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WM 2026

Tunesien-Trainer Lamouchi vor dem Aus - Kebaier soll nach 1:5-Auftakt-Pleite übernehmen

Nach Tunesiens 1:5-Auftakt gegen Schweden ist Sabri Lamouchi laut dpa als Trainer Geschichte. Mondher Kebaier soll nach FTF-Notsitzung in Mexiko übernehmen.

Von Marco Feldmann 15. Juni 2026

Das Mannschaftsfoto vor dem 1:5 gegen Schweden im Estadio BBVA Monterrey: Nach diesem WM-Auftakt steht Trainer Sabri Lamouchi laut dpa vor dem Aus - Mondher Kebaier soll übernehmen (Aufnahme: 14. Juni 2026). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Update 16. Juni 2026, 09:01 Uhr MESZ: FTF-Verbandspräsident Moez Nasri hat im staatlichen Fernsehen den Franzosen Hervé Renard als neuen Cheftrainer benannt - nicht den am Vortag von dpa kolportierten Mondher Kebaier. Die Kebaier-Lösung war laut Verband eine “Verbandsinterne Notfall-Option” und wurde verworfen. Den aktuellen Stand mit Renards CV und Lusail-2022-Hintergrund lesen Sie im Folge-Bericht Hervé Renard übernimmt Tunesien: Argentinien-Bezwinger soll die Pharaonen retten. Der untenstehende Bericht dokumentiert den Spekulations-Stand vom Nachmittag des 15. Juni und bleibt als Quellen-Eintrag zur dpa-Erstmeldung erhalten.

Es ist ein WM-Auftakt mit Doppel-Erschütterung. Sabri Lamouchis erste WM-Partie als Tunesiens Cheftrainer - das 1:5 (1:2) in Monterrey gegen Schweden vom 15. Juni 2026 - ist nach übereinstimmenden Meldungen von dpa und kicker zugleich seine letzte gewesen. Der tunesische Fußballverband FTF hat in einer Notsitzung der Verbands-Spitze in der Nacht zum 15. Juni die Trennung beschlossen; Mondher Kebaier soll Nachfolger werden. Der 56-Jährige war bereits in Mexiko vor Ort - die Personalie steht damit nur Stunden nach dem ersten WM-Auftritt. Lamouchi hatte den Posten erst am 14. Januar 2026 als Nachfolger von Sami Trabelsi übernommen und mit einem Vertrag bis 2028 ausgestattet bekommen. Sein Bilanz-Eindruck nach gerade einmal fünf Monaten: ein Sieg in fünf Begegnungen, drei klare Niederlagen gegen UEFA-Top-Teams (Österreich 0:1, Belgien 0:5, Schweden 1:5) und ein Aus, das nun den ungewohnten Charakter einer Notlösung mitten im laufenden WM-Turnier annimmt. Hintergrund zur Mannschaft selbst liefert die Pillar Tunesien bei der WM 2026, der spielerische Verlauf des Auftakts steht im ausführlichen Schweden-Tunesien-Spielbericht.

Was war passiert: das 1:5 in Monterrey und die Notsitzung am Tag danach

Datum15. Juni 2026 MESZ (Schweden-Spiel: 04:00 Uhr MESZ, 14. Juni Ortszeit)
Auftakt-ResultatSchweden - Tunesien 5:1 (2:1)
FTF-NotsitzungNacht zum 15. Juni (Beschluss-Verkündung mittags)
NachfolgerMondher Kebaier (laut dpa / kicker)
Lamouchi-Bilanz5 Spiele, 1 Sieg, 4 Niederlagen, 3:16 Tore
StatusTrainer-Aus berichtet, offizielle FTF-Pressemitteilung folgt

Der Beschluss kam ohne offiziellen Verbands-Auftritt. Nach den dpa-Quellen, die kicker am Montag-Nachmittag aufnahm, hat sich die Spitze der FTF in der Nacht zum 15. Juni in einer eilig anberaumten Sitzung beraten und Lamouchis Aus beschlossen. Eine offizielle FTF-Mitteilung lag am Mittag - knapp acht Stunden nach Spielschluss in Monterrey - noch nicht vor; in den tunesischen Medien wurde die Entscheidung jedoch als feststehend referiert. Die Trennung kommt damit mitten in einem laufenden WM-Turnier, mit der nächsten Tunesien-Partie - gegen Japan am 21. Juni - in genau sechs Tagen. Dass die FTF die Entscheidung dennoch durchzieht, lässt sich nur als Ausdruck der Eskalations-Dynamik lesen: Nach dem 0:1 in der Wien-Generalprobe gegen Österreich (siehe unseren Generalproben-Bericht Österreich-Tunesien) und dem 0:5 in der Brüssel-Generalprobe gegen Belgien (siehe Belgien-Tunesien 5:0 in Brüssel) hatte die Wirkung des dritten klaren Misserfolgs gegen ein UEFA-Top-Team intern jede Geduld aufgebraucht.

Lamouchi selbst hatte sich nach dem Spiel in Monterrey ungewöhnlich kurz angebunden geäußert. In der Pressekonferenz nach Abpfiff sprach er knapp von “kollektivem Versagen in der zweiten Hälfte” und der “notwendigen Reaktion auf das Niveau dieser WM” - Sätze, die im Kontext der Mannschafts-Substanz ungewöhnlich pessimistisch klangen. Die 60. Minute mit dem Skhiri-Patzer, die im Spielbericht als psychologischer Bruchpunkt beschrieben wurde, hat Lamouchi nur indirekt adressiert. Sein letzter Satz vor dem Rückzug aus dem Pressezelt - “die Spieler haben gegeben, was sie hatten” - liest sich rückblickend wie ein Abschied.

Mondher Kebaier - die Rückkehr eines bekannten Gesichts

Der designierte Nachfolger ist kein Unbekannter. Mondher Kebaier, 56 Jahre alt, war bereits von August 2019 bis Januar 2022 Tunesiens Cheftrainer. Er führte die Auswahl durch die erfolgreiche Quali zum Afrika-Cup 2021 in Kamerun (wegen Corona auf Anfang 2022 verschoben), schied dort aber im Viertelfinale mit 0:1 gegen Burkina Faso aus - und wurde nach 24 Stunden Bedenkzeit am 30. Januar 2022 entlassen. Sein damaliger Nachfolger Jalel Kadri brachte Tunesien zur WM 2022 in Katar, der Faden-Riss zwischen FTF und Kebaier blieb seither aber dünn: Der Trainer arbeitete zwischenzeitlich als TV-Experte, beriet tunesische Klubs und war beim aktuellen WM-Turnier in Mexiko bereits vor Ort - was die Personalie nach der Notsitzung in der Nacht zum 15. Juni in Rekordzeit möglich machte.

Kebaiers Profil als Coach gilt im tunesischen Fußball als das eines ruhigen, taktisch pragmatischen Kommunikators. Sein 4-3-3 in der ersten Amtszeit lebte von einem klassischen tunesischen Mittelfeld-Tridem - ähnlich der Struktur, die Lamouchi nun mit Skhiri-Khedira-Hannibal angelegt hatte. Vor seiner Bundes-Trainer-Tätigkeit hatte Kebaier die tunesischen Spitzenklubs CS Sfaxien, ES Tunis und Stade Tunisien trainiert und das tunesische U-23-Team betreut. Er kennt die meisten WM-2026-Spieler entweder aus seiner ersten Amtszeit (Skhiri und Hannibal Mejbri haben unter ihm gespielt) oder aus der Beobachtung der tunesischen Liga. Die Übergangs-Reibung dürfte damit kleiner sein, als bei einem externen Nachfolger zu erwarten gewesen wäre.

Die FTF-interne Lesart lautet nach Information aus dem Verbandsumfeld: Kebaier ist die schnellste verfügbare Lösung mit Sprach-Code-Vorteil - Französisch und Arabisch fließend, kennt das Land, kennt die Spielergeneration. Eine internationale Spitzen-Lösung war angesichts der WM-Zeitleiste illusorisch.

Sabri Lamouchis 5-Monats-Bilanz: 1 Sieg, 4 Niederlagen, ein gescheiterter Plan

Es ist eine bemerkenswert kurze Trainer-Ära. Lamouchi war am 14. Januar 2026 als Nachfolger von Sami Trabelsi ernannt worden, der seinerseits nach dem Achtelfinal-Aus beim Afrika-Cup 2025 gegen Mali hatte gehen müssen. Mit einem Vertrag bis 2028 stattete ihn die FTF aus, der Anspruch lautete: WM-2026-Qualifikation festigen, Mannschaft auf das Turnier vorbereiten, Anschluss an die afrikanische Spitze halten. Die Qualifikation war bereits unter Trabelsi und im Stab unter Lamouchis Übergangs-Co-Trainer faktisch entschieden gewesen - der ungeschlagene Lauf der CAF-Gruppe A (acht Siege, zwei Unentschieden gegen Burkina Faso, Sierra Leone, Guinea-Bissau, Äthiopien, Dschibuti) lief noch in der Trabelsi-Ära.

Lamouchis Bilanz selbst:

DatumBegegnungErgebnisAnlass
27.03.2026Tunesien - Haiti1:0Vorbereitung
10.06.2026Österreich - Tunesien1:0WM-Generalprobe Wien
12.06.2026Belgien - Tunesien5:0WM-Generalprobe Brüssel
15.06.2026Schweden - Tunesien5:1WM Gruppe F, Spieltag 1

Vier UEFA-Begegnungen in 14 Wochen, drei davon klare Niederlagen, sechzehn Gegentore. Das ist die nackte Zahl, an der die FTF-Spitze die Reißleine zog. Lamouchis taktischer Plan - ein 4-2-3-1 mit Skhiri-Khedira-Doppelsechs, Hannibal Mejbri und Naim Sliti als hochstehende Außen, Wahbi Khazri oder Mostafa Mohamed als Solostürmer - war auf dem Papier kohärent, in der Substanz aber zu offen gegen Premier-League-bestückte Mannschaften. Die CAF-Quali-Erfolge unter Trabelsi liefen gegen tendenziell defensivere afrikanische Gegner; Lamouchis erste echte Stresstests gegen Tre Kronor und Rote Teufel quittierten die Struktur ohne Gnade.

Der Trainer war im Frühjahr 2026 nicht unumstritten gewesen: Er hatte als ehemaliger französischer Nationalspieler (12 A-Länderspiele unter Aimé Jacquet 1996-1998) tunesische Wurzeln, aber seinen Trainer-Lebenslauf hauptsächlich in Europa aufgebaut. Stationen: Elfenbeinküste bei der WM 2014 in Brasilien (Gruppen-Aus nach 0:0 gegen Japan und 2:1 gegen Japan-Konkurrent Kolumbien-Verfolger - die Begegnungen damals waren Lamouchis erstes WM-Turnier als Trainer), danach Stade Rennes, Nottingham Forest, Cardiff City und zuletzt Al-Riyadh SC in Saudi-Arabien. Eine Klassiker-Karriere im westeuropäischen Mid-Table und im Golf-Premium-Markt - aber keine Aufgabe in der gleichen Liga wie die WM in Nordamerika.

Was das Trainer-Aus für die Bundesliga-Achse bedeutet

Aus deutscher Perspektive ist die Personalie besonders deshalb relevant, weil Tunesiens defensive Achse aus zwei Bundesliga-Sechsern besteht. Ellyes Skhiri spielt seit der Saison 2023/24 bei Eintracht Frankfurt und gilt dort als einer der defensivstärksten Sechser der Liga (mehr Hintergrund im Tunesien-WM-Kader-Bericht mit Rani Khedira und Skhiri). Rani Khedira, jüngerer Halbbruder von Weltmeister Sami Khedira, verstärkt diese Linie seit August 2023 beim FC Augsburg. Die Skhiri-Khedira-Doppelsechs war Lamouchis taktischer Anker, und sie bleibt es auch unter Kebaier - beide haben unter Kebaiers erster Amtszeit als Tunesien-Trainer schon Länderspiele bestritten, kennen die Stimme und die Anforderungen.

Allerdings ist der Skhiri-Patzer aus der 60. Minute gegen Schweden ein Faktor, der unter dem neuen Coach mehr Aufmerksamkeit als Stabilisierung als als Schuld-Aufarbeitung brauchen wird. Skhiri ist als Kapitän die zentrale psychologische Figur der Mannschaft - ein gescheiterter Coach-Wechsel ohne Rückendeckung der Bundesliga-Achse würde die ohnehin angespannte Lage zusätzlich destabilisieren. Kebaiers erste Aufgabe in den verbleibenden fünf Trainings-Tagen vor Japan wird sein, Skhiri und Khedira persönlich abzuholen und das defensive Selbstverständnis nach der Monterrey-Schmach wiederherzustellen.

Ein zweiter Bundesliga-Bezug: Hannibal Mejbri spielt seit 2024 bei Burnley (Premier League), kommt aber aus dem PSG-Nachwuchs und ist mit der Bundesliga-Sechser-Linie taktisch vertraut. Mejbri war im Schweden-Spiel der wirkungsvollste tunesische Spieler (Vorlage zum 1:2-Anschluss durch Rekik) und dürfte unter Kebaier die offensive Verantwortung-Erweiterung erhalten, die ihm Lamouchi nur teilweise gegeben hatte.

Was kommt jetzt - Tunesien-Japan am 21. Juni als Va-Banque-Spiel

Die WM-Realität wartet nicht auf eine geordnete Übergabe. Tunesiens zweite Partie der Gruppe F steigt am Sonntag, 21. Juni 2026 um 06:00 Uhr MESZ (Samstagabend 23:00 Uhr Ortszeit CDT, 20. Juni) im selben Estadio BBVA in Monterrey - gegen Japan. Es ist das Va-Banque-Spiel der Tunesier um das Achtelfinale: Eine zweite Niederlage würde Tunesien rechnerisch in den letzten Spieltag mit kaum noch realistischer Aufstiegs-Chance schicken. Kebaier wird in fünfeinhalb Trainings-Tagen die Mannschaft mental aufrichten und taktisch leicht justieren müssen - mehr ist im engen WM-Kalender nicht möglich.

Was dabei hilft: Kebaier kennt Hajime Moriyasus Japan aus der Beobachter-Rolle, hat in den letzten Monaten als TV-Experte mehrere J1-League- und Asien-Quali-Begegnungen analysiert und teilt Lamouchis grundsätzliche Lesart der japanischen Stärke (Tempo-Flügelspiel, schnelle Umschalt-Momente). Eine defensive Stabilisierung mit höherem Pressing ist die wahrscheinlichste Justierung - Lamouchis tiefe Block-Variante war gegen Schweden über 60 Minuten getragen worden, aber das finale Drittel ist auseinandergebrochen. Kebaier hat hier den Vorteil, dass er als Insider die Spielergeneration kennt und ohne lange Eingewöhnung mit seinen taktischen Wünschen kommunizieren kann.

Unser Pre-Match-Bericht zum nächsten Tunesien-Spiel liegt mit dem Tunesien-Japan-Vorbericht und WM-Rechner-Tipp bereits vor und wird nach der offiziellen Kebaier-Berufung mit der neuen Trainer-Konstellation aktualisiert.

Gruppe F nach Spieltag 1 - die neue Lage

Die Tabelle der Gruppe F nach dem 1. Spieltag liest sich für Tunesien wie folgt:

Pos. Team           Sp   S U N   Tore   Diff   Pkt
 1.  Schweden        1   1 0 0    5:1    +4     3
 2.  Niederlande     1   0 1 0    2:2     0     1
 2.  Japan           1   0 1 0    2:2     0     1
 4.  Tunesien        1   0 0 1    1:5    -4     0

Die Konstellation ist hart: Schweden liegt mit drei Punkten und plus 4 in der Tordifferenz an der Spitze, Niederlande und Japan haben nach dem 2:2 in Dallas jeweils einen Punkt, Tunesien startet mit null Punkten und minus 4. Selbst zwei Siege in den Schluss-Partien gegen Japan und Niederlande würden bei der ungünstigen Tordifferenz kaum noch reichen, falls eine andere Mannschaft der Gruppe ebenfalls auf sechs Punkte kommt. Realistisch braucht Tunesien einen Sieg gegen Japan plus mindestens ein Unentschieden gegen Niederlande - und einen Tordifferenz-Vorteil, der nur über klare Erfolge zustande käme. Übersicht zur Gruppe und zu allen drei Spielen liefert die Pillar WM 2026 Gruppe F.

Für den neuen Cheftrainer bedeutet das: Er übernimmt eine Mannschaft in der Existenz-Krise, mit zwei Spielen, um aus der bisherigen Schmach noch eine WM-Geschichte zu formen, die nicht in einem dreimaligen Vorrunden-Aus mit null Punkten endet. Dass die FTF Kebaier mit dieser Aufgabe betreut und nicht eine internationale Interimslösung gewählt hat, ist eine Wette auf die kurzfristige Stabilisierungs-Wirkung eines bekannten Gesichts - mehr Plan war im Zeitfenster nicht zu organisieren.

Lamouchis Abschied wird in Mexiko vermutlich ohne große Worte erfolgen. Wenn die offizielle FTF-Pressemitteilung nachgereicht ist, dürfte sie - so die übliche Verbands-Praktik in Tunis - kurz und sachlich ausfallen: eine Trennung “in beiderseitigem Einvernehmen”, die taktisch begründet wird. Die Substanz dahinter ist klarer: Drei Niederlagen in 14 Wochen gegen UEFA-Mannschaften, ein zerbröselter Auftakt, ein Verband, der das Risiko des Vorrunden-Aus nicht zusätzlich mit einem geschwächten Coach tragen wollte. Lamouchi wird in seinen vermutlich nächsten beruflichen Schritten - laut Branchen-Informationen liegen Angebote aus der Saudi Pro League und aus Frankreichs Ligue 2 vor - die WM 2026 als die wohl kürzeste und schmerzhafteste Episode seiner Trainer-Laufbahn führen.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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