ohne klassischen Verbands-Presseweg. Der tunesische Trainer-Stab der WM 2026 hat damit vom ersten bis zum letzten Tag ueber Ad-hoc-Kanaele kommuniziert, nicht ueber die Verbands-Struktur.
18 Tage, zwei Spiele, null Punkte
Zwischen Renards Berufung am 16. Juni 2026 und seinem Ruecktritt am 4. Juli 2026 liegen 18 Kalendertage. In dieser Zeit leitete er zwei WM-Vorrundenspiele:
- 21. Juni 2026, Estadio BBVA Monterrey: Tunesien gegen Japan am zweiten Spieltag der WM-Gruppe F. Renards Debuet endete mit einer Niederlage der Adler von Karthago gegen die Samurai Blue unter Bundes-Trainer Hajime Moriyasu.
- 26. Juni 2026 MESZ, Arrowhead Stadium Kansas City (25. Juni 18:00 Uhr Ortszeit CDT): Tunesien gegen die Niederlande am dritten Spieltag. Renards zweite und letzte Partie endete gegen die Ronald-Koeman-Elf ebenfalls in einer Niederlage; das rechnerische Aufstiegs-Szenario war bereits vor dem Anstoss theoretisch geworden.
Die Gesamt-Bilanz der tunesischen WM-Teilnahme umfasst laut Sportschau-WM-Liveblog null Punkte, zwei geschossene und zwoelf kassierte Tore in drei Spielen - Tabellen-Letzter der Gruppe F hinter Schweden (Rang 1), den Niederlanden (Rang 2) und Japan (Rang 3). Renard verantwortet zwei der drei Niederlagen; das 1:5 gegen Schweden am 15. Juni in Monterrey - dokumentiert im Spielbericht Schweden gegen Tunesien - fiel noch in die Amtszeit von Sabri Lamouchi.
Vom Afrika-Cup-Doppel-Trophaeen-Trainer zum Kurz-Coach
Renards Kurz-Amtszeit steht in bemerkenswertem Kontrast zu seiner internationalen Karriere-Bilanz. Der 57-jaehrige Franzose ist der einzige Trainer der Fussball-Geschichte, der den Afrika-Cup mit zwei verschiedenen Nationen gewonnen hat: 2012 mit dem damals krassen Aussenseiter Sambia in Libreville (Endspiel 8:7 im Elfmeterschiessen gegen die Elfenbeinkueste) und 2015 mit der Elfenbeinkueste selbst in Bata (2:0 im Elfmeterschiessen gegen Ghana). Beide Titel-Momente sind mit ikonischen Traenen-Bildern verbunden, die Renard zu einer eigenen Marke im afrikanischen Vereins- und Verbands-Fussball gemacht haben.
Zwischen den Afrika-Cup-Titeln fuehrte Renard Marokko zur WM 2018 in Russland und coachte dort die legendaeren Gruppenspiele gegen Iran (0:1), Portugal (0:1) und Spanien (2:2). Sein letzter Job vor Tunesien war Saudi-Arabien (2019-2025), dessen Bank er beim historischen 2:1 gegen Argentinien am 22. November 2022 im Lusail Iconic Stadium leitete - bis heute eine der groessten Vorrunden-Sensationen der WM-Historie. Diese 90 Lusail-Minuten waren beim tunesischen Verbandschef Nasri der Hauptgrund fuer die Sofort-Berufung am 16. Juni gewesen: die Vorstellung, ein Va-Banque-Coach mit dokumentierter Argentinien-Bezwinger-Bilanz koennte die WM-Vorrunde in Nordamerika retten. Renard selbst hatte diese Erwartung mit dem “kein Zauberer”-Satz vorsichtig gedaempft - und die zwei WM-Vorrundenspiele haben den Realismus bestaetigt. Die vier Zwischen-Etappen 2018 bis 2025 (Marokko-WM, Sambia-Comeback-Intermezzo 2018, Saudi-Arabien 2019-2025, Franzoesische Frauen-A-Elf 2023 als Doppel-Job) und die zwei Afrika-Cup-Titel machen Renard trotz der Tunesien-Kurz-Etappe weiterhin zu einem der begehrtesten Nationaltrainer im afro-arabischen Raum. Sein Weiterspring-Ziel bleibt offen.
Was jetzt kommt: FTF ohne Vorwarnung, Nachfolge offen, Afrika-Cup 2027 im Kalender
Die FTF steht am 5. Juli 2026 ohne bestellten Cheftrainer da. Das sportliche Kalender-Fenster ist zunaechst entspannt: die naechsten Pflichtspiele der Adler von Karthago sind die Afrika-Cup-Endrunde 2027 in Marokko (Anpfiff nach aktuellem CAF-Kalender Dezember 2026) sowie die Qualifikations-Windows fuer die WM 2030 (Doppel-Kick-off Anfang 2027 gegen andere CAF-Verbaende, Format-Details werden zwischen CAF und FIFA in den kommenden Monaten finalisiert). Die Nachfolge-Frage entscheidet damit nicht die WM-Endrunde in Nordamerika, sondern die Afrika-Cup-Vorbereitung.
Realistische Kandidaten-Namen aus dem Umkreis des Kebaier-Karussells vom 15. Juni sind Mondher Kebaier (bis 2022 A-Team-Coach, aktuell ohne Klub), der 78-jaehrige Faouzi Benzarti (mehrfach Interims-Bundes-Trainer zwischen 1999 und 2019) und der WM-2018-Coach Nabil Maaloul. Auch Salaheddine Hedhoud als aktueller FTF-Sportdirektor koennte als Interims-Beauftragter fungieren. Ein internationaler Namen-Kreis (etwa der ehemalige DFB-Kandidat Jose Peseiro oder der aktuell klubfreie Vahid Halilhodzic) ist rein spekulativ. Bis zur naechsten Verbands-Sitzung duerfte die FTF Zeit fuer eine geordnete Suche nutzen - eine wohltuende Abwechslung zur Ad-hoc-Kaskade des 15. und 16. Juni.
Renards Ruecktritt reiht sich in eine WM-2026-Trainer-Krisen-Serie ein, die neben dem Lamouchi-Aus vom 15. Juni auch Sebastian Beccaceces Ecuador-Trennung vor dem Turnier und den Ronald-Koeman-Ruecktritt bei den Niederlanden nach dem R16-Aus umfasst. Zusammen mit Julian Nagelsmanns DFB-Ruecktritt und Jesse Marschs Kanada-Kurs markiert die WM 2026 damit einen der bewegtesten Nationaltrainer-Zyklen der WM-Geschichte. Fuer die deutschsprachige Fan-Basis mit Blick auf die Tunesien-Pillar und die Gruppe-F-Uebersicht bleibt der Renard-Bogen ein Lehr-Beispiel dafuer, wie sehr Ad-hoc-Personalentscheidungen mitten in der Endrunde selbst die Sensations-Coach-Wette der WM 2022 nicht mehr in eine Sensations-Wende umsetzen koennen. Renards Reise ist zu einem Ende gekommen - Tunesiens Suche nach dem naechsten Kapitel beginnt jetzt.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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