WM-Bälle von 1930 bis 2022

„Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten.“ Die legendäre Beschreibung des Spielgeräts von Sepp Herberger, deutscher Weltmeister-Trainer 1954, traf nicht immer auf die Bälle zu, mit denen die Spiele der WM-Endrunden bestritten wurden. Insbesondere in den Anfangstagen der Turniere waren die Bälle vieles, aber sicher nicht rund. Wir geben einen Überblick über alle WM-Bälle sowie deren optischen und technischen Weiterentwicklungen.

Der WM Ball von 1930 im Vergleich zum WM Ball von 2018
Der WM Ball von 1930 im Vergleich zum WM Ball von 2018

WM-Bälle 1930 – T-Model & Tiento

WM Ball T Model von 1930
WM Ball „T Model“ von 1930
WM Ball Tiento von 1930
WM Ball „Tiento“ von 1930

Bei der ersten Weltmeisterschaft 1930 in Uruguay kamen mit dem T-Model und dem Tiento gleich zwei unterschiedliche Modelle zum Einsatz. Die Bälle hatten kein Ventil, über das Luft nachgepumpt werden konnte, sodass der Druck bei den verschiedenen Spielgeräten unterschiedlich war. Auch von einer genormten Einheitsgröße war man bei den beiden ‚Debüt-Bällen‘ noch weit entfernt.

WM-Ball 1934 – Federale 102

WM Ball Federale 102 der WM 1934
WM Ball „Federale 102“ der WM 1934

Bei der Weltmeisterschaft 1934 in Italien wurde mit dem Modell Federale 102 gespielt. Es handelte sich dabei nicht um einen Leder-, sondern um einen deutlich weicheren Baumwollball.

WM-Ball 1938 – Allen

WM Ball Allen der WM 1938
WM Ball „Allen“ der WM 1938

Der Spielball der WM 1938 in Frankreich trug den Namen Allen. Er wurde nicht maschinell gefertigt, sondern von Hand genäht und verformte sich bei nicht fachkundigem Aufpumpen leicht.

WM-Ball 1950 – Superball Duplo T

WM Ball "Superball Duplo T" - WM 1950
WM Ball „Superball Duplo T“ – WM 1950

Ein Spielgerät mit dem imposanten Namen Superball Duplo T wurde bei der vierten WM 1950, ausgetragen in Brasilien, eingesetzt. Zum ersten Mal in der Geschichte der WM-Bälle war es bei diesem Modell aus Rinderleder möglich, Luft über ein Ventil ein- bzw. abzulassen.

WM-Ball 1954 – Swiss World Champion

WM Ball "Swiss World Champion" der WM 1954
WM Ball „Swiss World Champion“ der WM 1954

Der Swiss World Champion, Spielball der WM 1954 in der Schweiz, hatte eine hellere Farbe als seine dunkelbraunen Vorgänger. Man näherte sich also langsam aber sicher an die weiße Farbe der späteren WM-Bälle an.

WM 1958 – Top Star

WM Ball "Top Star" der WM 1958
WM Ball „Top Star“ der WM 1958

Die WM-Endrunde 1958 in Schweden wurde mit dem Modell Top Star ausgespielt. Die hellere Farbe des Vorgängers von 1954 wurde bei diesem Rindsleder-Ball beibehalten.

WM 1962 – Mr. Crack (& Top Star)

WM Ball "Mr. Crack" von 1962
WM Ball „Mr. Crack“ von 1962

Eigentlich sollten alle Spiele der WM 1962 in Chile mit dem aus achteckigen Panels gefertigten Mr. Crack ausgetragen werden. Das Modell war allerdings fehlerhaft und verlor zu häufig Luft und Gewicht. So kam auch in Chile wieder der Top Star von der WM 1958 zum Einsatz.

WM-Ball 1966 – Slazenger Challenge 4 Star

WM Ball "Slazenger Challenge 4 Star" der WM 1966
WM Ball „Slazenger Challenge 4 Star“ der WM 1966

Mit dem Slazenger Challenge 4 Star war beim Turnier 1966 in England erstmals ein WM-Ball in verschiedenen Farben verfügbar – unter anderem in auffälligem Rot-Braun.

WM-Ball 1970 – adidas Telstar Durlast

WM Ball "Adidas Telstar Durlast" der WM 1970
WM Ball „Adidas Telstar Durlast“ der WM 1970

1970 griff erstmals adidas in die WM-Ball-Produktion ein – und bis heute hat der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach auch jeden weiteren WM-Ball gefertigt. Der Telstar Durlast wurde aus Fünf- und Sechsecken in schwarz und weiß produziert – so konnte er auf Schwarz-Weiß-TV-Geräten besser gesehen werden.

WM-Ball 1974 – adidas Telstar Durlast

WM Ball "Adidas Telstar Durlast" von 1974
WM Ball „Adidas Telstar Durlast“ von 1974

Auch bei der Weltmeisterschaft im Jahre 1974 in Deutschland wurde wieder mit dem – nur minimal weiterentwickelten – Telstar Durlast gespielt.

WM-Ball 1978 – adidas Tango Riverplate

WM Ball "Adidas Tango Riverplate" - WM 1978
WM Ball „Adidas Tango Riverplate“ – WM 1978

Für die Endrunde 1978 in Argentinien produzierte adidas den Tango Riverplate und überraschte mit einer optischen Innovation: So wurden die insgesamt 20 Sechsecke und zwölf Fünfecke mit Triaden bedruckt.

WM-Ball 1982 – adidas Tango Espana

WM Ball "Adidas Tango Espana" von 1982
WM Ball „Adidas Tango Espana“ von 1982

adidas Tango Espana hieß der Ball der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien. Neuerungen waren verschweißte (nicht wie zuvor vernähte) Nähte sowie eine wasserabweisende synthetische Schicht, die die Entwicklung weg von Leder- und hin zu Synthetik-Bällen einläutete.

WM-Ball 1986 – adidas Azteca Mexiko

WM Ball "Adidas Azteca Mexiko" der WM 1986
WM Ball „Adidas Azteca Mexiko“ der WM 1986

Der adidas Azteca Mexiko wurde nicht mehr aus Leder hergestellt, sondern wurde aus vollsynthetischem Material produziert. Die Vorteile: Weniger Durchlässigkeit für Feuchtigkeit und somit eine höhere Stabilität und Spielbarkeit. Die altbekannten Triaden-Aufdrucke wurden optisch in Anlehnung an eine Azteken-Mauer gestaltet.

WM-Ball 1990 – adidas Etrusco Unico

WM Ball "Adidas Etrusco Unico" - WM 1990
WM Ball „Adidas Etrusco Unico“ – WM 1990

Die Entwicklung hin zu vollsynthetischen WM-Bällen wurde 1990 in Italien mit dem adidas Etrusco Unico und einer Schicht aus Polyurethan-Schaum im Inneren des Balles weiter optimiert. Somit handelte es sich bei diesem Modell um den ersten hundertprozentig wasserabstoßenden Ball. Die Triaden auf den 20 Sechsecken waren mit etruskischen Löwenköpfen verziert.

WM-Ball 1994 – adidas Questra

WM Ball "Adidas Questra" von 1994
WM Ball „Adidas Questra“ von 1994

Charakteristisch für den adidas Questra, Spielgerät der WM 1994 in den USA, war die Doppelschicht aus Polyethylen und kompressionsfähigem Material darunter. Auf den Triaden waren weltraumähnliche Abbildungen abgedruckt – eine Hommage an die Raumfahrt-Geschichte der USA.

WM-Ball 1998 – adidas Tricolore

WM Ball "Adidas Tricolore" von 1998
WM Ball „Adidas Tricolore“ der WM 1998

Der adidas Tricolore wartete mit einer innovativen, syntaktischen Schaum-Schicht inklusive mit Gas gefüllten Mikrobällen auf. Eine optimierte Robustheit und höhere Schusspräzision waren die positiven Folgen dieser Weiterentwicklung. Optisch wurde der Ball in den Nationalfarben Frankreichs (blau, weiß und rot) gestaltet.

WM-Ball 2002 – adidas Fevernova

WM Ball "Adidas Fevernova" der WM 2002
WM Ball „Adidas Fevernova“ der WM 2002

Dreilagiges Polymer-Gewebe innerhalb der syntaktischen Schaumschicht und Abkehr vom klassischen Triaden-Design hin zu einer bunteren, den asiatischen Gastgeber-Ländern gewidmeten Optik – adidas setzte seinen Innovationsdrang bei der Produktion des Fevernova für die Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea konsequent fort. Letztmals kam bei diesem Modell das altbekannte Wabenmuster zum Einsatz.

WM-Ball 2006 – adidas +Teamgeist

WM Ball "Adidas +Teamgeist" von 2006
WM Ball „Adidas +Teamgeist“ von 2006

Die Reduzierung von vorher 32 auf nun 14 Panels verliehen dem Ball der WM 2006 in Deutschland, adidas +Teamgeist, eine noch rundere Form. Dank einer besonders glatten Oberflächenschicht war dieses Modell noch eine Spur wasserabweisender, als Modelle der vorherigen Turniere.

WM-Ball 2010 – adidas Jabulani

WM Ball "Adidas Jabulani" der WM 2010
WM Ball „Adidas Jabulani“ der WM 2010

Eine weitere Reduzierung der Panels der äußeren Hülle von 14 auf 8 sorgte dafür, dass der adidas Jabulani noch runder war als seine Vorgänger. Diese Tatsache in Kombination mit der Rillenstruktur auf der Balloberfläche führte zu einer höheren Griffigkeit und optimierten Flugeigenschaften. Der Name des Spielgeräts stellt eine Hommage an das WM-Gastgeberland Südafrika dar: In der Zulu-Sprache heißt Jabulani soviel wie „sich freuen“.

WM-Ball 2014 – adidas Brazuca

WM Ball "Adidas Brazuca" der WM 2014
WM Ball „Adidas Brazuca“ der WM 2014

Sowohl der Name des WM-Balls von 2014, Brazuca, als auch seine bunte Farbgebung symbolisierte die Lebensfreude der Bewohner des Gastgeberlandes Brasilien. Das Material des Balles war temperaturregulierend – so wurde trotz der hohen Außentemperaturen die Spielbarkeit des Materials nicht negativ beeinflusst.

WM-Ball 2018 – adidas Telstar Mechta 18

WM Ball "Adidas Telstar Mechta 18" - WM 2018
WM Ball „Adidas Telstar Mechta 18“ – WM 2018

Mit dem adidas Telstar Mechta 18 wurde das klassische Panel-Design des ersten Telstar Balles von 1970 wiederbelebt – natürlich mit modernerer Optik. Größte Innovation des WM-Balls von 2018 war allerdings der integrierte NFC-Chip, dank dem Fans mit ihrem Smartphone personalisierten Content abrufen und teilen konnten.

WM-Ball 2022

Bekannt ist bislang nur, dass auch der Ball für die WM 2022 in Katar wieder von adidas hergestellt wird. Zu Name, Optik und technischen Innovationen hat der Hersteller allerdings bislang noch keine Angaben gemacht.