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WM 2026

Tuerkei gegen Italien in Bursa: Nach WM-Gruppenphasen-Aus trifft Montellas Aufbau-Elf auf Mancinis Krisen-Squadra

Tuerkei gegen Italien am 28.09. 20:45 MESZ in Bursa - Nations-League-MD2. Beide ohne Punkt: Montella nach WM-Aus, Mancini nach 0:2 in Rom.

Von Marco Feldmann 28. September 2026

Arda Gueler im Real-Madrid-Trikot im Anfield-Stadion am 4. November 2025. Der 21-Jaehrige ist Vincenzo Montellas Aufbau-Zehner - am 28. September 2026 fuehrt er die tuerkische Nationalmannschaft im Nations-League-A-Krisenduell gegen Italien in Bursa an (Foto: News Images / Alfie Cosgrove). Foto: News Images / Alfie Cosgrove via SmartFrame

Die Ausgangslage am Montagabend in Bursa ist bei aller sportlichen Unterschiedlichkeit einheitlich: zwei Nationen, die sich selbst mehr zutrauen, als sie in den vergangenen zwoelf Monaten geliefert haben. Im Bursa-Metropolitan-Stadion trifft um 20:45 Uhr MESZ (21:45 Uhr Ortszeit) die Tuerkei auf Italien - zwei Auftakt-Verlierer der UEFA Nations League A, Gruppe 1, die bereits nach dem zweiten Spieltag ohne Punkt in die Abstiegs-Zone abrutschen wuerden. Fuer Vincenzo Montellas Tuerkei ist es das erste Heimspiel nach dem WM-Gruppenphasen-Aus in den USA, fuer Roberto Mancinis Italien der Versuch, nach dem 0:2-Debakel in Rom gegen Belgien nicht in eine offene Krise abzugleiten.

Bursa als MD2-Rahmen: Krisenduell nach zwei Auftakt-Niederlagen

Die Vierergruppe der Nations-League-Kategorie A rangiert seit Donnerstag entlang einer klaren Punkte-Trennung: Belgien und Frankreich fuehren mit drei Zaehlern, die Tuerkei und Italien stehen nach den Auftaktspielen bei null. Vincenzo Montella verlor am 25. September in Kocaeli mit 0:1 gegen Zinedine Zidanes Frankreich, Kylian Mbappe erzielte den einzigen Treffer in der 54. Minute. Italien unterlag am selben Abend im Stadio Olimpico Mark van Bommels Belgien mit 0:2; Mika Godts und Dodi Lukebakio trafen, die Zuschauer im Olimpico pfiffen ihre Elf nach dem Abpfiff aus.

Der zweite Spieltag verteilt beide Duelle parallel: waehrend Belgien in Bruessel Frankreich empfaengt, empfaengt die Tuerkei die dreifache Weltmeister-Nation in Bursa - der drittgroessten tuerkischen Stadt, deren Bursa-Metropolitan-Stadion mit 43.361 Plaetzen zum stimmungsstaerksten Nationalmannschafts-Standort ausserhalb Istanbuls gehoert. Schiedsrichter der Partie ist Michael Oliver aus England, ein Zeichen fuer die UEFA-Einordnung als Top-Ansetzung. Ein Sieg wuerde die Tuerkei auf Rang drei schieben und den Kontakt zur Spitze wahren; eine zweite Niederlage in Folge wuerde umgekehrt den Blick fruehzeitig auf den Abstiegs-Play-off gegen einen League-B-Zweiten im Fruehjahr 2027 lenken.

Tuerkei WM 2026: Vier Punkte hinter Australien, Paraguay und dem Gastgeber

Der Rueckblick auf die WM 2026 laesst wenig Interpretations-Spielraum. In Gruppe D mit Gastgeber USA, Paraguay und Australien war die Tuerkei bei der Auslosung im Dezember 2025 als spannendes Aussenseiter-Los eingestuft worden; nach drei Gruppenspielen stand sie mit drei Punkten und einer Tordifferenz von 3:5 auf dem vierten Platz. Der 0:2-Auftakt gegen Australien in Vancouver am 14. Juni war die Vorentscheidung; die Treffer erzielten Nestory Irankunda in der 27. Minute und Marco Metcalfe in der 75. Minute, Arda Guelers Pfostenschuss aus der 63. Minute blieb die groesste tuerkische Chance des Nachmittags. Sechs Tage spaeter folgte im Levi’s Stadium Santa Clara das 0:1 gegen Paraguay, ehe das 3:2 gegen die USA in Los Angeles am 26. Juni nur noch die Ehre rettete.

Der Auftritt der USA-Reise war insofern doppelt bitter, als Montella mit Arda Gueler, Kenan Yildiz und Baris Alper Yilmaz drei der aktuell interessantesten juengeren Offensivspieler Europas im Kader hatte, aus dem Trio in drei Spielen aber nur zwei Torbeteiligungen entstanden. In der FIFA-Weltrangliste steht die Tuerkei zum Stand vom 20. Juli 2026 mit 1.582,54 Punkten auf Rang 27 - ein Rueckfall gegenueber dem Vor-WM-Wert von Rang 21.

Warum Montella bleibt: Kontinuitaets-Signal statt Trainer-Wechsel

Anders als der italienische Verband nach dem WM-Play-off-Aus gegen Bosnien-Herzegowina im Fruehjahr 2026 hat der tuerkische Fussballverband TFF nach dem WM-Aus nicht mit einem Trainerwechsel reagiert. Verbandspraesident Ibrahim Hacoisamoglu bestaetigte Ende Juli in einem Interview mit der Sportzeitung Fanatik, dass Montella auch den WM-2030-Qualifikations-Zyklus fuehren soll. Die Begruendung: Der 51-jaehrige Italiener, seit September 2023 im Amt, war der Trainer, unter dem die Tuerkei nach 24 Jahren erstmals wieder eine WM-Endrunde erreicht hatte. Zudem hatte er im USA-Kader konsequent auf die U-24-Generation mit Gueler, Yildiz, Kaan Ayhan und Baris Alper Yilmaz gesetzt - ein Umbruch, den man mit einem Nachfolger nicht bruchlos fortsetzen koenne.

Fuer Bursa bedeutet das operativ, dass Montella an seinem 4-2-3-1-Grundmuster festhalten wird. Guelers Halbraum-Rolle links neben der Spitze, Yildiz auf dem rechten Fluegel und Baris Alper Yilmaz als Neuner bilden die Offensiv-Achse, Hakan Calhanoglu und Ismail Yueksek besetzen die Doppel-Sechs. Torhueter Ugurcan Cakir hatte in Kocaeli gegen Frankreich beim einzigen Gegentor keine Chance und bleibt gesetzt.

Die Stars, an denen Montella misst: Gueler und Yildiz im Doppel-Fokus

Wer den tuerkischen Aufbau versteht, muss beide Namen kennen. Arda Gueler, im Februar 2005 in Ankara geboren, wechselte im Sommer 2023 fuer 20 Millionen Euro Ablose von Fenerbahce zu Real Madrid und hat sich unter Carlo Ancelotti sowie ab dem Sommer 2025 unter Xabi Alonso zum festen Rotations-Kandidaten hinter der Startelf-Achse Bellingham-Vinicius-Rodrygo entwickelt. In der Champions-League-Saison 2025/26 bestritt er zwoelf Partien fuer die Koeniglichen, darunter das Anfield-Duell gegen Liverpool am 4. November 2025, in dem er in der 63. Minute eingewechselt wurde. Fuer die Nationalmannschaft ist er der Aufbau-Zehner, dessen linker Fuss die Diagonal-Passwege oeffnet.

Kenan Yildiz, im Mai 2005 in Regensburg geboren und in der Jugend des FC Bayern ausgebildet, spielt seit 2022 bei Juventus. In der Serie A 2025/26 avancierte er zum Stamm-Aussenstuermer unter Igor Tudor und traf in den ersten fuenf Spieltagen dreimal. Fuer die Squadra Turchia bringt er das Tempo mit, das der Aufbau-Zehner Gueler haeufig sucht - genau die Verbindung, die in den USA nur unzureichend funktionierte.

Italien in der eigenen Krise: dritte WM-Absenz und Mancini-Debakel gegen Belgien

Waehrend die Tuerkei ihr WM-Aus verarbeiten muss, kaempft Italien mit einer laengeren Selbstverletzung. Nach den verpassten Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar war das 0:1-Play-off-Aus gegen Bosnien-Herzegowina im Fruehjahr 2026 die dritte verpasste WM-Endrunde in Folge - ein historischer Tiefpunkt fuer den dreifachen Weltmeister. Verbandschef Gabriele Gravina holte daraufhin Roberto Mancini fuer eine zweite Amtszeit zurueck; das Rom-Debut endete mit dem 0:2 gegen Belgien in einer Choreografie aus Pfiffen und ausgebreiteten Armen der eigenen Fans. Die ‘Gazzetta dello Sport’ nannte in ihrer Sonntagsausgabe neben dem Trainer selbst Sandro Tonali, Nicolo Barella und Giovanni di Lorenzo als jene ‘Anfuehrer, die endlich handeln muessen’.

Personell schmerzt Italien zusaetzlich der Rueckstand hinter Belgien und Frankreich in der Kader-Tiefe. Das Sturmzentrum um Mateo Retegui und Moise Kean produzierte in Rom bei 61 Prozent Ballbesitz nur zwei Torschuesse aus dem Strafraum. Wenn Mancini in Bursa nicht auf einen Umbruch reagiert, drohen die naechsten 90 Minuten die Krise zu verlaengern.

Was in Bursa auf dem Spiel steht: NL-A-Klassenerhalt und WM-2030-Signal

Sportlich ist die Partie fuer die Tuerkei die letzte Sofort-Chance, den Anschluss an die Gruppen-Spitze zu wahren. Ein Sieg wuerde die Bilanz auf drei Punkte heben und den Vier-Punkte-Rueckstand auf Belgien mindestens einzementieren; eine Niederlage wuerde die Ausgangslage fuer die Doppel-Runde am 12. und 15. Oktober (Heim gegen Belgien, Auswaerts in Frankreich) dramatisch verschlechtern. Zusaetzlich ist der Bursa-Abend fuer Montella die erste Standortbestimmung mit Blick auf die WM-2030-Qualifikation, die im Fruehjahr 2027 startet. Ein Sieg gegen die Squadra wuerde die Kontinuitaets-Entscheidung der TFF ex post rechtfertigen; ein zweites 0-Punkte-Ergebnis wuerde die Debatte um den italienischen Bundestrainer beleben.

Auf der anderen Seite steht Italiens dringlichere Frage: Ob Roberto Mancinis zweite Amtszeit ueberhaupt ueber den Herbst 2026 hinaus Bestand hat. Die ‘Gazzetta’ hat die Fragestellung am Sonntag in einer Kolumne bereits formuliert. Der Bursa-Montagabend liefert die erste Antwort.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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