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'Klopp-Aera kommt nicht in Gang': Pressestimmen zu Griechenland - Deutschland 0:0

Pressestimmen zu Griechenland - Deutschland 0:0 in Thessaloniki: Guardian, L'Equipe, Marca, AS, Blick, Kronen Zeitung + die griechischen Heldenpunkt-Jubel.

Von Lukas Brandt 05. Oktober 2026

Juergen Klopp nachdenklich am 27. September 2026 in Augsburg - nach dem 0:1 gegen Griechenland im Hinspiel seines Heimdebuets. Eine Woche spaeter folgt in Thessaloniki das 0:0 und mit ihm die international einhellige Pressestimmen-Linie: Die Klopp-Aera kommt nicht in Gang (Foto: osnapix / Marcus Hirnschal, Actionpress). Foto: Actionpress via SmartFrame

Es ist der Satz, der am Montagmorgen auf allen Fussball-Portalen zwischen Madrid, Paris, London und Zuerich die Schlagzeile stellt: “Die Klopp-Aera kommt nicht in Gang.” Die Formulierung stammt aus der spanischen Sportzeitung AS, sport1.de und kicker.de haben sie als Dach-Zeile fuer ihre internationalen Pressestimmen-Compilationen uebernommen. Nach dem 0:0 im Toumba-Stadion von Thessaloniki am Sonntagabend ist die Lesart in sechs Laendern identisch: Die DFB-Elf hat gegen einen tief verteidigenden Gastgeber dominiert, aber nicht gewonnen - und bleibt nach vier Pflichtspielen bei fuenf Punkten aus zwoelf moeglichen hinter den Erwartungen. Allein die griechische Presse feiert, und das mit einem Pathos, das die Compilation erst ganz macht: Ein “heldenhafter Punkt”, der vom Viertelfinale traeumen laesst.

Fuer die Einzelkritik der sportschau war der Sonntagabend die Scherhant-Pavlovic-Doppel-Standout-Partie, in der Wirtz “blass” blieb und Burkardt die Note vier bis fuenf einfing. Fuer die internationalen Pressestimmen am Montagmorgen ist der Abend die Zuspitzung einer These, die seit dem Augsburger 0:1 vom 27. September in der Luft lag - und die der 2:0-Erstsieg gegen Serbien vier Tage zuvor nur verlangsamt, nicht entkraeftet hat.

England und Frankreich: Guardian und L’Equipe lesen die Punkte-Bilanz

The Guardian hat am Montagmorgen die nuechternste Formulierung gefunden. “Die deutsche Nationalmannschaft laeuft unter Juergen Klopp nicht auf Hochtouren”, schreibt die Londoner Tageszeitung und fasst die Bilanz zusammen: “Sie hat in vier Spielen nur einen Sieg errungen, dazu gab es eine Niederlage.” Fuer den englischen Blick, der von Thomas Tuchels Nationaltrainer-Projekt selbst eine Startschwaeche kennt, ist das weniger Zuspitzung als Diagnose: Klopp hat sein Amt am 1. September 2026 angetreten, ist seit fuenf Wochen im Amt und steht bei einem Siegquotient, der jedes andere Nachbarland ebenfalls zur Debatte zwingen wuerde.

Die Pariser Sportzeitung L’Equipe liefert die statistische Zuspitzung. “Deutschland ist frustriert und bleibt weiterhin Dritter in seiner Gruppe. Juergen Klopps Mannschaft, die in der ersten Halbzeit dominierte, in der zweiten jedoch schwaechelte, kam in Griechenland nicht ueber ein Unentschieden hinaus. In seinen ersten vier Spielen hat der neue Nationaltrainer nur fuenf von zwoelf moeglichen Punkten geholt.” Dass der Satz, der die Punkteausbeute direkt in Zahlen uebersetzt, aus Frankreich kommt, hat Methode: L’Equipe hat auch Didier Deschamps und Thierry Henry nach Durststrecken auf die Punkte-pro-Pflichtspiel-Formel heruntergerechnet. Fuer die DFB-Elf steht sie seit dem Thessaloniki-Abpfiff bei 1,25.

Spanien: AS und Marca machen den Titel - “deutlich hinter dem erwarteten Niveau”

Die haerteste Zuspitzung kommt aus Madrid. AS titelt in einer einzigen Zeile: “Die Klopp-Aera kommt nicht in Gang.” Die Formulierung ist in der Compilation die hashtag-faehigste - knapp, ohne Qualifier, auf den Trainer gemuenzt statt auf die Mannschaft. Dass die Zeile am Montagmorgen von kicker.de und sport1.de als Dach-Zeile uebernommen wurde, ist das kleine, aber wichtige Signal, dass die inlaendische Presse die These teilt: Nicht die einzelnen Spieler, nicht die VAR-Entscheidung in der 30. Minute, nicht die 76 Prozent Ballbesitz sind die Pointe, sondern der Trainer-Prozess.

Marca aus Madrid formuliert laenger und analytischer. “Torloses Unentschieden zwischen Griechenland und Deutschland in einem Spiel, das die Mannschaft von Klopp dominierte, ohne daraus Kapital zu schlagen. Wenige Chancen und dazu schlecht ausgespielt von einer Mannschaft, die weiterhin deutlich hinter dem erwarteten Niveau zurueckbleibt.” Die Zuspitzung “deutlich hinter dem erwarteten Niveau” ist das Kern-Zitat der Compilation. Marca ergaenzt: “Die Hellenen hielten stand, bleiben ungeschlagen, verlieren aber die Tabellenfuehrung an die Niederlande, die ihre Pflicht gegen Serbien erfuellten.” Dass Spaniens zweite Sportzeitung die A2-Tabelle in den letzten Absatz nimmt, zeigt, wie weit das Interesse an der DFB-Lage ueber den reinen Spielbericht hinausreicht.

Griechenland: To Vima und Ta Nea feiern den “Heldenpunkt”

Der Kontrapunkt kommt aus Athen. Die Zeitung “To Vima” - eine der aeltesten griechischen Tageszeitungen, 1922 gegruendet - schreibt am Montagmorgen: “Einen Punkt, der Gold wert sein koennte, holte die Nationalmannschaft gegen Deutschland.” Die konjunktivische Formulierung “koennte” ist charakteristisch fuer die griechische Fussballpresse der Nations-League-Debuetsaison: ehrgeizig, aber mit Vorsicht gegenueber dem naechsten Rueckschlag.

“Ta Nea” dagegen zieht die Linie offensiv aus. “Heldenhafter Punkt fuer die Nationalmannschaft, sie bleibt in ihrer Gruppe ungeschlagen und traeumt vom Viertelfinale!” Die Formel “traeumt vom Viertelfinale” verweist auf den Nations-League-Modus, in dem die vier Gruppensieger der Liga A ins Viertelfinale einziehen und dann im Juni 2027 das Final-Four ausspielen. Griechenland steht nach vier Spielen bei sieben Punkten und mit einem 2:2 gegen die Niederlande in Thessaloniki als zweitplatziertes Team der Gruppe. Dass die Athener Zeitung die DFB-Elf nicht als Partner, sondern als Opponenten liest, markiert den Rollenwechsel seit der Nations-League-Reform von 2018: Griechenland ist in der obersten Liga A angekommen und misst sich auf Augenhoehe.

Fuer den Innenblick der griechischen Mannschaft bedeutet die Compilation: Die Verteidigungs-Taktik unter Trainer Ivan Jovanovic - enge Fuenferkette mit Mavropanos als Abwehrchef - hat zweimal gegen Klopps DFB-Elf funktioniert. Die Ta-Nea-Zeile “Heldenhafter Punkt” ist damit auch ein Taktik-Statement.

DACH-Nachbarn: Blick und Kronen Zeitung lesen das Rueckspiel

Die Schweizer “Blick” hat die knappste Formulierung der Compilation. “Knochenharte Griechen aergern Klopp schon wieder.” Der Titel greift die Dopplung aus Augsburg und Thessaloniki auf - innerhalb von acht Tagen hat Deutschland gegen den vermeintlichen Gruppen-Mitlaeufer nicht einmal getroffen - und laesst den Trainer als handelnde Person zurueck, ohne ihn direkt zu kritisieren. Dass “Blick” damit die mildeste Variante der kritischen Linie fuehrt, hat Historie: Die Schweizer Boulevard-Presse kennt Klopps Rhein-Nachbarschafts-Zeiten aus Mainz und Dortmund und formuliert gerne persoenlich statt institutionell.

Die oesterreichische “Kronen Zeitung” aus Wien liefert die laengste DACH-Formulierung. “Griechenland hat sich fuer Deutschland in der Nations League erneut als harter Gegner erwiesen. Zwar musste das Team von Bundestrainer Juergen Klopp auswaerts keine erneute Niederlage hinnehmen, ueber ein 0:0 kam man am Ende aber nicht hinaus. Die erhoffte Revanche ist damit nicht gelungen.” Die Formel “erhoffte Revanche nicht gelungen” ist aus Wiener Sicht konsequent: Die oesterreichische Presse hat die DFB-Elf historisch oft als ueberlegen gelesen und muss sich an die neue Lesart gewoehnen, in der Griechenland in zwei Pflichtspielen die Punkte-Bilanz 4:1 gegen Deutschland fuehrt.

Beide DACH-Zeitungen bleiben weg vom Klopp-direkt-Angriff aus Madrid. Die harte Diagnose kommt in der Compilation aus Spanien und Frankreich, die milden Formulierungen aus Zuerich und Wien.

Was folgt: November-Doppelrunde Belgrad und Rotterdam

Die Nations-League-Gruppe A2 wird in der November-Doppelrunde entschieden. Am Sonntag, 15. November 2026, reist die DFB-Elf nach Belgrad zum Rueckspiel gegen Serbien (20:45 MESZ) - der Gegner, gegen den die Klopp-Elf am 1. Oktober in Muenchen mit 2:0 gewann. Drei Tage spaeter, am Mittwoch, 18. November 2026, folgt in Rotterdam das Rueckspiel gegen die Niederlande (20:45 MESZ) - der Gegner, gegen den die Klopp-Elf am 24. September in Amsterdam ihr Debuet-1:1 geholt hatte.

Beide Spiele sind K.-o.-Charakter. Platz 1 der A2 entscheidet, ob die DFB-Elf 2027 im Nations-League-Finalturnier spielen darf - und damit das letzte grosse Terminfenster vor der WM-2030-Qualifikation. Fuer die Pressestimmen-Linie bedeutet das: Zwei Siege im November wuerden die AS-Formel vom Montagmorgen unmittelbar drehen, zwei Pleiten wuerden sie dagegen zur Dauer-Diagnose verfestigen. Dass Pavlovic in Kimmichs Abwesenheit zum Chef-Sechser aufsteigt und Urbig seinen Nummer-eins-Status bis November behaelt, sind die beiden personellen Konsolidierungs-Chapter, die Klopp aus dem Herbst-Fenster mitnimmt.

Dass die internationale Presse am Montagmorgen in sechs Laendern einhellig kritisch liest - mit dem griechischen Pathos als einzigem Gegenpol - ist das harte Signal. Vergleichbar war die Compilation bei der Modric-Scham-Rede nach dem Kroatien-0:7 in Rijeka am Vortag: Ein Pressestimmen-Konsens ueber Grenzen hinweg ist in Fussball-Europa selten - und wenn er sich einstellt, formt er die naechsten Monate mit. Fuer Juergen Klopp heisst das: Belgrad und Rotterdam im November sind nun die beiden Spiele, die diesen Konsens entweder bestaetigen oder brechen.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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