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WM 2026

Lamour attackiert Infantino: FIFA-Betriebsdirektor spricht via AP von einem Projekt einer Person

Am 31.07.2026 um 18:33 UTC schickt FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour Brief an AP. Zweite Insider-Defektion nach Cordeiro, diesmal aus dem Amt heraus.

Von Die Redaktion 31. Juli 2026

Rom, 9. Oktober 2025: FIFA-Praesident Gianni Infantino spricht bei der 32. ECA-Generalversammlung im Hotel Cavalieri Waldorf. Neuneinhalb Monate spaeter beschreibt sein eigener Betriebsdirektor Kevin Lamour den Investorenplan als 'Projekt einer Person' - gemeint ist Infantino (Foto: Fabrizio Corradetti / LaPresse via SIPA USA). Foto: SIPA USA / LaPresse via SmartFrame

FIFA · POST-WM 2026 · 31.07.2026 · 18:33 UTC - Acht Stunden nach Carlos Cordeiros Ruecktritt als Senior Advisor to the FIFA President erreicht Zuerich am Freitagabend die zweite Insider-Bewegung des Tages. Die Nachrichtenagentur Associated Press verbreitet um 18:33 UTC einen Brief von Kevin Lamour, FIFA-Betriebsdirektor seit dem 1. November 2024, in dem der 47-jaehrige franzoesisch-schweizerische Doppelbuerger den Investorenplan seines eigenen Praesidenten mit drei Formulierungen frontal attackiert. Kern-Zitat: “Es ist das Projekt einer Person.” Trotz-Formel: “Falls das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann ist es so - wenigstens werde ich heute Nacht gut schlafen.” Und ein Kollektiv-Vorwurf an die eigene Fuehrung: die Mitarbeiter seien “hintergangen” worden und haetten “Besseres verdient als Missachtung und Einschuechterung”.

Lamour tritt nicht zurueck. Anders als Cordeiro, der am Vormittag als externer Berater den Weg der Konsequenz gewaehlt hatte, bleibt der Chief Operating Officer der FIFA im Amt. Die Begruendung, ebenfalls aus dem AP-Brief: die “Verpflichtung gegenueber Kolleginnen und Kollegen” innerhalb des Weltverbands. Damit verschiebt sich die Governance-Frage der Woche in eine neue Kategorie - vom externen Widerstand der Konfoederationen und Berater in den operativen Kern der Zuericher Zentrale hinein.

Der Brief am Freitagabend - “Es ist das Projekt einer Person”

Der Brief erreichte die AP am spaeten Nachmittag Mitteleuropaeischer Sommerzeit und wurde um 18:33 UTC verbreitet - der Zeitstempel, den t-online in seiner dpa-Uebernahme des AP-Materials nennt. Er ist knapp gehalten, aber praezise formuliert. Lamour benennt Infantino nicht mit Namen. Er nennt das Vorhaben “das Projekt einer Person” - und laesst keinen Zweifel offen, wer diese Person ist. Der Investorenplan, den die FIFA seit Anfang Juli 2026 unter der Marke “FIFA Forward Enterprise” (FFE) als Konsultations-Vorlage in die Mitgliedsverbaende getragen hat, sei nicht das kollektive Werk der Zueriche Fuehrung, sondern das Vorhaben eines Einzelnen.

Der zweite Kern-Satz beschreibt die politische Konsequenz. “Nicht nur darf dieses Projekt nicht weitergehen. Aber die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungstraeger im Fussball die richtigen Fragen stellen und die richtigen Entscheidungen treffen.” Uebersetzt: Der Plan ist zu stoppen, und die Verantwortung fuer diese Entscheidung liegt nicht bei den FIFA-Beamten, sondern bei den Verbands-Praesidenten. Das ist eine praezise Adressierung an UEFA-Praesident Aleksander Ceferin, CONCACAF-Praesident Victor Montagliani, AFC-Praesident Salman bin Ibrahim Al Khalifa und CAF-Praesident Patrice Motsepe - die vier Kontinentalchefs, die sich gemeinsam gegen Infantino stellen muessten, um den Plan endgueltig zu stoppen.

Der dritte Kern-Satz ist die persoenliche Konsequenz. “Falls das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann ist es so.” Und, im englischen Original der AP: “At least I’ll sleep well tonight.” Der Satz antizipiert die zu erwartende Reaktion aus dem eigenen Haus - eine Kuendigung oder eine Freistellung - und akzeptiert sie im Voraus. Fuer einen Beamten in Lamours Position, mit einem laufenden Vertrag und einem Mitarbeiter-Stab in Zuerich, ist das eine hoechst ungewoehnliche Selbst-Positionierung. Sie funktioniert nur, wenn Lamour davon ausgeht, dass die Sache selbst wichtiger ist als seine Karriere - und wenn er glaubt, dass die Zentrale seinen Weggang nicht ohne Kollateralschaeden erzwingen kann.

Wer ist Kevin Lamour? Vom Platini-Adjutanten zum FIFA-COO

Lamour steht bislang selten im oeffentlichen Licht. Seine Biographie ist die eines europaeischen Fussball-Verwaltungs-Profis, der ueber die Politik in den Sport kam. Er trat, nach eigenen Angaben, vor rund zwei Jahrzehnten als Adjutant des damaligen UEFA-Praesidenten Michel Platini nach Nyon ein. Ab 2007 arbeitete er in verschiedenen Positionen fuer die UEFA. Zuletzt fuehrte er dort die Rolle des stellvertretenden Generalsekretaers - eine der drei ranghoechsten Verwaltungs-Positionen der europaeischen Konfoederation.

Im Februar 2016 gehoerte Lamour, so das AP-Portraet, zum Wahlkampfteam, das Infantino nach dem Sepp-Blatter-Skandal zum FIFA-Praesidenten befoerderte. Infantino selbst war zuvor UEFA-Generalsekretaer gewesen - Lamour damit einer der engen operativen Vertrauten aus den Nyoner Jahren. Dass Lamour zehneinhalb Jahre spaeter genau gegen jenen Praesidenten opponiert, den er 2016 mit an die Spitze der FIFA gewaehlt hat, macht die Loyalitaets-Verschiebung besonders scharf.

Der Wechsel nach Zuerich erfolgte am 1. November 2024. Lamour uebernahm die Rolle des Chief Operating Officer - der ranghoechste operative Manager unter Generalsekretaerin Mattias Grafstroem und Praesident Infantino. Sein Portfolio umfasst laut FIFA-Organigramm die Verbandsbeziehungen zu Afrika (CAF, 54 Verbaende) und Asien (AFC, 47 Verbaende) - jene beiden Konfoederationen, die im aktuellen Governance-Kampf noch nicht vollstaendig positioniert sind. Motsepes CAF hatte am 29. Juli als einziger Kontinentalverband die Dialog-Linie offen gehalten; die AFC hatte sich am Freitagmorgen mit einem Solidaritaets-Statement in Kuala Lumpur auf die UEFA-CONCACAF-Achse gestellt. Lamours Positionierung trifft damit genau die zwei Verbands-Bloecke, deren Beziehungspflege er formal koordiniert.

Was Lamour von Cordeiro unterscheidet - im Amt, nicht zurueckgetreten

Die Kaskade des Freitags hatte am Vormittag mit Cordeiro begonnen. Der ehemalige US-Soccer-Praesident, seit 2021 Senior Advisor Infantinos und Mitglied der Trump-nominierten White House Task Force fuer die WM 2026, hatte um 10:30 UTC mit dem Satz “Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie die Fifa den Verkauf einer WM-Beteiligung in Erwaegung zieht” seinen Rueckzug erklaert. Cordeiro trat also von der FIFA-Position ab - eine informelle Berater-Rolle, aus der sich ein Weggang durch einfache Willenserklaerung vollziehen laesst.

Lamours Position ist qualitativ anders. Der Chief Operating Officer ist die operative Nummer zwei nach der Generalsekretaerin. Er hat einen laufenden Vertrag, eine budgetierte Abteilung, Weisungsbefugnis fuer Hunderte Mitarbeiter in Zuerich und einen definierten Handlungs-Perimeter im FIFA-Statut. Wenn Lamour bleibt, aber gleichzeitig oeffentlich gegen den Praesidenten Position bezieht, entsteht eine Konstellation, die die FIFA-Zentrale so noch nicht kannte: interne Opposition auf C-Ebene, ohne Ruecktrittserklaerung, mit dem expliziten Angebot, eine Kuendigung anzunehmen.

Fuer Infantino ergibt das drei praktische Konsequenzen. Erstens: Jede Kuendigung Lamours in den kommenden Tagen wuerde als Bestaetigung der von Lamour benannten “Missachtung und Einschuechterung” gelesen und die interne Front weiter aufreissen. Zweitens: Ein Behalten Lamours ohne Konsequenz signalisiert operativ, dass die Vorlage die Fuehrungs-Ebene nicht mehr traegt. Drittens: Lamours explizit im Brief benannte Motivation - die Verpflichtung gegenueber den Kolleginnen und Kollegen - impliziert, dass weitere Direktorate den Widerstand teilen. Die AP nennt keine Namen; die deutschsprachige Uebernahme durch dpa und t-online spricht neutral von “naechster hoher Mitarbeiter” - Formulierung, die zwei Bewegungen (Cordeiro, Lamour) zaehlt und eine dritte in Aussicht stellt.

Die politische Achse - Kushner-Fonds als AP-Zusatz

Die AP verbindet den Lamour-Brief mit einer Zusatz-Recherche, die in der bisherigen europaeischen Berichterstattung zum Investorenplan nicht auftauchte. In dem englischen Text, den ksat.com (die San-Antonio-CBS-Station in Texas) im Wortlaut uebernommen hat, identifiziert die AP den Investment-Fonds von Joshua Kushner als konkreten Investoren-Kontakt-Punkt hinter dem FFE-Vorhaben. Joshua Kushner, 40, ist der juengere Bruder von Jared Kushner - dem Ehemann von Ivanka Trump und Middle-East-Berater in der ersten Trump-Administration. Er leitet die 2015 in New York gegruendete Beteiligungsgesellschaft Thrive Capital, die mit fruehen Investments in Instagram, Stripe und OpenAI sowie mit dem eigenen Krankenversicherungs-Vehikel Oscar Health ein Portfolio von rund 15 Milliarden Dollar aufgebaut hat.

Die politische Verbindung ist die entscheidende Zusatz-Information. Der bisher publizierte “Forward Enterprise”-Rahmen sprach von “privaten Investoren” ohne Namen. Wenn AP das Kushner-Vehikel korrekt zuordnet, verschraenkt sich der Governance-Streit mit der Trump-Familien-Achse und der US-Politik-Ebene. Praktisch bedeutet das: Die Frage, was Trump und seine White House Task Force fuer die WM 2026 zu dem Vorhaben sagen, ist ab dem Wochenende nicht mehr vermeidbar. Cordeiros Task-Force-Rolle bleibt formal bestehen; die Frage, ob er sie behaelt oder auch von dort zurucktritt, wird bis Montag beantwortet werden muessen.

Die FIFA-Zentrale hat sich zu der Kushner-Zuordnung am Freitagabend nicht geaeussert. Die letzte offizielle Zueriche Statement-Bewegung stammt vom Morgen um 06:13 UTC (FIFA-Antwort auf UEFA und CONCACAF, Kern-Formel “Niemand verkauft den Fussball”). Fuer den Freitagabend - nach Cordeiro und Lamour - bleibt der Wortlaut Zuerichs unveraendert. Der Naechst-Termin fuer eine Reaktion ist Montag, 3. August 2026.

FIFA-Kongress-Mathematik unveraendert - Symbolgewinn statt Stimmen-Gewinn

An der Stimmen-Balance im FIFA-Kongress aendert der Lamour-Brief nichts. Die 106-Ja-Mehrheit fuer den Investorenplan war nach dem AFC-Statement rechnerisch entwertet: 136 von 211 Verbaenden aus UEFA (55), CONCACAF (41) und AFC (40) gegen den Plan, aus den verbleibenden 75 Verbaenden (CAF 54, CONMEBOL 10, OFC 11) waeren 31 Ja-Stimmen noetig, die selbst bei geschlossener Zustimmung nicht mehr erreichbar sind. Die von der FIFA gesetzte Konsultations-Frist bis zum 19. September 2026 ist praktisch entwertet, formal aber noch aktiv.

Der Lamour-Beitrag verschiebt die Kommunikations-Balance. Wenn der Chief Operating Officer der FIFA sagt, das Vorhaben sei das Projekt einer Person, wird jede kuenftige Zueriche Erklaerung, die den Plan als kollektives FIFA-Vorhaben darstellt, mit dieser Aussage konfrontiert. Fuer die aussenpolitische Kommunikation, insbesondere gegenueber der UEFA-Boykott-Drohung ab September und der US-White-House-Task-Force, faellt damit eine wichtige Verteidigungslinie weg. Der Plan kann nicht mehr als geschlossenes Zueriche Projekt praesentiert werden.

Was am Wochenende erwartet wird

Fuer das Wochenende zeichnen sich drei Bewegungslinien ab. Erstens: die Reaktion der FIFA auf Lamours Brief. Eine Kuendigung noch am Freitagabend wuerde als Bestaetigung der von Lamour benannten Vorwuerfe gelesen und die interne Front weiter aufreissen. Ein Belassen ohne Konsequenz signalisiert operativ, dass die Vorlage die Fuehrungs-Ebene nicht mehr traegt. Beobachter erwarten eher eine formelle Suspendierung mit anhaengiger Ueberpruefung - eine Zwischenloesung, die Zeit kauft.

Zweitens: die Reaktion aus Nyon und Miami. UEFA und CONCACAF hatten ihre Boykott-Beschluesse mit der Institution des Weltverbands begruendet - nicht mit Infantino persoenlich. Lamours “Projekt einer Person”-Formel bietet die Grundlage, den Konflikt personell zu zuspitzen. Ob Ceferin und Montagliani diese Zuspitzung am Wochenende oeffentlich mitgehen oder taktisch abwarten, ist die zweite offene Frage.

Drittens: die Reaktion der Trump-Task-Force. Die AP-Zuordnung des Kushner-Fonds als Investoren-Partner macht die WM-Rahmung praktisch untrennbar von einer Trump-Familien-Nebenrolle. Fuer die US-Politik-Ebene, die die WM 2026 als Prestige-Projekt inszeniert hat, ist das eine unbequeme Frage. Cordeiros Position in der Task Force bleibt vorerst bestehen; sein naechster Schritt entscheidet, ob die Task Force als Institution mit oder ohne FIFA-Kritik weiterlaufen wird.

Der Vergleich mit der Situation nach dem FBI-Zugriff auf Sepp Blatter im Mai 2015 draengt sich auf. Damals kam der Druck von aussen: US-Justiz, Schweizer Behoerden, eine breite Front kontinentaler Verbaende. Diesmal kommt der Druck von innen: zwei benannte C-Ebenen-Insider, drei Konfoederationen, ein DFB-Institutions-Doppel und der Bayern-Sportvorstand. Die Zueriche Fuehrung hat 2015 den Zusammenbruch abgewendet, indem der damalige UEFA-Generalsekretaer Gianni Infantino zum FIFA-Praesidenten aufstieg und den Reform-Kurs uebernahm. Der 2026er Struktur-Bruch ist damit ohne Praezedenz - der Reformer von 2016 ist der Angeklagte von 2026, und die Insider, die ihn 2016 mit an die Spitze getragen haben, verlassen ihn nun offentlich.

Chapter-9-Status im Story-Arc der Woche

Fuer den News-Rahmen ist der Lamour-Brief das neunte Chapter im FIFA-Investorenplan-Story-Arc der Woche 29. Juli bis 31. Juli 2026. Die Sequenz: Eberl am Tegernsee am Dienstagabend, DFB-Doppel Neuendorf-Watzke ebenfalls am Dienstagabend, UEFA-Nyon-Beschluss am Donnerstagnachmittag, CONCACAF-Miami-Beschluss am Donnerstagabend, FIFA-Antwort am Freitagmorgen um 06:13 UTC, AFC-Statement um 09:22 UTC, Cordeiro-Ruecktritt um 10:30 UTC, UEFA-Boykott-September-Kalender-Folgen um 14:13 UTC, und nun Lamour um 18:33 UTC. Drei aufeinanderfolgende Tage, neun materielle Verschiebungen, drei Konfoederationen und zwei benannte Insider.

Fuer Zuerich bleibt bis Montagmorgen ein Wochenende Zeit, eine Antwort zu formulieren, die den Plan retten oder ihn ohne Gesichts-Verlust zurueckziehen kann. Fuer den europaeischen und amerikanischen Fussball ist die Position klar: Die WM 2030 wird nicht als Anlageprodukt versteigert werden, gleich in welcher formalen Fassung Zuerich das FFE-Vorhaben am Ende einbringt.

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fussballweltmeisterschaft.online

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