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WM 2026

Cordeiro-Ruecktritt: Infantino verliert seinen engsten Berater ueber den WM-Investorenplan

Carlos Cordeiro, seit 2021 FIFA-Chefberater und Trumps WM-Task-Force-Mitglied, kuendigt am 31. Juli 2026 in einem flammenden Appell gegen den Investorenplan. Erste Insider-Defektion in Zuerich.

Von Marco Feldmann 31. Juli 2026

Washington DC, 28. August 2018: Donald Trump und Carlos Cordeiro im Oval Office. Sieben Jahre spaeter beruft Trump den ehemaligen USSF-Praesidenten in die White House Task Force fuer die WM 2026. Am Freitag legt Cordeiro seinen FIFA-Beraterposten nieder (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es dauerte keine zwei Stunden, bis auf das Kuala-Lumpur-Statement der Asian Football Confederation die zweite Nachricht des Freitags in Zuerich einschlug - und diesmal kam sie nicht aus einer fernen Kontinentalhauptstadt, sondern aus dem eigenen Berater-Kreis Gianni Infantinos. Carlos Cordeiro, seit 2021 Senior Advisor to the FIFA President, seit Mai 2025 Mitglied der Trump-nominierten White House Task Force on FIFA World Cup 2026 und einer der engsten Vertrauten des Weltverbands-Chefs, erklaerte am Freitagmorgen gegen 10:30 UTC seinen Ruecktritt. Der kicker sprach von einem “flammenden Appell”, der Spiegel zitierte den 70-Jaehrigen mit dem Satz “Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie die Fifa den Verkauf einer WM-Beteiligung in Erwaegung zieht”. In der englischen Presse verdichtete sich Cordeiros Position auf eine Formel: “a bad deal for football”.

Der Ruecktritt am Freitagmorgen - “schlechter Deal fuer den Fussball”

Cordeiros Erklaerung erreichte die Zuericher FIFA-Zentrale wenige Stunden nach der FIFA-eigenen Verteidigungs-Botschaft von 06:13 UTC, in der der Weltverband erklaert hatte: “Niemand verkauft den Fussball. Das ist etwas, was die FIFA niemals in Erwaegung ziehen wuerde.” Der Ex-Praesident des US-Fussballverbands widerspricht mit seiner Wortwahl frontal. Er nennt den geplanten Teilverkauf einer WM-Beteiligung an private Investoren einen schlechten Deal fuer den Fussball - eine Formulierung, die inhaltlich exakt jener Kritik entspricht, die UEFA-Praesident Aleksander Ceferin in Nyon am Donnerstagnachmittag mit dem Satz “die WM ist kein Anlageprodukt” geliefert hatte.

Der Unterschied ist die Absender-Adresse. UEFA, CONCACAF und AFC sind externe Institutionen mit eigener politischer und rechtlicher Basis. Cordeiro war Teil des Zuericher Apparats - kein hoch bezahlter Direktor mit Kontrahenten-Portfolio, sondern ein Vertrauensmann, der in strategische Fragen einbezogen war. Sein Weggang ist damit die erste dokumentierte Insider-Defektion im Post-WM-2026-Governance-Schism und ein Signal, das Infantinos Handlungsspielraum in der eigenen Zentrale unmittelbar verengt.

Wer ist Carlos Cordeiro? Vom Goldman-Sachs-Partner zum Infantino-Vertrauten

Cordeiro wurde 1956 in Bombay geboren, kam mit 15 Jahren nach Miami und durchlief eine klassische US-amerikanische Elite-Karriere: Harvard AB, Harvard MBA, Partner bei Goldman Sachs. 2007 stiess er als unabhaengiger Direktor zur US Soccer Federation. 2016 wurde er dort Vizepraesident, am 10. Februar 2018 waehlten ihn die 550 Delegierten zum USSF-Praesidenten - als Nachfolger des scheidenden Sunil Gulati und in einem Umfeld, in dem der US-Fussball gerade die WM-Qualifikation 2018 verpasst hatte.

Am 12. Maerz 2020 trat Cordeiro zurueck, nachdem die Rechtsposition seiner Administration im Equal-Pay-Prozess der US-Frauen-Nationalmannschaft massive Kritik ausgeloest hatte - insbesondere ein Schriftsatz seiner Anwaelte, der argumentiert hatte, Frauen-Nationalspielerinnen brauchten weniger Kraft und Verantwortung als ihre maennlichen Kollegen. Der USSF distanzierte sich, Cordeiro trat unter Druck ab. Sein Comeback erfolgte 2021 in Zuerich als Senior Advisor Infantinos - eine Position ohne formalen Vertrags-Rang, aber mit direktem Ohr des FIFA-Praesidenten. In den vergangenen fuenf Jahren galt Cordeiro als Bruecke zwischen der FIFA-Zentrale und der US-Politik, insbesondere in Fragen rund um die Vorbereitung der WM 2026.

Die zweite Rolle: Trumps White-House-Task-Force fuer die WM 2026

Im Mai 2025 kam die zweite Titel-Zeile hinzu. US-Praesident Donald Trump berief die White House Task Force on FIFA World Cup 2026 und ernannte Cordeiro zu einem der Mitglieder - als FIFA-Vertreter im Gastgeber-Gremium, das Sicherheit, Einreise-Logistik und die politische Rahmung der 104 Spiele in USA, Kanada und Mexiko koordinieren soll. Fuer Trump war die Ernennung logisch: Cordeiro hatte im August 2018 gemeinsam mit Infantino im Oval Office ein Fussball-Trikot fuer die Kameras hochgehalten und war seither die vertrautere Adresse in der FIFA fuer die US-Administration.

Diese Doppel-Rolle macht den Freitags-Ruecktritt politisch heikel. Cordeiro trennt sich nur von der FIFA-Position, nicht formal von der Task Force. Aber er signalisiert damit oeffentlich, dass der zentrale Trump-Kontakt in der FIFA den Infantino-Kurs nicht mehr mittraegt. Genau in der Woche, in der die Trump-USA-Beziehung zu FIFA in der Governance-Krise Position beziehen muss, verliert Infantino die Person, die diese Beziehung institutionell verkoerperte. Die Task Force selbst hat sich am Freitag nicht geaeussert.

Warum der Zeitpunkt zaehlt - Chapter 7 einer 60-Stunden-Kaskade

Die Sequenz der letzten drei Tage ist ohne Praezedenz. Am Dienstag 29. Juli hatte Bayern-Sportvorstand Max Eberl am Tegernsee als erster prominenter deutscher Fussball-Manager Position bezogen (“der Fussball gehoert nicht in die Hand von ein paar Investoren”). Am Abend des 29. Juli folgte die DFB-Institutions-Doppel-Eskalation mit Neuendorf und Watzke. Der Donnerstag brachte den UEFA-Nyon-Beschluss aller 55 Verbaende um 16:37 UTC und vier Stunden spaeter den CONCACAF-Beschluss in Miami um 20:37 UTC. Der Freitag oeffnete mit der FIFA-Antwort um 06:13 UTC, dem AFC-Statement aus Kuala Lumpur um 09:22 UTC - und nun, gegen 10:30 UTC, mit Cordeiros Ruecktritt.

Sechzig Stunden von Nyon bis zum Cordeiro-Statement, sieben aufeinanderfolgende materielle Verschiebungen, drei Konfoederationen gegen den Plan und ein Chefberater aus dem eigenen Haus. Fuer den Weltverband ist das die dichteste Serie kritischer Ereignisse seit dem FBI-Zugriff auf Sepp Blatter im Mai 2015 - und im Unterschied zu 2015 gibt es diesmal keine externe Strafverfolgung, sondern eine institutionelle Erschoepfung des Rueckhalts.

Was das fuer Zuerich und die 19.-September-Frist bedeutet

Die von der FIFA gesetzte Konsultations-Frist bis zum 19. September 2026 steht formal. Praktisch war sie bereits nach dem AFC-Statement rechnerisch entwertet - fuer die 106-Ja-Mehrheit im Kongress fehlen aus den verbleibenden 75 Verbaenden 31 Stimmen, die selbst bei geschlossener Zustimmung nicht mehr erreichbar sind. Cordeiros Ruecktritt aendert die Mathematik nicht. Er verschiebt aber die Kommunikations-Balance im FIFA-Haus. Wenn ein Insider ohne aktive Zwangslage geht, gibt es zwei plausible Anschluss-Bewegungen: entweder weitere Berater und Task-Force-Mitglieder folgen mit vergleichbaren Positionen, oder Infantino zieht die Vorlage vor Ende September aktiv zurueck, um weitere Kaskaden zu verhindern.

Die naechsten Kalender-Punkte in Zuerich sind eine Sitzung des Exekutiv-Komitees in der ersten August-Woche und die Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des Kongresses. CAF-Praesident Patrice Motsepe, der am 29. Juli als einziger Konfoederations-Chef Dialog-offen geblieben war, wird nach Cordeiros Signal unter zusaetzlichen Druck geraten. Fuer den europaeischen und nord- und mittelamerikanischen Fussball ist die Woche vom 29. Juli bis zum 31. Juli 2026 damit im Rueckblick jene Woche, in der die Debatte um die Zukunft der Weltmeisterschaft als Anlageprodukt vom kontinentalen Widerstand in die eigene FIFA-Zentrale getragen wurde. Ob die WM 2030 mit oder ohne privates Beteiligungs-Modell ausgetragen wird, entscheidet sich nicht mehr am Konsultations-Ergebnis, sondern an der Frage, ob Zuerich das Gesicht wahrt oder die naechste Bewegung aus dem eigenen Haus zulaesst.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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