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WM 2026

FIFA-Rat Donnerstag unter Druck: The Times berichtet 1,76 Mio. USD Zusatz-Vergutung Infantinos aus US-Steuerunterlagen

The Times zitiert US-Steuerunterlagen: Infantino bezog 2024 zusaetzlich zum FIFA-Gehalt 1,76 Mio. USD aus FWC2026. Donnerstag tagt der FIFA-Rat in Zuerich.

Von Die Redaktion 14. Oktober 2026

San Francisco, Pier 48, 07.02.2026: FIFA-Praesident Gianni Infantino auf dem roten Teppich der Fanatics Super Bowl Party. Rund neun Monate spaeter stehen genau die US-Verbindungen des Weltverbandspraesidenten im Zentrum einer Steuerunterlagen-Recherche der britischen 'Times' (Foto: Greg Chow / ZUMA Press Wire). Foto: Zuma Press via SmartFrame

▍ FIFA / POST-WM 2026 · 14.10.2026 · 02:37 UHR - 48 Stunden vor der ersten grossen FIFA-Rat-Sitzung seit April treffen die europaeischen Verbaende in Zuerich auf einen FIFA-Praesidenten, dessen Verguetung in dieser Woche in einer ganz neuen Dimension oeffentlich wird. Die britische ‘Times’ hat am Montag, 13. Oktober 2026, US-Steuerunterlagen des WM-2026-Organisationsgremiums FWC2026 ausgewertet und berichtet, dass Gianni Infantino 2024 zusaetzlich zu seinem FIFA-Grundgehalt von mehr als vier Millionen Schweizer Franken eine Zahlung von rund 1,76 Millionen US-Dollar aus dem US-WM-Gremium erhalten habe. Die FIFA bestreitet, “ein zweites Gehalt” zu zahlen, und verweist auf ein “unabhaengiges Vergütungs-Komitee”. Die Veroeffentlichung trifft eine FIFA-Governance-Lage, die seit Juli nach dem UEFA- und CONCACAF-Boykott-Beschluss zur FIFA Forward Enterprise ohnehin unter Beobachtung steht.

Was The Times aus den US-Steuerunterlagen zieht

Die ‘Times’-Recherche stuetzt sich auf die oeffentlich zugaenglichen Steuerformulare, die FWC2026 - die unter US-Recht fuer die Durchfuehrung der WM 2026 gegruendete gemeinnuetzige Organisation - jaehrlich einreichen muss. In der 2024er-Erklaerung erscheint eine Zuwendung von rund 1,76 Millionen US-Dollar an Infantino. Zusammen mit den vier Millionen Schweizer Franken, die die FIFA im Jahresbericht 2024 als Grundgehalt plus Boni des Praesidenten ausweist, ergibt sich damit eine US-Dollar-Summe im siebenstelligen Bereich.

Die Zeitung hebt zugleich die Grenze der eigenen Belegfuehrung hervor: die in den Steuer-Dokumenten gelisteten Grundgehalt- und Bonus-Zahlen stimmen fuer sich genommen rechnerisch mit dem FIFA-Jahresbericht ueberein. Die Frage, ob die 1,76 Millionen eine separate, bisher nicht offengelegte Verguetung oder eine Verrechnung ueber die FWC2026-Struktur sind, laesst sich aus den Steuerformularen allein nicht abschliessend klaeren. Was oeffentlich ist, sind die Zahlen; was offen bleibt, ist die buchhalterische Zuordnung.

Die NZZ, die den ‘Times’-Bericht am Dienstag aufgenommen hat, verweist zusaetzlich auf die wiederholten FIFA-Verguetungs-Fragen der vergangenen Jahre - zuletzt bei der Fairsquare-Ethik-Beschwerde gegen Infantinos Trump-Naehe und bei der UEFA-Strafanzeige in der Schweiz zur Thrive-Capital-Konstruktion.

Die FIFA-Antwort - “kein zweites Gehalt” und “unabhaengiges Vergütungs-Komitee”

Die FIFA hat die ‘Times’-Recherche am Dienstag mit einem schriftlichen Statement beantwortet, das zwei Kernsaetze transportiert. Erstens: der Weltverband zahle dem Praesidenten “kein zweites Gehalt”. Zweitens: die FIFA erfuelle “alle Offenlegungspflichten”, und die Verguetung werde “von einem unabhaengigen Vergütungs-Komitee” festgelegt. Konkrete Zahlen zur FWC2026-Zuwendung oder zur Trump-Tower-Buerostruktur fuehrt die FIFA-Antwort nicht auf.

Es ist das zweite Mal binnen zwei Jahren, dass die FIFA mit nahezu wortgleicher Argumentation auf eine Steuerunterlagen-Recherche europaeischer Zeitungen reagiert. Die Linie - unabhaengiges Komitee, formale Offenlegung erfuellt - stand bereits in der Antwort auf die Le-Monde-Recherche zum Millionen-Etat der FIFA-Instagram-Agentur im Juli 2026.

Der Trump-Tower-NY-Baustein und das Miami-Beach-Appartement

Neben der FWC2026-Zahlung dokumentieren die New York Times und das franzoesische Le Monde einen zweiten Bauteil der FIFA-US-Finanzarchitektur: der Weltverband soll in Manhattan rund vier Millionen US-Dollar fuer Bueroflaechen im Trump Tower aufgewendet haben, die nach den Zeitungs-Recherchen weitgehend ungenutzt geblieben sind. Die Zahlungen fliessen demnach an Gesellschaften, die mit der Trump-Organisation verbunden sind.

Die NZZ erganzt am Dienstag einen dritten Baustein: in den vergangenen Jahren seien monatlich fuenfstellige US-Dollar-Betraege an eine Luxusimmobilie in Miami Beach gelaufen, die Infantino bis 2025 bewohnt haben soll und die er von Eric Schmidt, dem frueheren Google-CEO, gemietet habe. Die Umstaende dieser Vermietung sind nicht Teil der FIFA-Offenlegung; sie koennten aber die Linie des Praesidenten zur US-Praesenz des Weltverbands zusaetzlich erklaerbar machen - genau jene Linie, die seit dem Trump-Empfang in NYC vor dem Finale immer wieder politisch gelesen wird.

Donnerstag Zuerich: FIFA-Rat trifft zum ersten Mal nach April auf UEFA-Vertreter

Am Donnerstag, 15. Oktober 2026, kommt der FIFA-Rat in Zuerich zu einer Sitzung zusammen, die unabhaengig von der ‘Times’-Recherche bereits als Zaesur galt: es ist die erste grosse Begegnung der europaeischen UEFA-Vertreter mit Infantino seit April 2026. Offizieller Tagesordnungspunkt ist die Nachbereitung des FIFA Forward Enterprise (FFE), des Ende Juli nach UEFA- und CONCACAF-Boykott zurueckgezogenen Investorenprojekts. Die Vergütungs-Recherche verschiebt den Fokus der Sitzung aber ueber die FFE-Linie hinaus auf die Offenlegungs-Frage.

Die UEFA hat ihrer Position am 8. Oktober 2026 in Berlin bereits einen formellen Rahmen gegeben: 55 der 56 Mitgliedsverbaende (Ausnahme Aserbaidschan) stimmten einem Reform-Paket zu, das Governance, Entscheidungsstrukturen, Aufsicht und Finanz-Verteilung adressiert. DFB-Praesident Bernd Neuendorf sagte in Berlin wortwoertlich, “die Person an der Spitze, die repraesentiert, wie die FIFA sich heute praesentiert, muss ersetzt werden” - eine Linie, die der DFB-Praesident zwei Wochen zuvor nach dem Thessaloniki-Spiel bei RTL und ntv in nahezu identischer Formulierung vertreten hatte.

Wo diese Vergütungs-Chapter im UEFA-Infantino-Machtkampf steht

Die Vergütungs-Recherche ist das vierte Kapitel in einer Governance-Kette, die seit Juli nahezu woechentlich neue Datenpunkte produziert. Zur Erinnerung: nach dem WM-Finale am 19. Juli 2026 folgten der UEFA- und CONCACAF-Boykott-Beschluss zur Forward Enterprise, die Rabat-Krisensitzung mit Wenger und Grafstroem, die FIFA-Sprecher-Ankuendigung einer Wiederwahl 2027 in Katowice, die UEFA-Strafanzeige in der Schweiz nach Artikel 158 zu Thrive Capital sowie Watzke- und Neuendorf-Positionen des DFB, zuletzt bei einer Berliner KI-Festival-Rede, bei der Watzke “Infantino sollte weg” formulierte.

Fuer die FIFA-Kongresswahl in Rabat im Maerz 2027 ist die Nominierungsfrist der 18. November 2026. UEFA-Praesident Aleksander Ceferin hat eine Kandidatur ausgeschlossen, Nasser Al-Khelaifi ebenfalls; die genannten Namen Victor Montagliani (CONCACAF) und Salman bin Ibrahim Al Khalifa (AFC) sind bis zum Donnerstag-FIFA-Rat nicht formell eingereicht. Die ‘Times’-Recherche zur Verguetung ist in dieser Lage der konkrete Faktenanker, auf den UEFA-Vertreter in Zuerich zurueckgreifen koennen, bevor der Kalender bis zur November-Frist taktisch enger wird. Weitere praktische Hintergruende zur FIFA-WM 2026 und zur politischen US-Einreise-Debatte stehen auf der Themenseite WM 2026 USA-Reise und politisches Umfeld.

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Die Redaktion

fussballweltmeisterschaft.online

Das Redaktionsteam von fussballweltmeisterschaft.online berichtet rund um die Fußball-Weltmeisterschaft - von der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko über die DFB-Auswahl bis zur WM-Geschichte und den Nationalmannschaften der Welt.

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