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Kimmich, '95 Prozent weg': Was die ZDF-Doku 5 Tage vor dem WM-Auftakt offenlegt

ZDF-Doku 'Kapitaen Kimmich' ist seit 9.6. in der Mediathek. Die PSG-Episode, der Kompany-Moment, was das vor dem WM-Auftakt am 14. Juni gegen Curacao bedeutet.

Von Lukas Brandt 09. Juni 2026

Joshua Kimmich beim FC Bayern - der DFB-Kapitaen war im Winter 2024/25 nach eigener Aussage 'zu 95 Prozent weg' Richtung Paris Saint-Germain (Foto: ImageBROKER). Foto: ImageBROKER via SmartFrame

Sechs Stunden bevor sich die deutsche Fussball-Nationalmannschaft am Dienstagvormittag in Winston-Salem zum ersten Tagestraining traf, war Joshua Kimmich schon ein anderes Mal in den USA - vom Sofa aus, ueber Glasfaser, in 102 Minuten. Um 10:00 Uhr am 9. Juni 2026 hat das ZDF in der Mediathek “Kapitaen Kimmich” veroeffentlicht, die sportstudio-Doku von Regisseur Jan Mendelin, die den 31-Jaehrigen von der Heim-EM 2024 bis zur WM 2026 begleitet hat. Und in der erstmals so klar zu hoeren ist, wie nah der heutige DFB-Kapitaen vor anderthalb Jahren daran war, gar nicht mehr Bayern-Kapitaen zu sein.

“Zu 95 Prozent sehe ich es nicht kommen, dass ich hier verlaengere.” Dieser eine Satz - aufgenommen im Herbst 2024, als der FC Bayern Kimmich bereits ein Verlaengerungsangebot auf den Tisch gelegt hatte - ist die Schlagzeile, die am Dienstagmorgen kicker, sport1 und sportschau aus der Pressemappe gezogen haben.

Was die Doku “Kapitaen Kimmich” ist und wann sie laeuft

Die Langfassung in der Mediathek ist 102 Minuten lang und ab Dienstag, 9. Juni 2026, 10:00 Uhr zu streamen. Die 75-minuetige TV-Fassung laeuft am Samstag, 20. Juni 2026 ab 0:35 Uhr im ZDF - im direkten Anschluss an “sportstudio live” nach dem zweiten Gruppenspiel der DFB-Auswahl gegen die Elfenbeinkueste in MetLife. Regie und Buch: Jan Mendelin.

Inhaltlich begleitet die Doku Kimmich ueber zwei volle Saisons. Themen, die das ZDF in der Pressemappe nennt:

  • der Uebergang von Manuel Neuer zu Kimmich als DFB-Kapitaen,
  • die Transfer-Ueberlegungen 2024/25 (Bayern vs. PSG),
  • das Familienleben mit Ehefrau Lina und vier Kindern,
  • die Stiftungs-Arbeit des Paars,
  • die Frage, wie es sich anfuehlt, mit ueber 100 Laenderspielen noch keinen grossen Titel gewonnen zu haben - und ob die WM 2026 dieser Titel sein kann.

Es ist die intimste Annaeherung an Kimmich seit seinem viel zitierten ZDF-Talk im November 2023, als er auf den Soundtrack-Satz “Natuerlich zuckt man da” auf die Frage nach Auslands-Angeboten antwortete. Die Doku zieht diesen Satz jetzt zu seiner echten Geschichte aus.

Die PSG-Episode: Winter 2024/25, Lina und die Schule in Paris

Was im Doku-Trailer und in den vorab veroeffentlichten Pressezitaten klar wird: Die PSG-Phase 2024/25 war keine Spielerei. Sondern eine Familien-Entscheidung in fortgeschrittener Vorbereitung.

Im Sommer 2024 habe Kimmich begonnen, sich in Muenchen “nicht ausreichend wertgeschaetzt” zu fuehlen, schreibt das ZDF in der Pressemitteilung. Im August 2024 signalisierte Sportdirektor Max Eberl in einem oeffentlichen Statement, dass Kimmich gehen duerfe, wenn er gehen wolle - ein fuer einen Bayern-Kapitaen ungewohnt offener Satz. Im Herbst 2024 lag das Bayern-Verlaengerungsangebot auf dem Tisch, parallel verhandelte PSG mit Kimmichs Lager.

Die ZDF-Doku ergaenzt dieses Gerippe um Familien-Szenen, die in der bisherigen Bundesliga-Berichterstattung nicht zu sehen waren. Ehefrau Lina Kimmich sei mit ihm in Paris gewesen, habe sich Schulen angesehen, habe Wohngegenden gemustert. Die Familie habe das Pariser Leben konkret durchgerechnet.

“Das Finanzielle war krass. Wirklich. Sehr, sehr krass.” Mit diesem Satz - inzwischen das meistzitierte Zitat aus der Doku - beschreibt Kimmich die Hoehe des PSG-Angebots. Ob es ein konkretes Jahresgehalt im Doku-Material gibt, war am Dienstagmorgen aus den vorab veroeffentlichten Ausschnitten noch nicht ersichtlich.

”Das Finanzielle war krass” - und dann kam Kompany

Der Wendepunkt war, so legt es die Doku nahe, nicht das Bayern-Angebot, sondern der Bayern-Trainer. Vincent Kompany uebernahm im Sommer 2024 als Trainer in Muenchen. Was er Kimmich anbot, war keine hoehere Pariser Geldsumme, sondern die Position, auf der dieser sich selbst sieht: die Zentrale. Kompany rueckte Kimmich konsequent als zentralen Sechser ein - jene Rolle, die er ein knappes Jahr spaeter als DFB-Kapitaen in Soldier Field strukturell nicht durchspielte, die er im FC Bayern unter Kompany aber wieder organisch besetzt hatte.

Im Maerz 2025 verlaengerte Kimmich bis 2029 in Muenchen. Aus den 95 Prozent waren null geworden.

Die Doku zeigt zwischen den Zeilen, dass die Entscheidung nicht nur eine fussballerische war. Familien-Logistik, das junge Kinder-Setup in Muenchen, das Vertrauen Kompanys, das Fortbestehen seiner Stiftungs-Arbeit in Deutschland - das alles wog am Ende schwerer als das Pariser Paket.

Warum die Doku ausgerechnet jetzt erscheint - T-5 vor Curacao

Der Veroeffentlichungszeitpunkt ist kein Zufall. Das ZDF und die Sport-Redaktion des Senders bauen seit Monaten die WM-Programmstruktur um die DFB-Spiele. Die Mediathek-Premiere am 9. Juni - fuenf Tage vor dem WM-Auftakt am 14. Juni 21:00 MESZ in Houston gegen Curacao - landet exakt in der Doku-suchenden Vorrundenwoche. Die TV-Fassung am 20. Juni nach dem Spiel gegen die Elfenbeinkueste verlaengert das Programmfenster bis tief in die Gruppenphase.

Fuer Kimmich selbst ist das Timing eine Herausforderung. Drei Tage zuvor war er nach der USA-Generalprobe in Chicago in der oeffentlichen Diskussion: Strukturelles Loch in der DFB-Zentrale, Frage nach der richtigen Interpretation seiner Aussenverteidiger-Rolle - eine Situation, in der eine vielschichtige Persoenlichkeits-Doku einen Kapitaen entweder stabilisieren oder zusaetzlich aufladen kann.

Nagelsmann hat die Vorab-Berichterstattung am Dienstagmorgen offiziell nicht kommentiert. Aus dem DFB-Basislager in Winston-Salem war zu hoeren, der Bundestrainer habe die Doku in Auszuegen vorab gesehen. Sportlich bleibe Kimmich Kapitaen, auf der rechten Bahn, mit Lizenz zur halben Zentrale.

Was das mit dem Soldier-Field-Auftritt zu tun hat

Der rote Faden, den die Doku 102 Minuten lang nachzeichnet, ist der Konflikt zwischen Kimmichs Selbstverstaendnis als zentraler Spielgestalter und der Aussenverteidiger-Rolle, die ihm sowohl beim FC Bayern in einer Uebergangsphase als auch jetzt bei der Nationalmannschaft zugewiesen wurde. Was im Mediathek-Stream zu sehen ist: Kimmich beschreibt, wie er die Rolle im Verein und der DFB-Auswahl ueber Monate verhandelt - mal in Gespraechen mit Nagelsmann, mal in Reflexion ueber seine Position unter Kompany.

In Soldier Field ist diese Doku-Linie fuer 60 Minuten Realitaet geworden: nominell rechts, in der Praxis halb-zentral, mit einem Vakuum dahinter, das die Sportschau-Analyse zur Generalprobe anschliessend in eine Schlagzeile gegossen hat. Wer die ZDF-Doku jetzt sieht, sieht den biografischen Vorlauf zu dieser Diskussion.

Was sich fuer die WM-Vorbereitung konkret aendert

Wenig. Kimmich startet am 14. Juni als Kapitaen gegen Curacao, vermutlich auf der rechten Schiene, mit der Erlaubnis, sich in die Zentrale zu schieben. Die Doku liefert dazu keinen Aussenpunkt, sondern einen Innenpunkt: das Verstaendnis, dass der DFB-Kapitaen 2026 ein anderer ist als der DFB-Spielfuehrer der Heim-EM 2024.

Wer mehr ueber die Position Kimmichs in der DFB-Hierarchie wissen will, findet im Guendogan-Interview zur WM 2026 eine Aussensicht aus dem Kreis der Routiniers. Und einen taktischen Blick auf die Position des Kapitaens auf der rechten Bahn gibt es im DFB-Generalproben-Recap.

In der ZDF-Mediathek hat “Kapitaen Kimmich” am Dienstagvormittag derweil die internen Sport-Charts gestuermt - was bei einem Doku-Start dieser Groessenordnung im WM-Vorfeld kaum ueberrascht.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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