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WM 2026

Top-Ligen Europas nennen Infantino 'ausbeuterisch': Lenz, Tebas, De Siervo und Masters unterzeichnen Zwei-Seiten-Brief

Vier Top-Ligen nennen Infantino am 25.09.2026 in einem Zwei-Seiten-Brief 'ausbeuterisch': Lenz (Bundesliga), Tebas, De Siervo, Masters unterzeichnen.

Von Die Redaktion 25. September 2026

Beverly Hills, 5. August 2026: FIFA-Praesident Gianni Infantino nach einer FIFA-Executive-Sitzung. Rund sieben Wochen spaeter, am 25. September 2026, unterzeichnen die vier einflussreichsten europaeischen Top-Ligen Bundesliga, LaLiga, Serie A und Premier League einen Zwei-Seiten-Brief, der Infantinos Kurs als 'ausbeuterisch' und einen der 'groessten Machtmissbraeuche der FIFA-Geschichte' bezeichnet. Foto: Zuma Press. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Die vier einflussreichsten Ligen des europaeischen Klub-Fussballs haben am Freitag, 25. September 2026, um 11:58 Uhr einen gemeinsamen Zwei-Seiten-Brief veroeffentlicht, in dem sie FIFA-Praesident Gianni Infantino vorwerfen, “ausbeuterische Konzepte aktiv gefoerdert” und einen der “groessten Machtmissbraeuche in der Geschichte der FIFA” zu verantworten. Unterzeichnet wurde der Brief von Marc Lenz (Bundesliga, DFL), Javier Tebas (LaLiga), Luigi De Siervo (Serie A) und Richard Masters (Premier League). Es ist die erste kollektive Anti-Infantino-Erklaerung der vier europaeischen Top-Ligen und die erste namentliche Positionierung von Bundesliga-Chef Marc Lenz in der Post-WM-2026-Governance-Kaskade rund um den FIFA-Praesidenten. Eine explizite Ruecktrittsforderung enthaelt der Brief nicht.

Was der Zwei-Seiten-Brief der vier Top-Ligen enthaelt

Der Brief liegt der Sportschau und weiteren Medien in Auszuegen vor. Die zentrale Kern-Passage lautet: “Die langjaehrigen Grundlagen des Fussballs sind in den vergangenen Jahren durch ein grundlegendes Fuehrungsproblem bedroht worden, da der FIFA-Praesident ausbeuterische Konzepte aktiv gefoerdert hat, anstatt sie zu verhindern.” Diese Formulierung ist praezise gefasst. Zwei Bausteine sind erkennbar. Erstens: Die Ligen sprechen von einem “grundlegenden Fuehrungsproblem” und legen damit die Verantwortung nicht auf die Institution FIFA, sondern auf die Personal-Ebene des Amts. Zweitens: Sie verknuepfen das Adjektiv “ausbeuterisch” mit einer aktiven Foerderungs-Handlung Infantinos, nicht mit blossem Unterlassen. Der Brief macht Infantino damit zum handelnden Subjekt der Machtmissbrauchs-Anklage.

Ein zweites zentrales Zitat aus dem Brief bezeichnet Infantinos Kurs als “einen der groessten Machtmissbraeuche in der Geschichte der FIFA”. Diese Formulierung ist historisch gewichtet: Sie stellt Infantinos Amtsfuehrung in eine Reihe mit den grossen Krisen der FIFA-Vergangenheit, darunter den Blatter-Skandal 2015 und die anschliessenden US-Strafverfahren gegen mehrere FIFA-Funktionaere. Die vier Ligen nutzen diese historische Perspektive bewusst, um den Ernst der Lage einzuordnen.

Konkret gefordert werden “umfassende Reformen” in verschiedenen FIFA-Bereichen. Zusaetzlich stellen die Ligen die Erwartung, dass alle Bewerber fuer die FIFA-Praesidentenwahl im Maerz 2027 in Rabat ein detailliertes Reformpaket vorlegen. Diese zweite Forderung ist bemerkenswert: Sie richtet sich nicht nur an den Amtsinhaber, sondern an das gesamte Bewerber-Feld, das aktuell noch nicht formell konstituiert ist. Damit stellen die Ligen einen Kriterien-Rahmen fuer die Wahl auf, ohne selbst einen Gegenkandidaten zu benennen.

Die vier Unterzeichner - Marc Lenz als neue Bundesliga-Stimme

Die Zusammensetzung der Unterzeichner ist der eigentliche Nachrichten-Kern des Freitags-Briefes. Erstmals unterzeichnet Marc Lenz als Geschaeftsfuehrer der Deutschen Fussball Liga (DFL) einen namentlichen Brief gegen Infantino. Lenz, promovierter Jurist, ist seit Anfang 2024 gemeinsam mit Steffen Merkel Vorsitzender der DFL-Geschaeftsfuehrung. Bis heute war die deutsche Anti-Infantino-Front in der oeffentlichen Wahrnehmung von zwei Personen getragen: DFB-Praesident Bernd Neuendorf und DFL-Vizepraesident Hans-Joachim Watzke. Mit der Lenz-Unterschrift ist die operative DFL-Ebene erstmals eigenstaendig sichtbar. Die Bundesliga spricht nicht mehr nur ueber Watzkes UEFA-Exekutivkomitee-Perspektive, sondern ueber die Ligen-CEO-Ebene direkt in die europaeische Ligen-Achse hinein.

Javier Tebas, LaLiga-Praesident und Anwalt, ist seit 2013 im Amt und der institutionell und rhetorisch am laengsten aktive Kritiker Infantinos. Er hatte im Juli 2026 im Gazzetta-dello-Sport-Interview Infantinos Ruecktritt gefordert und fuenf konkrete WM-2026-Vorwuerfe von Trinkpausen bis zur 64-Teams-Idee formuliert. Fuer Tebas ist der Vier-Ligen-Brief die naechste Eskalationsstufe seiner seit Jahren andauernden Kampagne. Er unterzeichnet nun nicht mehr allein, sondern als einer von vier.

Luigi De Siervo, seit 2019 CEO der italienischen Serie A, tritt in der Anti-Infantino-Debatte ins Rampenlicht, ohne bisher als besonderer Wortfuehrer aufgefallen zu sein. Seine Unterschrift zeigt: Die italienische Ligen-Ebene hat sich der spanisch-deutsch-englischen Achse angeschlossen.

Richard Masters, seit Dezember 2019 Chief Executive der Premier League, ist die englische Stimme. Die Premier League hat historisch die groesste ligenpolitische Autonomie gegenueber FIFA und UEFA verteidigt; Masters folgt dieser Traditionslinie mit der Unterschrift. Die englische Ligen-Ebene ist eine Schluessel-Stimme in Europa, weil sie durch die schiere finanzielle Groesse der Premier League politisches Gewicht in der Weltfussball-Debatte hat.

Die geographische Signal-Wirkung ist damit vollstaendig: Deutschland, Spanien, Italien und England - die vier laenderweise groessten Fussballmaerkte Europas - stehen kollektiv gegen Infantino.

Ausbeuterische Konzepte - der Investoren-Plan im Ruecken der Formulierung

Die Sportschau ordnet die Zuschreibung “ausbeuterisch” vor allem dem Investoren-Plan zu, mit dem Infantino im Sommer 2026 versucht hatte, Anteile an FIFA-Turnieren an private Investoren zu verkaufen. Der Plan sah eine Zehn-Milliarden-Dollar-Beteiligung von Thrive Capital und JPMorgan an der WM-Rechte-Vermarktung vor, war unter anderem mit Kreisen in Naehe zu US-Praesident Donald Trump verhandelt worden und wurde von Infantino nach eigener Aussage weitgehend ohne Konsultation der FIFA-Council-Mitglieder oder der Konfoederationen aufgebaut. Nach der erfolgreichen Kritik von UEFA, DFB und DFL wurde der Plan im September 2026 zurueckgezogen, bleibt aber der zentrale Ausloeser der aktuellen Governance-Krise.

Die vier Ligen-Chefs argumentieren seit Wochen entlang mehrerer weiterer Achsen. Der Zeitplan der Klub-WM im Sommer 2025 zwischen die Ligen-Saisons ist eine langjaehrige Wund-Stelle, weil er die Belastungs-Steuerung der Ligen-Kalender bricht. Die im Juni 2026 debattierte Idee einer Aufstockung der WM auf 64 Teams ab 2030 belastet die Klubs zusaetzlich, weil sie die Nationalspieler laenger in Turniere bindet. Die Ausrichtung von FIFA-Grossentscheidungen an Trump-Naehe-Kreisen wurde in mehreren Beitraegen der letzten Wochen thematisiert. Der Brief nennt diese Ebenen nicht einzeln, sondern buendelt sie unter dem Sammelbegriff “ausbeuterische Konzepte”.

Kein Ruecktritt gefordert - aber “einer der groessten Machtmissbraeuche der FIFA-Geschichte”

Bemerkenswert am Vier-Ligen-Brief ist die Auslassung. Eine explizite Ruecktrittsforderung an Gianni Infantino enthaelt der zweiseitige Text nicht. Diese Zurueckhaltung ist strategisch: Der Brief bindet sich an das institutionelle Wahl-Verfahren im Maerz 2027 in Rabat und nicht an eine unmittelbare Personal-Konsequenz. Die Autoren nutzen die Nicht-Nennung, um sich einen Verhandlungs-Spielraum bis zur FIFA-Wahl offenzuhalten.

Die Verhaltensweise unterscheidet den Vier-Ligen-Brief deutlich von zwei anderen laufenden Anti-Infantino-Linien. Erstens von Watzkes Berliner Ruecktrittsforderung, die die Formel “Er sollte weg. Ohne Wenn und Aber” mit voller persoenlicher Klarheit ausgesprochen hatte. Zweitens von UEFA-Praesident Aleksander Ceferin, der in mehreren Interviews im September eine vierte Amtszeit Infantinos abgelehnt und die UEFA parallel eine Strafanzeige in der Schweiz vorbereitet hatte. Die vier Ligen setzen dagegen auf die institutionelle Reform-Ebene, ohne die Personal-Ebene direkt anzugreifen.

Trotz der Zurueckhaltung ist die rhetorische Wucht der Kern-Formulierungen erheblich. “Einer der groessten Machtmissbraeuche in der Geschichte der FIFA” ist eine historisch aufgeladene Zuschreibung, die eine Amtsfuehrung in eine Reihe mit den Blatter-Skandalen und den US-Strafverfahren gegen FIFA-Funktionaere stellt. In dieser Verbindung wirkt der Brief wie ein sehr scharfes Reform-Ultimatum, ohne die Personal-Konsequenz auszusprechen.

Die Eskalations-Kette - von Neuendorf “durchschaubar” zu Vier-Ligen “ausbeuterisch”

Der Vier-Ligen-Brief ist die vorlaeufig achte Etappe einer 40-Tage-Kaskade der FIFA-Governance-Krise seit Mitte September. Die Sequenz laesst sich klar rekonstruieren. Am 15. September hatte Neuendorf beim UEFA-Exekutivkomitee-Treffen in Thessaloniki im RTL-ntv-Interview das “System Infantino” als “zerruettet” beschrieben. Am 17. September hatte Watzke beim Big-Bang-KI-Festival in Berlin die Ruecktrittsforderung “Er sollte weg. Ohne Wenn und Aber” ausgesprochen. Am 21. September hatte Infantino selbst mit einem englischsprachigen Reformbrief an die Chefs der 211 FIFA-Mitgliedsverbaende reagiert und zwei konkrete Reform-Zugestaendnisse gemacht: eine unabhaengige externe Untersuchung des Governance-Systems fuer grosse strategische Projekte und eine strukturierte Konsultations-Runde mit Konfoederationen und Verbaenden.

Am 22. September hatte Neuendorf in einem SID-Statement die Reformzugestaendnisse als durchschaubares Manoever zur Wiederwahl-Sicherung zurueckgewiesen und Infantino jegliche Glaubwuerdigkeit abgesprochen. Der Vier-Ligen-Brief vom 25. September ist damit die kollektive Ausweitung dieser deutschen Zurueckweisung auf die europaeische Ligen-Ebene. Die rhetorische Achse verschiebt sich von “durchschaubar” (Neuendorf, 22.09) zu “ausbeuterisch” (Vier Ligen, 25.09), was zumindest in der Wortwahl eine weitere Eskalationsstufe darstellt.

Auffaellig an der Kette ist die schnelle Sequenz. Innerhalb von zehn Tagen ist die Anti-Infantino-Formation von zwei deutschen Einzelstimmen (Neuendorf, Watzke) ueber eine erste Infantino-Reaktion (Reformbrief 211-Verbaende) und deren deutsche Ablehnung (Neuendorf 22.09) zu einer kollektiven Vier-Ligen-Erklaerung angewachsen. Fuer Infantino bedeutet die Ausweitung, dass die Krise nicht mehr als deutsche Sondermeinung abzutun ist, sondern als europaeisch-kollektive Bewertung mit historisch gewichteten Formulierungen zu Buche schlaegt.

Was jetzt bis zur UEFA-Berlin-Sitzung 8./9. Oktober passiert

Der Kalender ist eng. In dreizehn Tagen tagt die UEFA am 8. und 9. Oktober 2026 in Berlin. Der Ort ist der gleiche, an dem Watzke am 17. September die Ruecktrittsforderung ausgesprochen hat. Die 55 europaeischen Verbaende muessen dort ihre Kandidaten-Frage und die abgestimmte Reform-Agenda entscheiden. Der Vier-Ligen-Brief vom 25. September wird in dieser Sitzung eine wichtige Bezugsgroesse sein. Die europaeischen Ligen-Chefs haben mit dem Brief ein institutionelles Signal gesetzt, das die UEFA-Praesidenten und -Verbaende in Berlin nicht mehr uebergehen koennen, ohne die Distanz zwischen Ligen-Ebene und Verbaende-Ebene zu markieren.

Am 18. November 2026 endet die Bewerbungsfrist fuer die FIFA-Praesidentenwahl in Rabat. Bewerber brauchen fuenf Unterstuetzer-Verbaende. Nach heutigem Stand (25.09.2026) ist noch kein Gegenkandidat zu Infantino formell nominiert; UEFA-Praesident Aleksander Ceferin hat am 24. August im Podcast “The Rest Is Politics Leading” eine eigene Kandidatur ausgeschlossen. Als potenzieller Herausforderer aus der CONCACAF wird der kanadische Praesident Victor Montagliani gehandelt. Bis zur Rabat-Wahl am 18. Maerz 2027 verbleiben ab dem 25. September noch 174 Tage.

Fuer Infantino selbst stellt der Vier-Ligen-Brief die naechste Antwort-Herausforderung. Nach dem Reformbrief vom 21. September hatte der FIFA-Praesident sich zwei konkrete Reform-Zugestaendnisse abgerungen; die vier Ligen bewerten diese jetzt kollektiv als nicht ausreichend. Ob Infantino mit einem zweiten Reform-Zugestaendnis oder einer direkten Antwort an die Ligen-Chefs reagiert, wird die kommenden Tage zeigen. Der operative Handlungsspielraum ist eng: Zwischen dem 25. September und dem 8. Oktober bleibt weniger als eine dreiwoechige Wahlkampf-Fenster-Phase, in der Infantino die nicht-europaeischen 155 Verbaende mit weiteren Reform-Angeboten binden muss, wenn er die europaeische Vier-Ligen-Front nicht in die AFC-, CAF-, CONMEBOL- und OFC-Basis eindringen sehen will.

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fussballweltmeisterschaft.online

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