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DFB-Team

DFB gegen USA in Chicago: Vorbericht zur WM-Generalprobe 2026

Letzter Test vor der WM 2026: Deutschland spielt am 6. Juni in Chicago gegen die USA. Aufstellung, Anstoß, Nagelsmanns Plan und die offenen Personalfragen.

Von Lukas Brandt 06. Juni 2026

Bundestrainer Julian Nagelsmann auf der DFB-Pressekonferenz - in Chicago kündigte er den USA-Test als 'Eröffnungsspiel' an (Foto: Actionpress). Foto: Actionpress via SmartFrame

Der DFB-Tross trifft am Samstag um 20:37 Uhr MESZ im Soldier Field in Chicago auf die USA - das letzte Länderspiel vor dem WM-Auftakt am 14. Juni gegen Curaçao. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat den Test angekündigt wie ein Pflichtspiel: “Wir gehen das Spiel an wie ein Eröffnungsspiel.” Manuel Neuer wird geschont, Alexander Nübel hütet voraussichtlich das Tor, Kai Havertz beginnt im Sturm. Drei Personalentscheidungen geben den Tag bereits vor dem Anpfiff Struktur.

Soldier Field, 20:37 Uhr MESZ - die Eckdaten der DFB-Generalprobe

DatumAnstoß (MESZ)Anstoß (Ortszeit)SpielortÜbertragung
Samstag, 6. Juni 202620:37 Uhr13:37 Uhr CDTSoldier Field, ChicagoRTL / RTL+

Die 37 Minuten hinter der vollen Stunde sind kein Tippfehler. FOX taktet als US-Hauptverwerter den Anstoß-Slot an seine Werbefenster, RTL übernimmt das Signal aus Chicago. Das Soldier Field am Lake Michigan ist Heimstätte der Chicago Bears und mit nominell 61.500 Plätzen ausverkauft. Für die DFB-Auswahl ist es das einzige Testspiel auf US-Boden vor dem Turnier: Am 8. Juni zieht das Team weiter ins Basislager nach Winston-Salem in North Carolina, am 13. Juni geht es nach Houston.

Nagelsmanns “Eröffnungsspiel”-Doktrin

Auf der Pressekonferenz am Freitagabend in Chicago hat Nagelsmann den Ernst des Tests öffentlich gemacht. “Wir gehen das Spiel an wie ein Eröffnungsspiel”, sagte der Bundestrainer und zog damit die Linie, die seine WM-Vorbereitung seit dem Kader-Tag am 21. Mai prägt: keine Experimente, kein Risiko, die Generalprobe als letzte Möglichkeit, die Wunsch-Aufstellung unter realen Bedingungen zu probieren - so weit es die Verletzungslage zulässt.

Die Tonalität deckt sich mit der von Mittwoch und Donnerstag. Der DFB hat in Chicago seine ersten beiden Mannschaftseinheiten auf US-Boden absolviert, am Freitagvormittag folgte das Abschlusstraining - ohne Manuel Neuer, der weiterhin nur das Individualprogramm abspulte. Nagelsmann ließ am Abend keinen Zweifel daran, dass der Kapitän gegen die USA fehlen wird. “Wir wollen morgen kein Risiko eingehen”, hieß die DFB-Formel, mit der die Schon-Entscheidung gerahmt wurde.

Im Tor wird Neuer geschont - der Stand vor dem Anpfiff

Die Wadenprobleme von Manuel Neuer begleiten den Bayern-Keeper seit Mitte Mai. Im DFB-Lager wird der Befund inzwischen als “Dauerbelastung” eingeordnet - eine Sprachregelung, die Spielzeit im Test ausschließt, das Comeback gegen Curaçao aber nicht infrage stellt. Acht Tage zwischen Generalprobe und WM-Auftakt sind aus Reha-Sicht eine komfortable Spanne; entscheidend ist der Spieltag, nicht der Test.

Im Tor übernimmt damit voraussichtlich Alexander Nübel. Der Stuttgarter wurde von Nagelsmann am 21. Mai als Nummer zwei der Hierarchie bestätigt, hinter ihm rangieren Oliver Baumann (Nummer drei) und Jonas Urbig (Nummer vier) im 26er-Aufgebot - Marc-André ter Stegen fehlt verletzungsbedingt komplett. Was Nübel braucht, sind 90 Minuten gegen eine ambitionierte WM-Auswahl. Genau diese könnte er gegen die USA bekommen. Den ausführlichen Stand zur Torwart-Frage liefert die Analyse vom 5. Juni.

Vorne hat Nagelsmann das Spannungsfeld selbst eingegrenzt. Kai Havertz, am Dienstag drei Tage nach dem verlorenen Champions-League-Finale mit Arsenal in Chicago eingetroffen, hat eine Anfangself zugesagt bekommen. Die Sturmkonkurrenz mit Deniz Undav und Nick Woltemade wird in Chicago zwar nicht endgültig entschieden, der Bundestrainer will Havertz aber Minuten gegen eine pressende, körperlich präsente US-Defensive sammeln lassen. Undav dürfte in der zweiten Hälfte ins Spiel kommen, Woltemade als dritte Option ebenfalls. Genau das ist die Reihenfolge, die Nagelsmann seit den Mai-Tests gegen Finnland und die USA andeutet.

Hinten links bleibt die zweite ungelöste Personalie. Nathaniel Brown hat sich in den letzten Wochen aus dem Trainingslager heraus in die Diskussion um die Linksverteidiger-Position gespielt; er hatte zuletzt seine Bayern-Zukunft offen gelassen und sich auf das Turnier konzentriert. Auf der Gegenseite steht David Raum, der die Rolle in der WM-Qualifikation gespielt hat. Welcher der beiden gegen die USA beginnt, gilt als Indikator für die Curaçao-Aufstellung. Den Hintergrund zu Brown liefert das Porträt vom 5. Juni.

Im Aufgebot fehlt zudem Lennart Karl, dessen WM-Aus am Freitag bestätigt wurde. Assan Ouedraogo von RB Leipzig ist nachnominiert, am Samstag im Soldier Field aber noch keine Option für die Startelf.

Pochettino, Pulisic und die US-Auswahl als WM-Vorgeschmack

Gegenüber steht eine US-Auswahl, die unter Mauricio Pochettino zuletzt Tempo aufgenommen hat. Beim 3:2 gegen Senegal Anfang Juni zeigte das Team früheres Pressing, zwischenzeitliche Anfälligkeit hinten und mit Christian Pulisic, Sergiño Dest und Folarin Balogun drei Spieler in Form. Pochettino selbst hat vor dem Spiel auf seine Chicagoer Vergangenheit verwiesen: An ein früheres Testspiel gegen Borussia Dortmund in Chicago habe er “keine guten Erinnerungen” - ein Augenzwinkern, mit dem der Argentinier die Brisanz der WM-Generalprobe gleich selbst heraufgesetzt hat.

Sportlich ist die Lage einfach: Die USA spielen ihren WM-Auftakt am 12. Juni in Los Angeles, die Wunsch-Elf gegen Deutschland kommt der Eröffnungs-Aufstellung sehr nah. Für die DFB-Auswahl ist der Test damit so etwas wie eine Vorhut: dieselbe Intensität, dieselbe Bühne, nur eine Woche früher.

Wie es nach dem USA-Test weitergeht

Nach Schlusspfiff verbringt der DFB die Nacht in Chicago, am Sonntag steht ein Regenerationstag an. Am 8. Juni zieht der Tross ins Basislager nach Winston-Salem. Dort hat das Team eine Woche Zeit, sich an Houstons Stadion-Klima zu gewöhnen - das NRG Stadium spielt mit geschlossenem Dach. Am 13. Juni geht es nach Houston, am 14. Juni um 19:00 Uhr MESZ folgt der WM-Auftakt gegen Curaçao in der Gruppe E.

Für Beobachter dieses Samstagabends lohnen drei Detailfragen:

  • Torhüter: Kommt es zu Nübels 90 Minuten gegen einen WM-Teilnehmer, oder wechselt Nagelsmann zur Pause auf Baumann?
  • Sturm: Wie lange spielt Havertz - 60 Minuten, 75, 90? Und wer kommt nach: Undav vor Woltemade?
  • Linke Außenbahn: Brown vor Raum als WM-Auftakt-Tendenz?

Aus DFB-Sicht ist die Generalprobe ein Test, der das Vorbereitungs-Kapitel schließt. Aus Sicht der Aufstellungs-Frage ist sie das letzte Stück Empirie vor dem ersten Pflichtspiel - und damit der Tag, an dem Deutschlands WM-Auftakt seine Form annimmt.

Quellen und weiterführende Beiträge

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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