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WM 2026

Von Bellingham bis Erkenschwick: 10 BVB-Spuren und 25 Bundesliga-Klubs im WM-Viertelfinale 2026

Trotz DFB-R32-Aus: 10 aktuelle oder ehemalige Dortmunder verteilen sich auf sieben von acht Viertelfinal-Teams der WM 2026. Nur Argentinien hat keine BVB-Spur.

Von Lukas Brandt 09. Juli 2026

Jude Bellingham am 10. Juli 2024 im BVB Stadion in Dortmund waehrend des EURO-2024-Halbfinales Niederlande gegen England - in genau der Arena, in der er von 2020 bis 2023 fuer Borussia Dortmund spielte. Zwei Jahre spaeter steht Bellingham als einer von zehn aktuellen oder ehemaligen Schwarzgelben im WM-2026-Viertelfinale in Miami. Foto: WENN. Foto: WENN via SmartFrame

Kansas City hat am 30. Juni 2026 den DFB-Traum von der WM 2026 beendet - 3:4 im Elfmeterschiessen gegen Paraguay, R32-Aus. Auf dem Papier ist das deutsche Turnier damit vorbei. In den Viertelfinal-Kadern der letzten Acht steckt aber weiter jede Menge Deutschland: Nach einer kicker-Recherche vom 9. Juli 2026 verteilen sich zehn aktuelle oder ehemalige Spieler von Borussia Dortmund auf sieben der acht Viertelfinal-Teams. Nur Argentinien geht ohne BVB-Bezug in die Runde der letzten Acht.

Sieben der acht Viertelfinalisten haben BVB-Vergangenheit

Der Schwarzgelbe Faden zieht sich durch fast das gesamte Viertelfinale. Die prominenten Namen im Ueberblick:

TeamSpielerBVB-ZeitraumAktueller Klub
SchweizGregor Kobelseit 2021Borussia Dortmund
NorwegenJulian Ryersonseit 2023Borussia Dortmund
NorwegenErling Haaland2020-2022Manchester City
EnglandJude Bellingham2020-2023Real Madrid
MarokkoAchraf Hakimi2018-2020Paris Saint-Germain
FrankreichOusmane Dembele2016-2017Paris Saint-Germain
BelgienThomas Meunier2020-2024OSC Lille

Kobel und Ryerson stehen als Stammtorwart beziehungsweise Aussenverteidiger vor dem entscheidenden Turniereinsatz - Kobel am Samstagabend in Kansas City im Duell mit Lionel Messi und Argentinien, Ryerson am Samstagabend in Miami gegen Bellinghams England-Elf. Beide Duelle sind gleichzeitig Aufeinandertreffen aktueller und ehemaliger BVB-Kollegen: Kobel gegen den ex-BVB-nahen argentinischen Bundesliga-Anker Palacios (Bayer), Ryerson gegen Bellingham.

Die Ex-BVB-Legion: Bellingham, Hakimi, Haaland, Dembele, Meunier

Jude Bellingham ist der zweifelsohne prominenteste Rueckkehrer der Schwarzgelben Ausbildungslinie. Der Englaender kam im Juli 2020 als 17-Jaehriger vom FC Birmingham City zum BVB, absolvierte 132 Pflichtspiele, gewann den DFB-Pokal 2020/21 und wurde 2022/23 zum Bundesliga-Spieler der Saison. Am 14. Juni 2023 machte Real Madrid seinen Wechsel fuer eine Basisabloese von 103 Millionen Euro fix - mit Bonuszahlungen kann die Gesamtsumme auf rund 134 Millionen anschwellen. Am Samstag steht Bellingham in Miami vor dem Wiedersehen mit Julian Ryerson und dem norwegischen BVB-Kollegen Haaland.

Achraf Hakimi verbrachte zwei Jahre in der Bundesliga (2018 bis 2020), von Real Madrid geliehen. Der Marokkaner wurde in Dortmund zum Aussenverteidiger von Weltklasse und ist seit dem Sommer 2021 bei Paris Saint-Germain, wo er inzwischen an der Seite des BVB-Vorgaengers Dembele arbeitet. Am Donnerstagabend fuehrt Hakimi als Kapitaen die Atlaslowen im ersten Viertelfinale gegen Frankreich an - Anpfiff 22:00 Uhr MESZ im Gillette Stadium in Foxborough bei Boston.

Erling Haaland war 2020 bis 2022 fuer 20 Millionen Euro von RB Salzburg gekommen, verliess Dortmund im Sommer 2022 nach 62 Toren in 67 Pflichtspielen fuer 60 Millionen Euro Richtung Manchester City. In der WM 2026 fuehrt er die norwegische Aufholjagd an; nach seinem Doppelpack beim 2:1 gegen Brasilien im Achtelfinale steht der 25-Jaehrige mit sieben Turniertoren gleichauf mit Kylian Mbappe und einen Treffer hinter Lionel Messi in der Torjaegerliste.

Ousmane Dembele war 2016 aus Rennes zum BVB gewechselt und trat schon ein Jahr spaeter fuer 105 Millionen Euro nach Barcelona ab. Der 28-Jaehrige ist heute PSG-Angreifer und Frankreichs Rechtsaussen. Thomas Meunier, seit 2020 vier Saisons in Dortmund unter Vertrag, ist ueber Trabzonspor bei OSC Lille gelandet - und ist mit 33 Jahren einer der aeltesten Belgier im Kader von Rudi Garcia. Alle vier tragen die deutsche Ausbildungslinie durch die K.-o.-Runde.

Bayern, Leverkusen, Frankfurt: aktuelle Bundesliga-Stars in fuenf QF-Kadern

Die aktuelle Bundesliga stellt gleich mehrere Turnierprotagonisten. Der FC Bayern Muenchen ist mit Harry Kane (England, aktueller Kapitaen, sechs WM-Tore), Michael Olise (Frankreich, Rechtsaussen) und Dayot Upamecano (Frankreich, Innenverteidigung) vertreten. Olise war im Sommer 2024 fuer 53 Millionen Euro Ablose plus 10 Millionen Handgeld aus Crystal Palace nach Muenchen gewechselt und musste am Mittwoch die Entscheidung gegen die FIFA-Antrag-Abweisung verarbeiten - mit einem gelben Karton faehrt er in Boston an der Schwelle zur Halbfinal-Sperre.

Bayer 04 Leverkusen bringt zwei Namen mit: Jarell Quansah (England, im Achtelfinale gegen Mexiko rot-gelb ausgeschlossen, in Miami gesperrt) und Exequiel Palacios (Argentinien, defensives Mittelfeld). Eintracht Frankfurt stellt Arthur Theate (Belgien, Innenverteidigung) und den fuer die grosse Erkenschwick-Story verantwortlichen Marokkaner Amaimouni-Echghouyab. Weitere Bundesliga-Vertreter im Achtel-Kader der Schweiz: Nico Elvedi (Borussia Moenchengladbach), Silvan Widmer (Mainz 05), Luca Jaquez (VfB Stuttgart), Miro Muheim (Hamburger SV), Fabian Rieder (FC Augsburg) und Johan Manzambi (SC Freiburg). Bei Norwegen komplettiert Antonio Nusa (RB Leipzig) das Bild, bei Spanien Alejandro Grimaldo (Bayer 04 Leverkusen).

Nach kicker-Zaehlung sind es insgesamt 25 deutsche Klubs, die einen aktuellen WM-Viertelfinalisten stellen oder im Lebenslauf mindestens eines Akteurs auftauchen.

Amaimouni-Echghouyab, Eving-Lindenhorst und Erkenschwick: wenn die Oberliga bei der WM landet

Die kurioseste Erkenntnis der kicker-Recherche: Zwei Amateurklubs stehen ueber einen einzigen Spieler noch im Viertelfinale des WM 2026. Der 21-jaehrige Marokkaner Ayoube Amaimouni-Echghouyab wurde am 30. November 2004 im katalanischen Vic geboren, kam als Zehnjaehriger nach Nordrhein-Westfalen und durchlief die Jugend beim TuS Eving-Lindenhorst (2014 bis 2016) im Dortmunder Norden, danach bei Rot-Weiss Essen und Arminia Bielefeld. Nach der nicht verlaengerten Bielefeld-Zeit wechselte er 2023 in die Oberliga Westfalen zur SpVgg Erkenschwick und erzielte in 30 Spielen 18 Tore - Zahlen, die Hoffenheim aufhorchen liessen. Ueber Hoffenheim II (46 Spiele, 16 Tore, Regionalliga-Suedwest-Meister 2025) fuehrte der Weg im Januar 2026 zu Eintracht Frankfurt und im Fruehjahr in Marokkos Nationalmannschaft. Am 20. Juni 2026 stand Amaimouni-Echghouyab in seinem vierten Laenderspiel; in der WM 2026 hat er bisher Kurzeinsaetze in der Vorrunde und im Achtelfinale absolviert.

Die SpVgg Erkenschwick, seit 2023 sein deutscher Karrieresprungbrett-Klub, hat ihm bereits einen Rueckblick-Beitrag in der Stimberg-Zeitung gewidmet - “Von der SpVgg Erkenschwick zur WM”. Der TuS Eving-Lindenhorst wiederum ist ein klassischer Ruhrgebiets-Amateurklub, ehemals Ausbildungsstation fuer Talente aus Dortmund. Dass beide Vereine 2026 bei einer WM in den USA, Kanada und Mexiko in der Runde der letzten Acht auf der Landkarte stehen, ist eine der ungewoehnlichsten Bundesliga-Fussnoten dieses Turniers.

Argentinien, die einzige BVB-Ausnahme

Die Blaustiche fehlen an einem Ort: Argentinien ist als einzige der acht Viertelfinal-Teams ohne aktuellen oder ehemaligen Dortmunder unterwegs. Lionel Scalonis 26er-Kader ist stark Ligue-1-, La-Liga-, Premier-League- und MLS-lastig, nach dem Weggang von Julian Weigl im Jahr 2020 hat sich die argentinisch-schwarzgelbe Achse nicht wieder gefunden. Die Argentinier verfuegen dennoch ueber einen Bundesliga-Anker: Exequiel Palacios von Bayer 04 Leverkusen, im 3:2 gegen Aegypten mit einer 90-Minuten-Kader-Rolle.

Argentiniens Viertelfinale gegen die Schweiz am Sonntagmorgen um 03:00 Uhr MESZ in Kansas City ist damit das einzige WM-2026-Viertelfinale ohne Ex-Dortmunder auf einer Seite. Auf der anderen steht mit Gregor Kobel ein Torwart, der 2021 aus Stuttgart nach Dortmund kam und in seiner Karriere zwei DFB-Pokal-Endspiele gespielt hat. Der 28-Jaehrige duerfte am wenigsten damit rechnen, dass ein Elfmeterschiessen wie vor zwei Wochen im ZWA-Duell Deutschland gegen Paraguay droht - und doch war Kobel Ende Juni beim Schweizer 4:3-Elfmeterkrimi gegen Kolumbien der Held im Achtelfinale.

Der DFB ist raus. Die Bundesliga ist es lange nicht.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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