Frankreich 1:1 Italien im Stade de France: Olise-Freistoss, Bastoni-Ausgleich - Zidane verpatzt die Heimpremiere, Upamecano fliegt in der 86. Minute
Frankreich remis 1:1 gegen Italien im Stade de France. Olise trifft per Freistoss, Bastoni gleicht aus, Upamecano sieht Rot - Zidane verpatzt die Heimpremiere.
Von Marco Feldmann 02. Oktober 2026
Im Stade de France in Saint-Denis bei Paris hat Zinedine Zidanes Frankreich am Freitagabend seine erste Heim-Pflichtspiel-Partie seit der Amtsuebernahme nicht gewonnen. Gegen Italien stand nach neunzig Minuten ein 1:1 (0:0) - und das obwohl Michael Olise in der 55. Minute per direktem Freistoss zum 1:0 getroffen hatte und die Equipe Tricolore phasenweise wie der sichere Sieger aussah. Alessandro Bastoni glich in der 68. Minute aus, Dayot Upamecano sah in der 86. Minute die Rote Karte. Es war der erste Punktverlust fuer Zidane nach dem 1:0 beim Debuet in Kocaeli und dem 0:1-Auswaertssieg in Bruessel.
Fuer Michael Olise war es der dritte Treffer im dritten Pflichtspiel unter Zidane - und das in drei vollkommen unterschiedlichen Variationen: Siegtreffer-Flanke in Kocaeli, Joker-Solo aus dem Halbfeld in Bruessel, direkter Freistoss aus zwanzig Metern in Saint-Denis. Fuer Zinedine Zidane allerdings war der Abend trotz dieses Offensiv-Signals ein Daempfer: Die italienische Konter-Qualitaet, ein eigener Spielaufbau-Fehler und die Rote Karte seines Stamm-Innenverteidigers verschoben die Oktober-Rechnung spuerbar.
Olise-Freistoss in der 55. Minute: der dritte Treffer im dritten Pflichtspiel
Zidane hatte gegenueber dem Auswaertssieg in Bruessel auf fuenf Positionen rotiert und Michael Olise erstmals in die Startelf zurueckgeholt. Der Bayern-Offensivspieler besetzte die rechte Aussenbahn, Ousmane Dembele spielte halblinks hinter Randal Kolo Muani als Neuner, da Mittelstuermer Kylian Mbappe wegen der Knieverletzung aus Kocaeli weiter fehlt. In der ersten Halbzeit war Italiens Donnarumma trotz franzoesischer Ball-Kontrolle nur selten gefordert; Moise Kean liess auf der anderen Seite in der 32. Minute die groesste Chance aus kurzer Distanz liegen.
In der 55. Minute zog Olise an der Strafraum-Grenze einen Freistoss nach vorne; Jorginho hatte Adrien Rabiot zuvor an der Mittellinie regelwidrig gestoppt. Olise legte sich den Ball zurecht, trat an - und zog ihn ueber die italienische Vier-Mann-Mauer, die bei seinem Ansatz zur Seite ausbrach. Der Ball klatschte an die Unterkante der Latte, sprang klar hinter der Linie zu Boden und wurde erst nach kurzem Blick der Linienrichter als Treffer anerkannt. Die goal-line-Technik bestaetigte die Entscheidung. 1:0 fuer Frankreich - und ein weiteres Olise-Signal im Herbst-Fenster.
Lucas-da-Cunha-Fehlpass und Bastonis Ausgleich in der 68. Minute
Zidanes Rechnung schien aufzugehen - bis zur 68. Minute. In der eigenen Haelfte spielte Adrien Rabiot einen Doppelpass mit Lucas da Cunha an, der 23-jaehrige Debuetant der Vorwoche aus Bruessel hatte den Ball unter Druck anzunehmen und versuchte eine Direkt-Weiterleitung zur Doppel-Sechs - der Ball sprang Alessandro Bastoni direkt in den Lauf. Der Inter-Mailand-Innenverteidiger drueckte zehn Meter nach vorne an, zog an Rabiot vorbei und spitzelte den Ball am ausgestreckten linken Bein von Mike Maignan vorbei ins kurze Eck.
1:1 - und der Dreier-Pass-Fehler eines Debuetanten als unerzwungener Spielaufbau-Verlust. Es war Bastonis zweiter Treffer im zweiten Nations-League-Pflichtspiel unter Roberto Mancini nach dem 4:1-Auswaertssieg in Bursa gegen die Tuerkei am 7. September - und ein Signal dafuer, dass die Italiener die Standard-Verwertung und die Konter-Zone wieder im Zugriff haben, auch wenn ihnen die Offensiv-Durchschlagskraft aus klassischen Angriffs-Linien weiter fehlt.
Upamecano fliegt in der 86. Minute - Zidane verliert einen Stamm-Innenverteidiger
Die Rote Karte in der 86. Minute war der zweite harte Zwischenruf gegen Zidanes Konzept. Dayot Upamecano liess sich auf der linken Seite der eigenen Haelfte in ein Lauf-Duell mit Moise Kean ziehen - der italienische Mittelstuermer zog nach einem Rabiot-Fehlpass im Umschalt-Moment an Upamecano vorbei. Der Bayern-Innenverteidiger streckte den rechten Fuss in Keans Standbein - Jesus Gil Manzano aus Spanien unterbrach, konsultierte den Video-Assistenten in Las Rozas, kehrte zum Monitor zurueck und zeigte nach kurzer Pruefung die glatt-rote Karte. Keans Risiko, dass Upamecano als letzter Mann im Zweikampf zu stark reinging, war offensichtlich; der Pfiff war nach Lesart der Live-Berichterstattung der Sportschau korrekt.
Fuer Zidane ist diese Rot-Sperre im Rueckspiel-Rhythmus ein handfester Taktik-Punkt. Am 14. Oktober empfaengt Belgien in Bruessel das Rueckspiel - Upamecano fehlt gelbgesperrt. Als Innenverteidiger-Optionen bleiben dem Bondscoach Ibrahima Konate, William Saliba und Jeremy Jacquet; letzterer hatte in Bruessel sein Startelf-Debuet gegeben. Vor Zidanes WM-2026-Innenverteidigungs-Planung ist das noch kein Alarm-Signal - die Tiefe ist mit Lucas Hernandez, Clement Lenglet und dem Bruessel-Debuetanten Jacquet gut aufgestellt - aber Upamecano hatte sich zuletzt wieder in den Status des ersten Innenverteidigers zurueckgespielt.
Mbappe fehlt weiter - und die Offensiv-Serie reisst
Kylian Mbappes Knieverletzung aus Kocaeli hat Zidane auch an diesem Freitagabend die zentrale Offensiv-Achse gekostet. Randal Kolo Muani agierte erneut als klassischer Neuner mit Ruecken zum Tor, Dembele spielte halblinks hinter ihm. Donnarumma war in der Partie dreimal gefordert - gegen Dembele in der 38. Minute, gegen Olise in der 55. (Freistoss) und gegen Rabiot in der 74. Minute per Weitschuss. Die zwingenden Chancen vor dem italienischen Strafraum waren rar, die Direkt-Verbindungen zwischen Dembele und Kolo Muani fanden selten statt.
Dass Zidanes Elf trotzdem nach vorn kam, lag an Olise und an einer gut strukturierten Doppel-Sechs mit Rabiot und Aurelien Tchouameni. Doch der Takt-Verlust in der 68. Minute und die Rot-Sperre in der 86. Minute laesst den Abend als unterbrochene Serie zurueck: sieben Punkte aus drei Spielen sind der neue Zwischenstand - der Zwei-Spiele-Perfektions-Lauf ist in Saint-Denis unterbrochen.
Tabelle Nations League A Gruppe 1 nach dem 3. Spieltag
Nach dem MD3 ergibt sich in der Gruppe A1 folgendes Bild: Frankreich fuehrt mit sieben Punkten aus drei Spielen und einem Torverhaeltnis von 3:1. Belgien folgt mit sechs Punkten und 5:1 - der 3:0-Heimsieg gegen die Tuerkei im Stade Maurice Dufrasne in Luettich, bei dem Kevin De Bruyne in der 10. und 60. Minute traf und Romelu Lukaku in der 76. Minute auf 3:0 erhoehte, hat Mark van Bommels Elf wieder in Schlag-Distanz gebracht. Italien ist mit vier Punkten (5:4) Dritter, die Tuerkei bleibt mit null Punkten (1:8) Schlusslicht und ist nach drei Niederlagen aus der Halbfinal-Rechnung raus.
Entscheidend fuer die Halbfinal-Aufstiegsplaetze werden damit die beiden Rueckspiele am 14. Oktober: Zidanes Frankreich muss ohne Upamecano im Rueckspiel in Bruessel bestehen, Italien empfaengt die bereits abgestiegene Tuerkei im Stadio Olimpico in Rom. Bei einem Belgien-Sieg und einem italienischen Dreier gegen die Tuerkei koennte Frankreich die Tabellenfuehrung noch verlieren - das Direkt-Duell-Kriterium liegt dann bei 1:1 (Olise-Solo in Bruessel vs. Belgien-Heimsieg in Luettich-Format-Rueckspiel).
Zidanes Zwischenbilanz: ein Daempfer, kein Alarm
Fuer Zinedine Zidane ist das 1:1 nach dem Debuet-Doppelpack aus Kocaeli und Bruessel der erste Punktverlust - und zugleich die erste Live-Lehre im neuen Bondscoach-Rhythmus. Die Rotations-Ansage aus Bruessel hatte unter unerprobten Umstaenden sechs Punkte gebracht; am Freitagabend lief die Rechnung mit Olise und einem Freistoss-Standard wieder nach Plan, bis ein Debuetanten-Fehlpass und eine Rot-Karte das Blatt kippten. Zidane duerften zwei Lehren bleiben: Die Innenverteidiger-Hierarchie mit Upamecano an Position eins ist stabil, aber die Fallback-Tiefe (Konate, Saliba, Jacquet) ist in der Rotations-Rechnung weiter unverzichtbar. Und ohne Mbappe fehlt die Sturm-Spitze mit Tiefen-Zug - mit dessen voraussichtlicher Rueckkehr zum Rueckspiel am 14. Oktober in Bruessel waere die Equipe wieder im vollen Zugriff auf die Offensive.
Fuer die deutsche Nationalmannschaft, die am Sonntagabend in Thessaloniki das Rueckspiel gegen Griechenland bestreitet, ist Zidanes Punkt-Verlust in Saint-Denis ein interessanter Kontrast-Punkt: Juergen Klopp hatte am Donnerstag mit einem komplett rotierten Kader 2 fuer Serbien und Griechenland in Muenchen 2:0 gewonnen - Zidane hat im dritten Spiel seiner Amtszeit auch bei Favoriten-Rolle und Heim-Vorteil nicht sechs weitere Punkte addiert bekommen. Beide Trainer befinden sich im selben Dilemma: Rotations-Breite oder Ergebnis-Pflicht - und beide muessen den Mix bis zum WM-Spielplan 2026 noch feinjustieren.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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