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WM 2026

Trump dankt Infantino im Trump Tower fuer Balogun-Entscheidung - und provoziert die naechste WM

Trump dankt Infantino am 18. Juli 2026 im Trump Tower fuer die Balogun-Sperr-Aufhebung. Der US-Praesident fordert die naechste WM ohne Kanada und Mexiko.

Von Marco Feldmann 18. Juli 2026

Washington, 17. Juli 2026: US-Praesident Donald Trump geht an Bord von Marine One - er reist zu den FIFA-Finalwochen-Terminen nach New York und New Jersey. Am Freitagabend Ortszeit spricht Trump im Trump Tower Manhattan mit FIFA-Chef Gianni Infantino oeffentlich ueber die Balogun-Sperr-Aufhebung (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Zwei Tage vor dem WM-Finale 2026 zwischen Argentinien und Spanien im MetLife Stadium verdichtet sich die Beziehung zwischen der FIFA und der Trump-Administration zu einer oeffentlichen Buehne. Am Freitagabend, 17. Juli 2026 (Ortszeit New York), empfaengt US-Praesident Donald Trump FIFA-Praesident Gianni Infantino im Trump Tower an der Fifth Avenue. Vor laufenden Kameras dankt der 47. US-Praesident dem Weltverbands-Chef fuer die Aufhebung der Rot-Sperre gegen US-Angreifer Folarin Balogun und lobt: “Du hast eine grossartige, grossartige, grossartige Entscheidung getroffen.” Am gleichen Abend streut Trump die Provokation zur naechsten WM-Gastgeberfrage: “Wir sollten wieder die USA auswaehlen. Dieses Mal lassen wir Mexiko und Kanada draussen.” Wir dokumentieren den Wortlaut, ordnen Infantinos Konter zur Frage der FIFA-Unabhaengigkeit ein und stellen die Szene in den groesseren Rahmen der institutionellen Verwerfungen im Vorlauf des Endspiels.

Der Empfang zwei Tage vor dem Endspiel

Der Rahmen ist choreographiert: Trump war am Donnerstagnachmittag, 17. Juli, mit Marine One vom Weissen Haus nach New York und New Jersey aufgebrochen - offiziell fuer die Finalwochen-Termine der FIFA. Am Abend Ortszeit folgt der Empfang im Trump Tower, seit dem ersten Amtsantritt 2017 der informelle New Yorker Regierungssitz und seit 2025 zusaetzlich das Manhattan-Bueros-Ziel der FIFA. Vor rund einem Jahr hatte die FIFA laut eigener Ankuendigung ein Bueroareal im Trump Tower angemietet; Infantino arbeitete dort unter anderem waehrend der UN-Generalversammlung 2025.

Der Empfang steht zwei Tage vor dem Anpfiff des Endspiels und einen Tag nach der offiziellen FIFA-Bestaetigung der rund 25 Minuten Halbzeitpause fuer die Show mit Madonna, Shakira und BTS. Timing-technisch ist die Buehne fuer den US-Praesidenten optimal: unmittelbar vor dem globalen Aufmerksamkeits-Peak, im eigenen Gebaeude, mit der Weltverbands-Fuehrung als Gast.

”Dreimal grossartig” - der Wortlaut der Trump-Dank-Rede

Vor den mitlaufenden Kameras loesst Trump die Balogun-Frage direkt an. Nach der Wiedergabe der Nachrichtenagenturen SID und dpa im sportschau-Liveblog zum WM-Finale sagt der US-Praesident zu Infantino:

“Du hast eine grossartige, grossartige, grossartige Entscheidung getroffen. Sie haben das Spiel gewonnen und unser Team hatte alle Spieler.”

Der Verweis “sie haben das Spiel gewonnen” faellt fuer den 1:4-Verlust der USA gegen Belgien im Achtelfinale am 7. Juli in Seattle sportlich falsch aus - Belgien setzte sich klar durch, Balogun blieb wirkungslos. Trump fuegt an, was Insidern seit dem 5. Juli klar ist: die Entscheidung sei Infantinos, aber die Aussenwahrnehmung sei anders geformt. “Ich weiss, dass du niemals dafuer die Anerkennung bekommst.” Zum gesamten Turnier lobt Trump: “Das war das erfolgreichste Sportevent, vielleicht in der Geschichte der Welt. Es war grossartig.”

FIFA-Unabhaengigkeit vs. praesidiale Anerkennung: Infantinos Konter

Infantino nimmt den Ball auf und versucht, den institutionellen Rahmen zu halten. Er bestaetigt den Anruf des US-Praesidenten im Vorfeld der Balogun-Entscheidung, insistiert aber auf der Autonomie der FIFA-Disziplinarkommission:

“In diesem speziellen Fall erhielt ich einen Anruf von Praesident Donald Trump. So funktioniert das System der FIFA, und dieses Prinzip werde ich stets wahren.”

Die Formulierung “so funktioniert das System der FIFA” ist zweideutig. Sie kann bedeuten: die Disziplinarkommission arbeitet unabhaengig von politischer Einflussnahme. Sie kann auch bedeuten: die FIFA nimmt Anrufe von Staatsoberhaeuptern entgegen. Trump legt die zweite Lesart nahe, Infantino besteht auf der ersten. Der belgische Verband hat bereits am 6. Juli auf die formalen Wege der FIFA-Beschwerdeordnung nach Artikel 27 verwiesen - der Widerspruch zwischen Trumps offener Anerkennungs-Formel und Infantinos autonomer Darstellung wird die Berufungspraxis fuer die naechsten Turniere entlang der Praezedenz-Linie belasten.

”USA allein” - die Provokation zur Zukunft

Der aufsehenerregendste Satz des Empfangs zielt nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die naechste WM-Gastgeberfrage. Trump sagt:

“Ich sage, wir sollten wieder die USA auswaehlen. Dieses Mal lassen wir Mexiko und Kanada draussen.”

Der Satz ist formal ohne Deckung im FIFA-Vergabekalender. Die WM 2030 wurde am 4. Oktober 2023 an das Trio Marokko/Spanien/Portugal vergeben, mit Tribut-Spielen zum 100. Turnier-Geburtstag in Uruguay, Argentinien und Paraguay. Die WM 2034 hat Saudi-Arabien als Alleingastgeber gesichert. Fuer eine hypothetische WM 2038 gibt es weder eine Bewerber-Frist noch offizielle Prozessschritte. Trumps Formel zielt daher weniger auf ein konkretes Vergabeverfahren als auf die innenpolitische Reibungsflaeche mit den beiden Ko-Gastgebern der WM 2026 - dem seit dem Wahlkampf 2024 mehrfach mit Straf-Zoellen belegten Mexiko und dem als Elbogen-Handelspartner behandelten Kanada.

Fuer die kanadische und mexikanische Delegation ist der Satz ein diplomatisch-sportlicher Nadelstich am Vorabend des Endspiels. Fuer das FIFA-Marketing ist er eine Belastung: Das kollaborative Drei-Gastgeber-Modell war die zentrale Verkaufsklammer des Turniers.

Der Kontext: 200 Unterstuetzerschreiben und FIFA-Kongress Marrakesch 2027

Der Empfang faellt in eine Woche, in der Infantino trotz der Balogun-Debatte politisch aufruestet. Am Freitag berichten Guardian und sportschau ueber mehr als 200 Unterstuetzerschreiben der 211 FIFA-Mitgliedsverbaende. Der Guardian schreibt, FIFA-Mitarbeiter haetten die nationalen Verbaende aktiv aufgesucht, ihnen die Schreiben vorgelegt und auf eine Unterschrift gedraengt. Der Zeit-Anker ist der FIFA-Kongress am 18. Maerz 2027 in Marrakesch - dort steht Infantinos Wiederwahl an.

Die 200-plus-Zusagen sind das operative Absicherungs-Instrument einer unangefochtenen Kandidatur. Aus dieser Perspektive laesst sich der Trump-Empfang doppelt lesen: Er ist erstens ein Signal an die europaeischen Verbaende, dass die praesidiale Naehe der FIFA-Fuehrung kein pre-tournament-Zwischenspiel war, sondern die neue institutionelle Normalitaet. Und er ist zweitens ein Signal an die 211 Mitgliedsverbaende, dass die Absicherung der Infantino-Kandidatur laeuft - auch wenn der oeffentliche Diskurs, mit Sepp Blatters X-Post gegen die Halbzeitshow am selben Freitag als aeltestem Beispiel, gerade in die Gegenrichtung dreht.

Was das T-2d vor MetLife bedeutet

42 Stunden vor Anpfiff verdichtet sich damit die politische Ueberlagerung des Endspiels. Trump wird am Sonntag, 19. Juli 2026, um 21:00 Uhr MESZ in der VIP-Loge des MetLife Stadium erwartet. Die argentinische Delegation um Praesident Javier Milei - der aus Aberglauben in der Quinta de Olivos bleiben will - meidet die Buehne. Die spanische Seite plant mit Koenig Felipe VI., Koenigin Letizia, Prinzessin Leonor und Infantin Sofia sowie Ministerpraesident Pedro Sanchez eine grosse Delegation im MetLife.

Aus deutscher Perspektive verlaeuft die Trennlinie an einer anderen Frage: Fuer die operative Fan-Praxis rund um die WM 2026 zaehlen die ESTA-Vorgaben und Visa-Restriktionen mehr als die Anerkennungs-Rhetorik im Trump Tower. Fuer die Verbaende zaehlt der Balogun-Praezedenz-Fall und die Signalwirkung fuer den Quansah-Fall der englischen Delegation. Fuer den FIFA-Vorlauf zu Marrakesch 2027 zaehlt die Frage, ob Infantinos Formel “so funktioniert das System der FIFA” am Sonntagabend im MetLife Stadium als institutionelle Klarstellung stehen bleibt - oder ob sie gemeinsam mit Trumps “grossartig, grossartig, grossartig” in ein und derselben Chronologie landet.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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