Spanien - Belgien 2:1 im WM-Viertelfinale: Merino-Joker wieder spaet, Courtois unter Traenen raus, Simon-Rekord reisst
Spanien schlaegt Belgien im WM-Viertelfinale 2:1 im SoFi Stadium: Fabian Ruiz (30.), De Ketelaere (41.), Merino-Joker in der 88. nach Lammens-Patzer, Halbfinale 14. Juli Dallas gegen Frankreich.
Von Marco Feldmann 10. Juli 2026
Spanien hat das WM-Viertelfinale gegen Belgien am Freitagabend im SoFi Stadium in Inglewood bei Los Angeles mit 2:1 gewonnen und zieht als zweiter Halbfinalist der WM 2026 in die Runde der letzten Vier ein. Fabian Ruiz brachte die Roja in der 30. Minute in Fuehrung, Charles De Ketelaere glich in der 41. Minute per Kopfball aus, und der Joker der Kampagne traf ein zweites Mal: Mikel Merino erzielte in der 88. Minute nach einem Distanzschuss von Pau Cubarsi und einem folgenschweren Fehler des Ersatzkeepers Senne Lammens den Siegtreffer. Im Halbfinale trifft Spanien am Dienstag, 14. Juli 2026, um 21:00 Uhr MESZ im AT&T Stadium in Dallas auf Frankreich, das den Quartier-Sieg am Vortag gegen Marokko mit 2:0 gebucht hatte.
Der Abend im SoFi Stadium hatte gleich drei getrennte News-Achsen: den Merino-Joker als Serientaeter (nach dem 91.-Minuten-Siegtor gegen Portugal jetzt der 88.-Minuten-Siegtor gegen Belgien), die Traenen-Auswechslung von Thibaut Courtois in der 71. Minute mit einer Oberschenkelverletzung, und die abrupte Beendigung der WM-Rekordserie von Unai Simon nach exakt 649 Minuten ohne Gegentor durch den De-Ketelaere-Kopfball zur Halbzeit-Marke. Damit rueckt Spanien zum ersten Mal seit dem Weltmeister-Titel 2010 in Suedafrika wieder in ein WM-Halbfinale ein, und die de-la-Fuente-Aera steht nach dem EM-Titel 2024 in Berlin zwei Spiele vor dem naechsten grossen Titel.
Der Spielverlauf: Ruiz-Fuehrung nach Yamal-Vorarbeit, De-Ketelaere-Ausgleich, Merino-Coup
Spanien unter Luis de la Fuente uebernahm vom Anpfiff weg das Kommando und liess Belgien in eine tiefe 5-4-1-Ordnung zurueckfallen. Trainer Rudi Garcia hatte vor Anpfiff Youri Tielemans ersetzen muessen - der Aston-Villa-Kapitaen zog sich beim Aufwaermen eine muskulaere Blessur zu und wurde durch Nicolas Raskin ersetzt - und liess mit einer Fuenfer-Kette um Timothy Castagne, Zeno Debast, Wout Faes, Brandon Mechele und Arthur Theate die spanische Aussenbahn-Achse um Lamine Yamal und Nico Williams in den ersten Minuten kaum ins Duell kommen.
Der Bruch der ersten Halbzeit kam in der 30. Minute. Yamal, der von rechts nach innen zog und Amadou Onana vor der Strafraumkante versetzte, spielte quer auf den rechten Aussenverteidiger Pedro Porro, dessen scharfe Hereingabe Fabian Ruiz an der Fuenfmeter-Linie aufnahm. Der erste Torschuss wurde noch von Thibaut Courtois pariert, den Nachschuss verwertete der 30-jaehrige Achter des Paris Saint-Germain zum 1:0 - der erste Turniertreffer des Champions-League-Siegers 2024/25 bei der WM 2026.
Elf Minuten spaeter, in der 41. Minute, kam Belgien zum Ausgleich. Nach einer Ecke, die Spanien nur unzureichend klaerte, brachte Castagne den zweiten Ball scharf zur Fuenfmeter-Linie, wo sich Charles De Ketelaere gegen Robin Le Normand durchsetzte und zum 1:1 einkoepfte. Der Atalanta-Angreifer bleibt damit der belgische K.-o.-Torschuetze der Wave 2 - schon im Achtelfinale gegen die USA im Lumen Field Seattle hatte er beim 4:1 einen Doppelpack erzielt.
Zur Halbzeit stand es 1:1. In der zweiten Halbzeit dominierten die spanischen Ballzirkulationen um Rodri, Pedri und Ruiz mit rund 68 Prozent Ballbesitz, ohne dass Belgiens tiefe Ordnung die klaren Chancen zuliess. Die Partie kippte erst in der Schlussphase - und dann in einem einzigen Distanz-Anlauf.
Courtois-Traenen in der 71. Minute und der Belgien-Personal-Nachtschaden
In der 71. Minute griff sich Thibaut Courtois in einer Szene nach einem Zweikampf im Sechzehner an die rechte Oberschenkelrueckseite und blieb kurz am Boden liegen. Der belgische Real-Madrid-Torhueter wollte laut Trainer Rudi Garcia eigentlich weiterspielen; das medizinische Team der belgischen Verbandsauswahl entschied nach einer kurzen Sichtung anders. Courtois ging unter Traenen vom Platz - ein Bild, das die belgische Delegation nach Abpfiff besonders traf. Sein Platz nahm Senne Lammens ein, der 22-jaehrige Ersatzkeeper des FC Everton, der im Sommer 2025 fuer 21 Millionen Euro vom Royal Antwerp FC nach England gewechselt war.
Belgien musste damit die zweite Personal-Belastung der Partie verkraften. Bereits vor Anpfiff hatte Kapitaen Youri Tielemans wegen einer muskulaeren Blessur beim Aufwaermen ausfallen muessen - der Aston-Villa-Achter war die tragende Achse der belgischen Kombinations-Kette und wird die verlorene Achse in der Kampagne fuer die Nationalmannschaft nicht mehr aufholen. Trainer Garcia sagte nach Abpfiff in der Mixed Zone: “Beide Ausfaelle haben uns Substanz gekostet. Ohne Youri im Aufbau und mit Senne im Tor waren wir in der Schlussphase nicht mehr die Elf, die wir sein wollten. Aber die Jungs haben gekaempft - das nehme ich mit.”
Der Merino-Coup in der 88. Minute: Cubarsi-Distanzschuss, Lammens-Patzer, Joker-Serie fortgesetzt
Der entscheidende Moment kam in der 88. Minute. Innenverteidiger Pau Cubarsi (18, FC Barcelona), der in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit fuer den angeschlagenen Aymeric Laporte eingewechselt worden war, holte sich an der Mittellinie den Ball, machte drei Schritte nach vorn und schoss aus rund 25 Metern flach in Richtung linkes Torwarteck. Der Distanzschuss war nicht platziert, kam aber mit Tempo und Wucht - und Senne Lammens wehrte den Ball nicht ab, sondern liess ihn nach vorne klatschen. Mikel Merino stand goldrichtig, nahm den Nachschuss aus rund sechs Metern an und schob ins linke Eck. 2:1.
Der Treffer wiederholte praezise das Muster, das Merino sechs Tage zuvor im Achtelfinale gegen Portugal angesetzt hatte: dort war es das 1:0 in der 91. Minute per Kopfball nach Vorlage von Ferran Torres - hier das 2:1 in der 88. Minute per Abstauber. In beiden Faellen war Merino Einwechselspieler, in beiden Faellen war er nach dem Anschluss der Joker-Adresse des Trainers. In der Mixed Zone sagte der 30-jaehrige Arsenal-Achter mit einem knappen Laecheln: “Ja, ich gewoehne mich so langsam daran. Wieder bin ich reingekommen, wieder habe ich den entscheidenden Treffer erzielt. Zwei Spiele trennen uns noch vom Traum.”
Merino wurde nach Abpfiff als Man of the Match ausgezeichnet und ist damit der stille Serientaeter dieser spanischen Kampagne. Seit dem EM-2024-Halbfinale gegen Frankreich in Muenchen - dort hatte er in der 85. Minute per Kopfball nach Yamal-Vorlage das entscheidende 2:1 erzielt - reicht die Kette seiner K.-o.-Torschuesse fuer die Roja jetzt drei Turnier-Auftraege lang.
Simon-Serie reisst nach 649 Minuten: Zenga-Rekord um 132 Minuten ueberboten
Die WM-Rekordserie ohne Gegentor von Unai Simon riss in der 41. Minute durch den De-Ketelaere-Kopfball. Der 29-jaehrige Torhueter von Athletic Bilbao hatte in Gruppe H seit dem Ausgleichstreffer von Muktarr Sallah in der 39. Minute des 1:1-Remis gegen Kap Verde am 15. Juni 2026 im Mercedes-Benz Stadium Atlanta kein Gegentor mehr zugelassen und die Serie ueber das 3:0 gegen Oesterreich, das 2:0 gegen Saudi-Arabien und die 1:0-Achtelfinal-Vorstellung gegen Portugal ausgedehnt.
Der bisherige WM-Rekord von Walter Zenga aus dem Jahr 1990 - 517 Minuten ohne Gegentor bei der WM im eigenen Land, unterbrochen durch einen Ausgleichstreffer von Claudio Caniggia im Halbfinale in Neapel gegen Argentinien - wurde durch Simon erst am Vortag nach 517 offiziellen WM-Minuten gebrochen und in der Belgien-Partie um weitere 41 Minuten ausgebaut, bevor er dann reisst. Insgesamt stand Simon 649 Minuten ohne Gegentor auf dem Platz - eine Marke, die den Zenga-Rekord um 132 Minuten ueberbietet. Trotz des gebrochenen Rekords bleibt Simon der WM-2026-Torhueter mit den wenigsten Gegentoren; die belgische 1-Bilanz nach fuenf Partien ist der beste Wert des Turniers.
Das Halbfinale gegen Frankreich: Dallas, 14. Juli, 21:00 MESZ
Im Halbfinale wartet auf Spanien am Dienstag, 14. Juli 2026, um 21:00 Uhr MESZ das AT&T Stadium in Arlington bei Dallas - mit rund 94.000 Zuschauern das groesste Stadion des Turniers, das die Roja bereits aus dem 1:0-Achtelfinale gegen Portugal kennt. Gegner ist Frankreich, das das erste Viertelfinale gegen Marokko im Gillette Stadium bei Boston am Donnerstag mit 2:0 gewonnen hatte - Mbappe verwertete einen Foulelfmeter in der 60. Minute, Dembele erhoehte in der 66. Minute.
Fuer Spanien ist es das erste WM-Halbfinale seit dem Weltmeister-Titel 2010 in Suedafrika. Damals war die spanische Elf unter Vicente del Bosque nach einem 1:0-Halbfinale gegen Deutschland in Durban und dem 1:0-Endspielsieg gegen die Niederlande im Soccer City Stadion Johannesburg durch das 116.-Minute-Tor von Andres Iniesta erstmals Weltmeister geworden. Fuer Frankreich waere ein Endspiel-Einzug der dritte WM-Finalauftritt in Folge; Didier Deschamps koennte als erst zweiter Trainer nach dem italienischen Uebungsleiter Vittorio Pozzo (Italien 1934, 1938) dreimal in Folge in ein WM-Endspiel einziehen.
De la Fuente sagte nach Abpfiff nur einen kurzen Satz zu Deschamps: “Ich habe grossen Respekt vor Frankreich und Didier. Aber wir haben zwei Spiele - und ich weiss, was diese Mannschaft leisten kann.” Merino ergaenzte in der Mixed Zone laessig: “Zwei Spiele trennen uns noch vom Traum.” Es ist das Programm einer spanischen Kampagne, die die WM 2026 mit dem klassischen Kombinations-Fussball und einer Joker-Serie durchgezogen hat, die im entscheidenden Moment noch immer das entscheidende Tor findet. Der Wett-Rechner sieht die Roja weiterhin als Nummer eins der 48 Verbaende - jetzt mit dem Halbfinale in Dallas als Bestaetigung dieser Nummer-eins-Adresse.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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