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WM 2026

Capdevila-Bitte an Trump: Spaniens 2010er Weltmeister bekommt kein ESTA fürs WM-Finale

Joan Capdevila, Spanien-Weltmeister 2010, bekommt kein ESTA für die USA. Grund: eine Iran-Reise vor zehn Jahren. Er wollte das WM-Finale 2026 sehen.

Von Marco Feldmann 18. Juli 2026

Joan Capdevila am 12. Juli 2010 bei der Weltmeister-Feier in Madrid, einen Tag nach dem 1:0 gegen die Niederlande. Sechzehn Jahre später bleibt der Linksverteidiger vor dem WM-Finale 2026 an der US-Grenze hängen (Foto: WENN). Foto: WENN via SmartFrame

Sechzehn Jahre nach seinem einzigen WM-Titel steht Joan Capdevila wieder im Zentrum einer Finalwoche - allerdings nicht als Held, sondern als Bittsteller. Der 48-jährige Spanien-Weltmeister von 2010 hat am Freitagabend in der spanischen Radiosendung El Partidazo de COPE öffentlich gemacht, dass ihm die USA die Einreise zum WM-Finale 2026 verweigert haben. Sein ESTA-Antrag wurde abgelehnt, weil er vor zehn Jahren für ein Länderspiel in den Iran gereist ist. Am Sonntag um 21:00 MESZ sollte Capdevila mit früheren 2010er Teamkollegen und seinen Kindern im MetLife Stadium in East Rutherford das Endspiel zwischen Argentinien und Spanien verfolgen. Stattdessen setzt er auf einen Hilferuf über die sozialen Netzwerke: “Ich brauche Hilfe, Donald Trump!”

Der Fall Capdevila: was am Freitag im Radio bekannt wurde

Capdevilas Bekanntmachung fällt zeitlich genau in die Nacht auf Freitag, in der Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino im Trump Tower in Manhattan die WM 2026 als “größtes menschliches, soziales und kulturelles Ereignis” der Menschheit feierten. Während Infantino auf der Bühne den Satz “die FIFA ist der offizielle Glücksversorger der Menschheit” formulierte und Trump sich für die “großartige Entscheidung” bedanken ließ, den Fall des US-Amerikaners Folarin Balogun gelöst zu haben, wartet Capdevila 1.500 Kilometer weiter östlich in Katalonien auf eine Antwort der US-Behörden.

Der Ex-Linksverteidiger schilderte im Radio den Ablauf sachlich, aber sichtlich fassungslos. Sein ESTA-Antrag - das elektronische Standardformular des Visa-Waiver-Programms für spanische Staatsbürger - sei ohne Anhörung abgelehnt worden. Auf Nachfrage habe er als Grund erfahren: “Sie haben mich abgelehnt, weil ich vor zehn Jahren wegen eines Spiels in den Iran gereist bin.” 2016 war Capdevila mit einer Ex-Nationalspieler-Auswahl in Teheran unterwegs, ein reines Freundschaftsspiel ohne offiziellen Charakter. Diese eine Reise reicht nach US-Recht, um sein ESTA-Recht heute zu blockieren.

Die Iran-Klausel von 2015 - warum ein Länderspiel vor zehn Jahren heute ESTA-Grund ist

Was Capdevila trifft, ist keine Ad-hoc-Entscheidung der Grenzbeamten, sondern eine Klausel aus dem Visa Waiver Program Improvement and Terrorist Travel Prevention Act von 2015. Das Gesetz schließt jeden vom ESTA-Programm aus, der seit dem 1. März 2011 in den Iran, Irak, Syrien, Sudan, Libyen, Somalia oder den Jemen eingereist ist, sowie Doppelstaatler dieser Länder. Ausnahmen gibt es für offizielle Regierungsreisen und Militäreinsätze, nicht aber für Sportler, Journalisten oder Geschäftsreisende. Die Rechtsfolge ist eindeutig: Wer die Klausel erfüllt, muss statt eines Zwei-Minuten-Online-Antrags über 40 US-Dollar ein reguläres B-1/B-2-Visum beim US-Konsulat beantragen, in der Regel mit persönlicher Vorsprache und Wartezeiten von mehreren Wochen bis Monaten.

Genau dieser Mechanismus, seit Sommer 2025 unter der zweiten Trump-Administration wieder strikt angewandt, ist die rote Faden-Systematik hinter den Einreise-Fällen der gesamten WM-Vorbereitung. Iran-Funktionäre wurden schon im Frühjahr abgelehnt, der somalische Schiedsrichter Omar Artan durfte im Juni nicht zur K.-o.-Runde nach Miami einreisen, und der Schweizer Stürmer Breel Embolo blieb Anfang Juni ohne ESTA in Zürich hängen. Capdevila reiht sich in eine Liste ein - allerdings als erster ehemaliger Weltmeister, der nicht als Aktiver, sondern als Fan-Gast betroffen ist.

Vom Johannesburger Finale zur Manhattan-Absage: Capdevilas 2010er Weg

Wer Capdevila heute nicht mehr präsent hat, muss die Zahl kennen: 60 Länderspiele für Spanien zwischen 2002 und 2011, davon sieben Einsätze bei der WM 2010 in Südafrika, jeder in der Startelf. Vom 0:1 im Auftaktspiel gegen die Schweiz in Durban über die knappen K.-o.-Siege gegen Portugal (1:0), Paraguay (1:0) und Deutschland (1:0 durch Puyol) bis zum 1:0 nach Verlängerung im Finale von Johannesburg gegen die Niederlande stand der damals 32-jährige Villarreal-Profi jedes Mal auf der linken Abwehrseite von Vicente del Bosque. Zusammen mit Sergio Ramos, Iker Casillas, Xavi Hernández und Andrés Iniesta gehörte er zur Konstante, um die del Bosque nach dem verlorenen Auftaktspiel jede weitere Aufstellung baute. Zwei Jahre zuvor hatte Capdevila bereits die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz mit dem Team gewonnen, 2012 folgte der EM-Titel in Polen und der Ukraine, bei dem er allerdings nur noch Ergänzungsspieler war.

Seit 2015 lebt Capdevila zwischen Kolumnistentätigkeit, TV-Analyst-Rollen und Ex-Spieler-Auswahl-Terminen. Genau in dieses Nach-Karriere-Muster fällt die Iran-Reise 2016, die ihn heute einholt. Für die 2010er Meister-Runde, die sich in Manhattan zum kollektiven Wiedersehen verabredet hatte, ist er der eine, der jetzt fehlt. Iniesta, Xavi, Puyol, Casillas, Sergio Ramos und Torres haben ihre ESTAs bestätigt bekommen, so berichtete es die katalanische Presse am Freitagabend.

Zwei Tage vor dem Finale - Kontrast zum Trump-Tower-Empfang

Was den Fall über eine Randnotiz hinaushebt, ist die Symbolik. Am selben Tag, an dem Trump im Trump Tower die WM 2026 als “vielleicht größtes Sportereignis der Weltgeschichte” bezeichnete und Infantino demselben Präsidenten für “die Balogun-Entscheidung” dankte, wird ein spanischer Weltmeister von 2010, der Fan ist, auf sozialen Netzwerken zum Bittsteller. Capdevila schrieb seinen “Ich brauche Hilfe, Donald Trump!”-Appell auf katalanisch und spanisch, versehen mit einem Foto vom 12. Juli 2010 im Kulturministerium in Madrid: er, in Nationaltrikot, den Pokal in beiden Händen.

Es ist eine der wenigen Nachrichten in dieser Finalwoche, die nicht die Frage aufwirft, wer favorisiert ist - dafür laufen die Portraits von Trainer de la Fuente und Kapitän Messi sowie die Regenerations- und Generations-Analysen parallel weiter. Sondern die Frage, was das Turnier eigentlich sein will: die “American Party” am Weißen Haus, an der Trump erklärt, das nächste WM-Turnier notfalls allein auszurichten, oder auch der Ort, an den ein Weltmeister der letzten europäischen WM-Sieger-Generation einfach hineindarf.

Was noch bis Sonntag möglich ist

Realistisch bleiben Capdevila 48 Stunden. Ein regulärer B-Visumstermin am US-Konsulat in Barcelona oder Madrid ist in dieser Frist nicht mehr zu bekommen; die Standard-Wartezeit liegt aktuell bei sechs bis zehn Wochen. Möglich wären zwei Ausnahmerouten: eine sogenannte “expedited appointment”-Anfrage aus humanitären oder professionellen Gründen, die aber ohne offiziellen FIFA-Anschluss selten binnen zwei Tagen bewilligt wird - oder eine direkte politische Intervention aus dem Weißen Haus, exakt der Weg, den Trump im Juli beim Balogun-Fall demonstriert hat und den Capdevila mit seinem Social-Media-Appell adressiert. Ob der Präsident, der sich am Freitag als Gastgeber der WM inszeniert hat, für einen Fan-Fall einer europäischen Konkurrenz-Nation dieselbe Bühne öffnet, ist offen.

Vorerst bleibt Capdevila der zweite spanische Fußballer nach Embolo, der die 2015er Iran-Klausel als konkrete Barriere vor der WM 2026 erlebt - und der erste 2010er Weltmeister, der die FIFA-Turnier-Kulisse in den USA über einen Bildschirm sehen wird, statt aus der Ehrengasttribüne des MetLife Stadium.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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