Reise-Absage zur WM 2026: Elfenbeinkueste-Fans bekommen keine US-Visa
CNSE-Praesident Kouadio Adonis bestaetigt: 500 ivorische Anhaenger haben ihre WM-Reise abgesagt, weil die USA keine Visa erteilen. DFB-Gegner ohne Heim-Fans am 20.06.
Von Marco Feldmann 11. Juni 2026
Drei Tage vor dem Anpfiff der WM 2026 wird der Streit um die US-Einreise zum nun konkreten Fan-Thema. Am Donnerstag-Nachmittag bestaetigt Julien Kouadio Adonis, Praesident des National Committee of Elephants Supporters (CNSE), gegenueber der Nachrichtenagentur AFP, was sich in den letzten Wochen abgezeichnet hatte: Die offizielle Reise-Delegation der ivorischen Anhaenger zur Weltmeisterschaft ist abgesagt. Sportschau spielt die Meldung im WM-Liveblog am 11.06. unter der Zeile “Dauerthema Einreise: Nun auch Elfenbeinkueste betroffen” um 14:37 UTC ein.
Im Wortlaut, an die AFP gerichtet, sagt Kouadio: “Die Fans haben die Reise abgesagt, weil die US-Regierung keine Anhaenger aus bestimmten Laendern, darunter die Elfenbeinkueste, auf ihrem Boden sehen will.” Im Maerz, also noch zehn Wochen vor dem Turnier, hatte der CNSE-Praesident mit einer Reise-Gruppe von etwa 500 ivorischen Fans gerechnet - aus Abidjan, aus dem nahen Westafrika, ueber Paris. Eingereist sind nach CNSE-Angaben am Ende nur eine “Handvoll” Funktionaere des Verbands, die sich vor Ort um die in den USA bereits lebenden ivorischen Anhaenger kuemmern sollen.
Damit trifft das Trump-ESTA-Problem zum ersten Mal einen Gruppen-Gegner des DFB so direkt, dass es die Stadion-Atmosphaere veraendert. Die Elfenbeinkueste trifft in Gruppe E auf Deutschland, Ecuador und Curacao. Zwei der drei Vorrunden-Spiele der Elefanten finden in Philadelphia statt - in den USA. Nur das eine, das fuer die DFB-Elf am Samstag, 20. Juni um 22:00 MESZ als zweiter Gruppen-Spieltag ansteht, liegt in Toronto, also in Kanada.
500 Fans, eine Handvoll Funktionaere - die Zahlen-Differenz
Die CNSE-Zahl von rund 500 angemeldeten Reise-Anhaengern aus dem Maerz war fuer ein afrikanisches WM-Kontingent kein extremer Wert, sondern eine typische Kern-Gruppe. Beim Africa Cup of Nations 2024 im eigenen Land hatte der CNSE die Heim-Tribuenen in Abidjan, San-Pedro und Yamoussoukro mitkoordiniert; international war der Verband bei der WM 2006 in Deutschland und beim Africa Cup 2008 in Ghana sichtbar. Eine WM in Nordamerika gehoerte zu den Reise-Zielen, fuer die zumindest Teile der Kerngruppe seit Anfang 2025 buchten.
Dass am Ende nur eine Handvoll Verbands-Funktionaere die US-Einreise schafft, ist ein scharfer Bruch. Das US-Aussenministerium begruendet abgelehnte Visa-Antraege nicht im Einzelfall - die Bescheide nennen Paragraphen, keine Sachverhalte. In der Summe lesen sich die Faelle in den letzten Wochen aber als ein Muster: Wer aus einem Land mit angespanntem Verhaeltnis zur Trump-Administration kommt, bekommt entweder spaet oder gar kein Visum. Ein Fan-Dachverband, der seine Reise drei Tage vor dem ersten Spiel komplett abblaest, ist eine politische Aussage, kein logistisches Detail.
”Nun auch Elfenbeinkueste” - die Reihe der betroffenen Verbaende
Der Fall reiht sich in eine Liste ein, die in den letzten zwei Wochen Schlag auf Schlag laenger geworden ist. Die iranische FFIRI bekam fuer rund zwoelf Funktionaere - inklusive Verbandspraesident Mehdi Tadsch - keine US-Visa. Die Iran-Spieler-Delegation konnte erst nach direkter FIFA-Vermittlung in Ankara Anfang Juni einreisen. Der somalische WM-Schiedsrichter Mohamoud Artan wurde Ende Mai an der Vor-Reise-Kontrolle in Miami abgewiesen; CNN berichtete von einem Al-Shabaab-Verdacht ohne offizielle Bestaetigung.
Bei den Fans war der Sammel-Eindruck bisher diffus: Wer kommt nicht? Mit der CNSE-Aussage liegt jetzt ein erster namentlicher Fan-Verband auf dem Tisch, der die Reise abgesagt hat. Dass es ein DFB-Gegner ist, macht den Fall fuer den deutschen Markt sichtbarer als die bisherigen Visa-Geschichten der Iraner.
DFB-Gegner ohne Heim-Anhang - was das fuer Gruppe E heisst
Fuer das DFB-Team von Julian Nagelsmann hat die Meldung sportlich keinen Effekt - die Elfenbeinkueste-Elf von Trainer Emerse Fae reist mit dem vollen 26er-Kader an, und der CNSE-Schritt betrifft die Fan-Tribuenen, nicht die Bank. Aber die Atmosphaere in Philadelphia am 15. Juni gegen Ecuador und am 25. Juni gegen Curacao wird eine andere sein, als FIFA und Organisations-Komitee bei der Stadion-Buchung in den Stuhlplan eingezeichnet hatten.
Wo eigentlich die orange-weiss-gruenen Choreos und die Trommel-Gruppen der CNSE den ivorischen Block tragen sollten, koennten weite Lochsitze bleiben - oder mit US-Locals und ivorischen Diaspora-Anhaengern aus New York und New Jersey gefuellt werden. Genau das war der Plan-B, den der CNSE jetzt umsetzt: Die wenigen vor Ort akkreditierten Verbands-Funktionaere sollen die in den USA ansaessigen ivorischen Fans organisieren, statt eigene Reise-Gruppen einzufliegen.
Der Toronto-Asterisk - warum Kanada den Fans nicht hilft
Das DE-vs-Elfenbeinkueste-Spiel am 20. Juni faellt in Toronto ins BMO Field - also auf kanadischen Boden. Theoretisch koennte ein ivorischer Fan, der in Paris oder Abidjan startet, das Spiel besuchen, ohne durch die USA zu muessen. Praktisch hilft das nur eingeschraenkt: Auch Kanada verlangt von ivorischen Staatsbuergern ein Visitor Visa (ein einfaches eTA reicht nicht), die Bearbeitungszeiten in der kanadischen Botschaft Abidjan liegen bei mehreren Wochen, und das Buchen einer Einzel-Anreise ohne die CNSE-Organisation ist fuer die Stamm-Anhaenger keine Option, die in der Praxis funktioniert.
Hinzu kommt: Ein WM-Reise-Plan ist ein Drei-Spiele-Plan. Wer zur Elfenbeinkueste-Vorrunde nach Nordamerika fliegt, will Philadelphia und Toronto sehen koennen. Wenn zwei der drei Stadien hinter einer geschlossenen US-Grenze liegen, faellt die ganze Reise.
Was die FIFA-Garantie wirklich abdeckt
FIFA-Praesident Gianni Infantino hatte bei seiner Pressekonferenz in Mexiko-Stadt am 10. Juni wiederholt, dass die USA fuer “alle Spieler, Trainer und Offiziellen” der 48 Teilnehmer eine Einreise-Garantie geben - eine Zusage, die seit dem White-House-Treffen vom Dezember 2025 zwischen Infantino und Donald Trump in Kraft ist. Fans fallen ausdruecklich nicht unter diese Garantie. Sie laufen ueber das normale ESTA- und Visa-Verfahren, das die Trump-Administration mit verschaerften Pruef-Kriterien fuer mehrere afrikanische und asiatische Laender kombiniert hat. Genau dieser Punkt - Garantie fuer das Sportliche, kein Schutz fuer die Anhaenger - ist die Linie, an der der Fall Elfenbeinkueste jetzt ankommt.
Praktische Konsequenzen sortiert die USA-Reise-Pillar fuer deutsche Anhaenger ein, die fuer DE-vs-Ecuador am 25. Juni nach New York/New Jersey wollen. Wer aus Deutschland anreist, faellt unter Visa Waiver / ESTA und ist von den Sperren nicht betroffen. Wer aus Drittstaaten mit ivorischer oder iranischer Staatsbuergerschaft anreist, sieht jetzt anhand des CNSE-Schritts, dass auch die Praesidiums-Reisen von US-Funktionaeren und die Visa-Politik im Innenministerium nicht unter einen einheitlichen WM-Sondermodus fallen. Drei Tage vor dem ersten Spiel ist das die unangenehmste Botschaft, die der Gastgeber an Gruppe E senden kann.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.