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WM 2026

Milei bleibt WM-Finale fern: Argentiniens Praesident vertraut auf seine Gluecksjacke, Trump reist zu MetLife

Argentiniens Praesident Javier Milei verzichtet aus Aberglauben auf das WM-Finale gegen Spanien und bleibt in Quinta de Olivos. Trump reist zu MetLife an.

Von Marco Feldmann 17. Juli 2026

Washington DC, 14. Oktober 2025: US-Praesident Donald Trump empfaengt Argentiniens Praesident Javier Milei im Weissen Haus. Neun Monate spaeter reist Trump zum WM-Finale ins MetLife Stadium - Milei bleibt aus Aberglauben in Quinta de Olivos (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Sechs Wochen lang hat er jedes Spiel seiner Nationalmannschaft von derselben Stelle aus verfolgt, in derselben Jacke, aus dem Amtssitz Quinta de Olivos in der Provinz Buenos Aires. Diese Routine gibt Argentiniens Praesident Javier Milei auch fuer das WM-Finale 2026 am Sonntag im MetLife Stadium nicht auf. Auf die Frage einer argentinischen TV-Journalistin, ob er zum Endspiel gegen Spanien nach East Rutherford in New Jersey fliegen werde, sagte Milei knapp: “Nein, auf keinen Fall.” Es war die klare Absage eines Mannes, der die Weltmeister-Nation 2022 in Katar nicht selbst gefuehrt hatte und den zweiten Turnier-Titel in Folge nun aus der Ferne beten will.

Waehrend Milei zu Hause bleibt, wird US-Praesident Donald Trump die Ehrenloge des Finales persoenlich besetzen. Das bestaetigte am Donnerstag die Sprecherin des Weissen Hauses, Karoline Leavitt, gegenueber Reportern in Washington. Trump werde “wie erwartet” das Endspiel der Fussball-Weltmeisterschaft besuchen - eine Ansage, die die diplomatische Bildregie des Finales veraendert. Die WM 2026, deren Vergabe an das USA/Kanada/Mexiko-Trio 2018 unter der ersten Trump-Amtszeit passiert war und deren Naehe zwischen FIFA-Fuehrung und Trump-Administration bereits am 19. April in Washington sichtbar wurde, wird ihr Finale unter der US-Praesidenten-Optik zu Ende bringen.

”Nein, auf keinen Fall” - Milei sagt New York ab

Milei ist seit dem Turnier-Start am 11. Juni oeffentlich nicht in einem WM-Stadion gesehen worden. Bei den argentinischen Gruppenspielen gegen Algerien, Oesterreich und Jordanien blieb er in Buenos Aires, dasselbe galt fuer das Achtelfinale gegen Aegypten in Atlanta am 7. Juli, das Viertelfinale gegen die Schweiz in Kansas City und das Halbfinale gegen England in Atlanta. Sechs Spiele, sechs Siege - und sechs Praesidenten-Sichtungen im Aufenthaltsraum von Quinta de Olivos. Vor dem Finale ist die Signal-Logik klar: Wer eine Serie hat, unterbricht sie nicht.

In Argentinien nennt man diese Sport-Routinen Cabalas. Der Begriff stammt aus dem Judentum, hat sich aber im Rio-de-la-Plata-Fussball zu einem eigenstaendigen Alltags-Wortschatz entwickelt. Cabalas koennen Kleidungsstuecke, Sitzplaetze, Essens-Reihenfolgen oder Wege ins Stadion sein. Fuer Milei ist es die Kombination aus Standort und Jacke geworden. Dass ausgerechnet der oeffentlichkeitswirksamste Praesident Argentiniens seit Juan Peron sich fuer das wichtigste Fussball-Wochenende seiner Amtszeit auf ein Ritual der Fans zurueckzieht, hat der argentinischen Presse einen Rekord an Kommentaren beschert.

Die Jacken-Anekdote aus dem Viertelfinale

Wie ernst Milei die Cabalas nimmt, hat er selbst mit einer Anekdote aus dem Viertelfinale in Kansas City erzaehlt. Er habe die Jacke, die er bei jedem Argentinien-Spiel traegt, einmal kurz ausgezogen - in genau dieser Phase habe die Schweiz durch Dan Ndoye in der 67. Minute den Ausgleich zum 1:1 erzielt. “Ich zog sie aus und wir kassierten ein Tor”, sagte der Praesident. “Ich zog sie wieder an und habe sie seitdem nicht mehr ausgezogen.” Argentinien setzte sich am Ende in der Verlaengerung mit 3:1 durch, das entscheidende Traumtor gelang Julian Alvarez in der 112. Minute per Schlenzer aus 16 Metern, Lautaro Martinez setzte den 3:1-Deckel in der 120. Nachspielminute.

Fuer Milei war das der empirische Beweis: Die Jacke wirkt. Solange er sie an hat, kann Argentinien nicht verlieren. Die Konsequenz aus diesem Beweis heisst, dass er sie im MetLife Stadium nicht ausziehen darf - und dass er das Risiko, in der VIP-Loge protokollarisch Anzug tragen zu muessen und die Jacke gar nicht erst mitfuehren zu koennen, gar nicht erst eingeht. Die Loesung ist die Fern-Bleib-Loesung.

Trump reist an - Karoline Leavitt bestaetigt aus dem Weissen Haus

Auf der anderen Seite der Nord-Sued-Achse steht die Trump-Delegation. Die White-House-Sprecherin Karoline Leavitt bestaetigte am Donnerstag, dass der US-Praesident das Finale persoenlich besuchen wird. Fuer Trump ist es der zweite Auftritt bei einem WM-2026-Spiel - das erste WM-Match hatte er nach Angaben aus dem White House gemieden und stattdessen Aussenminister Marco Rubio die USA-Paraguay-Partie leiten lassen. Zum Endspiel im heimischen New Jersey aber will Trump sichtbar sein.

Die Symbolik ist offensichtlich: Argentinien-vs-Spanien-Finale, in einem MetLife Stadium, das dreissig Meilen westlich von Manhattan liegt, mit einem US-Praesidenten in der Loge, waehrend der neu gewaehlte spanische Regierungschef nach Angaben aus Madrid ebenfalls nach East Rutherford reisen wird. Die Trump-Milei-Freundschaft der Weissen-Haus-Bilder aus dem Oktober 2025 bleibt fuer das Foto von Sonntag Nacht MEZ ohne argentinischen Praesidenten-Anteil. AFA-Praesident Claudio Tapia wird die argentinische Delegation vor Ort anfuehren.

Was das Fernbleiben bedeutet - und was nicht

Milei-Fernbleiben ist nach der Lesart seiner Berater keine politische Botschaft an Trump. Beide Praesidenten stehen ideologisch enger beieinander als je zwei Regierungschefs der letzten dreissig Jahre in Buenos Aires und Washington. Milei hat Trump am 14. Oktober 2025 im Weissen Haus besucht und dort eine milliardenschwere Handels-Kredit-Zusage entgegengenommen. Er hat sich in mehreren Interviews seit Trumps zweiter Amtseinfuehrung als “engster ideologischer Verbuendeter” bezeichnet. Und er hat schon vor der WM 2026 signalisiert, dass eine argentinische Wiedervereidigung als Weltmeister in New York nicht ohne Trump-Optik denkbar sei.

Wenn er trotzdem zu Hause bleibt, dann liegt die Erklaerung nach argentinischer Lesart nicht in Trump, sondern in Diego Maradona. Der 1986er-Weltmeister-Kapitaen hatte 1990 im Rom-Finale gegen Deutschland verloren, nachdem er von der Tribuene aus vor dem Anpfiff geweint hatte. Es gibt in Argentinien einen kulturell tief verwurzelten Reflex, in Finals nicht zu triumphieren, wenn man das eigene Ritual bricht. Milei, der sich selbst als Fussball-Anhaenger des CA Chacarita Juniors und in juengster Zeit als Boca-Sympathisant bezeichnet, kennt diesen Reflex.

So laeuft der Finale-Sonntag

Angepfiffen wird das Endspiel zwischen Argentinien und Spanien am Sonntag, 19. Juli 2026, um 21:00 Uhr MESZ im MetLife Stadium in East Rutherford, New Jersey. Ortszeit ist 15:00 Uhr Eastern Daylight Time. Die Anstoss-Uhrzeit wurde von der FIFA bewusst auf den Nachmittag der US-Ostkueste gelegt, um in Europa und in Sued-Afrika Prime-Time-Reichweite zu erreichen. In Deutschland uebertraegt das ZDF live, MagentaTV zeigt die Partie im Pay-Bereich, die Sportschau produziert eine Audio-Reportage im Ersten Radio. Referee ist der Slowene Slavko Vincic, Bastian Dankert aus Rostock sitzt fuer die FIFA als einziger deutscher Video-Assistent im IBC-Dallas an den Monitoren.

Vor dem Anpfiff steht die von rund 25 Minuten Dauer geplante Halbzeit-Pause auf dem Programm-Zettel, mit einer Show unter anderem von Shakira, BTS und Coldplay. Zwei Tage nach den Human-Rights-Watch-NGO-Vorwuerfen aus New York und zwei Tage vor dem sportlichen Hoehepunkt der WM 2026 versammelt sich die Fussball-Welt am Sonntag in einer Multipurpose-Arena vor den Toren New Yorks, in der der amtierende US-Praesident sitzen wird, der amtierende argentinische aber nicht.

In Buenos Aires, elftausend Kilometer suedwestlich, wird Milei sich in seiner Amtssitz-Nische einrichten. Er wird die Jacke tragen, die er seit dem Viertelfinale nicht mehr abgelegt hat. Und er wird, so hat er es angekuendigt, sie erst wieder ausziehen, wenn Argentinien den Pokal zum vierten Mal in der Geschichte gehoben hat.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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